Neuer Apple CEO Ternus übernimmt, Amazon unter Druck, Software wieder schwächer

In der aktuellen Ausgabe von unserem Aktienpodcast “Aktientalk” analysieren unser Goldesel Michael Flender und Daniel von Investflow den neuen Apple CEO Ternus, der auf Tim Cook folgt.

Außerdem sprechen Michael und Daniel über das neue GTA-Spiel in Verbindung mit der Take-Two Aktie und Kursdruck bei Amazon.

Schließlich gehen unsere Experten noch darauf ein, warum die Luft bei Pharma und Medizintechnik schon wieder dünner wird.

Was vom neuen Apple CEO Ternus zu erwarten ist, warum die Amazon Aktie schwächer war und warum Software und Pharma schon wieder die Puste ausgeht, das und vieles mehr erfahrt ihr in der aktuellen Podcast-Episode bei Apple PodcastsSpotify oder direkt bei YouTube.

Aktienpodcast – Key Takeaways

  • Software erholt sich, während sich die extreme Rotation zwischen Chips und Software abschwächen könnte.
  • Steigende Ölpreise, Zinsrisiken und geopolitische Spannungen erhöhen das Rückschlagpotenzial im September.
  • Amazon drohen durch die FTC-Klage mögliche Belastungen für das margenstarke Werbegeschäft.
  • Ein Wechsel an der Unternehmensspitze: Apple CEO Ternus übernimmt nach Tim Cook
  • Pharmawerte liefen stark, doch Patentabläufe bleiben ein entscheidendes Risiko für Bewertungen und Gewinne.

Software erholt sich, aber der Markt wird breiter

Bei Software war die Stimmung lange Zeit ziemlich mies. Das Narrativ war klar: KI profitiert nur bei Chips, Rechenzentren und Infrastruktur, während klassische Softwareunternehmen angeblich irgendwann überflüssig werden. Diese Sichtweise war aus unserer Sicht ohnehin zu einfach.

Die jüngsten Zahlen, unter anderem von Salesforce, haben gezeigt: Softwarefirmen können auch in einer KI-Welt wachsen, Margen verbessern und relevant bleiben. Entsprechend gab es bei einigen Werten wieder neue Zwischenhochs. ServiceNow war beispielsweise ordentlich unterwegs, auch wenn die alten Allzeithochs noch ein gutes Stück entfernt sind.

Das berühmte imaginäre Gummiband war einfach sehr stark gespannt. Operativ liefen viele Unternehmen keineswegs katastrophal, die Börsenstimmung war aber extrem negativ. Wenn dann gute Zahlen kommen und Shortseller sich eindecken müssen, entstehen eben diese schnellen Erholungsbewegungen.

Jetzt sollte man allerdings nicht erwarten, dass Software von hier aus jeden Tag weiter durchmarschiert. Wahrscheinlicher ist, dass sich die extreme Gegenbewegung zwischen Software und Chipwerten langsam auflöst. Es muss künftig nicht mehr heißen: Chips rauf, Software runter, oder umgekehrt. Ein gesunder Markt kann beides gleichzeitig steigen lassen. Und wenn die Gesamtbörse fällt, fallen häufig eben auch beide Bereiche zusammen.

September, Ölpreis und Zinsen: Der Markt bleibt nervös

Der September hat historisch keinen besonders guten Ruf. Gerade in Zwischenwahljahren in den USA zeigen viele Statistiken eher eine schwächere Entwicklung. Das allein ist natürlich kein Grund, Aktien panisch zu verkaufen. Aber zusammen mit steigenden Anleiherenditen, hohen Ölpreisen und geopolitischen Risiken entsteht durchaus Gegenwind.

Die Lage rund um die Straße von Hormus und die zunehmenden militärischen Spannungen sorgen für zusätzliche Unsicherheit. Steigende Ölpreise können die Inflation wieder anheizen, und damit wird die Geldpolitik erneut wichtiger. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung ist zuletzt deutlich gestiegen, nachdem von der Notenbankseite erneut klargemacht wurde, dass das Inflationsziel von 2 Prozent fest im Blick bleibt.

Wir befinden uns damit zwischen zwei Kräften:

  • Positiv: Eine insgesamt solide Berichtssaison und weiterhin starke Unternehmensgewinne.
  • Negativ: Zinsrisiken, Ölpreise, geopolitische Belastungen und ein saisonal oft schwieriger Monat.

Eine kleine Cashquote ist in so einer Lage jedenfalls kein Fehler. Nicht, weil man den Untergang erwartet, sondern weil man flexibel bleiben möchte. Kommt ein kleiner Sturm im September, können sich daraus interessante Kaufgelegenheiten ergeben. Gerade bei Software- und Chipwerten wäre es nicht überraschend, wenn Rücksetzer wieder gekauft werden.

Neuer Apple CEO Ternus: Tim Cook geht

Aktienverlinkung: US0378331005

Bei Apple vollzieht sich ein echter Paradigmenwechsel: Tim Cook ist nicht mehr Apple CEO, Ternus übernimmt. Cook wurde über die Jahre oft dafür kritisiert, nicht der große Visionär à la Steve Jobs zu sein. Zu langweilig, zu wenig neue Produkte, zu viel Abhängigkeit vom iPhone. Dieses Urteil greift aber viel zu kurz.

Tim Cook hat Apple zu einem der profitabelsten und wertvollsten Unternehmen der Welt geformt. Unter seiner Führung wurde Apple zunächst ein Unternehmen mit einer Billion Dollar Börsenwert, später mit zwei Billionen und inzwischen liegt der Konzern bei rund fünf Billionen Dollar. Das ist keine Kleinigkeit, sondern eine brutale Erfolgsbilanz.

Auch die Behauptung, es habe unter Cook keine Innovation gegeben, hält einer genaueren Betrachtung nicht stand. In seiner Ära kamen oder wuchsen unter anderem:

  • die iCloud und Apple Maps,
  • Apple Pay und das stark ausgebaute Servicegeschäft,
  • die Apple Watch,
  • die AirPods,
  • eigene Chips für Apple-Geräte.

Gerade die AirPods sind ein schönes Beispiel. Anfangs wurden sie belächelt, heute laufen gefühlt alle mit den Dingern herum. Das Geschäft dahinter ist riesig und würde allein schon an die Umsätze vieler großer Konzerne herankommen.

Die Vision Pro war dagegen eher ein Flop. Zu groß, zu schwer, zu teuer. Dennoch dürfte Apple die Idee nicht komplett begraben, sondern eher an einer kleineren und alltagstauglicheren Brille arbeiten. Dazu gibt es Spekulationen über weitere Hardware, etwa Tischgeräte oder Robotik-ähnliche Produkte.

Der neue Apple CEO Ternus kommt aus dem Hardwarebereich. Deshalb besteht durchaus die Hoffnung, dass Apple in den nächsten Jahren wieder mehr sichtbare Produktfantasie entwickelt. Ein faltbares iPhone könnte dabei eines der nächsten großen Themen werden. Die Idee wäre, Smartphone und iPad stärker in einem Gerät zu vereinen. Ob das am Ende überzeugt, hängt aber an Details: Preis, Dicke, Haltbarkeit und tatsächlicher Mehrwert im Alltag.

Apple übernimmt er jedenfalls in keiner schlechten Ausgangslage. Das Servicegeschäft läuft, China hat sich stärker erholt als erwartet und die jüngsten Zahlen waren solide. Eine erste Herausforderung ist allerdings bereits da: Apple streitet mit OpenAI über einen früheren Ingenieur und mögliche Nutzung sensibler Schaltungsinformationen. Solche Fälle zeigen, wie hoch die wirtschaftlichen Interessen im KI- und Hardwarebereich mittlerweile sind.

Nvidia investiert 3,5 Milliarden Dollar in MediaTek

Aktienverlinkung: US67066G1040

Nvidia bleibt derweil weiter auf Einkaufstour. Über Wandelanleihen investiert der Konzern 3,5 Milliarden Dollar in MediaTek. Die Zusammenarbeit soll sich auf kundenspezifische KI-Chips, NVLink Fusion sowie Anwendungen in PCs, Automotive und Edge AI konzentrieren.

Strategisch ist das nachvollziehbar. Nvidia will nicht nur eigene GPUs verkaufen, sondern möglichst viele alternative Beschleuniger und kundenspezifische Chips an das eigene Ökosystem binden. NVLink kann dabei als Verbindung zwischen unterschiedlichen Komponenten eine zentrale Rolle spielen.

Klar, solche Beteiligungen haben auch einen Kreislauf-Charakter: Nvidia investiert in Partner, die wiederum Technologien rund um Nvidia einsetzen. Aber bei den enormen Cashflows ist es sinnvoller, sich breiter aufzustellen und zukünftige Märkte abzusichern, als das Geld einfach nur zu horten oder über Sonderdividenden auszuschütten.

Shein-Börsengang: Fast Fashion ist aktuell kein Hype-Thema

Shein ging mit einer Bewertung von knapp 26 Milliarden Dollar an die Börse. Das liegt weit unter den Bewertungen, die während und nach dem Corona-Hype im Raum standen. Damals wurde das Unternehmen zeitweise mit rund 100 Milliarden Dollar bewertet.

Der erste Handelstag war entsprechend ernüchternd. Nach einem schwachen Start stabilisierte sich der Kurs zwar, ein spektakulärer Börsengang war es aber definitiv nicht. Das passt zum aktuellen Umfeld: E-Commerce wächst längst nicht mehr so dynamisch, wie viele während der Pandemie erwartet hatten.

Dazu kommen regulatorischer und politischer Gegenwind für Fast-Fashion- und Billigplattformen wie Shein oder Temu, sowohl in Europa als auch in den USA. In China selbst zieht es viele Anleger momentan eher zu KI, Chips und Halbleitern als zu Modehandel. Für die ganz große Fantasie fehlt Shein damit aktuell einiges.

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Chinesische Speicherchips werden zur ernsten Konkurrenz

Aktienverlinkung: US78392B2060

Spannender als der Shein-Börsengang ist die Entwicklung bei Speicherchips. CXMT soll bei fortschrittlichem High-Bandwidth-Memory, kurz HBM, einen deutlichen Fortschritt erzielt haben. Mit HBM3E wäre man nur noch eine Generation hinter den neuesten HBM4-Produkten von Samsung, SK Hynix und Micron.

Das wäre für China ein wichtiger Schritt. Moderne KI-Prozessoren brauchen extrem leistungsfähigen Speicher, und genau dort lagen bislang große Hürden für eine vollständig heimische KI-Lieferkette. CXMT möchte die Produktion bis 2027 weiter ausbauen.

Für die etablierten Speicherhersteller ist das mittelfristig ein Thema, das man ernst nehmen muss. Kurzfristig spricht die Nachfrage aber weiter eine sehr deutliche Sprache. Samsung soll einen großen Teil seiner Speicherkapazitäten bis 2031 über langfristige Liefervereinbarungen mit Kunden wie Nvidia, Microsoft und Google reserviert haben.

Diese langfristigen Verträge könnten die klassische Speicherzyklik verändern. Wenn weniger Ware zu kurzfristigen Spotpreisen verkauft wird und mehr Kapazitäten über Jahre abgesichert sind, könnten die extremen Ausschläge bei Preisen und Margen zumindest etwas abgemildert werden.

Trotzdem bleibt Speicher ein zyklisches Geschäft. Niedrige KGVs bei Micron, SK Hynix oder ähnlichen Titeln können attraktiv aussehen. Bei Zyklikern sind niedrige Bewertungen aber manchmal gerade ein Warnsignal, weil der Markt bereits sinkende Gewinne erwartet. Die Nachfrage ist aktuell stark, aber sobald der Verdacht aufkommt, dass Hyperscaler ihre Bestellungen zurückfahren, kann es auch sehr schnell ungemütlich werden.

Amazon unter Druck: FTC-Klage um Werbeanzeigen

Aktienverlinkung: US0231351067

Amazon sieht sich einer großen Klage der FTC und 22 US-Bundesstaaten gegenüber. Der Vorwurf: Amazon soll bei Auktionen für Sponsored Ads heimlich Preisaufschläge beziehungsweise sogenannte Soft Reserve Prices eingesetzt haben. Betroffen sein könnten rund 1,2 Millionen Werbekunden.

Amazon weist die Anschuldigungen zurück und verweist auf stabile reale Klickpreise, bessere Conversion Rates und Einsparungen für Werbekunden. Dennoch geht es um ein potenziell großes Thema, denn das Werbegeschäft erzielte 2025 fast 69 Milliarden Dollar Umsatz und gehört zu den margenstärksten Bereichen des Konzerns.

Im Raum stehen Forderungen von mehr als 20 Milliarden Dollar, auch wenn das bislang keine festgesetzte Schadenssumme ist. Mögliche Folgen wären Rückerstattungen, zivilrechtliche Strafen und Verfahrenskosten. Noch wichtiger wäre allerdings eine dauerhafte Veränderung des Geschäftsmodells.

Das Gericht könnte Amazon dazu verpflichten, Mindestpreise offenzulegen, Auktionsregeln transparenter zu machen und Werbekunden zusätzliche Daten zur Verfügung zu stellen. Dadurch könnte der Wettbewerb im Werbegeschäft zunehmen und die Marge unter Druck geraten.

Als Amazon-Aktionär sollte man das im Blick behalten, aber nicht direkt die Gesamtstory abschreiben. Die großen US-Technologiekonzerne stehen seit Jahren immer wieder unter regulatorischem und juristischem Beschuss. Häufig kommt es zu Vergleichen, manchmal werden Vorwürfe auch nicht vollständig bestätigt. Erst wenn klar wird, dass das Werbegeschäft strukturell massiv beeinträchtigt wird, wäre die Lage deutlich ernster.

Take-Two und GTA VI: Der Hype ist real

Aktienverlinkung: US8740541094

Bei Take-Two bleibt GTA VI das große Thema. Die Erwartungen rund um den Release sind mittlerweile absurd hoch. Trailer und Gameplay-Material kamen gut an, die Detailtiefe soll enorm sein und selbst Kleinigkeiten wie schmutzige Füße nach einem Spaziergang mit Flipflops zeigen, wie lebendig die Spielwelt werden könnte.

Es gibt zwar wieder Gerüchte über eine mögliche Verschiebung. Für Take-Two wäre eine Verlegung hinter das Weihnachtsgeschäft kurzfristig natürlich ein Problem, und genau deshalb reagiert die Aktie auf solche Spekulationen empfindlich. Nach einem Kursrückgang von rund 7 Prozent wurden diese Sorgen wieder lauter.

Aber selbst bei einer Verschiebung würde GTA VI nicht verschwinden. Der Umsatz würde sich zeitlich nach hinten verlagern. Für langfristig überzeugte Aktionäre bleibt die Frage eher, ob der Hype schon sehr weit eingepreist ist. Schließlich weiß inzwischen jeder, dass GTA VI voraussichtlich ein riesiges Ereignis wird. Genau wie bei Adidas und Nike vor einer Fußball-WM ist die offensichtliche Story an der Börse selten ein Selbstläufer.

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Pharma und Medizintechnik: Wird die Luft schon wieder dünn?

Der Medizinsektor hat zuletzt ordentlich Fahrt aufgenommen. Impffantasie, schnellere Medikamentenentwicklung durch KI und eine Rotation aus teuren Techwerten in defensivere Branchen spielen dabei eine Rolle. Einige große Pharmatitel sehen auf den ersten Blick weiterhin günstig aus, doch nach den jüngsten Rallys wird der Einstieg schwieriger.

Merck, die US-amerikanische Merck, legte innerhalb eines Jahres rund 77 Prozent zu. Johnson & Johnson kam ebenfalls auf mehr als 50 Prozent. Das sind für klassische Pharma-Schwergewichte schon sehr starke Bewegungen. Gerade weil diese Aktien nach der Corona-Phase lange seitwärts liefen oder fielen, wurde die Aufholjagd nun besonders deutlich.

Bei solchen Konzernen darf man sich aber nicht allein von einem KGV um 15 oder 17 blenden lassen. Das zentrale Risiko sind die Patent Cliffs. Laufen wichtige Patente aus, können Umsätze und Gewinne plötzlich stark zurückgehen, weil günstigere Nachahmerprodukte auf den Markt kommen. Dann sieht eine Aktie vorher günstig aus, während die Bewertung nach dem Gewinnrückgang schnell ganz anders wirkt.

Für langfristige Basisinvestments gilt trotzdem: Nicht jede gut gelaufene Aktie muss verkauft werden. Wer Johnson & Johnson oder ähnliche Qualitätswerte seit Jahren hält, hohe Buchgewinne hat und auf verlässliche Dividenden setzt, muss nicht zwingend versuchen, jede kurzfristige Bewegung perfekt zu timen.

Bei Neueinstiegen lohnt sich dagegen ein genauer Blick. Besonders interessant bleiben Bereiche, die noch nicht so stark gelaufen sind, etwa Medizintechnik oder einzelne Laborzulieferer. Thermo Fisher hat bereits deutlich angezogen. Sartorius hat nach dem massiven Corona-Absturz dagegen noch erhebliches Nachholpotenzial, trägt aber auch seine eigene Bewertungsgeschichte mit sich herum.

Unterm Strich ist die Party bei einigen Pharmawerten kurzfristig schon weit fortgeschritten. Der Sektor kann trotzdem weiterlaufen, wenn KI die Forschung beschleunigt und Kapital nachhaltig aus anderen Bereichen umgeschichtet wird. Blind hinterherlaufen würde ich aber nicht. Patente, Schulden, Pipeline, Dividende und Bewertung gehören bei Pharma immer zusammen auf den Prüfstand.

Das Marktumfeld bleibt damit spannend: Software zeigt wieder Stärke, KI- und Halbleiterthemen bleiben langfristig dominant, Apple steht vor einer neuen Ära und bei Pharma sollte man nach der Rally nicht mehr jeden Kurs hinterherjagen. Eine ruhige Hand, etwas Cash und ein klarer Blick auf die Fundamentaldaten sind im September vermutlich mehr wert als hektischer Aktionismus.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.

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