Drohnen-Aktien im Check: sechs Werte zwischen Drohnenabwehr, Angriffsdrohnen und Lufttaxi

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Die Auftragsbücher der Drohnenbranche füllen sich schneller denn je – an der Börse sieht es trotzdem ganz anders aus. Während Deutschland seine Drohnenabwehr ausbaut und die USA heimische Hersteller mit neuen Importzöllen schützen, liegen mehrere bekannte Drohnen-Aktien seit Jahresbeginn deutlich im Minus. Seit dem 3. September gelten in den USA zusätzliche Zölle von bis zu 100 % auf bestimmte ausländische Drohnen und Komponenten.

Das Problem ist weniger die Nachfrage als die Umsetzung: Zwischen einem Auftrag und dem Umsatz können Monate oder Jahre liegen. Gleichzeitig profitieren längst nicht alle Unternehmen vom selben Markt – Hensoldt und DroneShield verdienen an der Abwehr, andere bauen Angriffsdrohnen, EHang setzt auf zivile Lufttaxis. In dieser Goldesel Topstory zeigen wir, wo Aufträge bereits in Geschäft umschlagen und wo Anleger vor allem Erwartungen bezahlen.

Warum Drohnen-Aktien 2026 hinter den Auftragsbüchern zurückbleiben

Die Nachfrage nach Drohnentechnik ist real. Trotzdem laufen viele Drohnen-Aktien 2026 schwach. Der Grund: Bestellungen wachsen schneller als Umsätze – und bei kleineren Unternehmen kommen Finanzierung und Ausführung als zusätzliche Risiken dazu.

Deutschland und Europa bauen die Abwehr aus. Die Deutsche Flugsicherung plant gemeinsam mit Hensoldt und der Deutschen Telekom ein bundesweites Netz zur Erkennung und Abwehr von Drohnen. Parallel will die Bundesregierung mit einem Anti-Sabotage-Paket den Schutz kritischer Infrastruktur verstärken.

In den USA geht es längst um Stückzahlen. Das Pentagon will im Rahmen seines „Drone Dominance“-Programms bis 2027 mehrere Hunderttausend kleine Kampfdrohnen beschaffen. Rund 1 Milliarde USD ist dafür vorgesehen. Das ist keine vage Zukunftsvision, sondern ein konkretes Beschaffungsprogramm mit klaren Stückzahlen.

Dazu kommt ein neuer Zollschutz. Seit dem 3. September gelten in den USA zusätzliche Zölle von 25 bis 100 % auf bestimmte ausländische Drohnen und Komponenten. Das trifft vor allem chinesische Anbieter wie DJI und verbessert die Ausgangslage für US-Hersteller.

Die hohen Zinsen bleiben trotzdem ein Problem. Die US-Notenbank hat den Leitzins am 16. September auf 3,75 bis 4,00 % angehoben. Für profitable Konzerne ist das verkraftbar, für verlustreiche Small Caps mit regelmäßigem Kapitalbedarf deutlich schwieriger. Und selbst volle Auftragsbücher helfen nur dann, wenn aus den Bestellungen auch tatsächlich Umsatz und Cashflow werden.

Angriff, Abwehr, Zivil: Dieselbe Technik, drei Märkte

Drohnen sind reine Dual-Use-Technologie: Autonomie, Sensorik und Navigation steuern Erntemaschinen genauso wie Aufklärungs- oder Angriffswaffen. Abwehrsysteme nutzen exakt dieselben Sensoren und Frequenzen mit umgekehrtem Vorzeichen, um Ziele zu orten und abzufangen. Für Anleger gilt: Die Technik ist identisch – die Budgets, Margen und Zahlungsströme sind es nicht.

Zivil oder militärisch? Wie du die beiden Märkte auseinanderhalten kannst

Wer an Drohnen denkt, hat meist Paketzusteller oder Flugtaxis vor Augen. Doch das zivile Segment ist eine Randnotiz: Schätzungen von GSBR Research taxierten den zivilen Markt für 2024 auf rund 10,1 Milliarden USD (Prognose 2033: 20,6 Milliarden). Demgegenüber sieht Precedence Research den weltweiten UAV-Gesamtmarkt bis zum Jahrzehntende bei rund 209,9 Milliarden USD. Über 90 % des Kapitals fließen in militärische Programme – börsennotierte Pure Plays im zivilen Bereich gibt es kaum.

Zudem greift die Etiketten-Falle: Bei Kratos machen Drohnen nur einen Bruchteil des Konzernerlöses aus, bei der Telekom ist Abwehrtechnik ein Nebenschauplatz und bei Rheinmetall der Skyranger nur ein Produkt unter vielen. Genau deshalb filtert auch der einzige reine Drohnen-ETF Europas breit aufgestellte Rüstungs- und Luftfahrtkonzerne bewusst heraus. Für Anleger zählt allein der reale Umsatzbeitrag.

Selbst bei echten Spezialisten bremst die Ausführungslücke: Aufträge sind noch kein Umsatz. Hensoldt verwaltet 10,4 Milliarden EUR Auftragsbestand bei 2,75 Milliarden Jahresumsatz; Red Cat stellt einer Milliarden-Pipeline eine Jahresprognose von nur 150 bis 180 Millionen USD Umsatz gegenüber. Zwischen Vergabe und Abrechnung vergehen oft Quartale. Fangen wir bei den beiden Unternehmen an, die nicht davon leben, dass Drohnen fliegen, sondern davon, dass sie gestoppt werden.

DroneShield Aktie: Volle Auftragsbücher, aber noch keine Gewinne

Aktienverlinkung: AU000000DRO2

DroneShield ist ein australisches Unternehmen für Drohnenabwehr mit Sitz in Sydney. Der Konzern entwickelt Systeme, die Drohnen erkennen, verfolgen und mit elektronischen Störsignalen abwehren können. Zu den Kunden zählen vor allem Militär, Behörden und Betreiber kritischer Infrastruktur. DroneShield wächst rasant, verdient damit bislang aber kein Geld. Im ersten Halbjahr 2026 sprang der Umsatz um 74 % auf 125,8 Millionen AUD, gleichzeitig fiel ein Nettoverlust von 32,2 Millionen AUD an. Fabrikumzüge, neue IT-Systeme und der Ausbau des Personals haben die Kosten kräftig nach oben getrieben.

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An fehlender Nachfrage liegt es nicht: Für 2026 hat DroneShield inzwischen rund 251 Millionen AUD an zugesagten Erlösen gemeldet. Neue Systeme wie RfRecon, weitere Aufträge aus Europa und der steigende Software-Anteil verbreitern das Geschäft. Gleichzeitig bleibt das Unternehmen schuldenfrei und verfügt über eine solide Liquiditätsposition.

Das Risiko liegt vor allem darin, wie schnell DroneShield die vielen Aufträge profitabel abarbeiten kann. Margendruck, lange Beschaffungszyklen und die Abhängigkeit von einzelnen Großaufträgen können von Quartal zu Quartal für starke Schwankungen sorgen. Wer nicht auf die Abwehr setzen will, sondern auf die Drohne selbst, landet bei Unternehmen, deren Markt gerade von einem Zollbescheid neu geordnet wird.

Droneshield Aktie Chartanalyse – stetiger Abwärtstrend

Droneshield Aktie Chartanalyse

Die Droneshield-Aktie befindet sich wie die weiteren Dronenaktien in einem deutlichen Abwärtstrend. Spannend könnte es ab 0,91 EUR werden, da hier ein markantes charttechnisches Level erreicht wäre. Aktuell scheint der Abwärtstrend beständig weiter voranzuschreiten.

Hensoldt Aktie: Rekordaufträge, aber keine reine Drohnen-Wette

Aktienverlinkung: DE000HAG0005

Hensoldt ist ein deutscher Spezialist für Sensorik, Radar- und Verteidigungselektronik. Im Drohnenbereich baut der Konzern nicht die Fluggeräte selbst, sondern liefert gewissermaßen die Augen der Abwehr: Systeme wie das Passivradar Twinvis sollen Drohnen erkennen und verfolgen und werden zunehmend in vernetzte Luftverteidigung eingebunden.

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Das Geschäft wächst kräftig. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 23,6 % auf 1,17 Milliarden EUR, während sich der Auftragseingang auf 2,81 Milliarden EUR verdoppelte. Der Auftragsbestand liegt inzwischen bei mehr als 10 Milliarden EUR. Für das Gesamtjahr rechnet Hensoldt weiterhin mit rund 2,75 Milliarden EUR Umsatz.

Die vollen Bücher bringen allerdings auch hohe Anforderungen an die Umsetzung mit sich. Neue Standorte, Kapazitätsausbau und große staatliche Programme kosten Geld, bevor daraus Umsatz wird. Zudem hängt Hensoldt stark von Haushaltsfreigaben und Abnahmen durch Bundeswehr und europäische Partner ab. Für Anleger ist die Aktie deshalb vor allem eine breit aufgestellte Wette auf Sensorik und Luftverteidigung – und nicht auf Drohnen allein.

Hensoldt Aktie Chartanalyse – Rückeroberung des SMA200?

Hensoldt Aktie Chartanalyse

Die Aktie von Hensoldt pendelt seit Monaten zwischen 63 und 95 USD. Zuletzt sind auch die gleitenden Durchschnitte SMA50 und 200 gefallen. Eine Rückeroberung des SMA200 über 80 EUR wäre wichtig für ein erneutes Anlaufen der 95-EUR-Marke. Bei Kursen unter 76 EUR droht ein erneuter Rücklauf in Richtung 63 EUR.

AeroVironment Aktie: Marktführer zwischen Switchblade-Präzision und Pentagon-Dämpfer

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Wer nicht auf die Abwehr setzen will, sondern auf die Drohne selbst, landet bei Unternehmen, deren Markt gerade von einem US-Zollbescheid neu geordnet wird. AeroVironment ist der etablierteste Hersteller im Feld: Mit der Switchblade-Familie dominiert der Konzern taktische Einweg-Angriffsdrohnen, baut mit dem LOCUST-Lasersystem aber gleichzeitig aktive Abwehrtechnik auf. Damit vereint das Unternehmen Angriff und Abwehr auf derselben technologischen Basis, schöpft das Geld jedoch aus getrennten Budgettöpfen.

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Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 kletterte der Umsatz auf den Rekordwert von 480,5 Millionen USD, getragen von autonomen Systemen (346 Millionen) sowie Raumfahrt und gerichteter Energie (134,5 Millionen). Der Bruttogewinn stieg um 31 % auf 124,6 Millionen USD, die Bruttomarge legte von 21 auf 26 % zu. Das Management peilt für das Gesamtjahr rund 2,2 Milliarden USD Umsatz an, gestützt auf einen Auftragsbestand von über einer Milliarde und einen neuen LOCUST-Exportvertrag über 50 Millionen USD.

Trotz dieser Rekordmarken notiert die Aktie seit Jahresbeginn rund 40 % im Minus. Rund 60 bis 70 % der Erlöse hängen an US-Haushaltstiteln, bei denen zwischen Beschluss und Geldeingang viel Zeit vergeht. Zudem wiegen die Integrationskosten der 4,1 Milliarden USD schweren BlueHalo-Übernahme sowie der überraschende Stopp eines zentralen Space-Force-Ankervertrags im Frühjahr 2026 schwer auf der Bewertung.

Aerovironment Aktie Chartanalyse – Bodenbildung abgeschlossen?

Aerovironment Aktie Chartanalyse

Die Aktie von Aerovironment scheint die Bodenbildung im Bereich zwischen 135,50 und 142 USD abgeschlossen zu haben. Der SMA50 konnte überwunden werden. Ein Test der 50-Tage-Linie bei 157,50 USD oder weitere Stärke über 168 USD könnten eine Einstiegsgelegenheit darstellen. Erstes Ziel: Die runde 200-USD-Marke bzw. die 200-Tage-Linie.

Red Cat Holdings Aktie: Milliarden-Pipeline im Kleindrohnen-Segment

Aktienverlinkung: US75644T1007

Red Cat fokussiert sich über Einheiten wie Teal Drones auf kleine, tragbare Aufklärungs- und Wirksysteme für die Infanterie. Der Konzern profitiert unmittelbar von den neuen US-Importzöllen von bis zu 100 % auf ausländische Drohnen: Weil chinesische Marktführer wie DJI zunehmend aus dem Sicherheitsbereich verdrängt werden, müssen US-Streitkräfte und Bundesbehörden ihre Beschaffungen auf heimische, zertifizierte Hersteller verlagern.

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Operativ lässt der große Siegeszug jedoch auf sich warten. Im zweiten Quartal 2026 blieb der Umsatz mit 20,2 Millionen USD hinter den Erwartungen von 22,7 Millionen zurück. Zwar bekräftigte das Management die Jahresprognose von 150 bis 180 Millionen USD und beziffert die Vertriebspipeline auf über eine Milliarde USD, doch die Aktie notiert bei rund 8,34 USD mit leichtem Jahresminus bei einer Marktkapitalisierung von rund 473 Millionen USD.

Anleger bezahlen hier ein zweistelliges Kurs-Umsatz-Verhältnis und damit einen massiven Vorschuss auf Ziele, die erst noch erreicht werden müssen. Da eine Pipeline kein verbindlicher Auftragsbestand ist und wiederkehrende Kapitalerhöhungen die Altaktionäre verwässern, bleibt der Titel eine spekulative Small-Cap-Wette mit erheblichem Rückschlags- bis hin zum Totalverlustrisiko.

Red Cat Aktie Chartanalyse – hält die Zone noch?

Red Cat Aktie Chartanalyse

Die Aktie von Red Cat befindet sich aktuell in einem markanten charttechnischen Bereich. Zwischen 6,70 und 7,24 USD verläuft eine Unterstützung. Allerdings könnte auch das Tief aus November 2025 bei etwa 5,77 USD nochmals angelaufen werden. Seit August hat sich zudem eine steile, abwärts gerichtete Trendlinie etabliert. Bei einem deutlichen Rebound vom aktuellen Niveau bzw. einem Bruch der Trendlinie, könnte die Aktie für eine Erholung interessant werden.

Kratos Defense Aktie: Der geheime Rüstungsgigant

Aktienverlinkung: US50077B2079

Kratos fertigt strahlgetriebene Hochleistungs-Zieldrohnen und entwickelt mit der XQ-58A Valkyrie eine autonome Jet-Drohne, die als unbemannter Begleiter moderner Kampfjets dienen soll. Trotz dieser prominenten Rolle ist das Unternehmen der Gegenbeweis in der Gruppe: Wer Kratos kauft, erwirbt zu großen Teilen traditionelle Rüstungselektronik, Raumfahrtüberwachung und Raketenantriebe.

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Im jüngsten Quartal legte der Gesamtumsatz um 22,6 % auf 371 Millionen USD zu, unterstützt durch neue Verträge über 156 Millionen für Drohnenabwehr und 68,3 Millionen für Hochenergielaser. Das Drohnensegment steuerte zuletzt rund 317 Millionen USD bei, während das restliche Konzerngeschäft mit 1,21 Milliarden USD überwiegt. Die gesamte Marktkapitalisierung beläuft sich auf rund 9,6 Milliarden USD.

Kratos ist das Paradebeispiel für die Etiketten-Falle, weshalb spezialisierte Drohnen-ETFs solche Konglomerate gezielt meiden. Zudem lässt ein dreistelliges Kurs-Gewinn-Verhältnis keinerlei Raum für Verzögerungen bei künftigen Pentagon-Serienaufträgen. Alle drei verdienen ihr Geld mit Verteidigungsbudgets. Die Frage, ob Drohnen auch ohne Krieg ein Geschäft sind, beantwortet bisher nur ein einziger börsennotierter Wert, und dessen Antwort fällt unbequem aus.

Kratos Defense Aktie Chartanalyse – entscheidende Zone

Kratos Defense Aktie Chartanalyse

Die Kratos Defense Aktie befindet sich aktuell auf dem Niveau einer Unterstützungszone zwischen 45,75 und 47,30 USD, die bis zum Juni 2025 gezogen werden kann. Die Zone wurde allerdings im Juli 2026 bereits unterschritten. Hier verläuft auch der VPOC. Bei Stärke über 50 USD könnte die Aktie zu einer größeren Gegenbewegung – ähnlich wie im August 2026 ansetzen.

EHang Aktie: Die einzige zivile Wette im Feld

Aktienverlinkung: US26853E1029

EHang ist der einzige größere börsennotierte Wert in diesem Artikel, der ohne einen einzigen Verteidigungsauftrag auskommt. Der Konzern baut mit dem EH216-S ein autonomes Fluggerät für zwei Passagiere, betreibt daneben Drohnenlösungen für Städte, von der Verkehrsüberwachung über Leitungsinspektion bis zur Brandbekämpfung, und verdient einen Teil seines Geldes mit Drohnen-Lichtshows. Kein Pentagon-Budget, keine Zölle, kein Beschaffungszyklus. Dafür etwas anderes: eine Zulassungsbehörde, die das Tempo vorgibt.

Im zweiten Quartal 2026 setzte EHang 77,9 Mio. Renminbi um. Das ist rund dreimal so viel wie im schwachen Jahresauftakt und trotzdem rund 31 % weniger als ein Jahr zuvor. Ausgeliefert wurden 36 Fluggeräte, davon 35 aus der EH216-Serie. Die Bruttomarge lag bei 61,2 %, der Nettoverlust bei rund 128 Mio. Renminbi. Entscheidender als jede dieser Zahlen ist ein Datum: Am 25. August zog das Unternehmen seine Umsatzprognose von 600 Mio. Renminbi für 2026 zurück und verwies dabei auf regulatorische Unsicherheit im Heimatmarkt. Die Aktie schloss am 18. September bei 4,52 US-Dollar, rund 5 % über ihrem 52-Wochen-Tief und rund 78 % unter ihrem Hoch aus dem vergangenen Jahr.

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Damit hält EHang gleich zwei Rekorde in diesem Artikel: die mit Abstand höchste Bruttomarge und den mit Abstand kleinsten Umsatz. Genau das ist die zivile Drohnenwirtschaft in einem Satz. Technisch ist das Unternehmen weit, der erste öffentliche Flug im Hongkonger Cyberport und Testflüge in der Schweiz, in Mexiko und in Kasachstan zeigen das. Wirtschaftlich trägt es sich noch nicht, und ohne belastbare Prognose fehlt Anlegern der Anker, an dem sie das Jahr messen könnten. Dazu kommen zwei Risiken, die nichts mit Drohnen zu tun haben: Die Aktie ist ein ADR mit den üblichen Währungs- und Listing-Risiken chinesischer Werte, und eine US-Kanzlei hat nach den Kursverlusten eine Untersuchung eingeleitet.

Ehang Aktie Chartanalyse – das fallende Messer

Ehang Aktie Chartanalyse

Die Aktie von Ehang ist aktuell der berühmte Griff ins fallende Messer. Das Allzeithoch der Aktie ist selbst im Wochenchart noch schlecht abzubilden. Ehang befand sich im Hype-Hoch im Jahr 2021 noch über 120 USD und verlor bis zum Tief bei 3,33 USD im Oktober 2022 aber rund 97 % an Wert. Charttechnisch gibt es hier aktuell überhaupt keinen Grund eine Position zu eröffnen. Der nächste markante Bereich befindet sich dann am Allzeittief bei 3,33 USD. Ein Trendwechsel im Tageschart würde sich über 4,90 USD andeuten.

Auftragsbestand, Pipeline, Committed Revenue: drei Begriffe, drei Sicherheiten

Ein Auftragsbestand ist vertraglich zugesagt und unterschrieben, hier ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass daraus Umsatz wird. Committed Revenue liegt eine Stufe darunter, nämlich zugesagte Erlöse für ein bestimmtes Geschäftsjahr, die noch nicht vollständig abgerechnet sind, und eine Pipeline ist die schwächste der drei Größen: die Summe aller Geschäfte, um die sich ein Unternehmen gerade erst bewirbt. In Bestenlisten werden alle drei Begriffe regelmäßig zu „Auftragsbüchern“ verschmolzen, für die Einschätzung eines Small Caps liegt genau darin aber der entscheidende Unterschied.

Drohnen-ETF: Was das erste reine Produkt in Europa taugt

Wenn dir die Auswahl zwischen Abwehr, Wirkung und ziviler Hoffnung zu kleinteilig ist, gibt es seit diesem Jahr eine Alternative. Im März hat der Anbieter HANetf den Drone UCITS ETF aufgelegt (ISIN IE0003XW12I8, WKN A423E5), nach eigenen Angaben den ersten ETF in Europa, der ausschließlich auf Drohnentechnologie setzt. Notiert ist er seit dem 6. März auf Xetra, aufgelegt in Irland, thesaurierend und in USD geführt. Die Kostenquote liegt bei 0,69 % im Jahr, im Fonds stecken rund 32 Positionen.

Interessant ist weniger, was drin ist, als was bewusst draußen bleibt. Die Indexregeln schließen breit aufgestellte Luft- und Raumfahrtkonzerne aus und gewichten Unternehmen höher, die einen wesentlichen Teil ihres Umsatzes tatsächlich mit unbemannten Systemen erzielen. Zum 1. September sahen die größten Positionen so aus:

  • AeroVironment: 10,57 %
  • Next Vision: 9,22 %
  • Ondas: 9,02 %
  • Red Cat: 8,85 %
  • DroneShield: 7,86 %

Drei unserer sechs Werte stecken also im Fonds, Hensoldt und Kratos dagegen nicht einmal in den zehn größten Positionen. Wer diesen Drohnen-ETF kauft, setzt in der Praxis vor allem auf kleinere amerikanische und israelische Spezialisten. Drei Punkte sollte man dabei im Blick behalten:

  • Währungs- und Themenrisiko: Der Fonds wird in USD geführt, der Wechselkurs beeinflusst also die Rendite für Euro-Anleger. Zudem ist auch der Pureplay-Ansatz nicht vollkommen rein: Mit Palantir und General Electric stehen zwei Konzerne in den Top Ten, bei denen Drohnen nur einen kleinen Teil des Geschäfts ausmachen.
  • Kurze Historie: Der ETF ist erst seit März am Markt. Wie er sich in einem stärkeren Abschwung verhält, lässt sich daher noch nicht seriös beurteilen.
  • Kleines Fondsvolumen: Laut Anbieter verwaltet der ETF rund 45 Millionen USD. Bei einem Nischenprodukt bleibt damit auch das Risiko einer späteren Schließung bestehen.

Falls du beim Thema ETF grundsätzlich noch unsicher bist, erklärt unser Akademie-Beitrag Was ist ein ETF die Funktionsweise von Grund auf.

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Die sechs Werte im Überblick

AktieSchlusskurs 18.09.Performance YTDUmsatz letztes QuartalKUV (TTM)
Hensoldt78,12 EUR+2,25 %Q2 2026: 671 Mio. EUR (+22,2 %)3,9
DroneShield1,72 AUD-48,35 %Q2 2026: rund 52 Mio. AUD ¹5,9
AeroVironment160,31 USD-37,57 %Q1 2026/27: 480,5 Mio. USD (+6 %) ²3,7
Red Cat7,09 USD-26,31 %Q2 2026: 20,2 Mio. USD (+527 %)15,0
Kratos47,56 USD-40,14 %Q2 2026: 458,8 Mio. USD (+30,5 %)6,5
EHang4,52 USD-68,28 %Q2 2026: 77,9 Mio. RMB (−31,3 %) ³6,0

Die ETFs im Überblick

ETFISINKostenquoteFondsvolumenWas drin ist
HANetf Drone UCITS ETFIE0003XW12I80,69 % p.a.rund 45 Mio. USDrund 32 Drohnen-Pureplays, breite Rüstungskonzerne bewusst ausgeschlossen
VanEck Defense UCITS ETFIE000YYE6WK50,55 % p.a.rund 6,1 Mrd. EURbreiter Verteidigungssektor, Drohnen nur als Teilbereich
Angaben laut Anbieter und justETF. Beide ETFs sind thesaurierend. Die Gegenüberstellung ist kein Vergleich gleicher Produkte: Der eine ist eine gezielte Themenwette, der andere ein breiter Sektorbaustein.

Drohnen-Aktien kaufen oder abwarten: das Fazit

Die Nachfrage ist der belastbarste Teil dieser Geschichte. Deutschland baut ein bundesweites Detektionsnetz, das Pentagon plant in Stückzahlen statt in Absichtserklärungen, und die neuen US-Zölle dürften Marktanteile in Richtung amerikanischer Hersteller verschieben. Wer Drohnen-Aktien 2026 mit dem Argument ablehnt, das Thema sei ein Hype, liegt falsch. Nur eben: Aufträge sind noch kein Umsatz, und genau darin liegt die Erklärung für die Kurse. Analysten führen den Rückgang im Sektor überwiegend auf Umschichtungen und auf die gestiegenen Zinsen zurück, die weit in der Zukunft liegende Zahlungsströme heute weniger wert machen, nicht auf eine verschlechterte Auftragslage.

Woran du die drei Lager für dich selbst einordnen kannst:

  • Abwehr: Hier sind die Auftragsbücher am belastbarsten, die Umsatzsichtbarkeit reicht bei Hensoldt über Jahre. Dafür ist der Wert mit dem größten Drohnenbezug, DroneShield, zugleich der volatilste im ganzen Feld.
  • Wirkung: Hier hängt alles am US-Verteidigungsbudget und an der Umsetzung. AeroVironment ist das reifste Unternehmen, Red Cat die Spekulation mit dem größten Abstand zwischen Pipeline und Rechnung.
  • Etikett prüfen: Bei Kratos kommt nur rund ein Fünftel des Umsatzes aus unbemannten Systemen. Das ist kein Makel, aber du kaufst damit überwiegend etwas anderes.
  • Zivil: Bleibt bis auf Weiteres eine Wette auf Regulierung, nicht auf Nachfrage. Ohne Jahresprognose fehlt bei EHang die Messlatte.

Drei Dinge gehören trotz der guten Nachrichtenlage auf den Tisch. Vier der sechs Werte weisen derzeit keinen belastbaren Gewinn aus und finanzieren sich zumindest teilweise über die Ausgabe neuer Aktien, was steigende Zinsen unmittelbar spürbar macht. Zölle und Beschaffungsprogramme sind politische Entscheidungen und damit in beide Richtungen reversibel, die US-Zwischenwahlen am 3. November sind hier der nächste Prüfstein. Und es bleibt dabei, dass wir über Systeme sprechen, die in bewaffneten Konflikten eingesetzt werden. Wer investiert, sollte sich darüber im Klaren sein. Wenn du dich für einen dieser Werte interessierst, sind die nächsten Quartalszahlen der bessere Prüfpunkt als jede Schlagzeile: Kratos und Hensoldt berichten beide Anfang November, Hensoldt am 5. November.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Die Autoren sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse in den erwähnten Wertpapieren nicht investiert.

Häufige Fragen

Was sind Drohnen-Aktien?

Als Drohnen-Aktien werden Unternehmen bezeichnet, die einen wesentlichen Teil ihres Geschäfts mit unbemannten Flugsystemen machen. Das umfasst drei sehr unterschiedliche Gruppen: Hersteller von militärischen Drohnen, Anbieter von Drohnenabwehr und Sensorik sowie Unternehmen aus dem zivilen Bereich, etwa Lufttaxis oder Inspektionsdrohnen. Viele bekannte Namen aus Bestenlisten sind streng genommen keine Drohnen-Aktien, weil Drohnen dort nur ein Produkt unter vielen sind.

Welche Drohnenabwehr-Aktien gibt es in Deutschland?

Der bekannteste deutsche Wert im Bereich Drohnenabwehr ist Hensoldt, der Radar-, Sensor- und Optroniktechnik liefert und am geplanten bundesweiten Detektionsnetz beteiligt ist. Rheinmetall arbeitet ebenfalls an Abwehrsystemen, ist aber deutlich breiter aufgestellt. Unter den internationalen Drohnenabwehr-Aktien ist DroneShield aus Australien der reinste Vertreter, weil das Unternehmen praktisch ausschließlich von diesem Geschäft lebt.

Ist die DroneShield Aktie nach dem Kursrutsch günstig?

Eine klassische Bewertungskennzahl lässt sich nicht bilden, weil DroneShield keinen stabilen Gewinn ausweist. Fest steht: Das Unternehmen hat für 2026 zugesagte Erlöse von 251 Mio. Australischen Dollar gemeldet und liegt damit am oberen Ende der eigenen Zielspanne, während die Aktie deutlich unter ihrem Hoch notiert. Ob das günstig ist, hängt davon ab, ob die zugesagten Erlöse planmäßig abgerechnet werden und ob die zuletzt gesunkene Bruttomarge sich stabilisiert.

Was macht Hensoldt mit Drohnen?

Hensoldt baut keine Drohnen, sondern die Technik, mit der man sie findet. Radar, Funkaufklärung und Optronik sind die Bausteine, die eine Drohne im unteren Luftraum überhaupt sichtbar machen. Genau diese Systeme sollen den Kern des geplanten bundesweiten Erkennungs- und Abwehrnetzes bilden, an dem neben Hensoldt auch die Deutsche Flugsicherung und die Deutsche Telekom beteiligt sind.

Gibt es einen Drohnen-ETF?

Ja. Seit März 2026 ist mit dem Drone UCITS ETF von HANetf (ISIN IE0003XW12I8) nach Anbieterangaben der erste reine Drohnen-ETF in Europa an der Xetra handelbar. Er kostet 0,69 % im Jahr, hält rund 32 Positionen und schließt breit aufgestellte Rüstungskonzerne bewusst aus. Ältere Ratgeberartikel behaupten teilweise noch, ein solches Produkt existiere nicht, das ist überholt.

Profitieren US-Hersteller wie Red Cat von den neuen Zöllen?

Die seit dem 3. September geltenden Importzölle auf ausländische Drohnen verteuern vor allem Produkte des chinesischen Marktführers und verschaffen amerikanischen Anbietern damit einen Preisvorteil im Heimatmarkt. Ob und wie schnell sich daraus zusätzliche Umsätze ergeben, ist offen. Zölle können politisch geändert werden, und die Fertigungskapazitäten der US-Hersteller lassen sich nicht beliebig schnell hochfahren.

Warum fällt die EHang Aktie trotz hoher Marge?

Weil eine hohe Marge auf einem kleinen Umsatz keinen Gewinn ergibt. EHang erzielt über 60 % Bruttomarge, schreibt aber weiter Verluste und hat im August die eigene Jahresprognose zurückgezogen. Der Grund liegt nicht in der Technik, sondern in der Zulassung: Solange in China nicht klar ist, wann und in welchem Umfang der kommerzielle Betrieb ausgeweitet wird, fehlt dem Geschäftsmodell die Planbarkeit.

Sind Drohnen-Aktien für Anfänger geeignet?

Als Depotbeimischung und in kleiner Gewichtung sind sie denkbar, als Einstiegsinvestment eher nicht. Vier der sechs hier besprochenen Unternehmen weisen derzeit keinen belastbaren Gewinn aus, mehrere sind Small Caps mit entsprechenden Kursschwankungen, und der gesamte Sektor hängt an politischen Entscheidungen. Wer den Bereich dennoch abbilden möchte, umgeht mit einem ETF das Einzelwertrisiko einer einzelnen Drohnen-Aktie, trägt aber weiterhin das volle Themenrisiko.

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