Anthropic Börsengang und OpenAI: Die KI-Labore in der Warteschlange

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Bei Google bevorzugen

Der Anthropic Börsengang rückt näher – und die Zahlen, die bislang aus dem Prospekt bekannt sind, haben es in sich: 42 Milliarden USD Nettoverlust bei 4,6 Milliarden USD Umsatz im Jahr 2025. Der größte Teil davon entfällt allerdings auf eine nicht zahlungswirksame Neubewertung; operativ lag das Minus bei 8,06 Milliarden USD. Gleichzeitig hat auch OpenAI Unterlagen eingereicht, bremst beim Börsengang aber vorerst, während SpaceX seit Juni bereits an der Börse ist und sich DeepSeek sowie Moonshot AI für 2027 positionieren. In dieser Goldesel Topstory schauen wir darauf, wer in der KI-Warteschlange wie weit ist, was die Zahlen wirklich aussagen und was Anleger vor einem möglichen Börsenstart wissen sollten.

KI-Börsengänge: Warum die Labore jetzt an die Börse müssen

Der Kapitalbedarf der großen KI-Labore wächst rasant. OpenAI sammelte im März 122 Milliarden USD bei einer Bewertung von 852 Milliarden USD ein und verhandelt laut Bloomberg inzwischen über eine weitere Runde von mindestens 30 Milliarden USD bei rund 1,4 Billionen USD Bewertung. Anthropic arbeitet Medienberichten zufolge zusätzlich an einer Kreditlinie über 15 Milliarden USD. Wer für Rechenzentren, Chips und Modelle solche Summen benötigt, hat auf Dauer nur zwei Quellen: Investoren mit sehr tiefen Taschen oder den Kapitalmarkt.

Aktienverlinkung: US84615Q1031

SpaceX hat gezeigt, dass der Markt solche Bewertungen grundsätzlich mitträgt. Beim Börsengang im Juni wurden die Aktien zu 135 USD ausgegeben, der erste Handelstag endete bei 160,95 USD. Nach den ersten Quartalszahlen folgte allerdings schnell die Ernüchterung: Trotz stark steigender Umsätze geriet der Kurs unter Druck, weil auch die Investitionen weiter hoch blieben. Wachstum wird also honoriert – hoher Kapitalbedarf bleibt trotzdem ein Risiko.

Gleichzeitig wird das Zeitfenster enger. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt inzwischen über 5 %, Ende Oktober entscheidet die Fed erneut über die Geldpolitik. Dazu kommen die US-Zwischenwahlen am 03.11. Reuters hatte zunächst über einen möglichen Anthropic-Abschluss vor der Wahl berichtet, Bloomberg zuletzt über ein Zeitfenster bis Thanksgiving am 26.11. Beides sind bislang Planungen, keine bestätigten Termine.

Und noch etwas gehört zur Einordnung: Ein Börsengang ist kein Qualitätssiegel. Er schafft für ein Unternehmen Zugang zu frischem Kapital – gleichzeitig bekommen frühe Investoren erstmals die Möglichkeit, ihre Beteiligungen über den öffentlichen Markt zu verkaufen. Genau deshalb lohnt sich bei Anthropic und OpenAI nicht nur der Blick auf das Wachstum, sondern auch auf Kapitalbedarf, Bewertung und Eigentümerstruktur.

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So läuft ein US-Börsengang in vier Schritten

Zunächst reicht ein Unternehmen einen Entwurf vertraulich bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. Erst wenn der Börsenprospekt öffentlich wird, sind Zahlen zu Umsatz, Verlusten und Eigentümerstruktur für alle einsehbar.Danach folgen Roadshow und Preisspanne. Kurz vor dem ersten Handelstag wird der endgültige Ausgabepreis festgelegt. Bis dahin sind Terminangaben nur Planungen – und können sich jederzeit noch verschieben.Für Privatanleger beginnt der reguläre Zugang in der Regel erst mit dem ersten Handelstag über den Broker.

Vier Plätze in der Warteschlange

Die großen KI-Unternehmen sind unterschiedlich weit auf dem Weg an die Börse. SpaceX ist der Vorreiter und seit Juni gelistet. Anthropic ist der Nächste mit eingereichten Unterlagen, ausgewählten Banken und einem möglichen Zeitfenster. OpenAI ist der Wartende: Auch dort wurden Unterlagen eingereicht, doch CEO Sam Altman bremst bei einem Börsengang noch. DeepSeek und Moonshot AI sind die Nachzügler und peilen nach bisherigen Berichten 2027 an.

Für Anleger geht es deshalb noch nicht um die Frage, welche Aktie man kaufen sollte. Wichtiger ist zunächst: Wie weit ist das jeweilige Unternehmen tatsächlich, welche Zahlen tragen die Bewertung – und welche Risiken lauern bis zum ersten Handelstag?

Anthropic Börsengang: Der Nächste und seine Zahlen

Anthropic ist von den großen privaten KI-Laboren derzeit am weitesten auf dem Weg an die Börse. Das Unternehmen hat Unterlagen eingereicht, Banken ausgewählt und arbeitet auf ein mögliches Zeitfenster im Herbst hin. Offen sind aber noch entscheidende Punkte – darunter Preisspanne, Emissionsvolumen und der genaue Handelstag.

Anthropic Aktie: Zeitplan, Banken, Volumen

Anthropic hat am 01.06. einen vertraulichen Entwurf bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Als Handelsplatz ist nach bisherigen Berichten die Nasdaq vorgesehen, Goldman Sachs gehört zu den beteiligten Banken. Damit ist das Verfahren weit fortgeschritten, ein endgültiger Börsentermin steht aber noch nicht fest.

Auch die bisherigen Zeitangaben haben sich bereits verschoben. Reuters berichtete zunächst von einem möglichen Marketingstart ab Mitte Oktober, Bloomberg Anfang Oktober von einem Zeitfenster Mitte November mit einem Abschluss vor Thanksgiving am 26.11. Beides sind bislang Planungen und keine bestätigten Termine.

Noch offen sind unter anderem die Preisspanne, das Volumen der Emission und der spätere Ticker. Solange diese Angaben fehlen und der Handel nicht gestartet ist, gibt es auch keine regulär handelbare Anthropic-Aktie. Ticker, die bereits auf einzelnen Finanzportalen auftauchen, sind lediglich Platzhalter.

Was im Prospekt steht: Verlust, Umsatz und die 42-Milliarden-Falle

Auf den ersten Blick sehen die Zahlen dramatisch aus: Anthropic kam 2025 auf 4,6 Milliarden USD Umsatz und einen Nettoverlust von 42 Milliarden USD. Der größte Teil davon ist allerdings kein operativer Geldabfluss. Rund 34 Milliarden USD entfallen auf eine buchhalterische Neubewertung, der operative Verlust lag bei 8,06 Milliarden USD.

Auch die Wachstumszahlen brauchen Kontext. Medienberichten zufolge stieg die Run-Rate innerhalb weniger Monate auf rund 65 Milliarden USD. Das ist allerdings kein tatsächlich erzielter Jahresumsatz, sondern ein auf zwölf Monate hochgerechneter aktueller Monatswert. Für 2026 soll Anthropic laut The Information zudem mit einem bereinigten operativen Gewinn rechnen – bereinigt ist allerdings nicht mit einem GAAP-Gewinn gleichzusetzen.

Für Anleger dürfte deshalb weniger die spektakuläre 42-Milliarden-Zahl entscheidend sein als die Frage, wie schnell Anthropic das operative Minus reduziert und wie hoch der Kapitalbedarf bleibt. Gerade Rechenzentrumsverträge, Kreditlinien und andere langfristige Verpflichtungen sind dafür mindestens so wichtig wie die klassische Gewinn-und-Verlust-Rechnung.

Wer kontrolliert Anthropic, und wer verdient mit?

Anthropic will auch nach einem Börsengang die Kontrolle weitgehend bei den Gründern halten. Für Anleger sind vor allem zwei Punkte wichtig:

  • Stimmrechte: Laut The Information sollen die sieben Mitgründer gemeinsam auf 50,1 % der Stimmen kommen, obwohl ihr wirtschaftlicher Anteil deutlich kleiner ist. Zusätzlich soll der Long-Term Benefit Trust weiter Einfluss auf die Besetzung des Verwaltungsrats haben.
  • Große Geldgeber: Amazon und Alphabet gehören zu den wichtigsten Investoren, auch Microsoft und Nvidia haben sich beteiligt. Für deren Aktionäre bleibt Anthropic allerdings nur ein Teil des Gesamtgeschäfts.

Unterm Strich heißt das: Außenaktionäre könnten zwar am Unternehmen beteiligt sein, bei wichtigen Entscheidungen aber nur begrenzten Einfluss haben.

Damit ist Anthropic relativ weit: Unterlagen eingereicht, Banken ausgewählt, Zeitfenster abgesteckt. Bei OpenAI sieht es anders aus – auch dort wurden Unterlagen eingereicht, doch Sam Altman bremst beim Börsengang noch.

OpenAI Börsengang: Der Wartende

Anthropic hat den Prospekt geschrieben, die Banken gewählt und ein konkretes Zeitfenster im Blick – bei OpenAI sieht die Lage grundlegend anders aus: Das Unternehmen hat zwar ebenfalls die ersten Papiere eingereicht, doch CEO Sam Altman tritt demonstrativ auf die Bremse. Wer auf das spektakulärste Börsendebüt der Tech-Geschichte gewartet hat, muss sich wohl gedulden, denn der Zeitplan für einen OpenAI Börsengang gerät ins Stocken.

OpenAI Aktie: Warum 2026 wohl nichts mehr kommt

Die Chronologie der Einreichung zeigt, wie schnell sich die Dynamik im KI-Sektor drehen kann. Anfang Juni reichte OpenAI einen vertraulichen Entwurf für das IPO bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. Doch die Euphorie währte nur kurz: In einem Interview mit Fortune stellte Sam Altman am 12. September klar, dass ein Gang aufs Parkett zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht sei – Formulierungen wie „ill-advised“ und „not in 2026“ machten die Runde. Den vorläufigen Schlusspunkt setzte Bloomberg am 29. September mit dem Bericht über eine gewaltige Überbrückungsrunde von mindestens 30 Milliarden USD bei einer Pre-Money-Bewertung von rund 1,4 Billionen USD. Die Botschaft der Wall Street war unmissverständlich: Der Börsengang ist de facto auf 2027 vertagt.

Hinter den Kulissen tobt derweil eine Debatte über das Bewertungsziel. Für einen möglichen Börsengang wird ein Ziel von 1,0 bis 1,8 Billionen USD genannt. Diese enorme Bewertungsspanne von 800 Milliarden USD verdeutlicht, wie schwer sich selbst professionelle Analysten damit tun, den künftigen Wert einer potenziellen OpenAI Aktie zu beziffern, solange das Geschäftsmodell auf derart hohen Subventionen von Rechenkapazitäten fußt.

Branchenbeobachter wie Morningstar und finanzen.net sehen in Altmans Zögern vor allem strategisches Kalkül: Neben ungelösten Governance-Fragen und regulatorischem Gegenwind fehlen schlicht verlässliche Margen.

Wer frisches Eigenkapital von 30 Milliarden USD aufnimmt, kauft sich vor allem Zeit – mindestens sechs bis zwölf Monate Luft, um das Modell weiterzuentwickeln, statt sich quartalsweise den schonungslosen Margenprüfungen der Wall Street stellen zu müssen.

Die Zahlen von OpenAI: Wachstum, Verlust und Verpflichtungen

Beim Erlös zeigt die Kurve steil nach oben: Laut Bloomberg beläuft sich die annualisierte Run-Rate von OpenAI inzwischen auf knapp 70 Milliarden USD. Das überrascht vor allem im direkten Quervergleich: Anthropic kommt auf rund 65 Milliarden USD. Beide Rivalen liegen damit fast gleichauf – ein bemerkenswerter Befund, wenn man bedenkt, dass OpenAI mit ChatGPT die weltweite Endverbraucher-Referenz stellt, während Anthropic primär Firmenkunden bedient. Anleger müssen sich dabei jedoch stets vor Augen halten: Eine Run-Rate ist kein testierter Jahresumsatz, sondern lediglich ein auf zwölf Monate hochgerechneter Monatswert.

Wo viel Licht beim Wachstum ist, liegt jedoch dichter Schatten bei den Kosten. Weil OpenAI bislang lediglich vertraulich eingereicht hat und kein öffentlich einsehbarer S-1-Prospekt vorliegt, beruhen alle Angaben zu Verlusten und tatsächlichem Mittelabfluss auf Schätzungen und Medienberichten – Anthropic bietet hier dank offengelegtem Zahlenwerk deutlich mehr Transparenz. Fest steht: Die Verpflichtungen sind gigantisch. Milliardenschwere Verträge für Compute-Infrastruktur – vom gigantischen Stargate-Projekt bis zu langfristigen Lieferverträgen mit Oracle, Nvidia, AMD, Broadcom und Microsoft – binden auf Jahre hinaus zweistellige Milliardenbeträge.

Unterm Strich steht OpenAI als das dominierende Verbrauchergeschäft mit den ungleich schwereren Infrastruktur-Hypotheken da. Anthropic hingegen konzentriert sich auf margenstärkere Unternehmenskunden und könnte damit den deutlich schnelleren Pfad in die operative Profitabilität einschlagen.

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Wem OpenAI gehört

Seit der gesellschaftsrechtlichen Umstrukturierung wird das operative Geschäft in der gewinnorientierten OpenAI Group PBC geführt, die formell von der gemeinnützigen OpenAI Foundation kontrolliert wird. Laut einer Anteilsübersicht vom Februar 2026 entfielen rund 26 % auf die Stiftung und etwa 27 % auf Microsoft, während die verbleibenden Anteile von Mitarbeitern und Großinvestoren wie SoftBank (geschätzt rund 11 %) gehalten wurden. Durch die massiven Finanzierungsrunden im Frühjahr und Herbst 2026 haben sich diese prozentualen Stimm- und Eigentumsverhältnisse allerdings spürbar verschoben und verwässert.

Anthropic gegen OpenAI: Was die beiden Börsengänge unterscheidet

Wer verdient womit?

OpenAI zieht seine Marktmacht aus der weltweiten Bekanntheit von ChatGPT und monetarisiert stark über Endkunden-Abonnements, während Anthropic sein Geschäft fast geräuschlos im B2B-Segment aufgebaut hat. Die Claude-Modelle zielen primär auf Entwickler, Unternehmenskunden und tief integrierte Software-Workflows ab – zwei völlig unterschiedliche Zielgruppen, die unterschiedliche Preissetzungsmächte mit sich bringen.

Wer ist näher am Gewinn?

Anthropic stellt laut The Information für 2026 bereits bereinigte operative Quartalsgewinne in Aussicht. Bei OpenAI dominieren dagegen weiterhin astronomische Trainingskosten und Rechenzentrumsinvestitionen die Bilanz, die selbst das rasante Erlöswachstum aufzehren und einen anhaltend hohen Mittelabfluss erzwingen.

Wer kontrolliert wen?

Bei Anthropic sichern sich die sieben Mitgründer über eine geplante Sonderaktiengattung 50,1 % der Stimmrechte nach dem Vorbild von Palantir, flankiert vom mächtigen Long-Term Benefit Trust. Bei OpenAI wiederum behält formell die gemeinnützige Stiftung das letzte Wort. Für Privatanleger bedeutet beides: Wer hier investiert, erwirbt wirtschaftliche Teilhabe, aber faktisch keinerlei Mitspracherecht im Aktionärssinne.

SpaceX und Grok: Der Vorreiter

Aktienverlinkung: US84615Q1031

Während die reinen KI-Entwickler noch mit ihren Zulassungsunterlagen ringen, hat der erste Megakonzern mit starker KI-Komponente das Debüt bereits hinter sich.

SpaceX notiert seit dem 12. Juni unter dem Ticker SPCX an der Nasdaq. Nach einem Ausgabepreis von 135 USD schloss das Papier am ersten Handelstag bei 160,95 USD, geriet jedoch bis zur Vorlage der ersten Quartalszahlen am 04. August mit einem Zwischentief bei rund 105 USD spürbar unter Druck. Bis zum 05. Oktober kletterte der Kurs wieder auf 171,09 USD – der Beweis, dass nicht die Euphorie des ersten Handelstags über das Schicksal eines Börsenneulings entscheidet, sondern die Fähigkeit, hohe Investitionskosten über mehrere Quartale hinweg zu rechtfertigen.

Grok und xAI: Was SpaceX mit KI verdient

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Der Grund, warum SpaceX in diesem Feld eine Schlüsselrolle spielt, heißt Grok: Das KI-Modell stammt von xAI, und die Einheit wurde laut Emissionsprospekt als Sparte SpaceXAI in das Gesamtunternehmen integriert. Im zweiten Quartal erzielte das KI-Segment einen Umsatz von 2,56 Milliarden USD – ein Zuwachs von 247 % – während der Gesamtkonzern Erlöse von 7,81 Milliarden USD und einen Nettoverlust von 541 Millionen USD auswies. Demgegenüber stand bei xAI im Gesamtjahr 2025 ein Kapitalabfluss von satten 6,4 Milliarden USD. Berichte von Barchart über schwindende Marktanteile von Grok mahnen zusätzlich zur Vorsicht: Wer SpaceX kauft, investiert in Raketen, das Starlink-Netzwerk und einen KI-Hebel – wer Anthropic wählt, setzt auf ein reines KI-Pure-Play.

SpaceX Aktie Chartanalyse – sehr junges Chartbild

SpaceX Aktie Chartanalyse - Tageschart - Oktober 2026
SpaceX Aktie Chartanalyse – Tageschart – Oktober 2026

Die Aktie von SpaceX wurde an der Börse lange erwartet und legte zum IPO massiv zu. Was danach kam, war der Weg zahlreicher gehypter IPOs: Der Kurs gab erstmal deutlich nach. Mittlerweile hat sich der erste Lärm gelegt, und die Aktie notiert wieder deutlich über den Tiefs. Die Zone um die 150-USD-Marke war bisher in beide Kursrichtungen relevant und sollte auch aufgrund des dort vorliegenden Volumens Beachtung finden.

Der Bereich um 170 USD konnte zuletzt nicht nachhaltig überwunden werden, und so könnte ein Rücksetzer in Richtung 150 USD eine Einstiegsgelegenheit darstellen, sofern die Reaktion entsprechend positiv ausfällt.

Chinas KI-Labore: Die Nachzügler

SpaceX ist gelistet, Anthropic fast, OpenAI wartet. Chinas KI-Labore stehen weiter hinten in der Schlange, aber sie haben sich schon angestellt: DeepSeek und Moonshot AI bereiten nach bisherigen Berichten Börsengänge für 2027 vor, der eine in Shanghai, der andere in Hongkong. Beide haben weniger Kapital als ihre US-Rivalen, ziehen aber viel Aufmerksamkeit auf sich und werden von Geldgebern aus der heimischen Tech-Szene getragen.

Für deutsche Anleger bleibt es vorerst beim Blick von außen. Neuemissionen in Shanghai oder Hongkong sind über viele deutsche Broker nur eingeschränkt oder gar nicht handelbar, welche Börsenplätze dein Broker anbietet, solltest du deshalb vorab prüfen. Die bereits notierten chinesischen KI-Werte wie Z.ai und MiniMax haben wir in unserem Artikel zum Börsengang von DeepSeek und Moonshot ausführlich eingeordnet.

DeepSeek Aktie: Shanghai statt New York

DeepSeek hat sich laut Reuters (09.09.) die Bank CITIC Securities ins Boot geholt, um einen Börsengang am Shanghaier STAR Market vorzubereiten. Das ist ein frühes Stadium: Einen öffentlichen Antrag gibt es nicht, über den Zeitpunkt ist nach den Berichten noch nicht entschieden. Bloomberg hält einen Börsengang Anfang 2027 für möglich.

Parallel sammelt das Unternehmen frisches Kapital ein. Laut Bloomberg (06.10.) soll die laufende Runde mindestens 80 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 12 Milliarden USD, erreichen. Größere Beträge sollen unter anderem von Tencent und dem Batteriekonzern CATL kommen, abgeschlossen ist die Runde noch nicht, eine Bewertung wurde nicht genannt. Hinter DeepSeek steht Gründer Liang Wenfeng, der das Unternehmen mit Gewinnen und Rechenleistung seines Quant-Fonds High-Flyer aufgebaut hat. Bei der ersten Runde im Juni flossen die Mittel laut Berichten in eine von ihm verwaltete Beteiligungsgesellschaft, offenbar, damit er die Kontrolle behält.

Für die Einordnung fehlt vieles. Offizielle Umsatzzahlen liegen nicht vor, laut The Information soll Liang Investoren eine Run-Rate von rund 1 Milliarde USD genannt haben. Das ist ein auf zwölf Monate hochgerechneter Wert und kein Jahresumsatz. Der Markt weiß damit noch nicht, ob er ein Geschäft oder eine Forschungsgruppe bewerten soll.

Moonshot AI Aktie: Hongkong im ersten Quartal

Moonshot AI, der Entwickler des Chatbots Kimi, hat nach Berichten von LatePost und Reuters am 03.09. vertraulich einen Börsenantrag in Hongkong eingereicht. Das Unternehmen hat das nicht bestätigt. Bloomberg zufolge (06.10.) soll der Börsengang im ersten Quartal 2027 stattfinden und bis zu 5 Milliarden USD einbringen, als Konsortialbanken werden unter anderem Goldman Sachs und CICC genannt.

Die Bewertung ist in Rekordtempo gestiegen: In der laufenden Finanzierungsrunde liegt sie laut Bloomberg bei rund 50 Milliarden USD, zu den Geldgebern zählen Alibaba, Tencent und Meituan. Gemessen am zuletzt berichteten annualisierten Umsatz von rund 300 Millionen USD (Stand Juni, nicht bestätigt) wäre das mehr als das 150-Fache. Das ist eine Wette auf kräftiges Wachstum, und ob sie aufgeht, werden erst Prospektzahlen zeigen.

Moonshot ist damit näher an einem klassischen Börsengang als DeepSeek: Banken sind benannt, Börse und Quartal stehen im Raum. Offen bleiben Eigentümerstruktur, tatsächliche Umsätze und die Frage, wie stark das Geschäft von Regulierung und dem Zugang zu leistungsfähigen Chips abhängt.

Die fünf KI-Labore im Überblick

Wie weit die fünf Kandidaten tatsächlich sind, zeigt die Übersicht. Außer bei SpaceX beruhen die Angaben auf Medienberichten oder auf dem Prospektentwurf, den Reuters ausgewertet hat. Stand ist der 10.10.2026.

UnternehmenStatus und BörseLetzte BewertungUmsatz oder Run-RateKontrolle und Geldgeber
SpaceXSeit 12.06. an der Nasdaq (SPCX)Rund 1,77 Billionen USD zum BörsengangQ2 2026: 7,81 Mrd. USD Umsatz, davon 2,56 Mrd. USD aus dem KI-SegmentZwei Aktienklassen laut Börsengang-Unterlagen
AnthropicVertraulicher Entwurf am 01.06. eingereicht, Nasdaq laut Berichten, Erstnotiz laut Bloomberg Mitte bis Ende November965 Mrd. USD (Mai-Runde), im Gespräch sind 1,8 bis 2 Billionen USD2025: 4,6 Mrd. USD Umsatz, Run-Rate laut Medien rund 65 Mrd. USDSieben Mitgründer sollen 50,1 % der Stimmen erhalten, Amazon, Google und Microsoft zugleich Geldgeber, Kunden und Cloudpartner
OpenAIVertraulicher Entwurf Anfang Juni eingereicht, Börsengang laut Altman nicht 2026852 Mrd. USD (März), laut Bloomberg Verhandlung über 1,4 Billionen USD (Pre-Money)Run-Rate knapp 70 Mrd. USD (Bloomberg)Stiftung kontrolliert die Gesellschaft, Microsoft zuletzt rund 27 %
Moonshot AIVertraulicher Antrag in Hongkong am 03.09. (nicht bestätigt), Ziel erstes Quartal 2027Rund 50 Mrd. USD in laufender RundeRund 300 Mio. USD annualisiert (Stand Juni, nicht bestätigt)Alibaba, Tencent, Meituan als Geldgeber
DeepSeekCITIC Securities beauftragt, STAR Market Shanghai, Anfang 2027 möglichNicht berichtetRun-Rate rund 1 Mrd. USD (nicht bestätigt)Gründer Liang Wenfeng über eigene Beteiligungsgesellschaft, Tencent und CATL als Geldgeber
Run-Rate ist ein auf zwölf Monate hochgerechneter aktueller Monatswert und kein Jahresumsatz. Yuan-Beträge wurden von Bloomberg in US-Dollar umgerechnet. Alle Angaben ohne Gewähr.

Zwei der fünf lassen sich heute belastbar bewerten: SpaceX mit Börsenkurs und Quartalszahlen, Anthropic mit einem Prospektentwurf, dessen Zahlen Reuters ausgewertet hat. Bei OpenAI, Moonshot AI und DeepSeek bleibt vieles Schätzung. Und selbst bei Anthropic ist das Wichtigste noch offen: Preisspanne, Volumen und Handelstag stehen nicht fest, einen öffentlichen Prospekt gibt es bislang nicht.

Wie du an Anthropic und OpenAI herankommst, bevor sie an der Börse sind

Wer vor dem Börsengang dabei sein will, landet schnell in einem unübersichtlichen und teilweise gefährlichen Markt. Beide Unternehmen haben im Mai klargestellt, dass Übertragungen ihrer Anteile an Zweckgesellschaften (SPVs) unwirksam sind. Anthropic warnte zudem, dass Anbieter, die Beteiligungen über Direktverkäufe, Termingeschäfte oder tokenisierte Wertpapiere verkaufen, wahrscheinlich entweder betrügen oder eine Anlage anbieten, die womöglich keinen Wert hat. Ein Solana-Token mit Anthropic-Bezug verlor damals binnen einer Woche rund ein Drittel, ein OpenAI-Token fast 40 Prozent (CoinDesk, 13.05.). Die Übersicht zeigt, welche Wege es gibt und was jeweils der Haken ist.

WegWas du bekommstHaken
Direktkauf nach dem BörsengangAktien an der Börse, sobald Ticker und Handelstag feststehenErstnotizen schwanken stark, eine Zuteilung zum Ausgabepreis ist für Privatanleger meist nicht möglich, Limit-Order empfehlenswert, Handel in US-Dollar mit Wechselkurs- und Ordergebühren
Börsennotierte GeldgeberAnthropic indirekt über Amazon und Alphabet, OpenAI indirekt über Microsoft und SoftBankDer Anteil ist klein im Verhältnis zum Konzern, du kaufst vor allem das Kerngeschäft
SpaceX als BrückeZugang zu Grok und xAI über eine bereits gelistete AktieKI ist nur ein Segment neben Raketen und Starlink, Aktie schwankt stark
Private-Equity-ELTIFFonds mit privaten Beteiligungen, zum Beispiel der ARK Private Innovation ELTIF (laut ARK rund 27 % OpenAI, Stand Juni, ein Anthropic-Anteil ist nicht bestätigt), über die Berliner Plattform NAO ab 1 Euro handelbarRückgabe nur quartalsweise und begrenzt (bis zu 5 % des Fondsvermögens), Bewertung der Beteiligungen ohne Börsenkurs, Kosten nur im aktuellen Produktblatt prüfbar
Zweckgesellschaften und Token mit Pre-IPO-BezugIndirekte Ansprüche, oft auf Krypto-Plattformen beworbenLaut Anthropic und OpenAI unwirksam oder wertlos, keine Aktionärsrechte, hohe Preisschwankungen, Betrugsrisiko

Bei jedem Angebot helfen drei Fragen: Was genau bekomme ich, wer ist mein Vertragspartner, und was kostet es bis zum Ausstieg? Besonders wichtig ist die Einordnung beim Weg über börsennotierte Geldgeber. Laut dem Prospektentwurf sind Amazon, Google und Microsoft für Anthropic zugleich Investor, Kunde, Cloudanbieter, Vertriebspartner und Wettbewerber, für ihre Aktionäre bleibt Anthropic ein Posten in einem viel größeren Geschäft. Das gilt analog für Microsoft bei OpenAI.

Ohne Geld kannst du schon heute mehr tun, als es scheint: den Prospekt lesen, sobald er öffentlich ist (er erscheint auf sec.gov), die Termine verfolgen und die Kandidaten auf eine Watchlist setzen. Wer später handeln will, braucht nur ein Depot bei einem Broker, der den jeweiligen Handelsplatz unterstützt.

Wenn der Anthropic Börsengang zur Bewertungsfrage wird

Im Mai bewerteten Investoren Anthropic mit 965 Milliarden USD, für den Börsengang sind laut Bloomberg 1,8 bis 2 Billionen USD im Gespräch. Rund eine Verdopplung binnen weniger Monate, bei 4,6 Milliarden USD Umsatz im Jahr 2025. Investor Michael Burry nennt das eine Blase. Das ist die Meinung eines prominenten Skeptikers und kein Beleg, zeigt aber, wie weit die Erwartungen auseinanderliegen.

Die Risikoliste im Prospektentwurf ist lang. Anthropic hat sich laut Reuters mit mindestens 518 Milliarden USD über zehn Jahre zu Rechenleistung verpflichtet, rund 80 Prozent davon sind nicht kündbar. Zwei Kunden standen 2025 für knapp ein Viertel des Umsatzes, und Amazon, Google und Microsoft sind zugleich Geldgeber, Kunden und Konkurrenten. Dazu kommen die Stimmrechte: Mit 50,1 Prozent bei den Gründern haben Außenaktionäre bei vielen Entscheidungen kaum Einfluss. Wie Anthropic mit Sicherheit und Regulierung umgeht, erklärt unser Artikel zur KI-Bremse von Dario Amodei.

Zum Schluss das Praktische: Erstnotizen schwanken stark. SpaceX schloss am ersten Handelstag bei 160,95 USD, lag Anfang August zeitweise unter dem Ausgabepreis von 135 USD und schloss am 09.10. bei 162,57 USD, rund 28 Prozent unter dem Allzeithoch von 225,64 USD. Das Ende der Sperrfrist für Altaktionäre gilt am Markt regelmäßig als Risikotermin, und gehandelt wird in US-Dollar, sodass auch Wechselkurs und Gebühren zählen.

Fazit: Der Anthropic Börsengang als Test für alle anderen

Die KI-Börsengänge sind der nächste große Test für den Markt: Zahlt er Billionen für Unternehmen, deren Verluste sich erst im Prospekt richtig lesen lassen? SpaceX hat gezeigt, dass das geht, aber auch, dass der Weg nach der Erstnotiz nicht geradlinig verläuft. Der Anthropic Börsengang ist der nächste Prüfstein, OpenAI wartet ab, DeepSeek und Moonshot AI folgen frühestens 2027. Bis zum ersten Handelstag geht es für dich weniger um die Frage, was du kaufen sollst, sondern darum, die Zahlen einordnen zu können.

  • Für alle, die sich informieren wollen: Prospekt lesen, sobald er öffentlich ist, und Umsatz und Run-Rate auseinanderhalten.
  • Für alle, die vorher aktiv werden wollen: Beteiligungen börsennotierter Geldgeber prüfen und jedes Pre-IPO-Angebot nach Kosten, Rechten und Vertragspartner befragen.
  • Für alle, die erst danach handeln wollen: Die ersten Wochen abwarten, wie bei SpaceX, und Sperrfristende und Quartalszahlen im Kalender haben.

Risiken und Ausblick

Alle Termine sind bislang Planungen, keine bestätigten Daten:

DatumEreignisStatus
14.10.Anthropic trifft potenzielle Investoren in San FranciscoLaut Bloomberg geplant
27./28.10.Fed-SitzungBestätigt
03.11.US-ZwischenwahlenBestätigt
Ab 09.11.Mögliche formelle Vermarktung von AnthropicLaut Bloomberg Planung
Mitte bis Ende NovemberMögliche Erstnotiz von Anthropic, vor Thanksgiving am 26.11.Laut Bloomberg Planung
Erstes Quartal 2027Mögliche Erstnotiz von Moonshot AI in HongkongLaut Bloomberg Planung
2027Mögliche Börsengänge von OpenAI und DeepSeekMedienberichte, nicht bestätigt

Ein Börsengang ist kein Qualitätssiegel, und eine große Bewertung garantiert keinen Erfolg. SpaceX liegt trotz wechselhaftem Start rund 20 Prozent über dem Ausgabepreis, ob Anthropic und OpenAI ihre noch höheren Erwartungen erfüllen, ist offen. Die schon heute handelbaren Profiteure des Booms zeigt unsere Topstory zu KI-Aktien jenseits der Chips.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Keiner der Autoren ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse in den erwähnten Wertpapieren investiert.

Häufige Fragen

Wann geht Anthropic an die Börse?

Einen festen Termin gibt es nicht. Anthropic hat am 01.06. vertraulich Unterlagen bei der SEC eingereicht. Reuters berichtete zunächst von einem möglichen Abschluss vor den US-Zwischenwahlen am 03.11., Bloomberg zuletzt von einem Zeitfenster Mitte bis Ende November vor Thanksgiving. Beides sind Planungen, die sich noch verschieben können.

Kann ich Anthropic Aktien kaufen?

Aktuell nein, Anthropic ist nicht börsennotiert. Ticker, die auf einzelnen Finanzportalen auftauchen, sind Platzhalter. Erst nach dem ersten Handelstag lässt sich die Aktie über einen Broker kaufen, der den Handelsplatz unterstützt. Vor dem Börsengang warnt Anthropic selbst vor Angeboten, die Anteile über Zweckgesellschaften oder Token verkaufen.

Wie viel ist Anthropic wert, und macht das Unternehmen Verluste?

Die letzte Finanzierungsrunde im Mai bewertete Anthropic mit 965 Milliarden USD, für den Börsengang sind laut Bloomberg 1,8 bis 2 Billionen USD im Gespräch. 2025 stand bei 4,6 Milliarden USD Umsatz ein Nettoverlust von 42 Milliarden USD. Davon entfallen rund 34 Milliarden USD auf eine nicht zahlungswirksame Neubewertung, der operative Verlust lag bei 8,06 Milliarden USD.

Wann geht OpenAI an die Börse?

OpenAI hat im Juni vertraulich Unterlagen eingereicht, CEO Sam Altman sagte aber am 12.09. gegenüber Fortune, ein Börsengang sei "not 2026". Laut Bloomberg verhandelt das Unternehmen stattdessen über eine Überbrückungsrunde von mindestens 30 Milliarden USD bei rund 1,4 Billionen USD Bewertung. Ein Börsengang gilt damit frühestens 2027 als wahrscheinlich.

Gibt es eine OpenAI Aktie, oder auch Open AI Aktie?

Nein, weder unter der Schreibweise "OpenAI" noch unter "Open AI". OpenAI ist nicht börsennotiert, die Marke schreibt sich zusammen. Anteile lassen sich bislang nur indirekt halten, etwa über börsennotierte Geldgeber wie Microsoft und SoftBank. Auch das ist nur ein indirekter Weg und keine Beteiligung an OpenAI selbst.

Gibt es eine ChatGPT-Aktie?

Nein. ChatGPT ist ein Produkt von OpenAI und hat keine eigene Aktie. Wer auf ChatGPT setzen will, müsste in OpenAI investieren, und das Unternehmen ist nicht börsennotiert.

Hat Elon Musk eine KI-Aktie?

Was ist mit xAI und Grok? Grok kommt von xAI, und xAI gehört inzwischen zu SpaceX. SpaceX ist seit dem 12.06. an der Nasdaq notiert (Ticker SPCX). Eine eigenständige xAI-Aktie gibt es nicht, wer an Grok beteiligt sein will, kauft SpaceX und damit auch Raketen und Starlink.

Wann geht DeepSeek an die Börse, und kann ich die Aktie kaufen?

DeepSeek hat laut Reuters die Bank CITIC Securities für einen möglichen Börsengang in Shanghai beauftragt, Bloomberg hält Anfang 2027 für möglich. Einen öffentlichen Antrag gibt es bislang nicht, die Aktie ist daher nicht handelbar. Auch nach einem Börsengang ist der Zugang zum Shanghaier STAR Market für deutsche Anleger über viele Broker eingeschränkt.

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