Zwei Billionen-Riesen in einem Konzern: Amazons Plan für AWS und Retail

Amazon-Chef Andy Jassy sieht Cloud und Handel als getrennte Giganten. Warum AWS und Retail jeweils eigenständige Multi-Billionen-Werte anpeilen.

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Goldesel Kompakt

Das Wichtigste in Kürze

  1. Zwei Billionen-Säulen: Andy Jassy sieht AWS und das Retail-Geschäft als eigenständige Multi-Billionen-Dollar-Einheiten.
  2. AWS-Meilenstein: Die Cloud-Sparte erreicht eine annualisierte Run-Rate von über 100 Milliarden US-Dollar Umsatz.
  3. Marktpotenzial: Mehr als 85 Prozent der weltweiten IT-Ausgaben finden weiterhin in lokalen Rechenzentren statt.

Zwei getrennte Giganten unter einem Konzerndach

Amazon-CEO Andy Jassy hat im jährlichen Brief an die Aktionäre sowie in Telefonkonferenzen mit Investoren eine bemerkenswerte Perspektive formuliert: Die Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) und das weltweite Handelsgeschäft haben das Potenzial, als jeweils eigenständige Geschäfte im Wert von mehreren Billionen Dollar zu agieren. Statt den Gesamtkonzern nur als Summe kleinerer Dienste zu betrachten, rückt damit die enorme Dimension der beiden Hauptsäulen in den Vordergrund.

Laut CNBC leiten Marktbeobachter aus Jassys Aussagen ab, dass sowohl AWS als auch das globale Handelsnetzwerk inklusive der angeschlossenen Plattformdienste fundamentale Bewertungen von jeweils über einer Billion US-Dollar rechtfertigen können. Die Trennlinie zwischen digitaler Infrastruktur und weltweiter Handelslogistik wird damit zur eigentlichen Basis für die langfristige Unternehmensbewertung. Das Retail-Segment umfasst neben dem reinen Direktverkauf auch Logistikdienstleistungen für Drittanbieter sowie das stark wachsende Geschäft mit digitaler Werbefläche auf dem eigenen Marktplatz.

AWS und das Retail-Geschäft haben das Potenzial, jeweils eigenständige Multi-Billion-Dollar-Geschäfte darzustellen.

Andy Jassy, CEO von Amazon

Für den Gesamtkonzern bedeutet diese Einschätzung eine klare strategische Weichenstellung. Beide Sparten finanzieren sich weitgehend über eigene operative Cashflows und bedienen grundlegend unterschiedliche Kundengruppen: Auf der einen Seite stehen Händler, Konsumenten und Marken, auf der anderen globale Großkonzerne, Entwickler und Behörden, die auf verlässliche IT-Infrastruktur angewiesen sind.

AWS knackt 100-Milliarden-Marke bei anhaltendem Cloud-Boom

Das Fundament für diese Bewertung liefert die Cloud-Tochter mit überprüfbaren Betriebszahlen. AWS hat eine annualisierte Run-Rate von über 100 Milliarden US-Dollar Umsatz erreicht. Angetrieben wird dieser Zuwachs durch die fortlaufende Verlagerung von Unternehmensdaten in zentrale Serverparks sowie durch den sprunghaft wachsenden Bedarf an generativer künstlicher Intelligenz.

Andy Jassy stellte im Gespräch mit Investoren klar, dass der Markt für Cloud-Dienste trotz dieser Größenordnung erst am Anfang steht. Mehr als 85 Prozent der weltweiten IT-Ausgaben finden nach wie vor in klassischen Rechenzentren vor Ort statt (on-premises). Entsprechend sieht das Management für AWS eine anhaltende, mehrjährige Wachstumsphase voraus, da dieser gewaltige Anteil traditioneller IT schrittweise in Rechenzentren großer Cloud-Anbieter wandert.

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Was bedeutet Run-Rate?

Die Run-Rate rechnet die Finanzdaten einer kurzen Periode, beispielsweise eines Quartals, auf ein ganzes Jahr hoch. AWS erwirtschaftet damit hochgerechnet bereits mehr als 100 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr.

Dieses Potenzial betrifft nicht nur Start-ups oder Technologiekonzerne, sondern traditionelle Industrien wie Banken, Versicherungen, das Gesundheitswesen und staatliche Organisationen. Da der Betrieb eigener Rechenzentren hohe Fixkosten für Hardware, Kühlung, Strom und Sicherheitspersonal bindet, wechseln immer mehr Betriebe zu flexiblen Abrechnungsmodellen, was AWS verlässliche und wiederkehrende Einnahmen sichert.

KI-Workloads und der Wettlauf um Marktanteile

Neben der Basismigration von Unternehmenssoftware treibt generative KI die Nachfrage nach massiver Rechenleistung. AWS setzt dabei auf eigene Halbleiter wie Trainium und Inferentia, um Kunden spezialisierte Hardware für das Training und den Betrieb komplexer Sprachmodelle anzubieten. Marktbeobachter trauen der Cloud-Sparte mittelfristig sogar separate Bewertungen zwischen 1,5 und 2 Billionen US-Dollar zu, falls sich der Boom bei generativer KI ungebremst fortsetzt.

Die Entwicklung eigener Chips erlaubt es Amazon, die Kosten pro Rechenoperation spürbar zu senken und Kunden eine Alternative zu teuren Standard-Grafikprozessoren bereitzustellen. Gleichzeitig integriert AWS fertige KI-Modelle in seine Cloud-Plattform Bedrock, damit Unternehmenskunden ohne eigene Modellentwicklung maßgeschneiderte Anwendungen bauen können. Dieser Schritt bindet Kunden enger an das Amazon-Ökosystem und erhöht die Wechselkosten zu alternativen Plattformen deutlich.

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Der Wettbewerb um diese IT-Budgets bleibt intensiv. Konkurrenten investieren ebenfalls zweistellige Milliardenbeträge in Serverkapazitäten und KI-Modelle. Da der überwiegende Teil der weltweiten IT-Infrastruktur jedoch noch gar nicht virtualisiert ist, kämpfen die Anbieter primär um Neukunden, die erstmals ihre Systeme auslagern, statt sich gegenseitig bestehende Kunden abspenstig zu machen.

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Im Rennen um Cloud-Migration und Unternehmensinfrastruktur stehen neben Amazon vor allem die großen Plattformbetreiber im direkten Wettbewerb um IT-Budgets und KI-Anwendungen.

Microsoft hält mit Azure eine führende Position bei Unternehmenssoftware und treibt die Cloud-Verlagerung über enge Partnerschaften im KI-Sektor voran. Durch die Verzahnung von Windows, Office 365 und Azure bietet der Konzern Firmenkunden eingespielte Schnittstellen beim Umzug in die Cloud.

Alphabet setzt mit der Google Cloud verstärkt auf Datenanalyse, Machine Learning und eine eigene Infrastruktur für Entwickler, um am Wandel von lokalen Rechenzentren in die Cloud zu partizipieren. Google nutzt dafür seine jahrzehntelange Erfahrung im Betrieb globaler Netze und großer Datenmengen.

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Meine Meinung dazu:

Die getrennte Betrachtung zeigt, wie massiv Amazon aufgestellt ist. Solange 85 Prozent der IT-Budgets noch nicht in der Cloud liegen, bleibt der Spielraum für AWS gewaltig. – Michael Flender – Team Goldesel

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