50 Grad im Gefrierschrank: Hacker-Angriff trifft Delhaize und ICA

Cyberkriminelle schalteten Kühlanlagen europäischer Supermärkte aus der Ferne in den Abtaumodus. Mindestens 40 Delhaize-Filialen in Belgien sind…

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Goldesel Kompakt

Das Wichtigste in Kürze

  1. Angriff bestätigt: Ahold Delhaize bestätigte einen IT-Vorfall an Kühlanlagen mehrerer Delhaize-Filialen in Belgien.
  2. Mindestens 40 Filialen: Laut Ahold Delhaize sind mindestens 40 Delhaize-Geschäfte in Flandern und Wallonien betroffen.
  3. Warenverluste: Ein Delhaize-Betreiber in Hoepertingen bezifferte weggeworfene Lebensmittel auf mindestens 60.000 Euro.

Hacker versetzen Kühlanlagen aus der Ferne in den Abtaumodus

Europäische Supermarktketten kämpfen mit einem ungewöhnlichen Cyberangriff: Unbekannte verschafften sich Zugriff auf Steuerungssysteme von Kühl- und Gefrieranlagen und versetzten sie aus der Ferne in den Abtaumodus. Ahold Delhaize bestätigte am 2. November einen IT-Vorfall an Kühlanlagen mehrerer Delhaize-Filialen in Belgien. Laut Ahold Delhaize sind mindestens 40 Delhaize-Geschäfte in Flandern und Wallonien betroffen.

Der belgische Kühltechnikdienstleister Sabcobel, der mehrere Ketten betreut, meldete rund 20 betroffene Anlagen in seinem eigenen Kundenbestand. Laut SOCRadar wurden bei Sabcobel-Kunden Verdampfer aus der Ferne in den Abtaumodus versetzt; ab 1:00 Uhr nachts seien Techniker zur Behebung eingesetzt worden.

Bei Sabcobel-Kunden wurden Verdampfer aus der Ferne in den Abtaumodus versetzt; ab 01:00 Uhr seien Techniker eingesetzt worden.

SOCRadar, Cybersecurity-Firma

Der Angriff erfasst dabei nicht nur Delhaize: Auch Carrefour meldete Störungen an Kühlanlagen in belgischen Filialen, und fünf Spar-Geschäfte waren laut Colruyt Group betroffen. Betroffen sind also gleich mehrere Betreiber in Belgien gleichzeitig, was auf eine gemeinsame Schwachstelle in der Steuerungstechnik hindeutet.

Auch Schwedens Supermärkte melden Störungen

Der Angriff beschränkt sich nicht auf Belgien. Die schwedischen Ketten ICA und Coop bestätigten Störungen an Kühl- und Gefrieranlagen. ICA bezifferte die Zahl der betroffenen Filialen zunächst nicht. Eine ICA-Filiale in Sjöbo meldete, ihre Kühl- und Gefrieranlagen seien gehackt und auf 50 Grad Celsius eingestellt worden — eine Temperatur, bei der Tiefkühlware innerhalb kurzer Zeit unbrauchbar wird.

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Warum Kühlanlagen ein Angriffsziel sind

Kühl- und Gefrieranlagen in Supermärkten laufen häufig über zentrale Steuerungssysteme, die über das Internet ferngewartet werden. Wer dort Zugriff erhält, kann Temperaturen und Betriebsmodi verändern, ohne vor Ort zu sein. Für Handelsketten ist das doppelt problematisch: Es entsteht direkter Sachschaden an verderblicher Ware, und die Reparatur bindet Personal und Technikdienstleister über Tage.

Die Folgen für die betroffenen Geschäfte sind konkret messbar. Der Betreiber eines Proxy-Delhaize-Geschäfts im belgischen Hoepertingen bezifferte den Wert der weggeworfenen Lebensmittel auf mindestens 60.000 Euro — das ist der Verlust eines einzelnen Geschäfts. Hochgerechnet auf mindestens 40 betroffene Delhaize-Filialen und weitere Ketten in Belgien und Schweden deutet sich die Größenordnung des Gesamtschadens an, ohne dass bislang eine belastbare Gesamtrechnung vorliegt.

Zweiter Vorfall dieser Art binnen drei Wochen

Es ist nicht der erste Angriff dieser Art: Bereits am 12. Oktober traf ein Cyberangriff Kühlanlagen in Hunderten Supermärkten in Frankreich. Die Angriffsfolge zeigt ein Muster, das auf die Steuerungstechnik der Branche zielt statt auf Kassensysteme oder Kundendaten. Für Händler bedeutet das eine andere Art von Risiko: Der Schaden entsteht nicht durch gestohlene Daten, sondern durch physisch verdorbene Ware und ausgefallene Verkaufsflächen.

Für Ahold Delhaize, die Muttergesellschaft von Delhaize, kommt der Vorfall zu einem Zeitpunkt, an dem der Handel ohnehin mit knappen Margen arbeitet. Frischware ist im Lebensmitteleinzelhandel ein wichtiger Umsatzträger; fallen Kühlregale aus, entstehen nicht nur Entsorgungskosten, sondern auch Umsatzverluste an den betroffenen Standorten. Das Unternehmen hat den Vorfall bestätigt und die Störungen durch den Technikeinsatz in der Nacht behoben. Angaben zu einem möglichen finanziellen Gesamtschaden liegen nicht vor.

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Was der Vorfall für Ahold Delhaize bedeutet

Für Anleger zeigt der Vorfall ein operatives Cyberrisiko, das sich nicht in Bilanzen oder Prognosen widerspiegelt, bis es eintritt: Digitale Zugriffe auf Steuerungssysteme können unmittelbar physische Infrastruktur und Warenbestände beeinträchtigen. Die unmittelbaren Kosten für Ahold Delhaize lassen sich anhand der bislang bekannten Zahlen noch nicht beziffern — der Einzelverlust in Hoepertingen von mindestens 60.000 Euro und die mindestens 40 betroffenen Geschäfte geben aber eine erste Größenordnung.

Die betroffene Aktie notierte am 2. November mit 31,99 Euro und 2,65 Prozent im Minus bei ruhigem Handel laut Lang & Schwarz Exchange. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Kursbewegung und dem Cyberangriff lässt sich daraus nicht ableiten. Relevant für die kommenden Wochen ist eher, ob weitere Angriffe dieser Art folgen — die Vorfälle in Frankreich, Belgien und Schweden binnen weniger Wochen legen nahe, dass die Steuerungstechnik von Kühlanlagen inzwischen ein wiederkehrendes Ziel ist.

Diese Aktien gelten als mögliche Verlierer

Aus dem beschriebenen Anlass könnten vor allem diese Börsentitel stärker unter Druck geraten — mit unterschiedlichem Hebel.

NL0011794037,FR0000120172

Quellen & weiterführende Berichte

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