Ryanair droht mit 20 Prozent teureren Flügen wegen Kerosinpreisen

Ryanairs Halbjahresgewinn sinkt um 15 Prozent. Zwei Milliarden Euro höhere Treibstoffkosten drohen – Konzernchef O’Leary hält deutlich teurere Tickets…

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Goldesel Kompakt

Das Wichtigste in Kürze

  1. Gewinn sinkt deutlich: Ryanairs Gewinn nach Steuern sank im ersten Halbjahr 2026/27 um 15 Prozent auf 2,15 Milliarden Euro.
  2. Zwei Milliarden Spritkosten: Für das Geschäftsjahr ab April 2027 erwartet Ryanair rund zwei Milliarden Euro höhere Treibstoffkosten.
  3. Rückkauf über 800 Millionen: Ryanair kündigte einen Aktienrückkauf über 800 Millionen Euro ab Februar 2027 an.

Europas größter Billigflieger steht unter Druck: Ryanair hat am Montag seine Zahlen für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2026/27 vorgelegt, und die Bilanz fällt zweispaltig aus. Der Gewinn nach Steuern sank im Zeitraum April bis September um 15 Prozent auf 2,15 Milliarden Euro, während die Passagierzahl um 6 Prozent auf 125,8 Millionen stieg. Im zweiten Quartal allein ging der Gewinn um 6 Prozent auf 1,61 Milliarden Euro zurück. Grund für den Rückgang sind vor allem höhere Kerosinkosten im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt – und die werden nach Einschätzung des Konzerns noch deutlich teurer. Ryanair-Investorenbericht

Umsatz steigt, aber jeder Passagier bringt weniger ein

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Das Kernproblem der Airline zeigt sich in einer einzelnen Zahl: Der durchschnittliche Flugpreis sank im Halbjahr um 4 Prozent auf 55,70 Euro. Reisende warteten angesichts der allgemeinen Unsicherheit länger mit ihren Buchungen, was die Tarife drückte. Ryanair musste also mehr Passagiere befördern, um am Ende weniger Geld zu verdienen. Der Umsatz stieg trotzdem um 3 Prozent auf 10,08 Milliarden Euro – weil schlicht mehr Menschen flogen.

Doch die Rechnung geht nicht mehr auf, solange die Treibstoffkosten parallel nach oben laufen. Kerosin ist bei einer Fluggesellschaft vom Typ Ryanair einer der größten Kostenblöcke überhaupt. Der Konzern ist zwar bekannt dafür, seine Ausgaben strenger zu kontrollieren als fast jeder Wettbewerber – niedrigere Ticketerlöse auf der einen und steigende Treibstoffpreise auf der anderen Seite fressen aber auch bei Ryanair die Marge an.

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Zwei Milliarden Euro mehr Sprit: Was auf Ryanair zukommt

Für das Geschäftsjahr ab April 2027 beziffert Ryanair den möglichen Anstieg seiner Treibstoffrechnung auf rund zwei Milliarden Euro. Die Schätzung basiert auf aktuellen Terminpreisen am ÖLmarkt – also auf den Preisen, zu denen sich Airlines ihr Kerosin im Voraus sichern können. Diese Preise sind seit dem Eskalieren des Nahost-Konflikts deutlich gestiegen.

Einen Teil des Risikos hat Ryanair bereits abgesichert: Für das laufende Geschäftsjahr bis März 2027 sind 80 Prozent des Treibstoffbedarfs zu rund 67 US-Dollar je Barrel abgesichert. Für das Folgejahr sind es dagegen nur 25 Prozent zu rund 95 US-Dollar. Das heißt konkret: Ab April 2027 muss Ryanair deutlich mehr Kerosin zu deutlich höheren Preisen einkaufen als bislang – genau daraus ergibt sich die Lücke von rund zwei Milliarden Euro.

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Was ist eine Treibstoffabsicherung?

Fluggesellschaften sichern sich über Terminkontrakte einen Teil ihres künftigen Kerosinbedarfs zu heute bekannten Preisen. Das schützt vor plötzlichen Preissprünge, begrenzt aber auch den Nutzen, wenn die Preise fallen. Wie viel eine Airline abgesichert hat, entscheidet deshalb maßgeblich darüber, wie hart sie von Preissteigerungen getroffen wird.

O’Learys Rechnung: Bis zu 20 Prozent teurere Tickets ab 2027

Die Antwort von Konzernchef Michael O’Leary auf den Kostendruck ist ungewöhnlich direkt. Gegenüber CNBC warnte er, europäische Flugpreise könnten 2027 um bis zu 20 Prozent steigen. Das ist eine Warnung vor dem, was passiert, wenn die gestiegenen Kosten auf die Kunden umgelegt werden – keine beschlossene Preiserhöhung. Eine pauschale Verteuerung aller Tickets um 20 Prozent hat Ryanair damit nicht beschlossen.

Für Urlauber und Vielflieger in Europa wäre das spürbar: Ein Ticket, das heute 55,70 Euro kostet – der durchschnittliche Ryanair-Preis im abgelaufenen Halbjahr –, läge dann bei rund 67 Euro. Ob die Kunden das mitmachen, ist die eigentliche Frage. Die schwächeren Ticketpreise der vergangenen Monate zeigen, dass die Zahlungsbereitschaft der Reisenden Grenzen hat. Buchten sie zuletzt schon zögerlicher, könnten 20 Prozent Aufschlag die Nachfrage weiter bremsen.

Sparprogramm und Aktienrückkauf: Ryanairs Gegenmaßnahmen

Parallel zu der Preisdiskussion prüft das Management ein umfassendes Sparprogramm. Auf der Liste stehen Verhandlungen über Flughafenverträge und Gebühren, mögliche vorübergehende Lohnstopps, geringere Besatzungsstärken an Bord und ein stärkerer Einsatz künstlicher Intelligenz zur Effizienzsteigerung. Vor allem die Flughafenkosten sind dabei ein klassisches Ziel: Ryanair ficht seit Jahren Streit mit großen europäischen Flughäfen um Landegebühren aus und verlagert Kapazitäten dorthin, wo es am günstigsten ist.

Überraschend selbstbewusst fällt dagegen die Kapitalrückgabe aus: Ryanair kündigte einen Aktienrückkauf über 800 Millionen Euro an, der ab Februar 2027 laufen und je nach Marktbedingungen rund zehn Monate dauern soll. Ein solches Programm reduziert die Zahl der umlaufenden Aktien und kann den Kurs stützen. Es löst freilich kein einziges operatives Problem – der Druck durch hohe Treibstoffkosten und schwache Ticketpreise bleibt davon unberührt.

Was das für die Ryanair-Aktie bedeutet

Die Aktie hat auf die Zahlen an diesem Montag deutlich reagiert: Sie legte laut Lang & Schwarz Exchange um 5,55 Prozent auf 23,77 Euro zu. Anleger honorierten offenbar vor allem die Kombination aus soliden Passagierzahlen, dem angekündigten Rückkauf und der klaren Ansage des Managements.

Die zentrale Frage für die kommenden Monate ist, ob Ryanair seinen bekannten Kostenvorteil verteidigen kann. Das Geschäftsmodell des Konzerns beruht darauf, günstiger zu operieren als jeder Wettbewerber – niedrige Flughafengebühren, hohe Flottenauslastung, strenge Kostenkontrolle. Die Halbjahreszahlen zeigen aber, dass selbst dieser Vorteil kurzfristig nicht vollständig vor einer Kombination aus teurem Kerosin und zögerlichen Buchungen schützt.

Die Weichen für 2027 sind damit gestellt: Steigen die Kerosinpreise wie erwartet, muss Ryanair entweder deutliche Preiserhöhungen durchsetzen, seine Kosten spürbar senken – oder beides gleichzeitig. Der Aktienrückkauf über 800 Millionen Euro bietet Aktionären in dieser Phase eine Stütze. Ob daraus eine nachhaltige Erholung wird, hängt aber davon ab, wie die Passagiere auf teurere Tickets reagieren und wie sich die Terminpreise für Kerosin entwickeln. Ein Termin für die nächsten Quartalszahlen wurde in den Angaben nicht genannt.

Quellen & weiterführende Berichte

Häufige Fragen

Wie viel ist der Ryanair-Gewinn gesunken?

Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026/27 sank der Gewinn nach Steuern um 15 Prozent auf 2,15 Milliarden Euro, im zweiten Quartal allein um 6 Prozent auf 1,61 Milliarden Euro.

Werden Ryanair-Flüge 2027 um 20 Prozent teurer?

CEO Michael O'Leary warnte, europäische Flugpreise könnten 2027 um bis zu 20 Prozent steigen. Eine pauschale Preiserhöhung in dieser Höhe wurde nicht beschlossen.

Warum expects Ryanair zwei Milliarden Euro höhere Treibstoffkosten?

Die Schätzung basiert auf aktuellen Terminpreisen. Für das Folgejahr sind nur 25 Prozent des Bedarfs zu rund 95 US-Dollar je Barrel abgesichert, nachdem es im laufenden Jahr noch 80 Prozent zu rund 67 US-Dollar waren.

Welche Sparmaßnahmen prüft Ryanair?

Ryanair prüft niedrigere Flughafenkosten, mögliche vorübergehende Lohnstopps, geringere Besatzungsstärken und einen stärkeren Einsatz künstlicher Intelligenz.

Was bringt der Aktienrückkauf?

Ryanair will ab Februar 2027 Aktien im Wert von 800 Millionen Euro zurückkaufen. Das kann den Kurs stützen, beseitigt aber nicht den operativen Druck durch höhere Treibstoffkosten.

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