Altersvorsorgedepot Kosten: Worauf du achten musst

Kosten sind über 30 Jahre Anlagedauer der mit Abstand größte Renditefaktor nach der Marktrendite selbst. Ein scheinbar harmloser Unterschied von 0,5 Prozentpunkten in den jährlichen Gebühren kann am Ende 20 bis 30 Prozent des Endkapitals kosten — das sind bei einem typischen Sparer fünfstellige Beträge.

Die gute Nachricht: Das Altersvorsorgereformgesetz setzt mit dem Kostendeckel für Standardprodukte einen Rahmen, und der Wettbewerb der Neobroker wird die Preise für das freie Altersvorsorgedepot voraussichtlich deutlich unter die 1-%-Marke drücken. Aber: Nicht alle Anbieter sind gleich, und die Unterschiede zwischen Versicherungsmantel und echtem Depot sind gewaltig.

Die drei Produkttypen und ihre Kostenregeln

Das Gesetz sieht drei Varianten des Altersvorsorgedepots vor — jede mit eigenen Kostenregeln:

Kostenregeln der drei Produkttypen im Altersvorsorgedepot
ProdukttypKostendeckelWas ist drin?Für wen?
Freies AltersvorsorgedepotKein gesetzlicher DeckelFreie ETF-/Fondsauswahl, bis 100 % AktienErfahrene Anleger mit eigenem ETF-Wissen
StandarddepotMax. 1 % Effektivkosten p. a.Zwei-Fonds-Gleitpfad (Aktien + Anleihen), automatischEinsteiger, die sich nicht kümmern wollen
GarantieproduktKein Deckel (de facto teurer)80 % oder 100 % BeitragsgarantieSicherheitsorientierte Sparer mit kurzem Horizont

Jeder Anbieter muss mindestens ein Standardprodukt mit max. 1 % Effektivkosten anbieten.

Der 1-%-Effektivkostendeckel im Detail

Der Deckel für Standardprodukte umfasst alle Kosten zusammen: Depotgebühren, Transaktionskosten, Fondskosten (TER), Vertriebskosten. Alles, was dem Anleger in Rechnung gestellt wird, muss in die Effektivkosten einfließen. Das ist ein Fortschritt gegenüber der alten Riester-Welt, wo Kosten oft über verschiedene Ebenen verschleiert wurden.

Ursprünglich war im Gesetzentwurf ein Deckel von 1,5 % geplant — der Bundestagsausschuss hat ihn auf 1,0 % gesenkt. Das zeigt: Der politische Wille geht in Richtung günstiger Produkte.

Warum das freie Altersvorsorgedepot trotzdem billiger sein wird

Im freien Altersvorsorgedepot gibt es keinen gesetzlichen Kostendeckel. Klingt erstmal schlechter — ist aber in der Praxis besser, weil der Wettbewerb die Preise drückt. Die Neobroker haben bei den klassischen ETF-Depots gezeigt, wie das funktioniert: Depotgebühren von 0 €, ETF-Sparplanausführung kostenlos, Ordergebühren unter 1 €.

Für das neue Depot erwarten wir ähnliche Konditionen:

KostenpositionNeobroker (Prognose)Versicherung (Prognose)
Depotgebühren0–0,1 % p. a.0,3–0,8 % p. a.
Sparplanausführung0 €In Fondsgebühren enthalten
Fondskosten (TER)0,15–0,25 % (bei Welt-ETF)0,5–1,5 % (aktive Fonds typisch)
Effektive Gesamtkosten0,15–0,35 % p. a.0,8–2,0 % p. a.

Die Langzeitwirkung — wie Kosten deine Rente fressen

Der Zinseszinseffekt arbeitet in beide Richtungen: Er lässt dein Vermögen exponentiell wachsen — und er lässt auch die Kostenbelastung exponentiell wachsen. Ein Unterschied, der im ersten Jahr kaum auffällt, wird über 30 Jahre zum Renditekiller.

Rechenbeispiel: 150 €/Monat, 30 Jahre, 6 % Bruttorendite

Kosten p. a.Netto-RenditeEndvermögenVerlust durch Kosten
0,2 %5,8 %~148.000 €Referenz
0,5 %5,5 %~137.000 €−11.000 € (−7 %)
1,0 %5,0 %~120.000 €−28.000 € (−19 %)
1,5 %4,5 %~105.000 €−43.000 € (−29 %)
2,0 %4,0 %~92.000 €−56.000 € (−38 %)

→ Sehen, wie sich diese Kosten auf deine spätere Rente auswirken: Wie Kosten deine Rente senken

Welche Kosten fallen im Altersvorsorgedepot konkret an?

1. Depotgebühren (Verwahrung)

Manche Anbieter berechnen eine jährliche Gebühr für die Depot-Verwahrung — typisch bei Filialbanken und Versicherungen. Neobroker verzichten in der Regel darauf oder berechnen einen symbolischen Betrag.

Erwartung für 2027: 0 € bei den führenden Neobrokern, 0,2–0,5 % bei Filialbanken.

2. Transaktionskosten (Sparplanausführung)

Jede Sparplanausführung verursacht eine Ordergebühr. Bei Neobrokern ist die Sparplanausführung für die meisten ETFs kostenlos. Bei Filialbanken kann jede Ausführung 1,50–2,50 € kosten — bei 12 Ausführungen pro Jahr summiert sich das.

3. Fondskosten (TER)

Die Total Expense Ratio (TER) wird vom Fondsanbieter erhoben und direkt aus dem Fondsvermögen abgezogen — du siehst sie nicht als separate Rechnung, aber sie mindert die Rendite.

ETF-TypTypische TER
MSCI World / FTSE All-World0,12–0,22 %
MSCI ACWI0,17–0,20 %
MSCI EM0,18–0,25 %
Aktive globale Fonds1,0–2,0 %
Mischfonds1,0–1,8 %

Konkrete ETF-Empfehlungen mit ISIN, Volumen und Tracking-Difference findest du auf ETF-Auswahl im Altersvorsorgedepot — inklusive Goldesel-Pick für die Ein-ETF-Strategie. Wie sich die Kostenersparnis gegen die Förderwirkung rechnet, zeigen wir auf Förderung.

4. Versteckte Kosten bei Garantieprodukten

Garantieprodukte (80 % oder 100 % Beitragsgarantie) haben zusätzliche Kosten für die Absicherung. Der Anbieter muss Kapital in risikoarme Anlagen umschichten, um die Garantie zu finanzieren — das senkt die Rendite. Außerdem fallen typischerweise höhere Verwaltungskosten an. In der Riester-Welt lagen die Effektivkosten von Garantieprodukten regelmäßig bei 1,5–3,0 % pro Jahr.

Schon jetzt ein ETF-Depot eröffnen

Bis das Altersvorsorgedepot im Januar 2027 startet, baust du mit einem klassischen ETF-Depot schon Vermögen auf. Ab dann splittest du die Sparrate einfach auf.

Kosten im Altersvorsorgedepot vs. Kosten im klassischen ETF-Depot

Ein fairer Vergleich muss auch die steuerlichen Kosten einbeziehen — denn im Altersvorsorgedepot entfällt die Vorabpauschale:

Alle Kosten im Vergleich (Beispiel: 100.000 € Depotbestand)
KostenpositionAltersvorsorgedepot (Neobroker)ETF-Depot (Neobroker)
Depotgebühren0 €0 €
Sparplanausführung0 €0 €
Fondskosten (Welt-ETF)~200 € (0,2 % TER)~200 € (0,2 % TER)
Vorabpauschale-Steuer (jährlich)0 €~330 € (nach Teilfreistellung, Basiszins 2,55 %)
Summe jährliche Kosten~200 €~530 €

Das Altersvorsorgedepot spart durch den Wegfall der Vorabpauschale rund 330 €/Jahr bei 100.000 € Depotbestand. Dieser Betrag wächst mit dem Depotbestand.

Unsere Prognose für die Anbieter-Landschaft 2027

Die 3 Goldesel-Regeln für Kosten im Altersvorsorgedepot

  1. Depot statt Versicherung. Wähle ein echtes Depot, keinen Versicherungsmantel. Die Kostenersparnis über 30 Jahre kann mehrere Zehntausend Euro betragen.

  2. Günstigster Welt-ETF. Im Altersvorsorgedepot brauchst du keinen aktiven Fonds und keinen Themen-ETF. Ein einziger Welt-ETF mit einer TER unter 0,25 % reicht für 90 % aller Anleger.

  3. Gesamtkosten vergleichen, nicht Einzelposten. Achte auf die Effektivkosten — die Summe aus Depotgebühren, Transaktionskosten und Fondskosten. Ein Anbieter mit 0 € Depotgebühr und teuren Fonds ist nicht günstiger als einer mit 0,1 % Depotgebühr und billigen ETFs.

Rechne den Kosteneffekt für dein Profil durch

Unser Rechner zeigt dir, wie sich unterschiedliche Kostenquoten auf dein Endvermögen auswirken — über die gesamte Ansparphase.

Häufige Fragen zu den Kosten

  • Nein. Der 1-%-Effektivkostendeckel gilt nur für das Standarddepot — das Produkt mit dem automatischen Zwei-Fonds-Gleitpfad. Für das freie Altersvorsorgedepot (eigene ETF-Auswahl) gibt es keinen gesetzlichen Deckel. In der Praxis werden die Kosten beim freien Depot aber deutlich unter 1 % liegen, weil der Wettbewerb der Neobroker die Preise drückt.
  • Alles, was dem Anleger direkt oder indirekt in Rechnung gestellt wird: Depotgebühren, Transaktionskosten (Sparplanausführung, Ordergebühren), Fondskosten (TER), Vertriebskosten und Verwaltungsgebühren. Nicht enthalten sind marktbedingte Kosten wie Spreads.
  • Am besten über die Effektivkosten pro Jahr (in Prozent des Depotbestand). Sobald die Anbieter ihre Konditionen veröffentlichen, werden wir auf unserer Vergleichsseite eine standardisierte Kostenrechnung pro Anbieter anbieten — mit identischen Annahmen für einen fairen Vergleich.
  • Über 30 Jahre: Ja, deutlich. 0,2 Prozentpunkte Kostenunterschied machen bei 150 € Sparrate und 30 Jahren rund 11.000 € Unterschied im Endvermögen — das ist ein Jahresgehalt. Der Anbieterwechsel beim Altersvorsorgedepot soll laut Gesetz einfach und kostengünstig möglich sein.
  • Bei ETFs gibt es keine Ausgabeaufschläge. Bei aktiv gemanagten Fonds können Ausgabeaufschläge von 3–5 % anfallen — ein weiterer Grund, warum ETFs die bessere Wahl sind. Der Ausgabeaufschlag wäre in den Effektivkosten enthalten.

Quellen

Stand: 27.05.2026 · Redaktion: Goldesel Redaktion