Amazon.com Aktie: Analysten setzen vor Quartalszahlen auf AWS-Wachstum
Aktien im Artikel
Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Amazon legt seine Ergebnisse für das dritte Quartal am Donnerstag nach US-Börsenschluss vor.
- Truist erwartet bei AWS 37 Prozent Umsatzwachstum, Mizuho rechnet mit 42 Prozent.
- Bei Nordamerika-Handel und Werbegeschäft gehen die Prognosen der beiden Häuser auseinander.
- Amazon plant für 2026 nun 220 Milliarden US-Dollar an Cash-Investitionen, 20 Milliarden mehr als zuvor.
Marktanalyse & Details
AWS im Mittelpunkt der Erwartungen
Vor dem Quartalsbericht richtet sich der Blick der Analysten vor allem auf Amazon Web Services (AWS): Das Cloudgeschäft soll zeigen, ob die starke Nachfrage nach KI-Infrastruktur weiter in Umsatz und operative Erträge mündet. Truist prognostiziert AWS-Erlöse von 45,15 Milliarden US-Dollar und damit ein Wachstum von 37 Prozent. Mizuho liegt mit 46,9 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 42 Prozent Wachstum deutlich darüber. Die jeweiligen Vergleichswerte der Analysten liegen bei 45,20 und 45,7 Milliarden US-Dollar.
Bei der Profitabilität sind die Erwartungen etwas zurückhaltender. Truist rechnet mit einer AWS-Betriebsmarge von rund 38 Prozent, nach etwa 39 Prozent im Vorquartal. Mizuho erwartet eine Marge von 37,6 Prozent und einen operativen Gewinn von 17,7 Milliarden US-Dollar; die dort angeführte Markterwartung liegt bei 15,9 Milliarden US-Dollar. AWS hatte zuletzt eine annualisierte KI-Umsatzrate von mehr als 25 Milliarden US-Dollar und einen Auftragsbestand von 496 Milliarden US-Dollar ausgewiesen.
Uneinigkeit bei Handel und Werbung
Für das Nordamerika-Geschäft sieht Truist anhand eigener Kartendaten eine bessere Entwicklung als der Konsens: Die Umsatzschätzung wurde auf 113,5 Milliarden US-Dollar angehoben, gegenüber einer Markterwartung von 113,2 Milliarden. Mizuho rechnet dagegen mit einem Wachstum der Nordamerika-Handelserlöse von 4,8 Prozent, während der Konsens bei 6,3 Prozent liegt. Beim operativen Ergebnis dieses Bereichs sind die Erwartungen näher beieinander: Mizuho veranschlagt 7,5 Milliarden US-Dollar gegenüber 7,4 Milliarden im Konsens.
Truist erwartet zudem, dass sich das Wachstum der Werbeerlöse auf etwa 18 Prozent verlangsamt, nach 26 Prozent zuvor. Als möglichen Grund nennt die Bank den Zeitpunkt des Prime Day. Damit dürfte der Bericht nicht nur an den Gesamtumsätzen, sondern auch an der Zusammensetzung des Wachstums gemessen werden.
Hohe Investitionen bleiben ein Prüfstein
Amazon rechnet für 2026 inzwischen mit 220 Milliarden US-Dollar an Barausgaben für Investitionen, nach zuvor 200 Milliarden. Truist hält die Ausgaben wegen der AWS-Verpflichtungen für geplante Kapazitäten zunehmend für abgesichert. Mizuho sieht dagegen wenig Anzeichen für eine kurzfristige Begrenzung und will besonders auf den Investitionsausblick für 2027, die Finanzierung sowie langfristige KI-Margen und Amazons Trainium-Chips achten.
Analysten-Einordnung: Die optimistische Grundhaltung der beiden Häuser stützt sich vor allem auf AWS, doch die deutlich auseinanderliegenden Umsatzprognosen zeigen, wie hoch die Erwartungen an das Cloudgeschäft inzwischen sind. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass starkes Umsatzwachstum allein voraussichtlich nicht genügt: Entscheidend dürfte sein, ob Amazon die KI-Investitionen in profitable Nachfrage umwandelt und zugleich die Margen stabil hält. Die abweichenden Einschätzungen zum Einzelhandel machen zudem deutlich, dass die Stärke des Cloudgeschäfts mögliche Schwächen anderer Bereiche nicht automatisch ausgleicht.
Aktie und nächste Erwartungen
Im europäischen Handel lag die Amazon.com Aktie am 29. Oktober um 13:49 Uhr bei 222,60 Euro und damit 2,86 Prozent unter dem Vortagesschluss. Seit Jahresbeginn betrug das Plus zu diesem Zeitpunkt 13,03 Prozent. Die Tagesbewegung fällt in die Stunden vor einem wichtigen Ergebnisbericht; sie belegt für sich genommen jedoch nicht, wie Anleger die einzelnen Prognosen bewerten.
Fazit & Ausblick
Amazon veröffentlicht die Zahlen zum dritten Quartal am Donnerstag nach Börsenschluss in den USA. Neben AWS-Wachstum und Segmentmargen dürften Investitionsausgaben und der Ausblick auf das Weihnachtsquartal im Fokus stehen. Mizuho erwartet für das vierte Quartal einen Umsatz am oberen Rand nahe dem Konsens von 244,5 Milliarden US-Dollar und einen operativen Gewinn leicht über der Markterwartung von 32,9 Milliarden US-Dollar. Ob sich die konstruktive Analystenstimmung bestätigt, hängt damit wesentlich von den tatsächlichen AWS-Zahlen und Amazons Aussagen zu künftigen KI-Ausgaben ab.
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