Novo Nordisk, Eli Lilly und Co: Sechs Aktien für den Abnehm-Boom im Check
Kein Medikament hat die Börse in den vergangenen Jahren so stark beschäftigt wie Ozempic. Der Boom rund um Abnehmspritzen hat Novo Nordisk und Eli Lilly zu den dominierenden Akteuren eines Milliardenmarktes gemacht. Doch der Trend endet längst nicht bei den beiden Pharmariesen. In dieser Goldesel-Topstory stellen wir sechs Aktien entlang der gesamten Wertschöpfungskette vor und zeigen, wer vom Boom der Abnehmmedikamente profitieren könnte – und wo die größten Risiken liegen.
Warum der Abnehmspritzen-Boom Milliarden bewegt – und wie du als Anleger drankommst
Die Erfolgsgeschichte der Abnehmspritzen begann ursprünglich im Diabetesmarkt. Inzwischen hat sich Adipositas jedoch zum deutlich größeren Wachstumstreiber entwickelt. Experten rechnen damit, dass der weltweite Markt für entsprechende Medikamente in den kommenden Jahren auf deutlich über 100 Milliarden USD anwachsen könnte. Entsprechend groß ist das Interesse von Anlegern an Unternehmen, die von diesem Trend profitieren.
2026 gilt dabei als Schlüsseljahr für die Branche. Neben den bekannten Spritzen rücken zunehmend Tabletten in den Fokus. Novo Nordisk hat Anfang des Jahres ein orales Wegovy auf den US-Markt gebracht, während Eli Lilly mit Orforglipron die Zulassung für eine eigene Abnehm-Pille erhalten hat. Dadurch könnte sich der potenzielle Patientenmarkt noch einmal deutlich vergrößern.
Für Anleger ergeben sich damit drei unterschiedliche Wege, auf den Boom zu setzen: über die Marktführer Novo Nordisk und Eli Lilly, über Zulieferer entlang der Wertschöpfungskette oder über Herausforderer, die auf den nächsten großen Durchbruch hoffen.
Drei Wege, auf den Abnehmspritzen-Boom zu setzen – und drei Stolperfallen
Wer im aktuellen Marktumfeld von der enormen Dynamik dieser Medikamentenklasse profitieren möchte, kann das Feld der GLP-1 Aktien in drei strategische Segmente unterteilen:
- Die Platzhirsche: Das direkte Investment in das etablierte Quasi-Duopol aus Novo Nordisk und Eli Lilly. Sie kontrollieren den Markt, diktieren das Innovationstempo und streichen den Löwenanteil der globalen Umsätze ein.
- Die Picks and Shovels: Der Weg über die Zulieferindustrie. Diese Unternehmen verdienen unabhängig vom Sieger des Wirkstoff-Rennens an der aufwendigen Peptid-Synthese oder stellen die benötigte Spritzen-Hardware her.
- Die Herausforderer: Kleinere Biotech-Schmieden und Großkonzerne mit eigenen Pipeline-Kandidaten. Dieser Weg bietet über spezifische Small Caps den größten spekulativen Hebel bei Studienerfolgen.
Bevor du jedoch investierst, solltest du die drei zentralen Stolperfallen dieses Marktes kennen:
- Die Eingepreist-Falle: Der Boom läuft seit Jahren und viel Zukunft ist in den Kursen enthalten. Dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, zeigt Novo Nordisk: Wachsender Preisdruck und der enttäuschende CagriSema-Studienausgang drückten die Aktie deutlich vom Hoch. Du kaufst also nicht mehr den puren Hype, aber eben auch nicht zwingend billig.
- Die Pille-verändert-die-Kette-Falle: Solange Patienten spritzen, verdienen Peptid- und Pen-Hersteller prächtig. Die neue, orale Small-Molecule-Pille Orforglipron wird jedoch rein chemisch synthetisiert und geschluckt. Sie benötigt weder klassische Peptide noch Injektions-Hardware, was Teile der Zulieferkette langfristig massiv belasten kann.
- Die Zugangs- und Währungsfalle: Die Kernwerte notieren in US-Dollar (Eli Lilly), dänischen Kronen (Novo) oder Schweizer Franken (Bachem). Deutsche Anleger tragen somit immer ein Währungsrisiko.
Mit diesem Fundament im Hinterkopf können wir nun die konkreten Unternehmen analysieren. Fangen wir mit den beiden an, die den Markt heute unter sich aufteilen.
Kategorie 1 – Die Platzhirsche: Das Duopol, das den Markt beherrscht
Novo Nordisk Aktie: Vom Börsenliebling zur Turnaround-Wette
Novo Nordisk hat den Boom der Abnehmspritzen mit Ozempic und Wegovy maßgeblich geprägt, musste zuletzt aber einige Rückschläge verkraften. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 42 % an Wert verloren. Wachsende Konkurrenz durch Eli Lilly, Preisdruck in den USA und enttäuschende Studiendaten bei CagriSema haben den einstigen Börsenliebling unter Druck gesetzt.
Operativ präsentiert sich das Unternehmen jedoch weiterhin robust. Im ersten Quartal 2026 erzielte Novo Nordisk bereinigte Umsätze von 70,1 Milliarden DKK und einen operativen Gewinn von 32,86 Milliarden DKK. Allein das Adipositas-Geschäft wuchs auf vergleichbarer Basis um 22 %, während die Bruttomarge trotz zunehmenden Wettbewerbs bei starken 80,6 % lag. Besonders im Fokus steht die Wegovy-Pille, die seit ihrem Start Anfang 2026 die Erwartungen übertroffen hat und bereits mehr als eine Million Patienten erreicht haben soll. Gleichzeitig investiert Novo weitere vier Milliarden USD in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten in den USA.
Genau das macht die Aktie derzeit interessant. Der Markt fokussiert sich vor allem auf die Probleme der vergangenen Monate, während die Chancen durch die Pille, neue Indikationen und die Pipeline oft in den Hintergrund geraten. Risiken bleiben der aggressive Wettbewerb durch Eli Lilly sowie der anhaltende Preisdruck im US-Markt.
Chartanalyse Novo Nordisk Aktie – Zonen werden respektiert


Die Aktie von Novo Nordisk respektiert die Zonen im Wochenchart zuletzt sehr konsequent. In der Zone zwischen 224,50 und 234 Dänische Kronen (DDK) konnte die Aktie ihren langen Abverkauf endlich ausbremsen und korrigierte wieder bis an den Widerstand zwischen 297 und 317 DDK. Die 50-Wochenlinie konnte somit noch nicht überwunden werden.
Auf Tagesbasis ist die Aktie nach dem Abpraller an der Wochenzone allerdings auf Höhe der 50-Tage-Linie wieder nach Norden gedreht. Wichtig wäre nun ein Überwinden der 200-Tage-Linie bei 312 DKK. Spätestens über 316 DKK könnte das Gap bei etwa 367 DKK geschlossen werden.
- Einstieg: Long über 312 oder 316 DKK
- Absicherung: Stop anschließend knapp unter 300 DKK.
- Zu beachten ist, dass im Bereich der Widerstandszone sehr viel Volumen liegt.
Fazit: Novo Nordisk ist heute weniger eine Wachstums- als vielmehr eine Turnaround-Story. Viele Risiken sind nach dem Kursrückgang bereits bekannt. Gelingt es dem Konzern, die Dynamik bei der Wegovy-Pille und der Pipeline zu bestätigen, könnte die Aktie deutlich mehr Potenzial besitzen, als der Markt derzeit erwartet. Charttechnisch zeichnet sich auch ein Turnaround ab.
Eli Lilly Aktie: Der neue König des Abnehmspritzen-Marktes?
Während Novo Nordisk zuletzt mit Gegenwind zu kämpfen hatte, befindet sich Eli Lilly weiterhin in einer außergewöhnlichen Wachstumsphase. Mit den Blockbustern Mounjaro und Zepbound hat der US-Pharmakonzern seinem dänischen Rivalen zuletzt Marktanteile abgenommen und kontrolliert inzwischen rund 60 % des Marktes für Adipositas-Medikamente. Zusätzlich sorgt die im April 2026 zugelassene Abnehm-Pille Orforglipron für Fantasie. Anders als viele GLP-1-Präparate wird sie nicht als Peptid hergestellt und könnte langfristig günstiger und einfacher zu produzieren sein.
Die Zahlen unterstreichen die starke Position des Konzerns. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 56 % auf 19,8 Milliarden USD, während der bereinigte Gewinn je Aktie mit 8,55 USD die Erwartungen der Analysten deutlich übertraf. Allein Mounjaro steuerte 8,66 Milliarden USD Umsatz bei, Zepbound weitere 4,16 Milliarden USD. Aufgrund der starken Nachfrage hob Lilly die Prognose für das Gesamtjahr auf 82 bis 85 Milliarden USD Umsatz an.
Doch die hohe Wachstumsdynamik hat ihren Preis. Eli Lilly gehört zu den teuersten Pharmawerten der Welt und muss die hohen Erwartungen des Marktes immer wieder bestätigen. Gleichzeitig verfügt das Unternehmen mit Alzheimer-Medikamenten, Onkologie-Programmen und weiteren Indikationserweiterungen von Tirzepatid über zusätzliche Wachstumstreiber jenseits des Abnehmspritzen-Marktes.
Chartanalyse Eli Lilly Aktie – massive Outperformance


Die Aktie von Eli Lilly ist im Vergleich zu Konkurrent Novo Nordisk in den letzten Monaten definitiv die bessere Wahl gewesen. Nach dem Bruch der kurzfristigen Abwärtstrendlinie Ende April 2026 konnte die Aktie kürzlich auf neue Allzeithochs ausbrechen. Das Niveau konnte aber nicht verteidigt werden. Für einen Rücklauf auf die Zone von 958 bis 995 USD gehört die Aktie auf die Watchlist. Möglicherweise erfolgt die Reaktion aber auch bereits im Bereich der 50-Tage-Linie knapp über der 1000-USD-Marke.
- Einstieg: Long bei positiver Reaktion an der Unterstützungszone oder der 50-Tage-Linie bei aktuell 1011 USD.
- Absicherung: Stop anschließend unter 958 USD.
Fazit: Eli Lilly ist aktuell der stärkste operative Profiteur des GLP-1-Booms. Die hohe Bewertung lässt zwar wenig Raum für Enttäuschungen, dafür verfügt der Konzern über eine der spannendsten Pipelines der gesamten Pharmabranche.
Kategorie 2 — Picks and Shovels: Wer an jeder Spritze mitverdient
Wer unschlüssig ist, ob Novo oder Lilly das Rennen macht, findet in der Zulieferindustrie den wohl unterschätztesten Weg. Diese Unternehmen liefern die chemische Basis oder die Hardware und verdienen unabhängig vom Sieger an fast jeder Einheit mit.
Doch das Jahr 2026 bringt ein strukturelles Risiko: den Trend zur Tablette. Je schneller der Markt auf orale Medikamente umschwenkt, desto geringer wird langfristig der Bedarf an Spritzen-Hardware und klassischen Peptid-Synthesen – ein Faktor, den man bei beiden folgenden Werten mitdenken muss.
Gerresheimer Aktie: Der Anker für die Injektions-Hardware
Für Anleger aus Deutschland ist die Gerresheimer aktie der direkteste Einstiegspunkt in die physische Lieferkette. Der MDAX-Konzern fertigt die hochkomplexen Pen-Injektionssysteme, Spritzenkomponenten sowie die sterilen Glas-Primärverpackungen (Karpulen), in denen die GLP-1-Wirkstoffe geliefert werden. Gerresheimer positioniert sich damit als unverzichtbarer Devices-Partner der Pharmariesen und profitiert unmittelbar vom massiven Hochlauf der globalen Injektions-Volumina.
An der Börse lief es zuletzt allerdings unruhig. Die Aktie stand wegen zwischenzeitlicher Prognoseanpassungen und einer spürbaren Nettoverschuldung unter Druck, die das Management im Zuge der intensiven Kapazitätsausweitung angehäuft hat. Zudem ist die beschriebene Marktverschiebung hin zu oralen Alternativen wie Lillys Orforglipron ein struktureller Gegenwind für das traditionelle Hardware-Geschäft. Gerresheimer darf daher nicht als reines, risikoloses GLP-1-Wachstumsversprechen gesehen werden.
Nach einem stabilen Jahresumsatz von 2,04 Milliarden Euro im Jahr 2024 zeigt der langfristige Trend getrieben durch die Adipositas-Aufträge nach oben: Die Prognosen für das laufende Jahr 2026e liegen bereits bei rund 2,4 Milliarden Euro, bevor bis 2029e sogar die Marke von knapp 3,0 Milliarden Euro ins Visier genommen werden soll.
Chartanalyse Gerresheimer Aktie – viel verbrannte Erde


Die Aktie von Gerresheimer hat nach den Skandalen und dem schlechten Managementverhalten der letzten Monate und Jahre einen heftigen Verfall hinter sich. Nach einem kurzen Dip unter die 15-EUR-Marke hat sich die Aktie zuletzt gefangen und ist wieder bis an den Widerstand zwischen 28,30 und 30,40 EUR gestiegen. Hier deckelt die Zone in Kombination mit der 200-Tage-Linie den Kurs. Sollte die Marke nachhaltig genommen werden, könnte es schnell in Richtung 41 EUR gehen. Auch die Abwärtstrendlinie wurde bereits gebrochen.
- Einstieg: Long über 30,40 EUR.
- Absicherung: Stop spätestens unter 28 EUR.
Bachem Aktie: Der unangefochtene König der Peptid-Synthese
Wer das Thema auf biochemischer Ebene spielen möchte, setzt auf die Schweizer Bachem Holding. Das Auftragsentwicklungsunternehmen ist der weltweit führende Spezialist in der Synthese von Peptiden – exakt jener Wirkstofftyp, aus dem Semaglutid und Tirzepatid bestehen. Da der Aufbau eigener, regulatorisch hochkomplexer Produktionsanlagen für Peptide extrem zeit- und kapitalintensiv ist, lagern die großen Pharmakonzerne signifikante Teile der Wirkstoffproduktion an Partner wie Bachem aus.
Das Unternehmen profitiert direkt vom reinen Mengenwachstum der injizierbaren GLP-1-Wirkstoffe und hat seine Kapazitäten in der Schweiz durch dreistellige Millioneninvestitionen massiv erweitert. Die Kehrseite dieser starken Marktstellung ist die traditionell sehr hohe Bewertung: Die Aktie weist ein sportliches KGV von über 47 auf, was wenig Raum für operative Enttäuschungen lässt. Zudem greift hier das Pillen-Risiko in seiner reinsten Form: Während Novos Pille ein Peptid bleibt, ist Eli Lillys Wirkstoff ein chemisch hergestelltes Molekül. Dieses kommt komplett ohne Peptid-Synthese aus, wodurch Bachem bei diesem potenziellen Megaseller außen vor bleibt. Die starke Abhängigkeit von wenigen Großkunden aus dem Duopol bleibt das definierende Risiko.
Chartanalyse Bachem Aktie – lange Seitwärtsphase


Im Wochenchart pendelt die Aktie seit längerem seitwärts, konnte den Widerstand zwischen 76 und 82 EUR bislang aber noch nicht überwinden. Allerdings macht die Aktie zuletzt höheren Hochs und höhere Tiefs. Sowohl im Wochen- wie auch im Tageschart ist die Aktie zwischen den gleitenden Durchschnitten gefangen. Bei einem Rücklauf in Richtung 54 EUR oder einem Ausbruch über 83,40 EUR könnte man über den Einstieg nachdenken.
Die Herausforderer: Der spekulative Pipeline-Hebel
Die ersten vier Aktien standen für die etablierten Profiteure. Die letzte Kategorie ist die riskanteste und zugleich chancenreichste: Unternehmen, deren Kurs an einzelnen Studienergebnissen hängt. Bewusst stehen sich hier zwei sehr unterschiedliche Vertreter gegenüber, ein hochspekulativer Pure-Play und ein solide finanzierter Großkonzern.
Viking Therapeutics Aktie: Die spekulativste Wette der Liste
Mit Viking Therapeutics endet das Feld der etablierten Konzerne und beginnt die Welt der reinen Pipeline-Wetten. Das kalifornische Biotech-Unternehmen entwickelt mit VK2735 einen sogenannten dualen Agonisten, der wie das Mittel von Eli Lilly an gleich zwei Rezeptoren ansetzt (GLP-1 und GIP), und zwar sowohl als Spritze als auch als Tablette. Genau diese Doppelstrategie macht Viking für viele Anleger zum spannendsten Außenseiter des gesamten Abnehmspritzen-Marktes. Die Aktie gehört allerdings auch zu den schwankungsreichsten der Branche und bewegt sich in einer weiten Jahresspanne zwischen rund 23 und 43 USD.
Operativ steht Viking noch ganz am Anfang. Die entscheidenden Phase-3-Studien VANQUISH-1 und VANQUISH-2 mit der gespritzten Variante von VK2735 sind seit dem ersten Quartal 2026 vollständig rekrutiert, die Ergebnisse werden allerdings erst 2027 erwartet. Die orale Variante soll noch 2026 in die Phase 3 starten, dazu kommt mit dem Amylin-Wirkstoff VK3019 ein zweiter Hoffnungsträger in die klinische Erprobung. In den bisherigen Phase-2-Daten erreichte VK2735 als Spritze einen Gewichtsverlust von bis zu 14,7 % und als Tablette bis zu 12,2 %. Finanziell verbrennt das Unternehmen dabei Geld: Im ersten Quartal 2026 lag der Nettoverlust bei rund 158 Millionen USD, die Kasse war mit 603 Millionen USD aber noch gut gefüllt.
Damit liegt die ganze Geschichte in der Zukunft. Viking hat bisher kein zugelassenes Produkt und schreibt folgerichtig keine Gewinne, weshalb sich die Aktie nicht über ein klassisches KGV bewerten lässt. Der Kurs hängt fast vollständig an den kommenden Studiendaten und an der Fantasie, dass Viking als dritter großer Anbieter in den Markt drängt oder zum Übernahmekandidaten wird. Analysten sind auffällig optimistisch und rufen Kursziele weit über dem aktuellen Niveau auf, was die Erwartungen aber auch entsprechend hoch hängt. Bleiben die Phase-3-Ergebnisse dahinter zurück, hat die Aktie viel Fallhöhe.
Chartanalyse Viking Therapeutics Aktie –


Die Aktie von Viking ist für ihre heftigen Ausschläge bekannt. Der Chart ist mit einigen größeren Gaps versehen, doch zuletzt scheint es etwas an Volumen zu fehlen. Die Aktie pendelt leicht abwärts und ist in den letzten Wochen unter die 50- und 200-Tagelinie gerutscht. Bei einem weiteren Rücklauf in Richtung 26 USD könnte die Aktie für einen Rebound an der Wochenzone wieder interessant werden. Prozyklisch werden erst Kurse über 33,20 USD und somit über den letzen Hochs und den gleitenden Durchschnitten spannend.
Fazit: Viking Therapeutics ist die spekulativste Position dieser Auswahl, ein klassischer Watchlist-Kandidat für alle, die an eine möglicherweise erstklassige Pipeline glauben und mit heftigen Kursschwankungen leben können. Wer hier einsteigt, wettet auf einzelne Studienergebnisse, nicht auf ein laufendes Geschäft.
Amgen Aktie: Der solide Außenseiter im Rennen um die Abnehmspritze
Amgen ist der Gegenentwurf zu Viking. Statt eines reinen Biotech-Wagnisses steht hier einer der größten Biotechnologie-Konzerne der Welt, der schon heute Milliardenumsätze und eine Dividende erwirtschaftet und nebenbei am Abnehmspritzen-Markt mitmischt. Sein Hoffnungsträger heißt MariTide, ein nur einmal monatlich oder noch seltener zu spritzendes Mittel, das sich damit von der wöchentlichen Konkurrenz absetzen will. Die Aktie zählt zu den stabileren Werten dieser Liste und notiert im Jahresvergleich im Plus.
Das bestehende Geschäft ist solide. Im ersten Quartal 2026 steigerte Amgen den Umsatz um 6 % auf 8,6 Milliarden USD, wobei die sechs wichtigsten Wachstumstreiber zusammen um 24 % zulegten. Das Management hob die Jahresprognose auf 37,1 bis 38,5 Milliarden USD Umsatz an und stellte einen bereinigten Gewinn je Aktie von 21,70 bis 23,10 USD in Aussicht. Anders als Viking zahlt Amgen eine Dividende, zuletzt 2,52 USD je Aktie und Quartal, und erzielte im Quartal einen freien Mittelzufluss von 1,5 Milliarden USD.
MariTide ist dabei die Wette auf die Zukunft, aber kein Selbstläufer. In der Phase-2-Studie erreichte das Mittel einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von bis zu rund 20 % nach einem Jahr, was einige Anleger nach den hohen Erwartungen zunächst enttäuschte. Inzwischen läuft mit dem breiten MARITIME-Programm eine ganze Reihe von Phase-3-Studien, unter anderem zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlafapnoe. Für Amgen ist das Abnehm-Geschäft aber nur ein Baustein neben Knochen-, Krebs- und Entzündungsmedikamenten, was die Aktie weniger abhängig von einem einzelnen Studienergebnis macht als einen Pure-Play.
Chartanalyse Amgen Aktie – übergeordnet aufwärts mit großen Swings


Die Aktie von Amgen ist ein Dauerläufer. Seit 2011 hat die Aktie rund 500 % Kursplus zu verzeichnen. In den letzten Wochen und Monaten ist die Richtung weiterhin aufwärts, allerdings sind die Swings in beide Richtungen sehr groß.
Im Tageschart hat die Unterstützung zwischen 318,50 und 323 USD zuletzt mehrfach gehalten, aber der Widerstand von 356,60 bis 362 USD konnte nicht überwunden werden.
- Einstieg prozyklisch: Long über 362 USD mit Stop unter 356 USD
- Einstieg antizyklisch: Long bei Rücklauf in Richtung 323 USD mit Stop unter 318 USD.
Fazit: Amgen ist der defensivere Weg, auf den Abnehmspritzen-Trend zu setzen. Dividende und ein breit aufgestelltes Kerngeschäft federn das Risiko ab, während MariTide die Fantasie liefert. Wer das Thema spielen will, ohne sich der vollen Schwankung eines Biotechs auszusetzen, findet hier die ruhigere Variante, bei der die Abnehmspritze ein Zusatz und kein Allesentscheider ist.
Ozempic Aktie und die Alternativen im Vergleich
| Wert | Kategorie / Rolle | Kurs (Hauptbörse)¹ | Marktkap.² | KGV (TTM)² | Perf. 1 Jahr² | Bezug zum Boom |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Novo Nordisk | Platzhirsch | 292,95 DKK | 191,93 Mrd. USD | 10,67 | -39,47 % | Semaglutid (Ozempic, Wegovy) |
| Eli Lilly | Platzhirsch | 1.098,78 USD | 1.035 Mrd. USD | 38,94 | +44,84 % | Tirzepatid, Pille Foundayo |
| Gerresheimer | Picks & Shovels | 25,60 EUR | 884,22 Mio. EUR | negativ (TTM) | -44,99 % | Pens, Spritzen, Glas |
| Bachem | Picks & Shovels | 67,00 CHF | 5,02 Mrd. CHF | 33,8 | +18,28 % | Peptid-Auftragsherstellung |
| Viking Therapeutics | Herausforderer | 30,38 USD | 3,53 Mrd. USD | negativ (defizitär) | +16,44 % | Pipeline VK2735 |
| Amgen | Herausforderer | 350,53 USD | 182,21 Mrd. USD | 23,31 | +16,20 % | Pipeline MariTide |
² Marktkapitalisierung und 1-Jahres-Performance sind offizielle Goldesel-Plattformwerte (Stand 19.06.2026), die Marktkapitalisierung in der jeweiligen Berichtswährung, die Performance auf Euro-Basis.
Die Kehrseite: Wenn die Abnehmspritzen-Wette zur Falle wird
So überzeugend der Megatrend wirkt, ein paar Fallstricke gehören vor jedem Investment auf den Tisch. Der erste ist die Eingepreist-Falle: Der Boom läuft seit Jahren, und vieles ist längst in den Kursen enthalten. Novo Nordisk zeigt, dass es selbst beim Markterfinder steil nach unten gehen kann, wenn die Erwartungen zu hoch waren.
Die zweite Falle ist hausgemacht und betrifft ausgerechnet die Zulieferer. Solange abgenommen wird, indem man spritzt, verdienen Peptid-Hersteller wie Bachem und Pen-Spezialisten wie Gerresheimer kräftig mit. Setzt sich aber die Tablette durch, vor allem Lillys chemisch hergestelltes Orforglipron (Markenname Foundayo), das kein klassisches Peptid ist und ganz ohne Nadel auskommt, könnte ein Teil dieser Lieferkette über die Jahre an Bedeutung verlieren. Dazu kommt die Pipeline-Falle: Bei Viking entscheidet eine einzige Studie über Verdopplung oder Halbierung des Kurses, und auch Amgens MariTide hängt am Erfolg der laufenden Phase-3-Studien.
Nicht zu vergessen ist die Zugangs- und Währungsfalle. Die meisten dieser Werte notieren in USD, Novo in dänischen Kronen, Bachem in Schweizer Franken. Anleger im Euroraum tragen also zusätzlich ein Währungsrisiko, das die Rendite über die Jahre spürbar verändern kann. Und am Ende profitieren nicht nur Gewinner: Anbieter klassischer Diät-Konzepte oder langfristig sogar Teile des Geschäfts mit Folgeerkrankungen könnten zu den Verlierern des Abnehmspritzen-Booms gehören.
Fazit: Ozempic Aktie und Co. sind Trend mit Substanz, aber kein Selbstläufer
Der Abnehmspritzen-Markt ist real und wächst kräftig, doch bei den großen Namen steckt viel Erwartung im Kurs, und die orale Pille mischt die Karten gerade neu. Wer die beste Abnehmspritzen Aktie für sich sucht, sollte deshalb weniger auf die lauteste Schlagzeile schauen als auf das eigene Risikoprofil. Grob lassen sich die drei Wege so einordnen:
- Platzhirsche (Novo Nordisk, Eli Lilly) für alle, die den Megatrend mit etablierten Konzernen spielen wollen, mit Blick auf die hohe Bewertung bei Lilly und die Turnaround-Chance bei Novo.
- Zulieferer (Gerresheimer, Bachem) als Mitverdiener-Wette für alle, die das Risiko der Verschiebung zur Tablette bewusst in Kauf nehmen.
- Herausforderer (Viking, Amgen) als Risiko-Satellit, von hochspekulativ bis solide finanziert, bei dem Studiendaten viel entscheiden.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Die Autoren sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse in den erwähnten Wertpapieren investiert: Novo Nordisk.
Häufige Fragen
Was ist die Ozempic Aktie und wie investiere ich in Abnehmspritzen?
"Ozempic Aktie" ist keine eigene Aktie, sondern die umgangssprachliche Suche nach dem Hersteller von Ozempic, also Novo Nordisk. Wer in den Abnehmspritzen-Boom investieren will, kann das auf drei Ebenen tun: über die Platzhirsche Novo Nordisk und Eli Lilly, über Zulieferer wie Gerresheimer oder Bachem oder über spekulative Herausforderer wie Viking Therapeutics. Welcher Weg passt, hängt von der individuellen Risikobereitschaft ab.
Wer steckt hinter Ozempic und Wegovy?
Beide Mittel stammen vom dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk und enthalten denselben Wirkstoff Semaglutid. Ozempic ist für Typ-2-Diabetes zugelassen, Wegovy zum Abnehmen. Wer also die Wegovy Aktie oder die Novo Nordisk Aktie sucht, landet letztlich beim selben Unternehmen.
Welche Aktien profitieren vom Abnehmspritzen-Boom außer Novo Nordisk?
Neben Eli Lilly als zweitem großen Anbieter profitieren vor allem Zulieferer entlang der Wertschöpfungskette. Dazu zählen der Peptid-Hersteller Bachem und der Verpackungs- und Pen-Spezialist Gerresheimer, dessen Gerresheimer Aktie den DACH-Bezug liefert. Dazu kommen spekulative Pipeline-Wetten wie Viking Therapeutics und der breit aufgestellte Konzern Amgen.
Ist die Eli Lilly Aktie besser als Novo Nordisk?
Pauschal lässt sich das nicht sagen. Eli Lilly ist derzeit der wachstumsstärkere Konzern und hat Novo zuletzt Marktanteile abgenommen, ist dafür aber deutlich höher bewertet. Novo Nordisk ist nach dem Kursrückgang die günstigere Turnaround-Wette mit vielen bereits bekannten Risiken. Lilly ist eher Wachstum zum hohen Preis, Novo eher Erholungs-Chance mit offenem Ausgang.
Welche Abnehmspritzen Aktien sind die spekulativsten?
Am spekulativsten sind die kleinen Biotechs ohne zugelassenes Produkt, allen voran die Viking Therapeutics Aktie. Ihr Kurs hängt fast vollständig an einzelnen Studienergebnissen und kann entsprechend stark schwanken. Auch hoch bewertete Zulieferer wie Bachem tragen ein besonderes Risiko, falls sich der Markt von der Spritze zur Tablette verschiebt. Solche Werte eignen sich allenfalls als kleine Beimischung.