China-Aktien: In Shanghai platzt die KI-Blase, in Hongkong zahlen die Konzerne
Aktien im Artikel
In Shanghai genügte ein heißer Sommer, um die Bewertungen heimischer Chip- und KI-Firmen auf das 250-Fache ihrer Gewinne zu treiben – und gerade einmal vier Monate, um die Hälfte dieses Börsenwerts wieder zu vernichten. Während Chinas Leitindex STAR50 abstürzte und staatliche Rettungsfonds eingreifen mussten, spielten sich in Hongkong ganz andere Szenen ab: Etablierte Konzerne wie Alibaba, Tencent und Baidu erlebten gar keine Sommerblase und liegen seit Jahresbeginn trotzdem 30 bis 40 % im Minus.
Dahinter steckt kein einzelner Ausverkauf, sondern ein Markt mit zwei völlig unterschiedlichen Problemen. In dieser Goldesel Topstory schauen wir deshalb auf fünf China-Aktien und zwei ETFs rund um den KI-Boom, vergleichen die Bewertungen mit den US-Giganten und analysieren, wer Chinas Rechenleistung baut, wer daran verdient – und wo Anleger die Zeche zahlen.
Was unterscheidet Festland- und Hongkong-Aktien?
Chinas Aktienmarkt ist strikt zweigeteilt: Am Festland (Shanghai und Shenzhen) notieren vor allem sogenannte A-Aktien in lokaler Währung (Yuan). Hier dominieren heimische Privatanleger und staatliche Fonds; für ausländische Investoren ist der Zugang im Tech-Segment STAR stark beschränkt. In Hongkong wiederum notieren die international handelbaren H-Aktien in Hongkong-Dollar (HKD). Während am Festland vor allem Halbleiterbauer und Hardware-Werte die KI-Rallye anführten, finden sich in Hongkong die großen Internet-, Software- und Cloud-Plattformen, die in den meisten westlichen Depots liegen.
China Aktien 2026: Zwei KI-Crashs in einem Jahr
Wer 2026 auf den chinesischen Technologiesektor blickt, sieht nicht eine Krise, sondern zwei fundamentale Bruchstellen. Die erste spielte sich an den Börsen des Festlands ab – und dort herrschte bis zur Jahresmitte blanke Spekulation. Der Shanghaier STAR50-Index, der die 50 wichtigsten Technologie- und Halbleitertitel bündelt, stieg bis zum Rekordhoch am 1. Juli bei 2.255 Punkten um über 60 %. Was folgte, war das klassische Platzen einer Übertreibung: Bis Ende Oktober stürzte der Index um rund 45 % ab und schloss am 29. Oktober bei 1.228 Punkten auf einem neuen Jahrestief. Binnen vier Monaten lösten sich laut Daten von Reuters rund 480 Milliarden USD an Marktwert auf. Selbst nach der Korrektur notiert der Index noch beim 100-Fachen der Gewinne der vergangenen zwölf Monate (der Nasdaq 100 steht bei rund 30). Die Einzeltitel traf es brutal: Chip-Liebling Cambricon fiel vom Rekord bei 1.620 Yuan auf rund 902 Yuan, Hardware-Hersteller wie Moore Threads und MetaX halbierten sich seit Juli. Selbst der Roboterbauer Unitree, dessen Börsengang im August noch 8.000-fach überzeichnet war, verlor prompt die Hälfte seines Börsenwerts. Laut Goldman Sachs stehen KI-Werte inzwischen für 42 % des chinesischen Börsenwerts und zeitweise 57 % des gesamten Handelsvolumens.
Ganz anders ist die Lage in Hongkong – also dort, wo die Werte notieren, die deutsche Privatanleger tatsächlich handeln können. Der Hang Seng TECH Index erlebte 2026 keine Sommer-Euphorie, sondern fällt seit dem ersten Quartal kontinuierlich. Seit Jahresbeginn liegt das Barometer rund 32 % im Minus. Am 22. Oktober rutschte der Index nach verschärften Vorgaben der Marktaufsicht für Onlinehändler und Lieferdienste um 5 % auf den tiefsten Stand seit September 2024. Neben Abflüssen über das Southbound-System wiegen vor allem die operativen Bilanzen schwer: Die Konzerne investieren zweistellige Milliardensummen in Rechenzentren, während der Binnenkonsum schwach bleibt. Die Pointe des Jahres 2026 lautet deshalb: Die Blase ist in Shanghai geplatzt, die Rechnung wird in Hongkong bezahlt.
Handelskrieg und Staatsmilliarden: Pekings Kampf gegen den Crash
Verschärft wird die Lage durch den Handelskrieg. Washington beschränkt Chip-Exporte weiter, während Peking den Kauf heimischer Hardware vorschreibt. Das zeigt Wirkung: Laut IDC fiel Nvidias Marktanteil bei KI-Beschleunigern in China von 55 % im Jahr 2025 auf 34 % im ersten Halbjahr 2026 – während Huawei auf 28 % zulegte. Mitte Oktober legte China zudem einen Entwurf für eigene Exportkontrollen auf 40 Schlüsseltechnologien vor, darunter KI-Modelle ab zwei Billionen Parametern. Trotz des bis zum 10. Januar 2027 verlängerten Handelsfriedens liegt der effektive US-Zollsatz auf chinesische Importe laut Congressional Research Service weiter bei 35 bis 36,5 %. Vor dem APEC-Gipfel in Shenzhen am 18. und 19. November wächst die Nervosität vor neuen Reibungen zwischen Donald Trump und Xi Jinping.
Peking versucht derweil, den Markt mit Staatsgeld abzufedern. Am 23. Oktober griff das „National Team“ ein: Staatliche Fonds kauften laut Marktberichten massiv ETFs, drehten den Festlandindex CSI 300 von zwei % Minus ins Plus und trieben den STAR50 an einem Tag um 3 % nach oben. Laut Société Générale flossen im Oktober mindestens 65 Milliarden Yuan an staatlichen Stützungsgeldern in den Markt. Doch das Misstrauen der Privatanleger überwiegt: Die Zahl der neu eröffneten Depots fiel im September um 35 % zum Vorjahr, während Wertpapierkredite um rund 170 Milliarden Yuan zurückgefahren wurden. Entsprechend gespalten sind die Experten: Morgan Stanley warnt vor weiteren 10 bis 15 % Abwärtspotenzial, während die UBS betont, dass Hardware-Bewertungen historische Tiefs erreicht haben.
A-Aktie, H-Aktie, ADR: Welche China-Aktien du überhaupt kaufen kannst
Chinesische Konzerne sind häufig an mehreren Handelsplätzen gelistet:
- A-Aktien: Notieren in Shanghai und Shenzhen in Renminbi (Yuan). Der direkte Zugang über das System „Stock Connect“ ist im innovativen STAR-Segment ausländischen Privatanlegern verwehrt. Westliche Anleger können Festlandwerte faktisch nur über spezialisierte ETFs abbilden.
- H-Aktien: Werden an der Börse Hongkong in Hongkong-Dollar (HKD) gehandelt. Sie sind für deutsche Anleger problemlos über gängige Broker handelbar.
- ADRs (American Depositary Receipts): Hinterlegungsscheine an US-Börsen in USD. Sie bieten hohe Liquidität, tragen aber das latente Risiko möglicher US-Delistings.
Wer vom Platzen der China-KI-Blase liest, muss genau trennen: Die spekulative Blase platzte am Festland bei den A-Aktien – im westlichen Depot liegen dagegen fast ausnahmslos die H-Aktien der Hongkonger Plattformen.
Chinesische KI-Aktien gegen die USA: deutlich billiger, und das nicht ohne Grund
Vergleicht man die chinesischen Technologie-Schwergewichte mit ihren US-Gegenstücken, sticht der Bewertungsgraben sofort ins Auge. Chinas Hyperscaler wachsen zweistellig, kosten an der Börse aber nur einen Bruchteil von Microsoft, Alphabet oder Amazon. Das hat direkte Ursachen bei den Investitionsbudgets.
Laut Goldman Sachs investieren Alibaba, Tencent, Baidu und das nicht börsennotierte ByteDance 2026 zusammen rund 102 Milliarden USD in KI und Rechenzentren. Die fünf großen US-Anbieter kommen auf rund 764 Milliarden USD – mehr als das Siebenfache. Betrachtet man jedoch die relative Belastung, relativiert sich das Bild: Laut Jefferies gaben Alibaba, Tencent und Baidu im Quartal von April bis Juni rund 126 Milliarden Yuan für Investitionen aus (ein Plus von über 100 % zum Vorjahr). Das entspricht rund 25 % ihrer Umsätze – US-Konzerne liegen bei rund 33 %. Chinas Plattformen investieren absolut zwar weniger, im Verhältnis zu ihrer Unternehmensgröße gehen sie jedoch ein ähnlich aggressives Tempo.
Technologisch setzt China vor allem auf Open-Weight-Architekturen. Modelle wie Alibabas Qwen-Reihe, DeepSeek V4 oder Kimi von Moonshot stehen Entwicklern weltweit offen und bieten Rechenleistung zu sehr niedrigen Token-Kosten. Der Engpass bleibt jedoch die Chip-Hardware. Zwar gewinnen heimische Hersteller Anteile, doch für das Training modernster Modelle greifen die Konzerne weiterhin auf westliche Chips zurück: Laut Reuters bestellten ByteDance, Alibaba und Tencent zuletzt über Zwischenhändler Nvidia-Prozessoren im Wert von mehr als 35 Milliarden USD.
An der Börse führt dieser Spagat zu historischen Abschlägen. Vier der fünf großen China-Titel kosten auf Basis der erwarteten Gewinne der nächsten zwölf Monate (Forward-KGV) nur die Hälfte bis zwei Drittel ihrer US-Pendants: Tencent handelt bei einem Forward-KGV von 10,7 (Meta: 18,4), Baidu bei 11,4 (Alphabet: rund 19), Alibaba bei 15,9 (Amazon: 23,1) und Xiaomi bei 17,0 (Apple: 36,0). Während der S&P 500 bei einem KGV von rund 19 notiert, liegt der MSCI China bei etwa 10. Doch der Abschlag ist kein automatisches Schnäppchen: Während US-Konzerne den KI-Boom über üppige Cashflows und günstige Unternehmensanleihen finanzieren, belasten chinesische Konzerne unmittelbar ihre Aktionäre – sei es durch massive Kapitalerhöhungen oder schrumpfende Aktienrückkäufe.
SMIC: Chinas Chip-Bastion und das 165-Prozent-Rätsel
Geschäftsmodell & Rolle im KI-Boom
SMIC ist Pekings technologische Lebensversicherung. Als reine Auftrags-Foundry entwirft das Unternehmen keine eigenen Halbleiter, sondern fertigt Chips für Chiphersteller ohne eigene Fabriken. Ohne SMIC gäbe es keine moderne chinesische KI-Hardware: Der Konzern ist die einzige heimische Produktionsstätte, die Huaweis Ascend-KI-Beschleuniger und Chinas ambitionierteste Serverprozessoren physisch belichten kann. Rund 90 % der Erlöse fließen aus dem Heimatmarkt, wo Tech-Konzerne per Regierungserlass angehalten sind, westliche Hardware Schritt für Schritt durch heimische Komponenten zu ersetzen.
Zahlen, Rekordauslastung und die Cash-Realität
Operativ laufen die Werke am Anschlag: Im Quartal von April bis Juni 2026 kletterte der Umsatz im Jahresvergleich um 36 Prozent auf 3,01 Milliarden US-Dollar – das erste Drei-Milliarden-Quartal der Unternehmensgeschichte. Die Bruttomarge stieg auf 25,3 Prozent, während die Fabrikauslastung bei extrem hohen 93,7 % lag. Dank der immensen Binnennachfrage konnte SMIC die Waferpreise im Inland zuletzt spürbar anheben.
An der Börse zeigt sich jedoch ein absurdes Bild: Für exakt dieselbe Firma zahlen Anleger in Shanghai das 2,65-Fache des Hongkonger Preises. Während die in Hongkong gehandelte H-Aktie bei 44,96 HKD auf einem Jahrestief notiert (Minus 37 % seit Jahresbeginn, Forward-KGV 25,1), wird die A-Aktie in Shanghai mit einem Forward-KGV von 67,1 bewertet. Damit ist die Festland-Linie mehr als dreimal so teuer wie Weltmarktführer TSMC (Forward-KGV 18,8).
Risiken & Einordnung
SMIC steht seit Ende 2020 auf der schwarzen Liste der USA (Entity List) und bleibt von moderner EUV-Lithografie abgeschnitten. Wie streng Washington überwacht, zeigte die Strafe von 252 Millionen USD gegen Applied Materials im Februar wegen unerlaubter Lieferungen an SMIC. Um 7-Nanometer-Strukturen mit älteren DUV-Systemen zu fertigen, muss SMIC auf teures Multi-Patterning zurückgreifen. Die Folge: hohe Ausschussraten (Yields) und steil ansteigende Abschreibungen, die den freien Cashflow auf Jahre deckeln.
SMIC Aktie Chartanalyse – Unterstützung gebrochen

Die SMIC Aktie hat von ihren Hochs über 90 HKD bereits über 50 % an Wert verloren. Zuletzt konnte auch die Unterstützungszone zwischen 47,10 und 50 HKD nicht gehalten werden, sodass dieser Bereich nun als Widerstand fungiert. Die Aktie steuert nun auf die nicht sehr starke Zone zwischen 35,60 und 37,10 HKD zu. Der RSI ist mit 22,05 bereits deutlich überverkauft.
Alibaba-Aktie: Der größte KI-Ausbau Chinas – bezahlt von den Aktionären
Geschäftsmodell & Rolle im KI-Boom
Alibaba wandelt sich vom reinen Online-Händler zum zentralen Cloud- und KI-Infrastrukturbetreiber Chinas. In der Sparte „AI Cloud and Compute Services“ bündelt der Konzern das Cloud-Geschäft mit der Chiptochter T-Head. Mit den hauseigenen Open-Weight-Modellen der Qwen-Serie stellt Alibaba das De-facto-Betriebssystem für Chinas KI-Entwickler, während der für 2027 angekündigte Prozessor Zhenwu V900 die Abhängigkeit von Nvidia verringern soll. Laut Omdia kontrolliert Alibaba 38 % des chinesischen KI-Cloud-Marktes.
Zahlen, Cloud-Dynamik und Cashflow-Kollaps
Das KI-Segment wächst rasant, reißt aber tiefe Löcher in die Kasse: Im Quartal von April bis Juni stieg der Konzernumsatz um 9 % auf 268,95 Milliarden Yuan. Die Sparte AI Cloud legte um 45 % auf 48,44 Milliarden Yuan zu; die reinen KI-Produktumsätze wuchsen das zwölfte Quartal in Folge dreistellig.
Um dieses Tempo durchzuhalten, schossen die Investitionen (Capex) um 75 % auf 67,7 Milliarden Yuan nach oben. Der freie Cashflow sackte auf minus 44,7 Milliarden Yuan ab, der bilanzielle Nettogewinn brach um drei Viertel ein. Und die Zeche zahlen die Anteilseigner: Ende August platzierte Alibaba neue Aktien für 80 Milliarden HKD zu 112,70 HKD je Anteil – die größte Kapitalerhöhung der Hongkonger Börsengeschichte. Beim aktuellen Kurs von 96,10 HKD liegen selbst die Zeichner dieser Platzierung rund 15 % im Minus. Während US-Konzerne eigene Aktien zurückkaufen, wird Chinas KI-Ausbau über direkte Verwässerung finanziert.
Risiken & Einordnung
Mit einem Forward-KGV von 15,9 ist Alibaba optisch billiger als Amazon (23,1), schleppt aber erhebliche Bremsklötze mit: Das Kerngeschäft E-Commerce leidet unter der schwachen Binnennachfrage (Kundenmanagement-Umsatz minus 7 %). Zudem stufte das US-Verteidigungsministerium Alibaba im Juni auf die 1260H-Liste mutmaßlich militärnaher Unternehmen ein. Zwar errang der Konzern Ende Oktober eine gerichtliche Verfügung gegen Lobbying-Beschränkungen in den USA, der Makel bleibt jedoch. Zuletzt erhob der kanadische Konkurrent Cohere zudem Vorwürfe wegen angeblich verdeckter Serververbindungen eines Qwen-Modells nach Peking.
Alibaba Aktie Chartanalyse – fällt der Kurs weiter?

Die Alibaba Aktie hat vom Jahreshoch 2025 bis zum aktuellen Zeitpunkt auch knapp 50 % an Wert verloren und einen deutlichen Abwärtstrend etabliert. Die 50- und 200-Tage-Linie sind bereits seit längerem unterschritten. Sollte das Tief bei 89 HKD nicht halten, drohen weitere Kursverluste bis zu den Januar-Tiefs 2025 bei rund 80 HKD.
Tencent-Aktie: Wo künstliche Intelligenz heute schon echtes Geld abwirft
Geschäftsmodell & Rolle im KI-Boom
Tencent ist der einzige chinesische Tech-Riese, bei dem KI kein Zukunftsversprechen ist, sondern unmittelbar den operativen Gewinn antreibt. Das Fundament bildet WeChat mit 1,44 Milliarden monatlich aktiven Nutzern. Tencent nutzt sein KI-Modell Hunyuan (Hy3) nicht primär als Cloud-Mietmodell für fremde Firmen, sondern optimiert das eigene Ökosystem: Hochpräzise Algorithmen steigern die Klick- und Konversionsraten im Werbegeschäft, während KI-Tools die Entwicklungszeiten im hochprofitablen Online-Gaming spürbar verkürzen.
Zahlen, Werbe-Rallye und Margendruck
Die Monetarisierung funktioniert, doch das Wettrüsten bei der Hardware hinterlässt auch hier Bremsspuren. Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 11 % auf 204,8 Milliarden Yuan. Getrieben von KI-Empfehlungsmodellen schossen die Werbeeinnahmen um 22 % auf 43,6 Milliarden Yuan nach oben, während das heimische Spielegeschäft um 17 % zulegte.
Allerdings fordert die Rechenleistung ihren Preis: Ohne die massiven KI-Kosten wäre das bereinigte operative Ergebnis um 19 statt nur um 9 % gewachsen – eine Belastung von rund 10,5 Milliarden Yuan in einem einzigen Quartal. Die Investitionen explodierten um 176 % auf 52,8 Milliarden Yuan und drückten den freien Cashflow ins Minus. Statt Aktionäre wie Alibaba zu verwässern, lieh sich Tencent seit Juni über 10 Milliarden US-Dollar am Anleihemarkt und mietet laut Financial Times rund 100.000 Nvidia-Beschleuniger über Oracle-Rechenzentren in Südostasien an, um US-Exportkontrollen legal zu umschiffen. Mit einem Forward-KGV von 10,7 handelt Tencent bei fast der Hälfte von US-Pendant Meta (18,4).
Risiken & Einordnung
Auch Tencent steht auf der 1260H-Liste des Pentagons. Um Liquidität für die Rechenzentren zu schonen, wurden die zuvor aggressiven Aktienrückkäufe spürbar zurückgefahren, wenngleich die Dividende von 5,30 HKD je Aktie stützt. Mit dem Bruch der wichtigen Unterstützung bei 400 HKD und dem Rutsch auf ein neues 52-Wochen-Tief von 377,60 HKD bleibt das Sentiment kurzfristig angeschlagen.
Tencent Aktie Chartanalyse – ab zum Tief aus Januar 2025


Auch die Tencent Aktie scheint im Tageschart zunächst keinen Halt mehr zu finden. Im Wochenchart sieht man aber einen ganz spannenden Bereich um die Tiefs aus Januar 2025. In der Unterstützungszone zwischen 350 und 365 HKD könnte die Aktie einen Boden bilden. Bei einer positiven Reaktion und einem Turnaround am Gesamtmarkt würde sich hier ein spannendes Szenario ergeben.
- Einstiegsszenario: Long bei positiver Reaktion im Bereich zwischen 350 und 365 HKD mit Stop unter 345 HKD und erstem Ziel bei 410 HKD.
Die Umbauer: Baidu und Xiaomi
Bei Tencent macht KI ein gesundes Geschäft noch besser. Schwieriger wird es, wenn KI ein Geschäft ersetzen soll, das gerade schrumpft. Genau in dieser Lage stecken Baidu und Xiaomi. Bei Baidu bricht die Suchwerbung weg, bei Xiaomi die Marge im Smartphone-Geschäft. Und bei Xiaomi ist es ausgerechnet der KI-Boom der anderen, der das Handy teurer macht.
Baidu-Aktie: Chinas Google sucht ein neues Geschäft
Geschäftsmodell & Rolle im KI-Boom
Baidu ist in China das, was Google im Westen ist: die größte Suchmaschine des Landes, finanziert über Werbung. Weil genau dieses Geschäft schrumpft, baut der Konzern um und ist inzwischen auf fast allen Ebenen der KI vertreten: mit eigenen Sprachmodellen (Ernie), einer KI-Cloud, eigenen Chips der Tochter Kunlunxin und dem Robotaxi-Dienst Apollo Go. Der fährt laut Quartalsbericht in 28 Städten, seit dem Sommer über Uber auch in Dubai.
Mehr dazu: Baidu rollt Apollo Go via Uber in Dubai aus
Zahlen, Bewertung & Kurs
Im zweiten Quartal sank Baidus Umsatz um 4 Prozent auf 31,3 Milliarden Yuan. Das KI-Geschäft wuchs um 25 Prozent auf 12,5 Milliarden Yuan, getragen von der KI-Cloud mit einem Plus von 50 Prozent. Die Online-Werbung brach dagegen um 19 Prozent auf 13,1 Milliarden Yuan ein. Unterm Strich kamen im KI-Geschäft rund 2,5 Milliarden Yuan hinzu, in der Werbung fielen rund 3,1 Milliarden weg. Das US-Papier verlor am Tag der Zahlen 12,7 Prozent.
In Hongkong schloss die Aktie am 30. Oktober bei 75,70 HKD, seit Jahresbeginn ein Minus von rund 40 Prozent in Euro. Damit ist Baidu der schwächste der fünf Werte. Das KGV der vergangenen zwölf Monate ist wegen einer Wertberichtigung im vierten Quartal 2025 negativ, auf Basis der für 2026 erwarteten Gewinne liegt es laut Goldesel-Plattform bei rund 14.
Risiken & Einordnung
Bei Baidu sieht man den Umbau in Reinform: Die KI wächst, gleicht die schrumpfende Werbung aber noch nicht aus. Dazu kommt die Politik. Seit dem 8. Juni steht Baidu auf der Pentagon-Liste mit Unternehmen, die aus Sicht der USA das chinesische Militär unterstützen, außerdem läuft in den USA eine Sammelklage von Anlegern. Auf der Habenseite stehen Barmittel und Finanzanlagen von 283,1 Milliarden Yuan, mehr als der gesamte Börsenwert von umgerechnet rund 173 Milliarden Yuan (Schulden nicht abgezogen), dazu ein Rückkaufprogramm über bis zu 5 Milliarden US-Dollar bis 2028. Für die Chiptochter Kunlunxin hat Baidu im Januar einen Börsengang in Hongkong beantragt, ob er kommt, ist offen, weil Peking Abspaltungen laut Bloomberg strenger prüft. Ob die Wette auf Cloud, Chips und Robotaxis aufgeht, zeigen die nächsten Zahlen am 16. November.
Baidu Aktie Chartanalyse – Allzeittief als Boden?


Die Baidu Aktie ist mittlerweile in der Unterstützungszone um das Allzeittief bei 73,35 bis 79,35 HKD angekommen. Sollte die Aktie sich hier stabilisieren und über die Marke von 78 HKD klettern, könnte man eine spekulative Turnaround-Position mit Ziel 200-Wochen-Linie eingehen. Die Positionsgröße sollte gering gehalten werden, da es sich um den bekannten „Griff ins fallende Messer“ handelt.
- Einstiegsszenario: Long über 78 HKD mit Ziel bei 108 und Stop unter 72 HKD (CRV von rund 5).
- Alternatives Szenario: Long erst über 80 HKD mit Ziel 108 und Stop unter 72 HKD (CRV von 3).
Mehr zu den KI-Laboren an der Börse: Anthropic Börsengang und OpenAI: Die KI-Labore in der Warteschlange
Xiaomi-Aktie: Der KI-Boom macht das Handy teurer
Geschäftsmodell & Rolle im KI-Boom
Xiaomi verdient sein Geld mit Smartphones, vernetzten Haushaltsgeräten und seit 2024 mit Elektroautos. Beim Thema KI steht der Konzern auf beiden Seiten. Xiaomi will selbst zum KI-Konzern werden und über drei Jahre mehr als 60 Milliarden Yuan in KI stecken (Yicai), die eigenen Sprachmodelle heißen MiMo. Gleichzeitig bezahlt Xiaomi den KI-Boom der anderen mit: Weil Rechenzentren Speicherchips in großen Mengen kaufen, sind die Preise für Arbeitsspeicher kräftig gestiegen. Genau diese Kosten nennt Xiaomi im Quartalsbericht als Hauptgrund für die schwächere Marge.
Zahlen, Bewertung & Kurs
Im zweiten Quartal fiel Xiaomis Umsatz um 6,1 Prozent auf 108,9 Milliarden Yuan, der bereinigte Nettogewinn um 42,6 Prozent auf 6,2 Milliarden Yuan. Die Bruttomarge im Smartphone-Geschäft sank auf 8,5 Prozent nach 11,5 Prozent im Vorjahr, obwohl der Durchschnittspreis je Gerät mit 1.351 Yuan einen Rekord erreichte. Die E-Autos wachsen weiter (104.199 Auslieferungen, plus 28 Prozent), das Segment aus E-Autos, KI und neuen Geschäften schrieb aber einen operativen Verlust von 2,6 Milliarden Yuan. Im E-Auto-Markt trifft Xiaomi auf Platzhirsche wie BYD. An der Börse kamen die Zahlen trotzdem gut an.
Am 30. Oktober schloss die Aktie in Hongkong bei 26,48 HKD, seit Jahresbeginn rund 30 Prozent im Minus in Euro. Vom Jahrestief Ende Juni hat sie sich aber um knapp ein Viertel erholt. Das KGV der vergangenen zwölf Monate liegt laut Goldesel-Plattform bei rund 17,7, das für 2026 erwartete bei rund 22,8, weil Analysten für 2026 mit einem niedrigeren Gewinn rechnen. China Renaissance stufte die Aktie am 11. Oktober auf „Sell“ ab.
Mehr dazu: Analyst stuft Xiaomi von Hold auf Sell herab
Risiken & Einordnung
Bei Xiaomi hängen drei Risiken zusammen: das Smartphone, solange Speicher teuer bleibt, das Auto und das Image. Von Januar bis September lieferte Xiaomi laut CnEVPost rund 286.500 E-Autos aus, gut die Hälfte des Jahresziels von 550.000. Dafür bräuchte der Konzern im vierten Quartal rund 88.000 Auslieferungen pro Monat, im bisher stärksten Monat September waren es 40.015. Dazu kommen die Unfälle mit dem SU7 im Frühjahr, nach denen die Aktie an einem Tag 8,6 Prozent verlor (Caixin). Xiaomi bleibt damit eine doppelte Wette auf sinkende Speicherpreise und ein profitables Autogeschäft. Die nächsten Zahlen folgen nach dem Board-Meeting am 24. November.
Xiaomi Aktie Chartanalyse – 200-Wochen-Linie als Widerstand


Die Xiaomi Aktie hatte von ihrem Hoch im Jahr 2025 zeitweise sogar rund 65 % verloren. Zum aktuellen Kurs beträgt der Rückgang immer noch über 50 %. Positiv ist, dass das Tief vom 26. Juni 2026 bei 21,32 HKD bislang nicht wieder unterschritten wurde. Die Aktie scheint im aktuellen Preisbereich zwischen 21,32 und 29,18 HKD einen Boden zu bilden und kämpft aktuell um die 50-Tage-Linie. Im Wochenchart versucht die Aktie aktuell die 200-Wochen-Linie zu überwinden.
Ein Ausbruch über die kleine Widerstandszone zwischen 28,20 und 29,18 HKD und die 200-Wochen-Linie könnte zu einem Anstieg bis auf 32,40 HKD führen.
Fünf chinesische Aktien im Überblick
Zur Lesehilfe: Die Schlusskurse stammen von der Börse Hongkong und stehen in HKD, die Wertentwicklung seit Jahresbeginn ist in Euro umgerechnet. Alibaba rechnet in Geschäftsjahren, die Ende März enden, die anderen vier Konzerne im Kalenderjahr.
| Aktie | Schluss 30.10. | Seit 01.01. in Euro¹ | KI-Kennzahl letztes Quartal | KGV 12 Monate / 2026e² |
|---|---|---|---|---|
| SMIC | 42,98 HKD | −37,2 % | Umsatz 3,01 Mrd. $ (+36 %) | 42,3 / 23,8³ |
| Alibaba | 97,05 HKD | −29,2 % | KI-Cloud 48,4 Mrd. ¥ (+45 %) | 21,2 / 15,1⁴ |
| Tencent | 383,60 HKD | −33,3 % | Werbung 43,6 Mrd. ¥ (+22 %) | 12,6 / 11,5 |
| Baidu | 75,70 HKD | −40,0 % | KI-Geschäft 12,5 Mrd. ¥ (+25 %), Werbung −19 % | negativ⁵ / 14,1 |
| Xiaomi | 26,48 HKD | −29,6 % | Smartphone-Marge 8,5 %, E-Autos +28 % | 17,7 / 22,8 |
Alle fünf liegen seit Jahresbeginn in Euro zwischen knapp 30 und 40 Prozent im Minus, keiner konnte sich dem Abverkauf in Hongkong entziehen. Gemessen am erwarteten Gewinn sind vier der fünf Werte niedriger bewertet als ihre US-Pendants aus dem Vergleich oben. Die Ausnahme ist SMIC.
China ETF: Zwei Fonds, zwei Chinas
Wer nicht auf einzelne Werte setzen will, kann China auch über einen ETF abbilden. Zwei Fonds passen zu den beiden Chinas aus diesem Artikel. Der HSBC Hang Seng TECH UCITS ETF bildet die 30 größten Technologiewerte in Hongkong ab und ist laut justETF der einzige ETF auf diesen Index. Alle fünf Aktien aus diesem Artikel stecken drin, zusammen mit knapp 36 Prozent Gewicht. Unter den zehn größten Positionen finden sich außerdem NetEase, Meituan, Lenovo, BYD und JD.com. Der iShares MSCI China A UCITS ETF bildet dagegen das Festland ab, also genau die Aktien, die du als deutscher Anleger in der Regel nicht direkt kaufen kannst. In seinen rund 415 Werten stecken neben Moutai und dem Batteriekonzern CATL auch KI-Zulieferer wie Zhongji Innolight, Cambricon und Hygon. Die vier Hongkong-Plattformen aus diesem Artikel sind nicht dabei.
Der Blick auf die Rendite dreht die Erwartung um. Seit Jahresbeginn liegt der Hongkong-Tech-ETF in Euro 28,35 Prozent im Minus, der Festland-ETF mit der geplatzten Chip-Blase nur 6,11 Prozent. Der Grund: Die Blase saß in wenigen Chipwerten des STAR Market, der breite Festlandindex enthält auch Banken, Versorger und Konsumwerte. Wer zur Jahresmitte eingestiegen ist, sieht das allerdings anders, denn der STAR50 hat sich seit seinem Rekordhoch Anfang Juli fast halbiert. Den reinen STAR50 gibt es als UCITS-ETF von KraneShares (ISIN IE00BKPJY434). Mit rund 29 Millionen Euro Fondsvolumen ist er aber sehr klein, und kleine ETFs werden häufiger geschlossen. Dann bekommst du den Gegenwert zu einem Zeitpunkt ausgezahlt, den du nicht selbst bestimmst. Wer China breit abbilden will, findet im iShares MSCI China (IE00BJ5JPG56, 0,28 Prozent Kosten, 577 Werte) einen Fonds, der Hongkong- und Festlandaktien mischt. Beim Hang-Seng-Tech-ETF steht außerdem eine Änderung an: Ab dem 7. Dezember wächst der Index von 30 auf 50 Werte, die neuen Mitglieder sollen am 20. November feststehen.
Beide Fonds sind Länder- und Themenwetten mit politischem Sonderrisiko und eignen sich eher als Beimischung denn als Basisinvestment. Wer einen Schwellenländer- oder All-World-ETF hält, hat Tencent und Alibaba ohnehin schon im Depot.
Mehr zu Themen-ETFs: Welche Themen-ETFs den S&P 500 schlagen
| HSBC Hang Seng TECH | iShares MSCI China A | |
|---|---|---|
| ISIN | IE00BMWXKN31 | IE00BQT3WG13 |
| WKN / Xetra-Kürzel | A2QHV0 / H4ZX | A12DPT / 36BZ |
| Kosten pro Jahr (TER) | 0,50 % | 0,40 % |
| Fondsvolumen | 876 Mio. € | 1.844 Mio. € |
| Positionen | 30 (ab 07.12.: 50) | 415 |
| Gewicht der fünf Werte | 35,96 % | Alibaba, Tencent, Baidu, Xiaomi 0 %, SMIC-A nicht unter den Top 10 |
| Größte Positionen | NetEase 8,7 %, Tencent 8,3 %, Alibaba 8,2 % | Moutai 3,2 %, CATL 3,2 %, Innolight 1,9 % |
| Seit 01.01.2026 (EUR) | −28,35 % | −6,11 % |
| Drei Jahre (EUR) | −6,00 % | +17,90 % |
Warum China Aktien billig bleiben könnten
Der KI-Ausbau frisst bei Chinas Tech-Konzernen den Cashflow. Tencent wies im zweiten Quartal einen negativen freien Cashflow von 13,8 Milliarden Yuan aus, bei Alibaba zahlen die Aktionäre über die Kapitalerhöhung direkt mit. Für eine nachhaltige Erholung bräuchte es laut Benjamin Cavender von der China Market Research Group stabilere Gewinne, klarere Erträge aus den KI-Ausgaben und eine stärkere Binnennachfrage (CNBC). Im Westen läuft dieselbe Rechnung, nur später: Amazons freier Cashflow lag über zwölf Monate bei minus 42,4 Milliarden US-Dollar.
Dazu kommt die Politik. Das Pentagon hat Anfang Juni Alibaba, Baidu und weitere Konzerne auf seine Liste gesetzt, und am 9. November endet die Aussetzung der US-Affiliates-Rule, die Exportbeschränkungen auf Tochterfirmen gelisteter Unternehmen ausweitet. Eine Verlängerung bis zum 10. Januar 2027 ist angekündigt, aber noch nicht veröffentlicht, bis dahin läuft auch der Handelsfrieden. Wie wenig Vertrauen gerade da ist, zeigt Bloomberg: Festlandanleger ziehen sich so schnell aus Hongkong zurück wie seit mehr als fünf Jahren nicht.
„Billig“ sind China-Aktien seit Jahren, und sie sind es geblieben. Ein niedriges KGV ist hier zum Teil der Preis für Risiken, die du im westlichen Depot so nicht hast, von staatlichen Eingriffen bis zu Holdingstrukturen auf den Kaimaninseln. Das heißt nicht, dass es so bleibt, es heißt nur, dass ein niedriges KGV allein kein Grund ist.
China Aktien kaufen oder abwarten: das Fazit
China-Aktien erzählen 2026 zwei Geschichten: Am Festland ist die KI-Blase in den Chipwerten geplatzt, in Hongkong bezahlen die großen Plattformen den KI-Ausbau. Niedrig bewertet sind die meisten Werte, aber nicht ohne Grund.
- Für Bewertungsbewusste: Tencent, weil KI dort schon die Werbung antreibt und das erwartete KGV mit rund 11,5 das niedrigste der fünf ist. Dagegen stehen Investitionsdruck und die Pentagon-Liste.
- Für die Infrastruktur-Wette: Alibaba und SMIC als Watchlist-Kandidaten für alle, die an Chinas eigene KI-Infrastruktur glauben, mit Verwässerung bei Alibaba und Exportkontrollrisiko bei SMIC.
- Für Spekulanten auf den Umbau: Baidu und Xiaomi, nur mit Geld, dessen Verlust du verkraften kannst. Wer lieber streut, bekommt alle fünf gebündelt im Hang-Seng-Tech-ETF, das Festland im MSCI-China-A-ETF.
Alle fünf haben seit Januar in Euro knapp 30 bis 40 Prozent verloren, und niemand weiß, ob der Boden erreicht ist.
Risiken und Ausblick
| Datum | Termin |
|---|---|
| 03.11. | US-Midterms |
| 09./10.11. | Aussetzung der US-Affiliates-Rule endet (Verlängerung angekündigt) |
| 12.11. | SMIC: Quartalszahlen (Board-Meeting) |
| 16.11. | Baidu: Quartalszahlen vor US-Börsenstart |
| 18.11. | Tencent: Quartalszahlen |
| 18./19.11. | APEC-Gipfel in Shenzhen |
| 20.11. | Hang Seng Indexes nennt die neuen Mitglieder des Hang Seng TECH |
| 24.11. | Xiaomi: Quartalszahlen (Board-Meeting) |
| Ende Nov./Anfang Dez. | Alibaba: Quartalszahlen (Termin noch nicht bestätigt) |
| 07.12. | Hang Seng TECH wächst von 30 auf 50 Werte |
| 10.01.2027 | Ende des Handelsfriedens zwischen den USA und China |
Bis Anfang Dezember legen alle fünf Konzerne Zahlen vor. Dann zeigt sich, ob die KI-Investitionen erste Erträge bringen. Ob der Westen dieselbe Rechnung bekommt, entscheiden die nächsten Quartale.
Mehr zur Frage, wie teuer der KI-Ausbau im Westen wird: Die KI-Blase und der Anleihemarkt

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Keiner der Autoren ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse in den erwähnten Wertpapieren investiert.
Häufige Fragen
Warum fallen China-Aktien aktuell?
Dahinter stecken zwei Entwicklungen. Am Festland ist die KI-Blase in den Chipwerten des STAR Market geplatzt, der Index STAR50 hat sich vom Rekordhoch Anfang Juli bis zum 30. Oktober fast halbiert. In Hongkong belasten hohe KI-Investitionen, schrumpfende Gewinne und politische Risiken wie die Pentagon-Liste und US-Exportkontrollen. Dazu ziehen Festlandanleger laut Bloomberg gerade so schnell Geld aus Hongkong ab wie seit mehr als fünf Jahren nicht.
Ist die KI-Blase in China geplatzt?
Bei den Chipwerten am STAR Market spricht vieles dafür. Der STAR50 schloss am 30. Oktober bei 1.160,84 Punkten, 48,5 Prozent unter seinem Rekordhoch vom Juli. Auch die frisch gelisteten KI-Labore Zhipu und MiniMax haben seit ihren Hochs 85 bis 90 Prozent verloren. Ob damit der Boden erreicht ist, kann niemand seriös sagen.
Warum sind China-Aktien so billig?
Anleger verlangen einen Abschlag für Risiken, die es bei US-Aktien so nicht gibt: staatliche Eingriffe, Exportkontrollen, die Pentagon-Liste und Holdingstrukturen auf den Kaimaninseln. Dazu kommen hohe KI-Investitionen, deren Erträge noch nicht sichtbar sind. Tencent etwa wird laut Goldesel-Plattform nur mit dem rund 11,5-Fachen des für 2026 erwarteten Gewinns bewertet. Ein niedriges KGV allein ist deshalb noch kein Argument.
Wann steigen China-Aktien wieder?
Eine seriöse Prognose gibt es dafür nicht. Analysten nennen laut CNBC drei Bedingungen für eine nachhaltige Erholung: stabilere Gewinne, klarere Erträge aus den KI-Ausgaben und eine stärkere Binnennachfrage. Erste Hinweise liefern die Quartalszahlen, die alle fünf Konzerne bis Anfang Dezember vorlegen.
Kann ich als deutscher Anleger Aktien vom STAR Market kaufen?
In der Regel nicht direkt. Über das Stock-Connect-Programm aus Hongkong sind STAR-Aktien nur für professionelle institutionelle Anleger handelbar. Privatanleger kommen über ETFs an den Markt, etwa über den kleinen KraneShares-ETF auf den STAR50 oder breiter über den iShares MSCI China A, der auch STAR-Werte wie Cambricon und Hygon enthält.
Gibt es eine DeepSeek Aktie?
Nein. DeepSeek ist nicht börsennotiert und wird von Gründer Liang Wenfeng kontrolliert, der laut WireScreen rund 82 Prozent der chinesischen Betriebsgesellschaft hält. Laut TechCrunch soll sich DeepSeek im Oktober rund 15 Milliarden US-Dollar bei Investoren geholt haben, ein Börsengang in China gilt frühestens im kommenden Jahr als möglich. Wer trotzdem "DeepSeek-Aktien" angeboten bekommt, sollte genau prüfen, was dahintersteckt.
Kann man Huawei Aktien kaufen?
Nein. Huawei ist ein privates Unternehmen und gehört laut eigener Angabe vollständig rund 169.000 Mitarbeitern und Pensionären. Eine Beteiligung von außen ist nicht möglich.
Welcher China ETF enthält Alibaba, Tencent und Xiaomi?
Der HSBC Hang Seng TECH UCITS ETF (ISIN IE00BMWXKN31) enthält alle fünf Werte aus diesem Artikel, zusammen mit knapp 36 Prozent Gewicht. Breite China-ETFs wie der iShares MSCI China (IE00BJ5JPG56) enthalten die drei ebenfalls. Im iShares MSCI China A stecken sie dagegen nicht, weil er nur Festlandaktien abbildet.
Wann legen Alibaba, Tencent, Baidu, Xiaomi und SMIC ihre nächsten Zahlen vor?
SMIC berichtet nach dem Board-Meeting am 12. November, Baidu am 16. November vor US-Börsenstart, Tencent am 18. November und Xiaomi nach dem Board-Meeting am 24. November. Alibaba hat noch keinen Termin bestätigt, im Vorjahr kamen die Zahlen Ende November.