Die besten ETFs fürs Altersvorsorgedepot 2027
Im Altersvorsorgedepot darf nicht jedes beliebige Wertpapier landen — es gilt eine gesetzliche Positivliste. Klingt restriktiv, ist es aber für die meisten ETF-Sparer nicht: Alle gängigen Welt-ETFs, Schwellenländer-ETFs, Anleihen-ETFs und Mischfonds sind zugelassen. Was ausgeschlossen ist, sind Einzelaktien, Kryptowährungen, Zertifikate und Hebelprodukte — also genau die Instrumente, die in einem langfristigen Altersvorsorge-Depot ohnehin nichts verloren haben.
Auf dieser Seite zeigen wir dir, was konkret erlaubt ist, welche ETFs wir empfehlen und warum ein einziger Welt-ETF für 90 % aller Sparer die beste Wahl ist.
Die Positivliste — was darf rein, was nicht?
Die gesetzliche Positivliste umfasst Investmentfonds der Risikoklassen 1 bis 5 nach dem SRRI-Indikator (Synthetic Risk and Reward Indicator). Das deckt das gesamte Spektrum von geldmarktnahen Fonds (Risikoklasse 1) bis hin zu spekulativen Aktienfonds (Risikoklasse 5) ab.
Erlaubt:
- Aktien-ETFs (MSCI World, FTSE All-World, MSCI ACWI, S&P 500, EM, etc.)
- Anleihen-ETFs (Staats- und Unternehmensanleihen)
- Mischfonds und Multi-Asset-ETFs
- Geldmarkt-ETFs und Geldmarktfonds
- EU-Staatsanleihen direkt
- Aktiv gemanagte Investmentfonds
Nicht erlaubt:
- Einzelaktien
- Kryptowährungen und Krypto-ETPs
- Zertifikate und Optionsscheine
- Hebel-ETFs und Leveraged-Produkte
- Optionen und Futures
- Knock-out-Produkte
Unsere ETF-Empfehlungen fürs Altersvorsorgedepot
Die Ein-ETF-Strategie — Goldesel-Favorit
Für das Altersvorsorgedepot empfehlen wir eine Ein-ETF-Strategie: Ein einziger, breit gestreuter Welt-ETF mit niedrigen Kosten. Kein Rebalancing, kein Multi-ETF-Portfolio, keine Überoptimierung. Im neuen Depot hast du einen Anlagehorizont von 15 bis 40+ Jahren — da gewinnt Einfachheit fast immer gegen Komplexität.
| ETF | ISIN | TER | Volumen | Replikation | Ausschüttung |
|---|---|---|---|---|---|
| Goldesel-PickVanguard FTSE All-World | IE00BK5BQT80 | 0,22 % | ~14 Mrd. € | Physisch (Sampling) | Thesaurierend |
| iShares MSCI ACWI | IE00B6R52259 | 0,20 % | ~13 Mrd. € | Physisch (Sampling) | Thesaurierend |
| SPDR MSCI ACWI | IE00B44Z5B48 | 0,12 % | ~4 Mrd. € | Physisch (Sampling) | Thesaurierend |
| iShares Core MSCI World | IE00B4L5Y983 | 0,20 % | ~95 Mrd. € | Physisch (Sampling) | Thesaurierend |
| Xtrackers MSCI World | IE00BJ0KDQ92 | 0,19 % | ~14 Mrd. € | Physisch (Sampling) | Thesaurierend |
| Invesco FTSE All-World | IE000716YHJ7 | 0,15 % | ~2 Mrd. € | Physisch (Sampling) | Thesaurierend |
Stand Mai 2026. Alle genannten ETFs sind voraussichtlich im Altersvorsorgedepot zugelassen (Risikoklasse 4-5). Daten können sich ändern.
Welchen nehme ich jetzt?
Vier Auswahlkriterien, in dieser Reihenfolge:
1. Breite der Streuung: FTSE All-World und MSCI ACWI enthalten Industrie- und Schwellenländer (~90 % bzw. ~85 % des weltweiten Aktienmarkts). Der MSCI World enthält nur Industrieländer (~75 %). Für ein Altersvorsorge-Depot empfehlen wir die breitere Variante.
2. Kosten (Tracking Difference): Die TER ist ein Anhaltspunkt, aber die Tracking Difference (TD) ist aussagekräftiger. Der SPDR MSCI ACWI hat mit 0,12 % die niedrigste TER in der Kategorie. Der Vanguard FTSE All-World hat eine etwas höhere TER (0,22 %), gleicht das aber oft durch Wertpapierleihe-Einnahmen aus.
3. Fondsvolumen: Mindestens 500 Millionen Euro, idealerweise mehrere Milliarden. Große Fonds werden nicht geschlossen und haben engere Spreads. Der iShares Core MSCI World mit ~95 Milliarden Euro ist hier der unangefochtene Champion.
4. Anbieter-Verfügbarkeit: Nicht jeder ETF wird bei jedem Anbieter als kostenloser Sparplan verfügbar sein. Prüfe bei Depoteröffnung, welche ETFs dein Anbieter im Sparplan-Angebot hat.
Schon jetzt ein ETF-Depot eröffnen
Bis das Altersvorsorgedepot im Januar 2027 startet, kannst du dieselben Welt-ETFs schon im klassischen Depot besparen. Ab dann splittest du die Sparrate einfach auf — Altersvorsorgedepot für die Förderung, klassisches Depot für die Flexibilität.
Thesaurierend oder ausschüttend?
Im Altersvorsorgedepot ist die Antwort eindeutig: thesaurierend. Warum? Hier fällt keine Vorabpauschale und keine Kapitalertragsteuer an. Dividenden werden automatisch reinvestiert und wachsen steuerfrei weiter. Bei ausschüttenden ETFs müssten die Ausschüttungen manuell reinvestiert werden — zusätzlicher Aufwand ohne steuerlichen Vorteil.
Im normalen ETF-Depot gibt es Argumente für ausschüttende ETFs (Sparerfreibetrag ausnutzen). Im Altersvorsorgedepot nicht — hier ist thesaurierend immer besser.
ETF-Strategie für verschiedene Lebenslagen
Junger Anleger (25–35 Jahre): 100 % Aktien
Mit 30+ Jahren bis zur Rente hast du genug Zeit, um Kurseinbrüche auszusitzen. Historisch hat ein breit gestreuter Aktien-ETF über jeden 15-Jahres-Zeitraum seit 1970 eine positive Rendite erzielt. 100 % Aktienquote im Altersvorsorgedepot ist bei langem Horizont die renditestärkste Strategie.
Mittleres Alter (35–50 Jahre): Auch noch 100 % Aktien
Ja, auch mit 45 hast du noch 20 Jahre bis zur Rente — das ist mehr als genug für eine reine Aktien-Allokation. Der häufig empfohlene Gleitpfad (schrittweise Umschichtung in Anleihen) wird in der Finanzwissenschaft zunehmend kritisch gesehen: Er senkt die erwartete Rendite, ohne das Risiko im relevanten Zeitraum signifikant zu reduzieren.
Kurz vor Rente (55–65 Jahre): Differenzierter
Ab 10 Jahren bis zur Rente wird es tatsächlich sinnvoll, über Risikoreduzierung nachzudenken — nicht weil der Markt kurzfristig fallen könnte, sondern weil du weniger Zeit hast, einen Einbruch auszusitzen. Optionen:
- 90/10 bis 70/30 Aktien/Anleihen — schrittweise Beimischung eines Euro-Staatsanleihen-ETFs
- Geldmarkt-ETF als Alternative zu Anleihen — weniger Zinsänderungsrisiko
- Keine Aktien verkaufen, sondern nur neue Einzahlungen in Anleihen lenken
Auch hier gilt: Im Altersvorsorgedepot wird nicht am 65. Geburtstag alles auf einmal ausgezahlt. Die Auszahlphase erstreckt sich über Jahrzehnte — du bleibst also auch nach 65 teilweise investiert. Das reduziert den Druck, vorher in Anleihen umzuschichten.
→ Mehr zur Auszahlphase: Auszahlung und Steuern im Alter
Kosten im Blick — TER ist nicht alles
Die ETF-Kosten sind nur ein Baustein der Gesamtkosten. Welche Rolle Depotgebühren, Sparplan-Ausführung und der gesetzliche 1-%-Kostendeckel des Standardprodukts spielen, zeigen wir auf Kosten im Altersvorsorgedepot. Welcher Anbieter welchen ETF überhaupt im Sparplan hat, kommt auf die Anbieter-Vergleichsseite sobald die Konditionen veröffentlicht sind.
Die TER (Total Expense Ratio) ist der sichtbarste Kostenfaktor, aber nicht der einzige. Für eine ehrliche Kostenanalyse brauchst du die Tracking Difference (TD):
| ETF | TER | TD (5-Jahres-Durchschnitt) | Abweichung |
|---|---|---|---|
| iShares Core MSCI World | 0,20 % | ~0,06 % | TD besser als TER (Wertpapierleihe) |
| Vanguard FTSE All-World | 0,22 % | ~0,15 % | TD etwas besser als TER |
| SPDR MSCI ACWI | 0,12 % | ~0,15 % | TD leicht über TER |
| Xtrackers MSCI World | 0,19 % | ~0,07 % | TD deutlich besser als TER |
Stand: Mai 2026. Quelle: trackingdifferences.com (5-Jahres-Mittel). TD-Werte schwanken jährlich.
Die Tracking Difference ist der bessere Indikator für die tatsächlichen Kosten. Ein ETF mit 0,20 % TER und 0,06 % TD ist effektiv günstiger als einer mit 0,12 % TER und 0,15 % TD.
Was 0,1 % Unterschied über 30 Jahre bedeutet
Bei 150 € monatlicher Sparrate und 6 % Bruttorendite:
- 0,10 % Kosten: ~156.000 € Endvermögen
- 0,20 % Kosten: ~148.000 € Endvermögen
- Differenz: ~8.000 € — das ist nicht nichts, aber auch kein Grund, sich verrückt zu machen
Die Kostenoptimierung auf der ETF-Ebene hat Grenzen. Der größere Hebel liegt bei den Depotgebühren des Anbieters und bei der Frage, ob du überhaupt ins Altersvorsorgedepot einzahlst (Förderungseffekt >> Kosteneffekt).
→ Vollständige Kostenanalyse: Kosten und Kostendeckel im Altersvorsorgedepot
ACATIS Altersvorsorgedepot-ETF — was steckt dahinter?
ACATIS hat den ersten ETF mit „Altersvorsorgedepot" im Namen aufgelegt. Das klingt nach Spezialprodukt — ist es aber nicht. Es handelt sich um einen aktiv gemanagten Misch-ETF mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Qualitätsaktien.
Unsere Einordnung (Stand Mai 2026, konkrete Konditionen prüfst du am besten direkt beim Emittenten):
- TER: Deutlich über den passiven Welt-ETFs (aktives Management kostet typisch 0,8–1,5 %)
- Mehrwert: Unklar — die meisten aktiv gemanagten Fonds schlagen den Index langfristig nicht
- Marketing: Der Name ist Marketing, keine besondere gesetzliche Eignung
Häufige Fehler bei der ETF-Auswahl im Altersvorsorgedepot
Fehler 1: Zu viele ETFs. Ein Portfolio aus MSCI World + MSCI EM + Europa + Small Caps klingt sophistiziert, bringt aber gegenüber einem einzigen FTSE All-World kaum Mehrwert — dafür Rebalancing-Aufwand.
Fehler 2: Themen-ETFs im Altersvorsorge-Depot. Clean Energy, Blockchain, KI — Themen-ETFs haben ihren Platz, aber nicht hier. Sie sind weniger diversifiziert, oft teurer und unterliegen stärkeren Schwankungen. Das Altersvorsorgedepot ist der langweilige Kern, nicht das Spielfeld.
Fehler 3: Aktive Fonds wegen des Beraters. Manche Bankberater werden aktiv gemanagte Fonds fürs Altersvorsorgedepot empfehlen — weil sie daran Provisionen verdienen. Im Altersvorsorgedepot gilt das gleiche wie überall: Passive ETFs schlagen die meisten aktiven Fonds nach Kosten, besonders über lange Zeiträume.
Fehler 4: Ausschüttende ETFs. Hier gibt es keinen Sparerfreibetrag, den du mit Ausschüttungen ausnutzen könntest. Thesaurierend ist immer besser — die Dividenden werden automatisch reinvestiert und wachsen steuerfrei.
Noch unsicher? Rechne es durch
Unser Rechner zeigt dir, wie sich dein gewählter ETF über die Ansparphase entwickelt — inklusive Förderung, Kosten und Steuervergleich.
Häufige Fragen zur ETF-Auswahl im Altersvorsorgedepot
- Ja. S&P-500-ETFs fallen in Risikoklasse 4-5 und sind auf der Positivliste. Allerdings empfehlen wir einen breiteren Index (FTSE All-World oder MSCI ACWI), weil der S&P 500 nur US-Aktien enthält und du damit ein Klumpenrisiko in einem einzigen Land hast.
- Ja, du kannst mehrere ETFs im selben Depot halten. Ob das sinnvoll ist, hängt von deiner Strategie ab. Für die meisten Anleger reicht ein einziger Welt-ETF — mehr ETFs erhöhen den Verwaltungsaufwand ohne signifikanten Renditevorteil.
- Bei einer Fondsschließung werden die Anteile zum aktuellen Kurs verkauft und der Erlös gutgeschrieben. Im Altersvorsorgedepot wäre das kein steuerpflichtiger Vorgang (Steuerstundung gilt weiterhin). Du müsstest das Geld dann in einen anderen zugelassenen ETF reinvestieren. Risikominimierung: ETFs mit hohem Fondsvolumen (über 1 Milliarde Euro) wählen.
- Nicht automatisch. Das Altersvorsorgedepot hat eine eigene Positivliste basierend auf Risikoklassen. In der Praxis werden aber die meisten ETFs, die in Rürup-Produkten angeboten werden, auch hier zugelassen sein — die Schnittmenge ist groß.
- Ja. Euro-Staatsanleihen-ETFs und Unternehmensanleihen-ETFs sind zugelassen (Risikoklasse 1-3). Das kann sinnvoll sein für Sparer, die kurz vor der Rente stehen und ihr Risiko reduzieren wollen. Für jüngere Anleger mit 20+ Jahren Horizont empfehlen wir 100 % Aktien-ETFs.
Quellen
- Altersvorsorgereformgesetz (BT-Drs. 21/4996) — Positivliste und Risikoklassen
- Bundesministerium der Finanzen — FAQ zur Reform der privaten Altersvorsorge — Details zur Anlage-Zertifizierung
- Goldesel-Depotvergleich — ETF-Sparplan-Übersicht der Broker
Stand: 27.05.2026 · Redaktion: Goldesel Redaktion