LVMH vs Hermès: Welche Luxus-Aktie ist jetzt besser?
Aktien im Artikel
LVMH oder Hermès? Im neuen Goldesel-Aktienduell treffen zwei Schwergewichte der Luxusbranche aufeinander – und beide Aktien haben 2026 kräftig Federn gelassen. LVMH steht seit Jahresbeginn rund 36 % im Minus, Hermès etwa 35 %. China-Schwäche, vorsichtigere Konsumenten und sinkende Analysten-Kursziele haben den gesamten Luxussektor belastet. Besonders LVMH ist inzwischen weit von den Kursen über 640 EUR zu Jahresbeginn entfernt.
Operativ unterscheiden sich die beiden Konzerne trotzdem deutlich: LVMH setzt auf ein riesiges Portfolio von Louis Vuitton über Dior bis Tiffany, Hermès auf maximale Exklusivität, künstliche Verknappung und außergewöhnlich hohe Margen. Nach dem Absturz wird deshalb spannend: Ist LVMH jetzt die attraktivere Turnaround-Wette – oder rechtfertigt Hermès seine deutlich höhere Bewertung weiterhin mit der besseren Qualität?
LVMH vs Hermès im direkten Vergleich
| Kennzahl | LVMH | Hermès |
|---|---|---|
| Unternehmenssitz | Paris, Frankreich | Paris, Frankreich |
| CEO | Bernard Arnault | Axel Dumas |
| Branche | Luxusgüter | Luxusgüter |
| Geschäftsmodell | Breites Luxusportfolio mit Mode, Schmuck, Uhren, Parfüm, Beauty, Wein und Spirituosen | Hochpreisige Luxusgüter mit Fokus auf Lederwaren, Mode und Accessoires |
| Marktkapitalisierung | 198,63 Milliarden EUR | 142,13 Milliarden EUR |
| Kursentwicklung 2026 | -36,33 % | -35,25 % |
| Umsatz 2026e | 80,53 Milliarden EUR | 16,78 Milliarden EUR |
| EBIT 2025 | 17,68 Milliarden EUR | 6,70 Milliarden EUR |
| KGV TTM | 18,30 | 31,45 |
| Dividendenrendite | 3,20 % | 2,96 % |
Geschäftsmodell und Strategie
LVMH ist der deutlich breiter aufgestellte Konzern. Zum Portfolio gehören mehr als 70 Marken aus Mode, Lederwaren, Schmuck, Uhren, Parfüm, Kosmetik sowie Wein und Spirituosen. Zu den wichtigsten Namen zählen Louis Vuitton, Dior, Tiffany & Co., Bulgari, Hennessy und Moët & Chandon. Diese Vielfalt federt Schwächen einzelner Marken oder Regionen teilweise ab, macht LVMH aber auch stärker vom allgemeinen Luxuszyklus abhängig.
Strategisch setzt der Konzern auf starke Marken, hohe Preissetzungsmacht und eine möglichst breite geografische Aufstellung. Gleichzeitig bleibt China ein wichtiger Faktor: Schwächerer Konsum in der Region trifft LVMH stärker als noch in den Boomjahren. Dafür bietet das Portfolio mehrere Wachstumstreiber, etwa Schmuck, das US-Geschäft und die weitere Entwicklung von Tiffany.
Hermès verfolgt ein wesentlich fokussierteres Modell. Der Konzern setzt auf knappe Produktion, handwerkliche Fertigung und bewusst begrenzte Verfügbarkeit. Besonders die Lederwaren rund um Birkin- und Kelly-Taschen sorgen für enorme Markenbegehrlichkeit und erlauben hohe Preise ohne große Rabattschlachten.
Diese künstliche Verknappung schützt Hermès stärker vor Überangebot und Preisdruck. Das zeigt sich auch in der Profitabilität: Im ersten Halbjahr 2026 lag die operative Marge bei 41,0 %. Dafür ist Hermès weniger diversifiziert und stärker davon abhängig, dass die Nachfrage nach besonders hochpreisigen Produkten stabil bleibt.
Wer hat die Nase vorn?
Beim Geschäftsmodell liegt Hermès knapp vorn. Die Kombination aus Exklusivität, Verknappung und außergewöhnlich hoher Marge ist im Luxussegment schwer zu kopieren.
Umsatz und Profitabilität
Bei LVMH wird für 2026 ein Umsatz von 80,53 Milliarden EUR erwartet, leicht unter dem Vorjahresniveau. Im zweiten Quartal beschleunigte sich das organische Wachstum allerdings auf 3 %. Im ersten Halbjahr lag die operative Marge bei 22,5 %. Für 2025 weist das Widget ein EBIT von 17,68 Milliarden EUR und einen Free Cashflow von 15,04 Milliarden EUR aus.
Hermès ist deutlich kleiner, wächst aktuell aber stärker. Für 2026 werden 16,78 Milliarden EUR Umsatz erwartet, ein Plus von 4,88 %. Im ersten Halbjahr erreichte der operative Gewinn 3,3 Milliarden EUR, die operative Marge lag mit 41,0 % weiterhin auf außergewöhnlich hohem Niveau. Für 2025 weist das Widget ein EBIT von 6,70 Milliarden EUR und einen Free Cashflow von 4,42 Milliarden EUR aus.
Wer hat die Nase vorn?
Bei Wachstum und Profitabilität liegt Hermès vorn. LVMH ist wesentlich größer, Hermès wächst derzeit aber schneller und erzielt deutlich höhere Margen.
Bewertung
Bei LVMH ist der Kursrückgang inzwischen deutlich in der Bewertung angekommen. Das KGV TTM liegt bei 18,30, für 2026e bei 18,01. Das KUV TTM beträgt 2,49, das EV/EBITDA 9,53. Damit wird der Konzern aktuell klar günstiger bewertet als noch in den vergangenen Boomjahren des Luxussektors.
Hermès bleibt trotz des ebenfalls starken Kursrückgangs deutlich teurer. Das KGV TTM liegt bei 31,45, für 2026e bei 29,86. Beim KUV TTM kommt der Konzern auf 8,80, beim EV/EBITDA auf 15,89. Die höhere Bewertung spiegelt vor allem die außergewöhnlichen Margen, die starke Marke und die hohe Preissetzungsmacht wider.
Wer hat die Nase vorn?
Bei der Bewertung liegt LVMH vorn. Der Konzern ist deutlich günstiger bewertet, während Hermès weiterhin einen hohen Qualitätsaufschlag verlangt.

Dividende
LVMH zahlte für das Geschäftsjahr 2025 insgesamt 13 EUR je Aktie. Damit blieb die Dividende das dritte Jahr in Folge konstant. Die Ausschüttungsquote ist allerdings gestiegen: von 43 % im Jahr 2023 über 52 % im Jahr 2024 auf 59 % für 2025. Gleichzeitig erwirtschaftete der Konzern 2025 einen operativen Free Cashflow von 11,3 Milliarden EUR. Die Dividende ist damit weiterhin solide aus dem laufenden Geschäft gedeckt. Für 2026 wurde bereits wieder eine Zwischendividende von 5,50 EUR angekündigt.
Bei Hermès ist die Entwicklung dynamischer. Die reguläre Dividende stieg von 8 EUR für 2021 über 13 EUR, 15 EUR und 16 EUR auf zuletzt 18 EUR für 2025. Für 2023 und 2024 kamen jeweils noch Sonderdividenden von 10 EUR hinzu. Der Free Cashflow lag 2025 bei 3,88 Milliarden EUR, während für die reguläre Dividende grob 1,9 Milliarden EUR benötigt wurden. Auch hier ist die Ausschüttung damit komfortabel gedeckt. Hinzu kommt eine außergewöhnlich starke Bilanz mit einer bereinigten Nettocashposition von 12,8 Milliarden EUR Ende 2025.
Wer hat die Nase vorn?
Bei der Dividende liegt Hermès qualitativ leicht vorn: Die reguläre Ausschüttung wächst seit Jahren, der Free Cashflow deckt sie deutlich und die Bilanz bietet zusätzlichen Spielraum. LVMH bietet aktuell zwar die höhere laufende Rendite, hat seine Dividende zuletzt aber drei Jahre lang nicht erhöht.
Analysteneinschätzungen
Bei LVMH bleibt das Analystenbild trotz der schwachen Kursentwicklung positiv. Das Rating steht bei „Kaufen“, das durchschnittliche Kursziel bei 537,62 EUR. Gegenüber dem aktuellen Kurs entspricht das einem Potenzial von 33,75 %. Insgesamt fließen 28 Schätzungen in die Auswertung ein.
Auffällig ist allerdings, dass mehrere Häuser ihre Erwartungen zuletzt zurückgenommen haben. Citigroup senkte das Kursziel von 612 auf 568 EUR, Bernstein von 570 auf 520 EUR und ODDO BHF von 590 auf 524 EUR. Die Ratings blieben dabei positiv. Die Analysten rechnen also weiterhin mit einer Erholung, kalkulieren aber vorsichtiger mit Blick auf China, die Luxusnachfrage und das Tempo einer möglichen Margenerholung.
Bei Hermès fällt das Bild ähnlich aus. Das Rating steht ebenfalls bei „Kaufen“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 1.832,68 EUR. Daraus ergibt sich ein Potenzial von 36,51 %. Insgesamt liegen 24 Schätzungen vor.
Auch hier wurden die Ziele zuletzt deutlich gekürzt. ODDO BHF reduzierte von 1.627 auf 1.470 EUR, Bernstein von 2.150 auf 1.750 EUR und die LBBW von 2.050 auf 1.825 EUR. Die Spanne zeigt, wie unterschiedlich die Bewertungsfrage inzwischen gesehen wird: Hermès gilt operativ weiterhin als Qualitätsführer, doch das langsamere Wachstum macht den hohen Bewertungsaufschlag schwerer zu rechtfertigen.
Wer hat die Nase vorn?
Bei den Analysten liegt Hermès knapp vorn. Das durchschnittliche Kurspotenzial ist etwas höher, gleichzeitig bleiben die Erwartungen trotz der jüngsten Kurszielsenkungen überwiegend positiv.
Chartanalyse
LVMH Aktie Chartanalyse – wichtige Zone gebrochen

Die Aktie von LVMH hat die wichtige Unterstützungszone im Wochenchart (grün) zwischen 427 und 451 EUR unterschritten und das Chartbild hat sich damit weiter eingetrübt. Nächster Halt: der Bereich um 300 EUR. Charttechnisch gilt es hier zwingend eine Stabilisierung oder Kurse über 450 EUR abzuwarten.
Hermès Aktie Chartanalyse – wichtige Zone gebrochen

Die Aktie von Hermès steht Branchenkonkurrent LVMH in nichts nach. Die ehemalige Unterstützungszone im Wochenchart (grün) zwischen 1.585 und 1.680 EUR ist zuletzt gefallen und dürfte nun bei etwaigen Rebounds Widerstand bieten. Zudem verläuft hier auch der VPoC (Volume Point of Control) als Volumenpeak. Gen Süden dürfte das nächste größere Ziel bei rund 1.000 EUR liegen.
Wer hat die Nase vorn?
Charttechnisch ein Duell ohne Sieger. Beide Charts sind nach wie vor stark angeschlagen und wären ein klassischer Griff ins fallende Messer. So solide die Geschäftsmodelle auch sein mögen, so gilt es für den Einstieg eine Stabilisierung im Chart abzuwarten.
Chancen und Risiken
LVMH
Chancen:
- Breites Markenportfolio: Mehr als 70 Luxusmarken verteilen das Risiko auf Mode, Lederwaren, Schmuck, Uhren, Kosmetik sowie Wein und Spirituosen. Schwäche in einzelnen Bereichen kann dadurch zumindest teilweise aufgefangen werden.
- Bewertung nach Kurssturz: Nach rund 36 % Kursverlust seit Jahresbeginn ist ein großer Teil der Enttäuschung bereits im Kurs verarbeitet. Mit einem KGV von rund 18 liegt die Bewertung deutlich unter früheren Luxus-Boom-Niveaus.
- Schmuck und USA: Vor allem Tiffany & Co. und Bulgari bieten Potenzial, während sich auch das US-Geschäft zuletzt robuster zeigte.
- China-Erholung: Eine Stabilisierung des chinesischen Konsums könnte überproportional helfen. Gerade weil China derzeit ein wesentlicher Belastungsfaktor ist, wäre eine Trendwende dort ein wichtiger Kurstreiber.
Risiken:
- China-Schwäche: Schwache Konsumdaten und der zurückhaltendere Luxuskonsum wohlhabender Kunden können Umsatz und Margen weiter belasten.
- Luxuszyklus: Das breite Portfolio schützt zwar vor Einzelrisiken, macht LVMH gleichzeitig stärker vom gesamten Luxuszyklus abhängig als Hermès.
- Währungseffekte: Besonders Bewegungen bei USD und Yen können die ausgewiesenen Ergebnisse spürbar beeinflussen.
- Kernmarken unter Druck: Weitere Rückgänge bei Louis Vuitton oder Dior wären besonders problematisch, da Fashion & Leather Goods traditionell der wichtigste Ergebnisbringer des Konzerns ist.
Hermès
Chancen:
- Extreme Exklusivität: Bei Birkin- und Kelly-Taschen übersteigt die Nachfrage weiterhin das verfügbare Angebot. Klassische Rabattschlachten spielen kaum eine Rolle.
- Außergewöhnliche Margen: Die operative Marge von 41,0 % im ersten Halbjahr 2026 zeigt, wie profitabel das Modell ist.
- Wachstum bleibt intakt: Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz währungsbereinigt um 6 %, Lederwaren legten im zweiten Quartal um 10 % zu.
- Neue Kapazitäten: Zusätzliche Produktionsstätten und Stores können das Angebot vorsichtig erhöhen, ohne die künstliche Knappheit der Marke grundsätzlich aufzugeben.
Risiken:
- Hohe Bewertung: Ein erwartetes KGV von knapp 30 setzt weiterhin solides Wachstum und außergewöhnlich hohe Margen voraus.
- Hohe Erwartungen: Bereits kleinere Wachstumsenttäuschungen können deshalb starke Kursreaktionen auslösen.
- Asien-Risiko: Auch Hermès ist von der schwächeren Luxusnachfrage in China und anderen asiatischen Märkten nicht immun.
- Wohlhabende Kundschaft: Die starke Konzentration auf besonders hochpreisige Produkte macht Hermès abhängig von einer vergleichsweise kleinen, vermögenden Zielgruppe.
Wer hat die Nase vorn?
Beim Chancen-Risiko-Profil liegt LVMH knapp vorn. Hermès bietet die höhere operative Qualität, bei LVMH ist nach dem starken Kursrückgang aber bereits deutlich mehr Pessimismus eingepreist.
Fazit: LVMH oder Hermès – welche Luxus-Aktie ist besser?
LVMH und Hermès stehen trotz ähnlicher Kursverluste für zwei unterschiedliche Investmentideen. LVMH bietet nach dem Absturz die deutlich günstigere Bewertung, ein breiteres Markenportfolio und mehr Turnaround-Potenzial, wenn sich vor allem die Nachfrage in China stabilisiert.
Hermès überzeugt dagegen mit der höheren operativen Qualität. Wachstum und Margen sind stärker, die Marke ist weniger auf Rabatte angewiesen und auch die Dividendenentwicklung fällt überzeugender aus. Dafür bezahlen Anleger weiterhin einen deutlichen Bewertungsaufschlag.
| Kategorie | Gewinner |
|---|---|
| Geschäftsmodell | Hermès |
| Umsatz und Profitabilität | Hermès |
| Bewertung | LVMH |
| Dividende | Hermès |
| Analysten | Hermès |
| Charttechnik | Unentschieden |
| Chancen/Risiken | LVMH |
Unterm Strich bietet Hermès derzeit das stärkere Gesamtpaket aus Markenqualität, Wachstum und Profitabilität. LVMH punktet vor allem mit der niedrigeren Bewertung und größerem Erholungspotenzial. Charttechnisch drängt sich derzeit allerdings keine der beiden Aktien für einen Einstieg auf: Beide Abwärtstrends sind weiterhin angeschlagen, eine Stabilisierung wäre ein wichtiges Signal.
Transparenzhinweis und Disclaimer
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung sowie keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Aktieninvestments sind mit Risiken verbunden, bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals. Transparenzhinweis: Der Autor ist in LVMH investiert.