Börsengang von DeepSeek & Moonshot: Welche China-KI-Aktien du kennen solltest

Chinas Wettbewerb um leistungsfähige KI-Modelle erreicht den Kapitalmarkt. Während Alibaba, Tencent und Xiaomi ihre Modelle innerhalb bestehender Technologiekonzerne entwickeln, bereiten mehrere spezialisierte KI-Labs den Gang an die Börse vor. Besonders weit ist Moonshot AI, der Entwickler des Modells Kimi K3. Auch DeepSeek und 01.AI arbeiten auf ein Listing hin.

Damit entsteht für Anleger eine neue Auswahl. Bisher führte der Weg zu chinesischer KI meist über große Plattformkonzerne. Seit Januar 2026 sind mit Z.ai und MiniMax zwei reine KI-Anbieter in Hongkong gelistet. Weitere Unternehmen könnten Ende 2026 oder im Laufe des Jahres 2027 folgen.

Moonshot AI ist der nächste große IPO-Kandidat

Moonshot AI hat seine Festland-Einheit am 29. Juli 2026 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Das Unternehmen schafft damit eine Voraussetzung für ein geplantes Listing in Hongkong. Mehrere Medienberichte nennen einen Börsengang innerhalb von etwa sechs Monaten. Als mögliche Konsortialbanken werden CICC und Goldman Sachs genannt. Einen Bericht über eine bereits im August erfolgte Einreichung bei der Hong Kong Stock Exchange hat Moonshot AI jedoch dementiert.

Laut vorliegenden Informationen befindet sich Moonshot AI zugleich in einer finalen Finanzierungsrunde vor dem Börsengang. Dabei wird eine Bewertung von bis zu 50 Milliarden US-Dollar angestrebt. Als Zeitraum für das Listing werden Ende 2026 oder das erste Quartal 2027 genannt. Ein verbindliches Datum gibt es noch nicht. Weitere Einzelheiten zu den Vorbereitungen enthält der Bericht über Moonshots IPO-Pläne.

Der wichtigste Grund für das gestiegene Interesse ist Kimi K3. Moonshot veröffentlichte das Modell am 27. Juli 2026 mit offenen Gewichten. K3 ist ein multimodales Large Language Model mit 2,8 Billionen Parametern in einem Mixture-of-Experts-Design. Rund 104 Milliarden Parameter sind jeweils aktiv. Das Modell verarbeitet nativ einen Kontext von einer Million Token.

Im Artificial Analysis Intelligence Index v4.1.1 vom 20. August erreicht Kimi K3 in der Max-Variante einen Wert von 60. Damit liegt es knapp hinter Claude Opus 5 mit 63 Punkten, Claude Fable 5 mit 62 Punkten und GPT-5.6 Sol mit 61 Punkten. Kimi K3 ist gleichauf mit GLM-5.3 und gehört damit zu den stärksten Modellen mit offenen Gewichten.

Leistung allein entscheidet nicht über den Erfolg

Moonshot setzt Kimi K3 preislich am oberen Ende des chinesischen Marktes an. Eine Million Input-Token kosten laut Listenpreis 3 US-Dollar, eine Million Output-Token 15 US-Dollar. Damit ist Kimi K3 das teuerste chinesische Modell im vorliegenden Vergleich. Alibaba verlangt für Qwen3.8-Max dagegen 2 US-Dollar für den Input und 6 US-Dollar für den Output. Qwen3.8-Max ist seit dem 3. August 2026 allgemein verfügbar.

Der Preisunterschied ist bei Anwendungen mit hohem Ausgabevolumen erheblich. Zehn Millionen Output-Token kosten auf Basis der Listenpreise bei Kimi K3 150 US-Dollar, bei Qwen3.8-Max 60 US-Dollar. Moonshot muss deshalb zeigen, dass die Leistung des Modells den Aufpreis bei anspruchsvollen Aufgaben, langen Agenten-Läufen und multimodalen Anwendungen rechtfertigt.

DeepSeek verfolgt eine andere Positionierung. V4-Pro erreicht 80,6 Prozent bei SWE-bench Verified, bietet ebenfalls eine Million Token Kontext und kann bis zu 384.000 Output-Token ausgeben. Das Unternehmen hat seine Preise am 16. und 17. August allerdings deutlich angehoben. Je nach Route betrug die Erhöhung 50 Prozent bis mehr als 1.100 Prozent.

Eine Million Output-Token von DeepSeek V4-Pro kosten im Peak-Tarif nun 3,96 US-Dollar, zuvor waren es 0,87 US-Dollar. Gleichzeitig führte DeepSeek unterschiedliche Tarife nach Tageszeit ein. Die Peak-Zeiten liegen zwischen 9 und 12 Uhr sowie zwischen 14 und 18 Uhr Pekinger Zeit. Außerhalb dieser Zeitfenster kostet die Nutzung ungefähr die Hälfte des Peak-Tarifs.

Warum Token-Preise für KI-Anbieter wichtig sind

KI-Dienste rechnen Eingaben und erzeugte Ausgaben häufig nach Token ab. Besonders bei Agenten, Programmieraufgaben und langen Dokumenten können sich kleine Preisunterschiede stark auf die laufenden Kosten auswirken. Listenpreise und tatsächlich verfügbare Router-Preise können voneinander abweichen.

DeepSeek plant den Börsengang in Shanghai

Auch DeepSeek bereitet den Zugang zum Aktienmarkt vor. Das Unternehmen hat im Juni 2026 eine Finanzierung von rund 7,4 Milliarden US-Dollar abgeschlossen und strebt laut vorliegenden Informationen eine Bewertung von bis zu 71 Milliarden US-Dollar an. Als Börsenplatz ist der STAR Market in Shanghai vorgesehen.

Medienberichte nennen Ende 2026 als möglichen Zeitpunkt für die Einreichung der Unterlagen. Der eigentliche Börsengang wird frühestens für das zweite Quartal 2027 erwartet. DeepSeek wäre damit nach Moonshot AI der nächste große Kandidat unter den bislang privaten chinesischen KI-Labs. Der geplante Börsenplatz unterscheidet sich jedoch: Moonshot zielt auf Hongkong, DeepSeek auf Shanghais Technologiemarkt.

Für DeepSeek spricht die Verbindung aus hoher Modellleistung und vergleichsweise niedrigen Nutzungskosten. Trotz der jüngsten Preiserhöhung bleiben V4-Flash und V4-Pro außerhalb der Peak-Zeiten günstige Grundlagen für KI-Anwendungen. Niedrige Kosten für Cache-Hits können zudem Anwendungen begünstigen, die wiederholt denselben System-Prompt verwenden.

Beim Börsengang dürfte auch die technische Lieferkette eine Rolle spielen. GLM-5.3-Flash von Z.ai zeigt bereits, dass ein konkurrenzfähiges Modell vollständig auf chinesischen Chips betrieben werden kann. Das Modell liegt auf Platz zehn des Artificial Analysis Intelligence Index v4.1.1. Medienanalysen sehen auch DeepSeek wegen der Skalierung seiner V4-Modelle und des Einsatzes chinesischer Chips als einen wichtigen Kandidaten für ein großes KI-Listing in Shanghai.

Diese Aktien bilden Chinas KI-Markt bereits ab

Alibaba, Tencent und Xiaomi sind keine reinen KI-Labs. Ihre Modelle sind Teil größerer Geschäfte mit Cloud-Diensten, Plattformen, Werbung, Smartphones und weiteren Produkten. Gemeinsam geben sie Anlegern aber schon heute Zugang zu unterschiedlichen Bereichen des chinesischen KI-Marktes.

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Alibaba steht in dieser Gruppe besonders im Blickpunkt, weil Qwen3.8-Max preislich deutlich unter Kimi K3 liegt. Das Modell verbindet die KI-Entwicklung mit Alibabas bestehendem Ökosystem. Der Konzern ist unter anderem über die Hongkonger Aktie mit dem Tickersymbol 9988 und über ADRs handelbar.

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Tencent entwickelt Hunyuan und kann das Modell mit seinen bestehenden Cloud-, Kommunikations-, Video- und Gaming-Angeboten verbinden. Für den Konzern ist KI daher kein separates Börsenprojekt, sondern ein Bestandteil des laufenden Geschäfts. Die Tencent-Aktie wird in Hongkong unter dem Tickersymbol 0700 gehandelt.

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Xiaomi arbeitet mit MiMo ebenfalls an einem eigenen Modell. Der Konzern bringt dabei eine andere Ausgangslage mit als reine Softwareanbieter: Xiaomi kann KI-Funktionen mit Smartphones und weiteren vernetzten Geräten verbinden. Die Aktie trägt in Hongkong das Tickersymbol 1810.

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Zur Gruppe der bereits gelisteten Technologiekonzerne gehören außerdem Baidu mit Ernie 5.1, Kuaishou mit Kling und KAT-Coder sowie iFlytek mit Spark. Diese Unternehmen bieten ebenfalls Zugang zum chinesischen KI-Sektor, ihre Geschäftsmodelle hängen aber nicht allein vom Erfolg eines einzelnen Sprachmodells ab.

Z.ai und MiniMax sind die ersten reinen KI-Werte

Z.ai, früher unter dem Namen Zhipu bekannt, ist seit dem 8. Januar 2026 in Hongkong unter dem Tickersymbol 2513 gelistet. Das Unternehmen entwickelt die GLM-Modellfamilie. GLM-5.2 kostet laut eigenen Angaben 1,40 US-Dollar je Million Input-Token und 4,40 US-Dollar je Million Output-Token. Das Modell ist MIT-lizenziert und mit offenen Gewichten auf Hugging Face verfügbar.

 

MiniMax folgte am 9. Januar 2026. Die Aktien wurden beim Börsengang zu 165 Hongkong-Dollar ausgegeben und beendeten den ersten Handelstag bei 345 Hongkong-Dollar. Das entsprach einem Plus von 109 Prozent. MiniMax erlöste bei dem Börsengang rund 620 Millionen US-Dollar. Nach der Aufnahme in Stock Connect erreichte das Unternehmen erneut einen Börsenwert von mehr als 100 Milliarden Hongkong-Dollar.

Das operative Wachstum ist hoch, wird aber von erheblichen Investitionen begleitet. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz von MiniMax um 283 Prozent. Gleichzeitig entstand ein bereinigter Nettoverlust von 293 Millionen US-Dollar. Für den Wettbewerb ist vor allem das Modell M3 interessant. Es bietet eine Million Token Kontext und kostet etwa 0,28 US-Dollar für eine Million Input-Token sowie 1,10 US-Dollar für eine Million Output-Token.

Z.ai und MiniMax bereiten laut Branchenberichten zufolge zusätzlich Zweitlistings am STAR Market in Shanghai vor. Damit könnten die beiden Unternehmen nach ihrem Börsenstart in Hongkong auch Zugang zu Anlegern auf dem chinesischen Festland erhalten.

01.AI und ByteDance bleiben vorerst außerhalb der Börse

Für 2027 steht ein weiterer möglicher Börsengang auf der Liste. 01.AI plant den zugrundeliegenden Bericht zufolge ein Listing in Hongkong. Ein genauer Termin, ein Tickersymbol und die Struktur der Transaktion stehen noch nicht fest. Das Unternehmen würde damit in ein Marktumfeld eintreten, in dem Moonshot AI und DeepSeek bereits deutlich höhere Finanzierungs- und Bewertungsgrößen anstreben.

ByteDance bleibt dagegen zum Stand Ende August 2026 ein privates Unternehmen. Der Konzern bietet mit Doubao und Seed 2.1 Pro eigene KI-Produkte an. Seed 2.1 Pro wird auf Basis der umgerechneten Preise mit etwa 0,88 US-Dollar je Million Input-Token und 4,41 US-Dollar je Million Output-Token angegeben. Einen angekündigten Börsengang gibt es im Faktenblock nicht.

Die Reihenfolge der nächsten Listings zeichnet sich damit ab: Moonshot AI gilt als der am weitesten fortgeschrittene Kandidat und strebt den Börsengang in Hongkong innerhalb der kommenden Monate an. DeepSeek zielt anschließend auf den STAR Market, frühestens im zweiten Quartal 2027. Ebenfalls für 2027 plant 01.AI ein Hongkong-Listing. Z.ai und MiniMax sind bereits handelbar und arbeiten an zusätzlichen Notierungen in Shanghai.

Für die großen börsennotierten Konzerne bleibt der Ausbau eigener Modelle zugleich eine strategische und finanzielle Aufgabe. Alibaba muss Qwen weiterentwickeln und in sein Ökosystem einbinden, während Tencent und Xiaomi ihre Modelle mit bestehenden Diensten und Geräten verbinden können. Die reinen KI-Labs bieten Anlegern einen direkteren Bezug zum Modellgeschäft, benötigen für Training, Chips und Infrastruktur aber viel Kapital. Das Beispiel MiniMax zeigt, dass starkes Umsatzwachstum und hohe Verluste in dieser frühen Marktphase gleichzeitig auftreten können.

Offizielle Quellen

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