Zalando vor BaFin-Ermittlungen & IBM mit Durchbruch bei Chiptechnologie
In der aktuellen Ausgabe des Podcasts “Aktientalk” sprechen unser Goldesel Michael Flender und Daniel von Investflow über die letzte Woche bekannt gewordenen BaFin-Ermittlungen gegen Zalando und die Auswirkungen auf den Aktienkurs.
Außerdem beleuchten unsere Experten die aktuelle Lage bei der Aktie von Micron Technology und sprechen über den möglichen Durchbruch von IBM bei einer der zukünftigen Chip-Generationen.
Zudem geht es um aktuelle Trades von Nancy Pelosi, die sich kürzlich bei Uber und Intel positioniert hat. In den USA konnte letztlich auch Bayer einen wichtigen Sieg im Glyphosat-Streit erringen.
Wie IBM eine der nächsten Chip-Generationen prägen könnte, wie unfassbar stark die Micron-Zahlen waren und warum die BaFin jetzt gegen Zalando ermittelt, das und vieles mehr erfahrt ihr in der aktuellen Podcast-Episode bei Apple Podcasts, Spotify oder direkt bei YouTube.
Die aktuelle Marktlage: hohe Indizes, aber jede Menge Stress unter der Oberfläche
Der Markt fühlt sich im Moment alles andere als gesund an. Es gibt nur noch wenige echte Gewinner, und gleichzeitig geraten viele andere Aktien deutlich unter die Räder. Gerade im Techbereich sieht man das sehr klar.
Ein Punkt, der zuletzt für zusätzliche Unsicherheit gesorgt hat, war die Diskussion rund um den möglichen Börsengang von OpenAI. Eigentlich wurde lange darüber spekuliert, wer zuerst den Sprung aufs Parkett wagt, OpenAI oder Anthropic. Nun mehren sich aber die Hinweise, dass OpenAI den Schritt wohl eher verschieben könnte. Im Raum steht sogar ein späterer Zeitpunkt im Jahr 2027 oder eine niedrigere Bewertung als bisher erhofft.
Der Hintergrund ist nachvollziehbar. Die Euphorie bei Privatanlegern scheint nicht mehr grenzenlos zu sein. Viel Kapital ist bereits in andere große Storys geflossen, und nicht jeder sitzt nach den vergangenen Spekulationsphasen auf satten Gewinnen. Wenn bei einem der größten KI-Namen überhaupt schon über Timing und Bewertung neu nachgedacht wird, ist das ein Signal, das man ernst nehmen sollte.
Gleichzeitig kamen aus dem Hardwarebereich Meldungen, die den Markt ebenfalls erschüttert haben. Apple und Microsoft mussten Preissteigerungen bei Geräten kommunizieren. Bei Apple war unter anderem von deutlich teureren MacBooks und iPads die Rede. Solche Meldungen sind brisant, weil sie zwei Dinge andeuten können:
- Die Kosten in den Lieferketten steigen spürbar.
- Die Unternehmen wollen ihre Margen schützen und geben den Druck an die Kunden weiter.
Genau das mag der Markt momentan nicht. Apple verlor an einem Tag über 6 Prozent, Microsoft markierte neue Jahrestiefs. Das ist für solche Schwergewichte bemerkenswert. Die Angst ist klar: Wenn Vorprodukte teurer werden und Unternehmen ihre Preise anheben, könnte am Ende die Nachfrage leiden.
Besonders heikel wird das, wenn man es mit dem kombiniert, was gerade bei den Speicherherstellern passiert.
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Micron liefert Wahnsinnszahlen, aber genau das ist das Problem
Micron hat Zahlen gemeldet, die fast schon absurd wirken. Der Umsatz im dritten Geschäftsquartal stieg auf 41,5 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahresquartal waren es noch 9 Milliarden. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 25,11 Dollar und damit klar über den Erwartungen. Für das kommende Quartal peilt das Unternehmen sogar 50 Milliarden Dollar Umsatz an.
Das ist nicht einfach nur stark. Das ist eine Größenordnung, bei der man sich schon fragen muss, was im Hintergrund gerade passiert. Noch extremer wird es beim Blick auf die Margen. Ein Hardwarehersteller mit Bruttomargen von rund 85 Prozent ist kein Normalzustand. Das ist eine Ertragsmaschine auf einem Niveau, das man bei klassischen Massenprodukten so eigentlich nicht kennt.
Und damit kommen wir zum entscheidenden Punkt: Wenn Micron so viel verdient, verdient irgendjemand anders gerade zu wenig.
Die Gewinne bei Micron entstehen nicht im luftleeren Raum. Wenn Speicherpreise durch die Decke gehen, geraten die Kunden unter Druck. Genau deshalb schaut der Markt jetzt sehr genau auf Unternehmen wie Apple, Microsoft und andere Hardwarehersteller. Entweder sie akzeptieren sinkende Margen oder sie erhöhen ihre Preise. Beides ist an der Börse nicht besonders beliebt.
Warum Micron trotz niedrigem KGV nicht automatisch günstig ist
Ein häufiger Denkfehler bei extrem zyklischen Aktien ist der Blick auf klassische Bewertungskennzahlen. Bei Unternehmen wie Micron gilt oft das Gegenteil von dem, was viele spontan annehmen.
Ultrazykliker sind häufig dann interessant, wenn die Bewertung hoch aussieht, nicht wenn sie niedrig aussieht.
Warum? Weil das KGV auf aktuellen Gewinnen basiert. Wenn die Gewinne gerade auf Rekordniveau liegen, wirkt die Aktie optisch billig. In Wahrheit spiegelt das aber oft den Höhepunkt des Zyklus wider. Genau das ist hier relevant.
Micron verdient derzeit so viel wie nie zuvor. Im Vorjahresquartal lag der Gewinn je Aktie noch bei 1,91 Dollar, jetzt bei über 24 Dollar. Solche Sprünge sind nicht normal und vor allem nicht beliebig fortschreibbar. Wer nur auf das niedrige KGV schaut, läuft Gefahr, eine Ertragsblase mit einer günstigen Bewertung zu verwechseln.
Natürlich gibt es Argumente dafür, dass der Zyklus diesmal etwas anders verlaufen könnte. Das Management verweist auf eine anhaltend starke Nachfrage nach DRAM und NAND, die das Angebot übersteigt. Außerdem gibt es inzwischen zahlreiche strategische Abnahmeverträge, die einen Teil der Umsätze planbarer machen sollen. Das könnte die Schwankungen tatsächlich etwas abfedern.
Trotzdem bleibt Micron ein zyklisches Geschäft. Wenn Kapazitäten ausgebaut werden oder Kunden Wege finden, den Speicherbedarf zu senken, kann sich das Blatt schnell drehen. Und genau deshalb ist die Aktie auf diesem Niveau zwar faszinierend, aber alles andere als risikolos.
Zalando: Warum BaFin-Prüfungen immer ernst genommen werden müssen
Ein ganz anderes Thema, aber ebenfalls hochrelevant, ist Zalando. Hier sorgt eine Prüfung durch die BaFin für Unruhe. Konkret geht es um mögliche Verstöße im Jahresabschluss, wohl im Zusammenhang mit Angaben rund um die Übernahme von About You.
Der Vorwurf dreht sich offenbar um mögliche fehlende oder fehlerhafte Angaben im Anhang des Konzernabschlusses in Verbindung mit einer Transaktion mit einem nahestehenden Unternehmen. Das klingt erst einmal technisch, ist aber an der Börse trotzdem ein sensibles Thema.
Bei Bilanzthemen reagiert der Markt zu Recht allergisch. Schlechte Geschäfte, schwaches Wachstum oder verfehlte Prognosen kann ein Unternehmen überstehen. Sobald aber Zweifel an der Rechnungslegung aufkommen, wird es schnell unangenehm. Solche Unsicherheiten können eine Aktie über Wochen oder Monate belasten.
Immerhin deutete die erste Marktreaktion eher darauf hin, dass die Lage nicht als Totalschaden eingeschätzt wird. Die Aktie geriet zwar deutlich unter Druck, aber nicht in einer Art, die auf Panik hindeutet. Das könnte dafür sprechen, dass es eher um ein lösbares Offenlegungsthema geht als um massive Bilanzfälschung.
Trotzdem gilt hier: genau hinschauen und die weiteren Meldungen verfolgen. Bei solchen Fällen ist Vorsicht angesagt, bis klar ist, worum es konkret geht und wie gravierend der Vorgang tatsächlich ist.
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Bayer gelingt ein Befreiungsschlag im Glyphosat-Komplex
Es gab zuletzt nicht nur schlechte Nachrichten aus Deutschland. Bayer hat einen wichtigen juristischen Erfolg erzielt, der für den Konzern von enormer Bedeutung sein könnte.
Im Zentrum steht erneut das Dauerthema Glyphosat. Vor dem Supreme Court in den USA fiel eine wichtige Entscheidung mit 7 zu 2 Stimmen zugunsten von Bayer aus. Vereinfacht gesagt wurde bestätigt, dass Bundesrecht Vorrang vor dem Recht einzelner Bundesstaaten hat.
Das klingt trocken, hat aber gewaltige Folgen. Denn viele Klagen in den USA basierten auf der Frage, ob zusätzliche Warnhinweise erforderlich gewesen wären, obwohl die US-Umweltbehörde Glyphosat früher nicht als krebserregend eingestuft hatte. Wenn diese Grundlage nun wegbricht, verlieren viele Klagen an Substanz.
Genau deshalb reagierte die Bayer-Aktie so deutlich. Eine derart starke Aufwärtsbewegung bei einem DAX-Schwergewicht kommt nicht ohne Grund. Der Markt hat dieses Urteil als echtes Signal gewertet, dass das leidige Rechtsrisiko endlich an Schärfe verlieren könnte.
Für Bayer ist das enorm wichtig. Die Rechtsstreitigkeiten rund um Monsanto und Glyphosat haben den Konzern jahrelang belastet. Wenn sich hier tatsächlich eine nachhaltige Entlastung ergibt, könnte das die Wahrnehmung des Unternehmens grundlegend verändern.
IBM vor Durchbruch bei 0,7nm Chipfertigung
Kaum ein Unternehmen steht so sehr für die Geschichte der Technologiebranche wie IBM. Lange wirkte der Konzern eher wie ein Veteran, der von den neuen Stars der Branche in den Schatten gestellt wurde. Doch gerade jetzt wird IBM wieder spannend.
Der Auslöser ist eine neue Chiptechnologie, die IBM vorgestellt hat. Dabei geht es um eine Strukturbreite von 0,7 Nanometern. Das ist bemerkenswert, weil die Industrie aktuell erst den Übergang von 3 auf 2 Nanometer vollzieht. Danach würde üblicherweise erst 1,4 und später 1,0 Nanometer folgen. IBM ist damit also mehrere Entwicklungsschritte voraus.
Die Rede ist von mehr als 100 Milliarden Transistoren auf einer Fläche von ungefähr der Größe eines Fingernagels. Das neue Design soll bis zu 50 Prozent mehr Leistung und rund 70 Prozent höhere Energieeffizienz ermöglichen. Das sind Werte, bei denen man versteht, warum von einem möglichen Durchbruch gesprochen wird.
Warum das für IBM mehr sein könnte als nur eine schöne Forschungsnachricht
Noch ist das keine Story für die nächsten Quartalszahlen. IBM selbst rechnet damit, dass es etwa fünf Jahre dauern könnte, bis diese Technologie in die Massenproduktion geht. Produziert werden soll wohl eher über Partner wie Samsung oder Rapidus in Japan.
Der eigentliche Reiz liegt woanders. IBM positioniert sich damit erneut in Bereichen, die für die nächste große Technologiewelle entscheidend sein könnten:
- Halbleiterinnovation
- Quantencomputing
- Software und Infrastruktur für Zukunftsanwendungen
Gerade das Zusammenspiel mit Quantencomputing macht die Geschichte interessant. IBM gilt in diesem Bereich ohnehin als einer der führenden Namen. Wenn nun zusätzlich bei der Chiptechnologie Fortschritte gelingen, entsteht ein Gesamtbild, das deutlich spannender ist als das eines reifen Alt-Tech-Konzerns.
Dazu kommt, dass IBM nicht so bewertet ist, als wäre hier bereits die nächste große Euphorie eingepreist. Wer langfristig denkt, könnte den Konzern deshalb wieder stärker auf dem Radar haben. Nicht als kurzfristigen Hype, sondern als Unternehmen, das in mehreren Zukunftsfeldern ernsthaft mitmischt.
Zwei brandheiße Aktien: Warum Uber und Intel plötzlich wieder im Fokus stehen
Ein Thema, das der Markt inzwischen fast schon reflexartig beobachtet, sind die Aktienkäufe von US-Kongressmitgliedern beziehungsweise deren Umfeld. Der Grund ist simpel: Manche dieser Trades hatten in der Vergangenheit eine erstaunlich gute Trefferquote.
Besonders oft fällt dabei der Name Nancy Pelosi. Genauer gesagt schaut der Markt sehr aufmerksam auf die Käufe ihres Mannes. Die jüngsten Meldungen hatten es in sich, denn es wurden Call-Optionen auf zwei Unternehmen im Millionenbereich gemeldet:
- Uber mit einem Volumen von rund 1 Million US-Dollar
- Intel mit einem Volumen von rund 5 Millionen US-Dollar
Allein die Veröffentlichung solcher Käufe kann Kurse bewegen, weil der Markt inzwischen sehr genau auf diese Signale achtet. Doch die spannende Frage ist natürlich: Warum gerade diese beiden Aktien?
Uber: Wette auf bessere Rahmenbedingungen?
Bei Uber könnte es mehrere Erklärungen geben. Sinkende Ölpreise entlasten Fahrer und Kunden. Wenn die Kosten im Alltag nicht weiter steigen, bleibt mehr Spielraum für Fahrten und Lieferdienste. Das verbessert die operative Ausgangslage.
Spannender ist aber die regulatorische Seite. Wenn politisch oder regulatorisch Veränderungen anstehen, wäre Uber ein Kandidat, der stark davon profitieren könnte. Genau solche Spekulationen kommen natürlich auf, wenn ein so prominent verfolgter Trade auftaucht.
Gleichzeitig bleibt Uber eine Aktie mit einer offenen strategischen Frage: Was passiert langfristig mit dem Geschäftsmodell, wenn autonome Taxis im großen Stil kommen? Sollte sich fahrerloses Fahren breit durchsetzen, könnte der heutige Plattformansatz stark unter Druck geraten. Kurzfristig ist Uber deshalb interessant, langfristig bleibt die Lage komplex.
Intel: Noch mehr Fantasie nach dem Turnaround?
Intel ist fast noch spannender. Die Aktie ist bereits deutlich gestiegen, und eigentlich steckt schon viel Hoffnung im Kurs. Gleichzeitig hat Intel einen besonderen politischen Stellenwert, weil die USA ein großes Interesse daran haben, die heimische Chipproduktion zu stärken.
Wenn auf Intel in diesem Umfang Call-Optionen gekauft werden, dann ist das zumindest ein Signal, das man nicht ignorieren sollte. Denkbar wären weitere Fördermaßnahmen, neue Partnerschaften oder positive Entwicklungen im Foundry-Geschäft. Ganz sicher ist das natürlich nicht.
Genau hier liegt das Problem solcher Trades: Wenn sie öffentlich werden, ist oft schon viel Bewegung im Kurs passiert. Man bekommt also selten einen entspannten Einstieg. Trotzdem lohnt es sich, solche Käufe als Hinweis zu lesen, welche Unternehmen politisch oder strategisch in den kommenden Wochen und Monaten an Relevanz gewinnen könnten.
Was Anleger aus all dem mitnehmen sollten
Der Markt ist aktuell kein Ort für einfache Antworten. Genau deshalb sollte man die einzelnen Geschichten sauber auseinanderhalten.
- Micron zeigt, wie spektakuläre Gewinne gleichzeitig ein Warnsignal für andere Marktteilnehmer sein können.
- Apple und Microsoft machen deutlich, wie sensibel Anleger auf Margendruck und Preiserhöhungen reagieren.
- Zalando erinnert daran, dass Bilanzthemen immer höchste Aufmerksamkeit verdienen.
- Bayer beweist, wie stark ein einziges juristisches Urteil die Perspektive eines Konzerns verändern kann.
- IBM könnte als alter Techdino tatsächlich vor einer neuen Phase stehen, wenn Forschung, Quantenfantasie und operative Stabilisierung zusammenfinden.
- Uber und Intel sind durch die Pelosi-Trades plötzlich wieder heiße Beobachtungskandidaten.
Gerade jetzt ist es wichtig, nicht jeder Bewegung hinterherzuspringen. Einige Kurse wirken günstig, weil die Gewinne gerade auf Anschlag laufen. Andere Aktien sehen teuer aus, obwohl sich dort erst langsam eine neue Zukunftsphantasie aufbaut. Diese Unterschiede entscheiden am Ende oft über gute oder schlechte Investments.
Die Börse bleibt damit genau das, was sie meistens ist: ein Ort, an dem Erwartungen, Ängste, Übertreibungen und echte Chancen gleichzeitig existieren. Und aktuell prallen diese Kräfte so heftig aufeinander wie schon länger nicht mehr.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert: IBM, Intel (short).
Häufige Fragen
Was ist bei der Zalando-Aktie passiert?
Am 26. Juni 2026 gab die BaFin bekannt, die Bilanz von Zalando im Zusammenhang mit der Übernahme von About You auf mögliche Verstöße zu überprüfen. Der Aktienkurs von Zalando sackte daraufhin zeitweise um rund 20 % ab.
Welche Aktien hat US-Abgeordnete Nancy Pelosi zuletzt gekauft?
Nancy Pelosi bzw. ihr nahestehende Personen haben zuletzt bei Uber und Intel größere Call-Optionen gekauft.
Warum ist die Bayer Aktie zuletzt gestiegen?
Bayer konnte in den USA einen wichtigen Sieg in Bezug auf die Glyphosat-Streitigkeiten erringen.