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Florian Behlau in Börsennews

26.07.2026 12:57

Blogartikelbild Ölpreis läuft Richtung 100 Dollar: Diese Öl-Aktien profitieren, diese schwimmen nur mit

Ölpreis läuft Richtung 100 Dollar: Diese Öl-Aktien profitieren, diese schwimmen nur mit

Während an der Tankstelle die Preise anziehen, ist der Ölmarkt zurück im Krisenmodus: Brent sprang zuletzt über 100 Dollar, weil Tankerangriffe und die Eskalation rund um die Straße von Hormus die Angst vor Lieferausfällen schüren. Öl-Aktien rücken damit wieder in den Fokus – doch genau das macht die Lage gefährlich.

Sind Shell, BP, ExxonMobil und Co. jetzt die Gewinner der Krise, oder kaufen Spätkommer nur eine Nachrichtenspitze, die mit der nächsten Waffenruhe wieder verpufft? In dieser Goldesel Topstory zeigen wir, was den Ölpreis treibt, welche fünf Werte spannend sind, welche Rolle Öl-ETFs spielen – und wo die größten Risiken lauern.

Warum der Ölpreis wieder Richtung 100 Dollar läuft

Der Ölmarkt handelt derzeit weniger die aktuelle Versorgungslage als die Angst vor dem nächsten Ausfall. Brent ist zuletzt über die Marke von 100 USD gesprungen, weil sich gleich mehrere Krisen rund um wichtige Transportwege überlagern.

  • Erstens: die Straße von Hormus. Durch die Meerenge läuft ein großer Teil des weltweiten Ölhandels. Sobald dort Tanker ausweichen, Routen unsicher werden oder eine Blockade auch nur glaubwürdig erscheint, steigt die Risikoprämie im Ölpreis. Für den Markt reicht oft schon die Angst vor einem Ausfall, lange bevor physisch tatsächlich Öl fehlt.
  • Zweitens: das Rote Meer. Angriffe der Houthi-Rebellen auf Tanker und Energie-Infrastruktur verschärfen die Lage zusätzlich. Damit steht nicht nur der Persische Golf unter Druck, sondern auch eine zweite wichtige Route für Öltransporte. Das treibt Frachtraten, Versicherungsprämien und Umwege nach oben.
  • Drittens: die 100-Dollar-Marke. Steigt Brent über diese psychologisch wichtige Schwelle, rücken Öl-Aktien automatisch wieder stärker in den Fokus. Shell, BP und andere große Energiekonzerne verdienen bei hohen Preisen deutlich mehr Geld. Genau deshalb steigen ihre Kurse häufig, wenn der Ölpreis in den Krisenmodus schaltet.

Trotzdem ist die Lage nicht so eindeutig, wie die Schlagzeilen wirken. Die US-Lagerbestände sind zuletzt überraschend gestiegen. Der Markt handelt also vor allem Risiko und Knappheitsangst, nicht zwingend schon einen akuten physischen Mangel.

Was treibt den Ölpreis?

Der Ölpreis wird kurzfristig oft von Schlagzeilen bewegt, mittelfristig aber von Angebot, Nachfrage und Lagerbeständen. Auf der Angebotsseite zählen vor allem OPEC+, US-Schieferöl und geopolitische Ausfälle, auf der Nachfrageseite Konjunktur, China, Verkehr und Industrie. Dazu kommt die Risikoprämie: Wenn wichtige Routen wie die Straße von Hormus unsicher werden, steigt der Preis oft schon, bevor tatsächlich Öl fehlt. Deshalb ist der aktuelle Anstieg vor allem eine Mischung aus Krisenangst und Versorgungssorge.

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Die Straße von Hormus in einer Grafik

Grafik zu Schiffsdurchfahrten durch die Straße von Hormus (2021–2026) zur Einordnung von Öl-Aktien
Schiffsdurchfahrten durch die Straße von Hormus (2021–2026). Quelle: Apollo / AIS-Schiffsdaten

Die Straße von Hormus ist der Engpass, an dem die aktuelle Ölkrise sichtbar wird. In normalen Jahren fahren täglich Dutzende Schiffe durch die Meerenge zwischen Iran und Oman. 2026 ist diese Routine zeitweise fast zum Erliegen gekommen. Die Grafik zeigt drei Dinge besonders deutlich:

Vor der Eskalation war Hormus berechenbar. Über Jahre bewegten sich die täglichen Schiffsdurchfahrten in einem relativ stabilen Band. Genau deshalb ist die Meerenge für den Ölmarkt so wichtig: Sie ist keine Nebenroute, sondern eine der zentralen Schlagadern des Welthandels.

Mit der Krise brach der Verkehr ein. Als die Lage am Golf eskalierte, gingen die Durchfahrten stark zurück. Reeder meiden riskante Routen, Versicherungen werden teurer, Tanker nehmen Umwege in Kauf.

Die Juni-Erholung hielt nicht lange. Nach der zwischenzeitlichen Entspannung zog der Verkehr kurz wieder an, fiel mit der nächsten Eskalation aber erneut zurück. Genau dieser Verlauf macht die Unsicherheit am Ölmarkt greifbar.

Bevor es um die konkreten Öl-Aktien geht, lohnt deshalb ein kurzer Blick auf den Preis selbst: Denn wenn vom Ölpreis die Rede ist, ist meistens Brent gemeint – nicht WTI.

Brent, WTI und warum es zwei Ölpreise gibt

Brent ist die wichtigste Referenzsorte für den internationalen Ölhandel und prägt auch die Preisentwicklung in Europa. WTI steht für US-Öl mit Lieferpunkt in Cushing, Oklahoma, und notiert meist einige Dollar darunter. Wenn hier vom Ölpreis die Rede ist, meinen wir deshalb Brent.

Öl-Aktien kaufen wegen der Krise? Drei Treiber, drei Stolperfallen

Die Hormus-Krise dominiert derzeit die Schlagzeilen, doch sie ist nicht das Fundament der Investment-Story. Wer die großen Ölkonzerne versteht, der weiß: Die geopolitische Eskalation wirkt lediglich wie ein Brandbeschleuniger auf Entwicklungen, die im Sektor schon länger laufen. Bevor man jedoch blind auf steigende Kurse setzt, gilt es Treiber und Risiken abzuwägen.

Drei Treiber, die für Öl-Aktien sprechen

  1. Die Risikoprämie: Solange die Straße von Hormus blockiert bleibt und Houthi-Rebellen Tanker im Roten Meer angreifen, zahlen Märkte einen geopolitischen Risikoaufschlag. Jeder zusätzliche Konfliktherd schlägt bei den Förderern unmittelbar auf Marge, Umsatz und freien Cashflow durch.
  2. Die Kapitaldisziplin: Die Konzerne haben aus früheren Ölpreis-Abstürzen gelernt. Statt Unmengen an Kapital in spekulative Mega-Projekte zu pumpen, halten Shell, BP, ExxonMobil, TotalEnergies und Equinor ihr Geld zusammen. Sie schütten pro Jahr zweistellige Milliardenbeträge über Dividenden und Aktienrückkäufe an ihre Eigner aus.
  3. Die strukturelle Unterinvestition: Jahrelang wurden weltweite Explorationsausgaben zurückgefahren – auch getrieben durch die Unsicherheiten der Energiewende. Neues Ölangebot entsteht heute deutlich langsamer als in früheren Zyklen. Diese Verknappung stützt das Preisniveau mittelfristig, ganz unabhängig von Tagesnachrichten aus dem Iran.

Drei Stolperfallen, die Anleger kennen müssen

  1. Die Schlagzeilen-Falle: Wer auf dem Höhepunkt der Krise kauft, bezahlt die Risikoprämie voll mit. Wie schnell diese verpuffen kann, zeigte der Juni: Sobald Signale einer Diplomatie aufkommen, geben Kurse spürbar nach. Ereignisprämien verschwinden oft genauso schnell, wie sie entstehen.
  2. Die Dividenden-Falle: Eine Dividendenrendite von 5 bis 7 % ist kein garantiertes Festgeld. Im Krisenjahr 2020 halbierte BP seine Ausschüttung, und Shell kürzte die Dividende erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Ausschüttungen der Aktien hängen am Rohstoffpreis.
  3. Die Quellensteuer-Falle: Ein feiner, aber teurer Unterschied für deutsche Anleger. Während bei britischen Titeln (Shell, BP) keine Quellensteuer anfällt und US-Werte (ExxonMobil) unkompliziert mit 15 % angerechnet werden, behält Norwegen bei Equinor 25 % ein. Auch in Frankreich (TotalEnergies) wird je nach Abwicklungsmodell mehr als die anrechenbare Steuer abgezogen.

Fünf Öl-Aktien im Check

ExxonMobil Aktie: US-Gigant mit starker Produktion

Aktienverlinkung: US30231G1022

ExxonMobil setzt von allen fünf Konzernen am konsequentesten auf das klassische Öl- und Gasgeschäft. Während europäische Konkurrenten lange über den Umbau ihrer Geschäftsmodelle berieten, hat der US-Konzern seine Produktion dort ausgebaut, wo Rohöl besonders effizient gefördert werden kann. Zusammen mit der Übernahme von Pioneer Natural Resources im US-Schieferöl-Zentrum (Permian Basin) hat sich das Unternehmen ein künftiges Förderwachstum gesichert, das in der Branche seinesgleichen sucht.

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Wie effektiv diese Aufstellung bei hohen Marktpreisen wirkt, zeigt die Kostenstruktur des Konzerns. In zentralen Tiefsee- und Schieferöl-Projekten liegen die Break-even-Förderkosten teils bei unter 35 bis 40 US-Dollar je Barrel. Klettert der Brent-Preis Richtung 100 Dollar, generiert dieses Geschäft extrem hohe freie Cashflows. Im ersten Quartal 2026 erzielte ExxonMobil einen bereinigten Gewinn von 8,2 Milliarden USD.

Einen Großteil dieser Mittel gibt das Management an die Aktionäre weiter: Neben Aktienrückkäufen im Umfang von rund 19 Milliarden USD pro Jahr gehört Exxon zu den wenigen Dividenden-Aristokraten des Sektors, die ihre Ausschüttung seit über 40 Jahren jährlich anheben. Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei etwa 2,6 %, die nächsten Quartalszahlen stehen Anfang August an.

Chartanalyse ExxonMobil Aktie

Chartanalyse Exxonmobil Aktie – Juli 2026 – Tageschart

Die Aktie von ExxonMobil ist im Januar aus einer drei Jahre andauernden Seitwärtsphase unter massivem Volumen ausgebrochen und konnte innerhalb weniger Monate knapp 40 % zulegen. Zuletzt gab es aber auch einen deutlichen Rücksetzer. Spannend wäre ein Rücklauf zum Ausbruchsniveau bei 125,50 USD, was sich aber mit dem aktuell hohen Ölpreis als schwierig herausstellen dürfte.

  • Einstiegsszenario mittelfristig bei einem Rücklauf zum Ausbruchsniveau bei 125,50 USD.
  • RSI mit 59,58 etwas erhöht.

TotalEnergies Aktie: Der europäische Allrounder mit Euro-Dividende

Aktienverlinkung: FR0000120271

TotalEnergies wählt unter den großen Öl-Majors den pragmatischsten Weg. Der französische Konzern nutzt sein traditionelles Öl- und Gasgeschäft als verlässliche Cashquelle, um parallel ein zügig wachsendes Portfolio in den Bereichen Erneuerbare Energien und Strom („Integrated Power“) aufzubauen. Für Investoren bedeutet diese Doppelstrategie etwas weniger direkten Hebel auf stark schwankende Ölpreise, dafür aber einen planbaren Transformationspfad für die kommenden Jahre.

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Im Tagesgeschäft liefert dieses Modell verlässliche Resultate. Für das erste Quartal 2026 wies TotalEnergies einen bereinigten Reingewinn von 5,1 Milliarden USD aus. Neben der klassischen Förderung profitiert das Unternehmen stark von seiner Position im weltweiten Handel mit Flüssigerdgas (LNG), wo TotalEnergies hinter Shell die globale Nummer zwei ist.

Anleger schätzen zudem die Ausschüttungspolitik: TotalEnergies zahlt seine Quartalsdividende direkt in Euro aus (aktuell rund 4,5 % Rendite) und kauft zusätzlich für etwa 2,0 Milliarden USD pro Quartal eigene Aktien zurück. Die Veröffentlichung der Q2-Zahlen ist für Ende Juli geplant.

Chartanalyse TotalEnergies Aktie

Chartanalyse Totaleneriges Aktie – Juli 2026 – Tageschart

Die Aktie von TotalEnergies hat einen massiven Rebound von der Unterstützungszone zwischen 65,80 und 66,80 EUR aufs Parkett gezaubert. Die 50-Tage-Linie wurde mit Leichtigkeit überwunden und so nimmt die Aktie nun Anlauf auf den Widerstand rund um das Allzeithoch zwischen 80 und 81,35 EUR. Ein Einstieg auf dem aktuellen Niveau ist charttechnisch allerdings schwer zu definieren.

  • Der RSI ist kurz vor dem überkauften Bereich.
  • Einstiegsszenario: aktuell eher nicht gegeben – wenn bei einem Rücklauf in Richtung 73,50 EUR.
  • Mittelfristig spannend bei Rücklauf in Richtung 66 EUR.

Shell Aktie: LNG-Riese mit Rückkauf-Power

Aktienverlinkung: GB00BP6MXD84

Shell ist unter den europäischen Öl-Aktien der breiteste Krisenprofiteur. Der britische Konzern verdient nicht nur an Öl, sondern stark im Geschäft mit Flüssigerdgas und Energiehandel. Genau das macht Shell in der aktuellen Lage interessant: Hohe Preise stützen das Fördergeschäft, unsichere Transportrouten können zugleich die Bedeutung von LNG und Trading erhöhen.

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Die jüngsten Zahlen zeigen, warum die Aktie bei vielen Anlegern als Dividendenmaschine gilt. Im ersten Quartal 2026 erzielte Shell einen bereinigten Gewinn von 6,9 Milliarden USD, erhöhte die Dividende um 5 % und kündigte ein weiteres Aktienrückkaufprogramm über 3,0 Milliarden USD an. Die Dividendenrendite liegt aktuell bei rund 3,3 %, die nächsten Quartalszahlen stehen am 30. Juli an.

Strategisch bleibt Shell diszipliniert. Ältere oder weniger rentable Projekte sollen verkauft werden, während der Konzern über den geplanten ARC-Resources-Deal sein Gas- und LNG-Geschäft ausbauen will. Das Risiko: Ein Teil der Ölpreis-Rally steckt bereits im Kurs, und wenn die Krisenprämie wieder verschwindet, kann auch Shell kurzfristig unter Druck geraten.

Chartanalyse Shell Aktie

Chartanalyse Shell Aktie – Juli 2026 – Tageschart

Die Aktie von Shell unterscheidet sich vom Chartbild her nur in Nuancen von den Charts der anderen großen Ölkonzerne. Verständlich, denn Umsatz und Gewinn sind mit dem Ölpreis eng gekoppelt.

Shell hat zuletzt auf den Widerstand zwischen 33 und 33,48 EUR reagiert. Die Zone konnte zwar kurzzeitig überboten werden, der Kurs verkaufte anschließend aber wieder ab. Es bleibt nun zu beobachten, ob hieraus eine beginnende Korrektur wird oder ob der Bereich bald noch überwunden werden kann.

  • Einstiegsszenario: Long beim nachhaltigen Ausbruch über 33,50 EUR
  • Alternativ bei einem Rücksetzer in den Bereich zwischen 31 und 31,20 EUR – hier verläuft aktuell die 50-Tage-Linie.
  • Der RSI ist mit 67,64 aktuell noch deutlich erhöht.
OPEC+: Das Kartell, welches gerade nur zuschaut!

Normalerweise steuert das Kartell OPEC+ den Ölpreis über Förderquoten. Derzeit bleibt das Bündnis passiv, da die Preise allein durch die geopolitische Risikoprämie steigen. Die freien Förderkapazitäten vor allem in Saudi-Arabien (laut IEA etwa 3 bis 4 Millionen Barrel pro Tag) dienen derzeit als einziges Sicherheitsnetz gegen reale Versorgungsengpässe.

BP Aktie: Der günstige Turnaround unter den Öl-Majors

Aktienverlinkung: US0556221044

BP ist der Turnaround-Kandidat unter den großen Öl-Aktien. Der britische Konzern hat seinen früheren Schwenk Richtung Erneuerbare deutlich zurückgedreht und richtet sich wieder stärker auf Öl, Gas, Kostenkontrolle und Schuldenabbau aus. Dass BP über einen möglichen Verkauf des Solargeschäfts Lightsource verhandelt, passt genau in dieses Bild.

Aktienverlinkung: US0556221044
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Operativ kam BP zuletzt besser durch die Krise als erwartet. Im ersten Quartal 2026 lag der bereinigte Gewinn bei 3,2 Milliarden USD, getragen unter anderem von starkem Ölhandel und besseren Raffineriemargen. Für das zweite Quartal stellte BP zudem eine deutlich niedrigere Nettoverschuldung von 22 bis 23 Milliarden USD in Aussicht; die offiziellen Q2-Zahlen folgen am 4. August.

BP bleibt spannend, aber riskanter als Shell. Die Bewertung ist niedriger, die Dividendenrendite attraktiver, doch der Konzern muss erst beweisen, dass der Strategiewechsel wirklich dauerhaft höhere Renditen bringt. Wer auf BP setzt, kauft nicht den stabilsten Öl-Major, sondern die Wette, dass aus dem Nachzügler wieder ein disziplinierter Cashflow-Lieferant wird.

Chartanalyse BP Aktie

Chartanalyse BP Aktie – Juli 2026 – Tageschart

Ende März 2026 hatte BP knapp ein neues Allzeithoch markiert. Allerdings konnte der Bereich um die ehemaligen Hochs aus dem Jahr 2018 nicht nachhaltig überwunden werden und so korrigierte die Aktie zunächst deutlich und verlor über 25 % an Wert. Mittlerweile ist es der Aktie gelungen, die absteigende Trendlinie wieder zu durchbrechen. Ein Rücklauf in Richtung 5,20 EUR in Richtung 50-Tage-Linie und dem Ausbruchsbereich der Trendlinie, könnte eine Einstiegsgelegenheit ergeben.

  • Einstiegsszenario: Rücklauf in Richtung 5,20 EUR, ggfs. bei weiterer Stärke über 5,58 EUR (erhöhtes Risiko).
  • RSI bereits kurz vor dem überkauften Bereich.

Equinor Aktie: Europas Gasversorger als stiller Krisengewinner

Aktienverlinkung: NO0010096985

Equinor ist der Wert in dieser Liste, der am wenigsten nach Öl riecht und trotzdem kräftig an der Krise verdient. Der norwegische Konzern, zu 67 % in Staatsbesitz, ist seit dem Wegfall russischer Lieferungen Europas wichtigster Erdgaslieferant. Wer die Equinor Aktie kauft, kauft weniger den Ölpreis als den europäischen Gaspreis, dazu Pipelines, die keine Meerenge im Nahen Osten brauchen.

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Als erster der großen Energiekonzerne hat Equinor bereits über das zweite Quartal berichtet und die Förderung um 3 % in die Marktlücke hinein ausgeweitet. Der Umsatz kletterte um knapp 40 % auf 35,2 Milliarden USD, das Nettoergebnis hat sich mit 4,84 Milliarden USD mehr als verdreifacht, nur der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 1,33 USD einen Hauch unter den Schätzungen. Dazu gibt es 0,39 USD Quartalsdividende, eine frische Rückkauf-Tranche über 1,13 Milliarden USD und mit einem KGV von gut 11 eine moderate Bewertung.

Zwei Dinge gehören ehrlich dazu. Norwegen behält 25 % Quellensteuer auf die Dividende ein, von denen sich deutsche Anleger nur 15 Prozentpunkte direkt anrechnen lassen können, der Rest geht nur per Erstattungsantrag. Und nach über 64 % Kursplus auf Jahressicht ist die Aktie kein Geheimtipp mehr, das durchschnittliche Analystenkursziel liegt bereits leicht unter dem Kurs. Equinor bleibt der Wert für alle, die den europäischen Versorgungswinkel spielen wollen, eher strategische Position als Schnäppchen.

Chartanalyse Equinor Aktie

Chartanalyse Equinor Aktie – Juli 2026 – Tageschart

Die Aktie bzw. in diesem Falle die ADRs von Equinor haben sich nach einer Bodenbildung knapp über 30 USD massiv erholt und reagierten zuletzt knapp vor dem Widerstand, der sich zwischen 41,75 und 43,46 USD am aktuellen Allzeithoch gebildet hat. Diese Widerstandszone lässt sich sogar bis in den August des Jahres 2022 zurückziehen. Ein Bruch des Allzeithochs könnte neue Kaufkraft entfachen. Für einen Antizyklischen Einstieg würde sich ein Rücklauf in Richtung 50-Tagelinie und in den Bereich um 36 USD anbieten.

  • aktuelle Reaktion kurz vor dem Allzeithoch
  • Einstieg bei Ausbruch über 43,46 USD oder bei einem Rücklauf in Richtung 36 USD
  • Achtung: der RSI ist aktuell überkauft

Öl-ETF oder Öl-Aktien: der bequeme Weg und die Falle im Kleingedruckten

Wer nicht fünf Einzelwerte verfolgen will, landet früher oder später bei der Suche nach einem Öl-ETF. Und genau hier lauert ein Missverständnis, das teuer werden kann. Denn unter diesem Begriff verstecken sich zwei völlig verschiedene Produkte: ETFs auf Energie-Aktien und ETCs auf den Ölpreis selbst. Das eine ist ein Aktienkorb mit Dividenden, das andere eine Wette auf Terminkontrakte. Wer das verwechselt, wundert sich später über die Rendite.

Vehikel 1: Der Energie-Aktien-ETF

Der Standardweg ist ein ETF auf Energie-Aktien, zum Beispiel der iShares STOXX Europe 600 Oil & Gas UCITS ETF (DE) (ISIN DE000A0H08M3, WKN A0H08M). Er bündelt die großen europäischen Energiekonzerne, kostet 0,46 % Gebühren im Jahr, verwaltet rund 640 Millionen EUR, repliziert den Index physisch und schüttet die Dividenden der enthaltenen Konzerne aus. Der Charme für Leser dieses Artikels: Vier unserer fünf Werte stecken prominent drin, Shell mit rund einem Viertel Gewicht, dazu TotalEnergies, BP und Equinor. Ehrlicherweise gehört dazu: Der Index fasst den europäischen Energiesektor breiter, mit Siemens Energy sitzt auch ein Energietechnik-Konzern mit rund 15 % Gewicht im Korb, dazu der Windanlagenbauer Vestas. Wer diesen ETF kauft, kauft die europäische Öl-Story gebündelt, inklusive der Ausschüttungen, und als Fonds ist das Ganze rechtlich Sondervermögen, also auch bei einer Pleite des Anbieters geschützt. Wer es globaler mag und die US-Riesen wie Exxon dabeihaben will, findet mit einem MSCI-World-Energy-ETF die weltweite Variante.

Vehikel 2: Der Öl-ETC auf den Brent-Preis und warum er langfristig oft enttäuscht

Das Produkt, das viele eigentlich meinen, wenn sie nach einem Öl-ETF suchen, ist etwas anderes: ein börsengehandeltes Papier direkt auf den Ölpreis, etwa der WisdomTree Brent Crude Oil ETC (ISIN JE00B78CGV99, WKN A1N49M, 0,49 % Gebühren). Hier beginnt das Kleingedruckte. Denn niemand lagert für dich Ölfässer im Keller. Der ETC kauft Terminkontrakte auf Brent und muss diese vor Fälligkeit regelmäßig in den nächsten Kontrakt tauschen, das sogenannte Rollen. Kostet der nächste Kontrakt mehr als der auslaufende, was in normalen Marktphasen der Regelfall ist (Fachbegriff Contango), entsteht bei jedem Tausch ein kleiner Verlust. Über Jahre summiert sich das, weshalb solche Produkte dem Ölpreis, den du in den Nachrichten siehst, oft deutlich hinterherlaufen.

Zwei ehrliche Ergänzungen. Erstens hat sich die Lage gerade umgekehrt: In Krisenphasen wie jetzt notieren die kurzfristigen Kontrakte über den späteren (Backwardation), dann verdient der ETC am Rollen sogar mit. Als kurzfristiges Instrument für eine klare These zur Hormus-Lage kann so ein Papier deshalb funktionieren. Zweitens ist ein ETC rechtlich kein Fonds, sondern eine besicherte Schuldverschreibung des Anbieters, also kein Sondervermögen. Für ein langfristiges Basisinvestment ist das Produkt damit doppelt ungeeignet: falsche Mechanik, schwächerer Rechtsrahmen. Wer langfristig an Öl verdienen will, ist bei den Aktien und ihren Dividenden besser aufgehoben.

Wie ein ETF grundsätzlich funktioniert und worin er sich von einem ETC unterscheidet, erklären wir dir Schritt für Schritt in der Goldesel Akademie. Und wenn du wissen willst, welche Rolle Rohstoffe generell in einem Depot spielen können, hilft dir unser Akademie-Artikel zu Rohstoffen als Geldanlage.

Öl-Aktien im Vergleich: fünf Werte, zwei Vehikel

WertRolle / TheseBörse / WährungMarktkap.¹KGV (TTM)¹Div.-Rendite¹Perf. 1J¹
ShellLNG-Riese mit Rückkauf-PowerLondon / GBP244,4 Mrd. USD13,83,3 %+25,4 %
BPGünstiger Turnaround unter den MajorsLondon / GBp114,9 Mrd. USD37,54,6 %+39,9 %
ExxonMobilFörder-Maschine, Guyana-WachstumNYSE / USD650,5 Mrd. USD26,62,6 %+43,1 %
TotalEnergiesDividenden-Klassiker, breitester MixParis / EUR193,3 Mrd. USD10,74,5 %+47,4 %
EquinorEuropas Gasversorger, Staats-AnkerOslo / NOK96,8 Mrd. USD11,23,7 %+64,3 %
¹ Stand 24.07.2026 (Freitagsschluss). Quellen: Goldesel-Plattform (Kurse, TTM-KGV, Dividendenrendite), Performance in Euro; Marktkapitalisierungen in USD; BP als ADR geführt (1 ADR entspricht 6 Aktien)

Die Kehrseite: Wenn die Öl-Wette schiefgeht

Das wahrscheinlichste Negativszenario für Öl-Aktien ist ausgerechnet die gute Nachricht. Wie schnell es geht, hat dieser Freitag gezeigt: Kaum machten Berichte über neue Vermittlungsversuche zwischen Washington und Teheran die Runde, verlor Brent rund 4 %, der größte Tagesrutsch seit Ende Juni. Die größere Blaupause liefert das Frühjahr: Nach dem Rahmenabkommen fiel der Ölpreis vom Hoch bei rund 120 USD bis auf rund 70 USD Anfang Juli, und mit ihm gaben die Ölwerte nach. Selbst Goldman Sachs rechnet im Basisszenario mit 80 USD zum Jahresende. Wer heute kauft, kauft einen Teil Risikoprämie mit, zumal die überraschend gestiegenen US-Lagerbestände zeigen, dass der Markt bisher Angst handelt und keinen physischen Mangel.

Dazu kommt: Öl-Aktien sind kein Ölpreis mit Dividende. Raffineriemargen, Absicherungsgeschäfte und Investitionszyklen entkoppeln die Kurse zeitweise vom Rohstoff, ein Ölpreis nahe 100 USD bremst über Inflation und Zinsen irgendwann seine eigene Nachfrage, und langfristig drückt die Energiewende-Frage auf die Bewertungen. Auch die hohen Dividenden sind Entschädigung für dieses Risiko, keine Garantie: 2020 kürzten BP und Shell ihre Ausschüttungen, Shell zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg. Nach einem Jahr mit teils über 60 % Kursplus bleiben fünf Öl-Aktien deshalb eine Sektorwette, die an den Rand eines Depots gehört, nicht in sein Zentrum.

Fazit: Die Krise ist der Anlass, die Dividenden sind die Story

Die Hormus-Krise hat Öl-Aktien zurück auf die Watchlist gebracht, aber sie ist der falsche Kaufgrund. Risikoprämien kommen und gehen, dieser Freitag hat es vorgeführt. Der tragfähige Grund ist die Kombination aus Kapitaldisziplin, hohen Ausschüttungen und einem seit Jahren unterinvestierten Angebot, die auch einen Ölpreis von 80 USD verkraftet. Drei Einordnungen für unterschiedliche Anlegertypen:

  • Der bequeme Weg: Ein Energie-Aktien-ETF als Sektor-Beimischung im einstelligen Prozentbereich für alle, die die Ausschüttungs-Story mitnehmen wollen, ohne Einzelwerte zu verfolgen. Der Brent-ETC bleibt ein Kurzfrist-Instrument, kein Langfrist-Baustein.
  • Die Substanz-Kandidaten: Shell, TotalEnergies und ExxonMobil für alle, die Einzelwerte wollen: die breitesten Geschäftsmodelle, die verlässlichste Kapitalrückführung, nach der Rally aber keine Schnäppchen mehr.
  • Die Spezial-Fälle: BP als Turnaround-Wette für Risikotolerante, Equinor als Europa-Gas-Beimischung für alle, die den Versorgungswinkel spielen wollen und die Quellensteuer-Mechanik akzeptieren.

Ehrlich bleiben muss man bei den Kursen: Der Sektor ist stark gelaufen, ein Teil der Krise ist eingepreist. Öl-Aktien sind 2026 kein Contrarian-Investment mehr, sondern eine gut bezahlte Wette darauf, dass die Welt unruhig bleibt. Keine Anlageberatung.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Die Autoren sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse in den erwähnten Wertpapieren nicht investiert.

Häufige Fragen

Lohnen sich Öl-Aktien 2026 noch?

Öl-Aktien haben 2026 stark performt, einzelne Werte wie Equinor legten auf Jahressicht über 60 % zu, ein Teil der Krise ist also bereits eingepreist. Interessant bleibt der Sektor wegen hoher Dividendenrenditen von teils über 4 % und der disziplinierten Kapitalrückführung der Konzerne. Als Sektorwette gehört er aber an den Rand des Depots, nicht ins Zentrum.

Warum steigt der Ölpreis gerade?

Der Ölpreis wird von der Eskalation im Nahen Osten getrieben: Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist seit Wochen weitgehend zum Erliegen gekommen, zusätzlich griffen Houthi-Rebellen saudische Öltanker im Roten Meer an. Brent stieg dadurch am Donnerstag in der Spitze auf gut 102 USD, bevor Gewinnmitnahmen und Berichte über mögliche neue US-Iran-Gespräche den Preis am Freitag auf rund 97 USD drückten, auf Wochensicht bleibt ein Plus von rund 10 %. Der Anstieg ist bisher vor allem Risikoprämie, die US-Lagerbestände zeigen noch keinen physischen Mangel.

Welche Öl-Aktien zahlen die höchste Dividende?

Unter den großen Werten liegen BP mit rund 4,6 % und TotalEnergies mit rund 4,5 % Dividendenrendite vorn, gefolgt von Equinor mit rund 3,7 % und Shell mit rund 3,4 %. Beachte bei ausländischen Titeln die Quellensteuer: Norwegen behält bei Equinor 25 % ein, bei britischen Werten wie Shell und BP fällt dagegen keine Quellensteuer an. Und Öl-Dividenden sind nicht garantiert, 2020 kürzten BP und Shell ihre Ausschüttungen deutlich.

Öl-ETF oder Öl-Aktien: Was ist besser?

Das hängt davon ab, was du eigentlich kaufen willst. Ein Energie-Aktien-ETF bündelt die großen Ölkonzerne samt Dividenden und eignet sich als bequeme Sektor-Beimischung. Ein Öl-ETC auf den Brent-Preis bildet dagegen Terminkontrakte ab und verliert in normalen Marktphasen durch das Rollen der Kontrakte laufend Rendite, er taugt eher als Kurzfrist-Instrument für eine klare These.

Kann ich die Aramco Aktie in Deutschland kaufen?

Praktisch nicht sinnvoll. Saudi Aramco ist an der Börse in Riad notiert, ein direkter Handel ist für deutsche Privatanleger kaum möglich und liquide deutsche Handelsplätze für die Aktie fehlen. Wer am Ölgeschäft teilhaben will, greift deshalb in der Regel zu den westlichen Konzernen wie Shell, TotalEnergies oder ExxonMobil oder zu einem Energie-Aktien-ETF.

Was passiert mit Öl-Aktien, wenn der Ölpreis fällt?

Fällt die Risikoprämie aus dem Ölpreis, geben in der Regel auch die Öl-Aktien nach, wie im Frühsommer, als das Rahmenabkommen den Brent-Preis vom Hoch bei rund 120 USD bis auf rund 70 USD drückte. Die Konzerne verdienen dank niedriger Förderkosten zwar auch bei 70 bis 80 USD solide, aber Kursgewinne aus der Krisenphase können schnell abschmelzen. Wer einsteigt, sollte einen solchen Rücksetzer finanziell und nervlich aushalten können.

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