Kommt die Jahresendrally 2026 überhaupt? Sechs Aktien im Check
Jahresendrally 2026: Q4 ist historisch das stärkste Quartal, doch Fed und EZB erhöhen. Sechs Aktien, zwei ETFs und die Termine bis Silvester im Check.
Aktien im Artikel
Der September hat seinem Ruf als schwieriger Börsenmonat alle Ehre gemacht: Der DAX hat seit seinem Rekordhoch Ende August spürbar nachgegeben, während Fed und EZB die Zinsen erhöht haben. Ausgerechnet jetzt beginnt das Quartal, in dem die Jahresendrally historisch am häufigsten stattfindet. Seit 2000 schloss der DAX 23 von 26 vierten Quartalen im Plus – doch 2018 zeigt, wie schnell steigende Zinsen diese Statistik aushebeln können. In dieser Goldesel Topstory schauen wir deshalb nicht nur darauf, ob die Jahresendrally 2026 kommt, sondern vor allem darauf, wer im vierten Quartal kauft und welche Aktien davon profitieren könnten.
Jahresendrally 2026: Was die Statistik sagt und was dieses Jahr anders ist
Die Statistik spricht klar für ein starkes Schlussquartal. 2026 gibt es allerdings mehrere Faktoren, die gegen einen einfachen Blick auf die Vergangenheit sprechen.
- Das vierte Quartal ist historisch stark: Seit 2000 schloss der DAX 23 von 26 vierten Quartalen im Plus, im Schnitt mit 5,8 %. Beim S&P 500 waren es 21 von 26. Damit ist das Schlussquartal für beide Indizes historisch die stärkste Phase des Jahres.
- Die Ausgangslage passt zum Muster: Lag der DAX Ende September seit Jahresbeginn im Plus, folgte seit 1997 in allen 17 ausgewerteten Fällen ein positives viertes Quartal – im Schnitt mit 8,8 %. Selbst nach einem schwachen September ging es in 13 von 16 Fällen anschließend aufwärts.
- Auch Midterm-Jahre waren häufig stark: 2026 wählen die USA Anfang November den Kongress. Historisch war gerade das vierte Quartal eines solchen Zwischenwahljahres stark; beim S&P 500 lag das durchschnittliche Plus seit 1950 bei 6,6 %. Nach der Wahl fällt zumindest ein Teil der politischen Unsicherheit weg.
- Zinsen und Öl sprechen dagegen: Fed und EZB haben im September die Zinsen erhöht, gleichzeitig bewegt sich Brent wieder um 100 USD. Höhere Finanzierungskosten und teure Energie können Inflation und Anleiherenditen oben halten – besonders für hoch bewertete Aktien ist das ein klarer Belastungsfaktor.
- 2018 bleibt die Warnung: Damals war die Ausgangslage ähnlich: Midterm-Jahr, Rekordstände im September und eine Fed, die weiter erhöhte. Im vierten Quartal verlor der S&P 500 rund 14 %, der DAX 13,8 %. Genau deshalb ist die Jahresendrally 2026 kein Selbstläufer.
Drei Käufergruppen hinter der Jahresendrally
Nicht jede Aktie profitiert im vierten Quartal aus demselben Grund. Bei einigen sorgen Fonds und Momentum-Strategien für zusätzliche Nachfrage, bei anderen können Steuerverkäufe zunächst weiter auf dem Kurs lasten. Und bei Unternehmen mit starkem Weihnachtsgeschäft kommt der Impuls direkt von den Konsumenten. Deshalb teilen wir die sechs Aktien in drei Lager: Gewinner, Nachzügler und Weihnachtsquartal-Werte.
Lager 1: Die Gewinner, die Fonds noch kaufen müssen: Infineon und AMD
Infineon und AMD gehören 2026 zu den klaren Gewinnern und passen damit in das klassische Window-Dressing-Muster. Fonds und Momentum-Strategien können zum Jahresende zusätzliche Nachfrage erzeugen, weil starke Jahresperformer im Portfolio bleiben oder höher gewichtet werden. Genau darin liegt aber auch das Risiko: Beide Aktien haben bereits kräftig zugelegt, ein Teil dieses Effekts könnte also längst im Kurs stecken.
Infineon Aktie: Jahresgewinner nach kräftiger Korrektur
Die Infineon-Aktie gehört 2026 trotz der schwachen vergangenen Monate weiter zu den stärksten DAX-Werten. Bei 57,11 EUR steht sie seit Jahresbeginn rund 52 % im Plus, vom 52-Wochen-Hoch bei 88,83 EUR hat sie allerdings mehr als ein Drittel verloren. Genau das macht sie für unser erstes Lager interessant: Für Fonds zählt beim Window Dressing die starke Jahresperformance, während der Kurs zugleich deutlich unter den Höchstständen liegt.
Operativ bleibt der KI-Boom der wichtigste Wachstumstreiber. Für 2026 erwartet der Markt rund 16,35 Milliarden EUR Umsatz, knapp 12 % mehr als im Vorjahr. Im jüngsten Quartal profitierte vor allem das Geschäft mit der Stromversorgung von Rechenzentren, während das klassische Auto- und Industriegeschäft deutlich weniger Dynamik liefert. Mit der Übernahme von C2i Semiconductors und neuen Kooperationen baut Infineon diesen KI-Schwerpunkt weiter aus. Gleichzeitig hat der Konzern im September sein NOR-Flash-Geschäft für 1,12 Milliarden USD verkauft und damit das Portfolio weiter gestrafft.
Günstig ist die Aktie trotz der Korrektur nicht. Für 2026 liegt das erwartete KGV bei rund 32, auf Basis der vergangenen zwölf Monate sogar deutlich höher. Damit müssen die kommenden Zahlen das starke Wachstum weiter bestätigen, während Preisdruck aus China und die schwächere Autonachfrage Risiken bleiben. Der nächste wichtige Termin sind die Jahreszahlen am 10. November – mitten in der Phase, in der sich entscheidet, ob Infineon seinen Platz unter den Jahresgewinnern verteidigt.
Chartanalyse Infineon Aktie – enge Range

Die Aktie von Infineon handelt aktuell in einer engen Range zwischen 53,40 und 60,90 EUR. Die 200-Tage-Linie (SMA200 in blau) stützt zuletzt, während die 50-Tage-Linie (SMA50 in gelb) in den vergangenen Handelstagen unterschritten wurde. Ein Ausbruch über 61 EUR könnte eine Einstiegsgelegenheit bis zum Jahresende mit Ziel am Widerstand bei rund 75 EUR darstellen. Kurse unter 53,40 EUR lassen weiteres Rückschlagpotenzial zu.
AMD Aktie: Rekordhoch und extreme Erwartungen
Noch deutlicher ist das Window-Dressing-Argument bei AMD. Die AMD-Aktie notiert bei rund 630,63 USD und liegt seit Jahresbeginn knapp 195 % im Plus. Erst vor wenigen Tagen überschritt der Börsenwert erstmals die Marke von 1 Billion USD. Damit gehört AMD zu den auffälligsten Gewinnern des gesamten US-Technologiesektors – genau solche Aktien wollen viele Fonds zum Jahresende nicht in ihren Portfolios vermissen.
Fundamental wird die Rally vor allem vom Geschäft mit KI-Infrastruktur getragen. Server-Prozessoren und KI-Beschleuniger profitieren von den hohen Investitionen der großen Rechenzentrumsbetreiber, hinzu kommen langfristige Projekte mit Unternehmen wie Meta und OpenAI. Für 2026 erwartet der Markt inzwischen rund 50,9 Milliarden USD Umsatz, fast 50 % mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig verbreitert sich die KI-Story: Neben dem Training großer Modelle benötigt auch der dauerhafte Betrieb von KI-Agenten zunehmend Rechenleistung.
Nach dem steilen Kursanstieg ist allerdings sehr viel Wachstum eingepreist. Neue Rekordstände, die Billionenbewertung und die starke Gewichtung in Momentum-Strategien können bis zum Jahresende zusätzliche Nachfrage erzeugen, erhöhen aber auch die Fallhöhe bei enttäuschenden Zahlen. Besonders wichtig werden deshalb die nächsten Quartalszahlen am 3. November: AMD muss zeigen, dass der rasante Ausbau des Rechenzentrumsgeschäfts mit den Erwartungen des Aktienkurses Schritt halten kann.
Chartanalyse AMD Aktie – Ausbruch aus der Range

Die AMD-Aktie ist zuletzt aus der länger andauernden Konsolidierung zwischen 425 und 583 USD ausgebrochen und scheint weiter durchzuziehen. Damit ist die Aktie ein spannender Kandidat für eine Trendfortsetzung bis zum Jahresende. Ein Rücklauf in Richtung 575-580 USD könnte eine gute Einstiegsgelegenheit sein, sofern eine positive Reaktion an der Zone erfolgt.
Lager 2: Nachzügler, bei denen Termine den Boden bauen: SAP und Nike
SAP und Nike gehören 2026 zu den klaren Verlierern und können bis zum Jahresende zusätzlich unter Steuerverkäufen leiden. Anders als bei Infineon und AMD braucht es hier deshalb einen konkreten Auslöser, damit Anleger wieder zugreifen. Bei beiden Unternehmen stehen im vierten Quartal wichtige Zahlen an, die zeigen müssen, ob sich operativ tatsächlich etwas verbessert.
SAP Aktie: Nachzügler mit wichtigem Termin im Oktober
Bei 185,46 EUR liegt die SAP-Aktie seit Jahresbeginn rund 11 % im Minus und damit deutlich hinter dem DAX. Für Anleger, die noch Verluste realisieren wollen, kann das bis zum Jahresende zusätzlichen Verkaufsdruck bedeuten. Gleichzeitig hat sich die Aktie vom Sommertief bereits deutlich erholt.
Operativ läuft es besser als der Kurs vermuten lässt. Das Cloud-Geschäft wächst weiter mit mehr als 20 %, die Cloud ERP Suite sogar mit knapp 27 %. Für 2026 erwartet der Markt rund 40,25 Milliarden EUR Umsatz, gut 9 % mehr als im Vorjahr. SAP investiert gleichzeitig kräftig in KI-Angebote rund um Joule, während das laufende Aktienrückkaufprogramm von bis zu 10 Milliarden EUR den Kurs zusätzlich stützen kann.
Auch die jüngsten Analystenstimmen fallen deutlich positiver aus als die bisherige Kursentwicklung: ODDO BHF hob das Kursziel auf 230 EUR an und bewertet die Aktie mit „Outperform“, die Bank of America erhöhte ihr Ziel auf 226 EUR und bestätigte „Buy“. Entscheidend wird nun der 21. Oktober. Dann legt SAP die Zahlen für das dritte Quartal vor und muss vor allem zeigen, dass Cloud-Wachstum und Auftragseingang stabil bleiben. Mit einem TTM-KGV von rund 27 ist die Aktie trotz des Kursrückgangs nicht günstig.
Chartanalyse SAP Aktie – die gleitenden Durchschnitte stützen

Die Aktie von SAP hat mustergültig auf den Bereich um 130 EUR reagiert. Wer unsere wöchentlichen Live-Seminare bei Goldesel Premium verfolgt, konnte hier an der Kaufzone unseres Experten Christian Berlich einsteigen und sich über mittlerweile knapp 40 % Rendite freuen. Die Aktie wird nun vom SMA 50 und dem SMA 200 und einer kleinen Zone zwischen 172,60 und 180 EUR gestützt. Ein Ausbruch über 192,80 EUR würde die Trendfortsetzung endgültig einläuten. Allerdings wartet ab etwa 209,50 EUR der nächste Widerstand.

Nike Aktie: Turnaround-Wette vor den Zahlen
Bei 35,75 USD liegt die Nike-Aktie seit Jahresbeginn rund 44 % im Minus und notiert damit auf dem niedrigsten Niveau seit vielen Jahren. Genau deshalb ist sie ein klassischer Kandidat für weitere Steuerverkäufe bis Jahresende. Gleichzeitig ist ein großer Teil der schlechten Nachrichten längst im Kurs angekommen: Das TTM-KGV liegt inzwischen bei rund 17 und damit deutlich unter den Bewertungsniveaus der vergangenen Jahre.
Operativ ist der Turnaround allerdings noch nicht geschafft. Für 2026 wird mit rund 46,4 Milliarden USD Umsatz praktisch kein Wachstum erwartet, das Ergebnis je Aktie liegt bei 2,10 USD. Fortschritte gibt es im Running- und Fußballgeschäft sowie bei den wiederbelebten Großhandelspartnerschaften, während China, Lifestyle-Produkte und Rabatte weiter belasten. Entsprechend skeptisch bleiben einige Analysten: Die Bank of America stufte Nike zuletzt auf „Underperform“ ab und senkte das Kursziel von 47 auf 30 USD, UBS reduzierte ihr Ziel auf 42 USD.
Damit wird der 1. Oktober zum entscheidenden Termin für die Aktie. Dann legt Nike die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor. Im Mittelpunkt stehen Umsatzentwicklung, Bruttomarge und das China-Geschäft. Sollte sich dort keine Stabilisierung zeigen, könnte aus dem vermeintlich günstigen Nachzügler schnell eine Value-Falle werden.
Nike Aktie Chartanalyse – Tiefer und immer tiefer

Die Aktie von Nike will einfach keinen Boden finden. Der Kurs rutscht immer weiter ab und es gibt selbst im Monatschart nahezu keine wichtigen charttechnischen Unterstützungszonen mehr gen Süden. Auf dem aktuellen Niveau bei rund 35 USD liegen Tiefs aus dem Jahr 2014, die ggfs. für etwas Unterstützung sorgen könnten.
Lager 3: Die Weihnachtsquartal-Werte Zalando und Apple
Genau diese Geschenke sind der Grund, warum Zalando und Apple ein eigenes Lager bilden. Das Weihnachtsgeschäft kommt jedes Jahr zur selben Zeit, und bei beiden Unternehmen bringt das Quartal von Oktober bis Dezember rund ein Drittel des Jahresumsatzes. Die Zahlen dazu kommen erst im Januar und Februar. Gehandelt wird die Erwartung aber schon ab Oktober, mit jeder Meldung zu Lieferzeiten, Black-Friday-Umsätzen und Konsumstimmung. Für dieses Lager zählt deshalb vor allem, ob die Kundschaft einkauft. Was Fed und EZB beschließen, spielt hier eine kleinere Rolle.
Zalando Aktie: Die Cyber Week entscheidet über die Jahresprognose
Zalando schloss am 25. September bei 22,03 EUR und liegt damit seit Jahresbeginn rund 13 % im Minus. Im zweiten Quartal stieg das Handelsvolumen zwar um 21 % auf 4,92 Milliarden EUR, bereinigt um die Übernahme von About You blieb allerdings nur ein Plus von 4,4 %. Gleichzeitig senkte das Management die Jahresprognose auf die untere Hälfte der bisherigen Spanne. Das bereinigte EBIT soll 2026 zwischen 680 und 720 Millionen EUR liegen.
Warum Zalando trotzdem ins Weihnachtslager gehört, zeigt der Blick auf das vierte Quartal: 2025 erzielte der Konzern dort 4,07 Milliarden EUR Umsatz und damit rund ein Drittel des gesamten Jahresumsatzes. Entsprechend wichtig werden Cyber Week, Black Friday und das Dezembergeschäft. Rückenwind könnte zudem aus Brüssel kommen: Ab November erhebt die EU eine Bearbeitungsgebühr von zwei EUR auf Pakete aus Drittländern, was vor allem Plattformen mit Direktversand aus China verteuert.
Die Bewertung hängt stark von der Gewinnbasis ab: Das TTM-KGV liegt wegen der Integrationskosten bei rund 60, auf Basis der Schätzungen für 2026 dagegen bei etwa 15. Gleichzeitig hat Zalando die Gewinnschätzungen in den vergangenen vier Quartalen jeweils verfehlt. Das Aktienrückkaufprogramm über 300 Millionen EUR wurde im Mai abgeschlossen, eine Dividende zahlt der Konzern nicht. Der nächste wichtige Termin sind die Q3-Zahlen am 3. November – danach richtet sich der Blick endgültig auf das Weihnachtsquartal.
Chartanalyse Zalando Aktie – Abwärtstrendlinie gebrochen, aber keine wirkliche Erholung

Die Zalando-Aktie hat die Abwärtstrendlinie, die sich vom Hoch im Februar 2025 etabliert hat, zwar Ende Mai 2026 gebrochen, die Aktie konnte sich aber nicht nachhaltig über den gleitenden Durchschnitten etablieren und steuert nun wieder auf die Unterstützung um die 20-EUR-Marke zu. Ein Retest der Trendlinie in Kombination mit der Unterstützungszone könnte bei entsprechender Reaktion eine spannende Einstiegsgelegenheit für die Weihnachtswette werden.
Apple Aktie: Das faltbare iPhone muss das Weihnachtsquartal tragen
Apple schloss am 25. September bei 341,07 USD und liegt seit Jahresbeginn gut 25 % im Plus. Für unser drittes Lager ist aber weniger die bisherige Kursentwicklung entscheidend als das Weihnachtsgeschäft. Das Quartal von Oktober bis Dezember ist traditionell das stärkste des Konzerns und brachte zuletzt 143,8 Milliarden USD Umsatz – rund 30 % des gesamten Geschäftsjahres.
2026 kommt zusätzlich ein wichtiger Produktzyklus hinzu. Seit September führt John Ternus den Konzern, kurz darauf stellte Apple das iPhone 18 Pro und mit dem iPhone Duo das erste faltbare iPhone vor. Das Duo startet am 23. Oktober und damit mitten im entscheidenden Quartal. Die ersten Nachfragesignale sind gemischt, Analysten rechnen für die ersten zwölf Monate mit rund 12,5 Millionen verkauften Geräten. Ende Oktober folgen zunächst die Zahlen für das Septemberquartal, wichtiger dürfte aber der Ausblick auf das Weihnachtsgeschäft werden.
Günstig ist Apple nicht. Das TTM-KGV liegt bei rund 39, für 2026 bei etwa 38. Gleichzeitig läuft ein Aktienrückkaufprogramm über 100 Milliarden USD, die Dividendenrendite liegt nur bei rund 0,3 %. Risiken bleiben hohe Speicherpreise und der Wegfall positiver Sondereffekte bei der Marge. Im vierten Quartal hängt deshalb viel daran, wie gut sich die neuen iPhones verkaufen.
Chartanalyse Apple Aktie – Doppeltop voraus?

Die Apple-Aktie scheint aktuell ein Doppeltop am Allzeithoch auszubilden, sofern die Marke von 345 USD nicht überwunden werden kann. Bei Kursen unter 334 USD könnte man auf einen Rücklauf zur nächsten Unterstützung bei rund 300 USD setzen. Ein Ausbruch über 345 USD wäre ein prozyklisches Einstiegssignal für etwaige Long-Positionen.
Sechs Jahresendrally-Kandidaten im Vergleich
| Aktie (Lager) | Schlusskurs 25.09. | Seit 01.01. in EUR | KGV TTM / 2026e | Nächste Zahlen |
|---|---|---|---|---|
| Infineon (1) | 56,71 EUR | +50,3 % | 61,6 / k. A. | 10.11. |
| AMD (1) | 630,63 USD | +204,0 % | 160,1 / 80,6 | Anfang Nov.¹ |
| SAP (2) | 185,92 EUR | −10,8 % | 27,1 / 26,4 | 21.10. |
| Nike (2) | 35,75 USD | −42,1 % | 17,0 / 17,0² | 01.10. |
| Zalando (3) | 22,03 EUR | −13,1 % | 59,5 / 15,2 | 03.11. |
| Apple (3) | 341,07 USD | +29,5 % | 38,9 / 38,2 | Ende Okt.¹ |
DAX, S&P 500 und Nasdaq 100 vor dem vierten Quartal: Wo die Indizes stehen
| Index | Stand 25.09. | Seit 01.01. | Abstand zum Rekordhoch | Q4 im Plus seit 2000 (Ø) |
|---|---|---|---|---|
| DAX | 25.408,64 | +3,7 % | −4,5 % | 23 von 26 (+5,8 %) |
| S&P 500 | 7.743,41 | +13,1 % | −0,9 % | 21 von 26 (+4,1 %) |
| Nasdaq 100 | 30.608,13 | +21,2 % | −0,5 % | 19 von 26 (+4,8 %) |
Warum der DAX hinterherhinkt: SAP liegt deutlich im Minus, auch BMW, Mercedes und Volkswagen haben 2026 jeweils mehr als 30 % verloren. Infineon und Siemens Energy können das nicht vollständig ausgleichen. In den USA dominieren dagegen genau jene Technologieaktien, die das Börsenjahr bisher geprägt haben.
Historisch bleibt Q4 stark: Seit 2000 war der DAX in 23 von 26 vierten Quartalen positiv, im Schnitt mit 5,8 %. Beim S&P 500 waren es 21 von 26 mit durchschnittlich 4,1 %, beim Nasdaq 100 19 von 26 mit 4,8 %. Der Nasdaq hatte allerdings auch die heftigsten Rückschläge – darunter rund 34 % Minus im vierten Quartal 2000 und 17 % im Jahr 2018.
Eigene Indexziele geben wir nicht ab. Barclays hob sein Jahresendziel für den S&P 500 Anfang September auf 7.950 Punkte an.
DAX-ETF oder Momentum-ETF: Welcher ETF passt zur Jahresendrally?
DAX-ETF: Der iShares Core DAX UCITS ETF (ISIN DE0005933931) verwaltet rund 8,4 Milliarden EUR, kostet 0,16 % pro Jahr und hält alle 40 DAX-Werte physisch. Die größten Positionen waren zuletzt Siemens mit 11,5 %, SAP mit 10,8 % und Allianz mit 9,0 %. Seit Jahresbeginn liegt der ETF rund 3,1 % im Plus. Er bildet damit eher die historische Stärke des DAX im vierten Quartal ab als eine bestimmte Käufergruppe.
Momentum-ETF: Der iShares Edge MSCI World Momentum Factor UCITS ETF (ISIN IE00BP3QZ825) verwaltet rund 5,6 Milliarden EUR, kostet 0,25 % und hält gut 350 Aktien. Die größten Positionen sind Micron mit 5,6 %, AMD mit 4,6 % und Intel mit 3,2 %. Rund 40 % des Fonds stecken in Technologie, etwa 10 % in Energie. Seit Jahresbeginn kommt der ETF auf ein Plus von 26,6 %, der MSCI World auf 16,2 %.
Schwäche des Momentum-Ansatzes: In den vergangenen drei Monaten verlor der ETF 3,9 %, während der MSCI World 3,8 % gewann. Das Konzept kauft Gewinner erst nach dem Anstieg und trennt sich von ihnen oft erst nach einer Korrektur. Dazu kommt 2026 ein vergleichsweise hoher Energieanteil, der bei fallenden Ölpreisen belasten kann. Der DAX-ETF steht damit eher für die Statistik, der Momentum-ETF für die Gewinner aus Lager 1.
Warum Themen- und Faktor-ETFs selten dauerhaft den breiten Markt schlagen, haben wir in unserer TopStory zu Themen-ETFs ausführlich aufgeschrieben.
Die zwei ETFs im Vergleich
| iShares Core DAX | iShares Edge MSCI World Momentum | |
|---|---|---|
| ISIN | DE0005933931 | IE00BP3QZ825 |
| Kostenquote p. a. | 0,16 % | 0,25 % |
| Fondsvolumen | 8.436 Mio. EUR | 5.551 Mio. EUR |
| Positionen | 40 | 353 |
| Auswahlregel | Die 40 größten deutschen Aktien | Aktien mit der stärksten risikobereinigten Kursdynamik über 6 und 12 Monate |
| Größte Positionen | Siemens 11,5 %, SAP 10,8 %, Allianz 9,0 % | Micron 5,6 %, AMD 4,6 %, Intel 3,2 % |
| Seit 01.01.2026 (EUR) | +3,1 % | +26,6 % |
Wenn die Jahresendrally 2026 ausfällt
Das Jahr, an dem sich 2026 messen lassen muss, ist 2018. Auch damals wählten die USA im November einen neuen Kongress, gleichzeitig erhöhte die Fed die Zinsen. Im vierten Quartal verloren der S&P 500 14 %, der DAX 13,8 % und der Nasdaq 100 17 %. Es gibt allerdings Unterschiede: 2018 lag der DAX Ende September bereits gut 5 % im Minus, 2026 steht er noch im Plus. Zudem war die Fed-Erhöhung vom 16. September die erste seit Juli 2023 – 2018 war es bereits die neunte. Auch die Straße von Hormus bleibt ein Faktor: Eine Einigung zwischen den USA und dem Iran könnte den Ölpreis drücken und die Märkte entlasten, eine neue Eskalation hätte den gegenteiligen Effekt.
Fällt die Jahresendrally aus, dürfte Lager 1 am stärksten reagieren. Fonds, die Infineon und AMD wegen ihrer starken Jahresperformance gekauft haben, könnten dann schnell wieder zu Verkäufern werden. Lager 3 ist davon weniger abhängig, weil das Weihnachtsgeschäft auch in einem schwachen Börsenquartal stattfindet. Die Nachzügler aus Lager 2 hängen dagegen an ihren Unternehmensterminen und können bis Silvester zusätzlich unter Steuerverkäufen leiden. Wer auf Klarheit nach der Fed-Sitzung Ende Oktober wartet, riskiert zugleich, einen möglichen frühen Teil der saisonalen Bewegung zu verpassen.
Jahresendrally 2026 nutzen oder abwarten: das Fazit
Eine Jahresendrally entsteht, weil im vierten Quartal drei Gruppen kaufen müssen: Fondsmanager, Steuersparer und Konsumenten. Die Statistik spricht dafür, die Notenbanken sprechen 2026 dagegen. Die entscheidende Frage für dein Depot ist deshalb nicht, ob die Rally kommt, sondern welche Käufergruppe deine Aktie braucht.
- Für Solide: der DAX-ETF als Beimischung für die Statistik, Apple als ruhigster Einzelwert, obwohl der Kurs schon über dem Analystenziel liegt.
- Für Wachstum mit Bewertungsrisiko: Infineon und AMD als Watchlist-Kandidaten für das Window-Dressing-Fenster, gebündelt auch im Momentum-ETF.
- Für Geduldige: SAP mit dem Termin am 21. Oktober, Zalando als Wette auf die Cyber Week und Nike nur mit Geld, dessen Verlust du verkraftest.
Risiken und Ausblick
| Datum | Termin |
|---|---|
| 01.10. | Nike-Zahlen |
| 21.10. | SAP-Zahlen |
| 27./28.10. | Fed-Zinsentscheid |
| 29.10. | EZB-Zinsentscheid, Apple-Zahlen Ende Oktober (Termin noch nicht bestätigt) |
| 03.11. | US-Kongresswahlen, Zalando-Zahlen, AMD Anfang November |
| 10.11. | Infineon-Jahreszahlen |
| 27.11. | Black Friday |
| 30.11. | Umschichtung im Momentum-Index |
| 08./09.12. und 17.12. | Fed und EZB |
Die Statistik liegt auf der Seite der Anleger, eine Garantie ist sie nicht, das zeigt 2018. Die sechs Aktien sind dabei sehr unterschiedlich weit gelaufen: AMD hat sich verdreifacht, Nike notiert so tief wie seit 2014 nicht mehr. Eine Jahresendrally hebt nicht alle Werte gleich. Wer seine Aktie nach der Käufergruppe und dem nächsten Termin auswählt, hat zumindest einen Plan, der über die Statistik hinausgeht.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Die Autoren sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse in den erwähnten Wertpapieren nicht investiert.
Häufige Fragen
Was ist die Jahresendrally und wann beginnt sie?
Als Jahresendrally bezeichnen Anleger den Kursanstieg, den es an den Börsen häufig im letzten Quartal des Jahres gibt. Einen festen Starttermin gibt es nicht, meist ist der Zeitraum von Oktober bis Dezember gemeint. Beim DAX war das vierte Quartal seit 2000 in 23 von 26 Jahren positiv, im Schnitt mit 5,8 Prozent.
Kommt die Jahresendrally 2026?
Das weiß niemand vorher. Für eine Rally spricht die Statistik, zumal 2026 ein US-Wahljahr ist und das vierte Quartal in solchen Jahren historisch besonders stark war. Dagegen sprechen die Zinserhöhungen von Fed und EZB im September und das Beispiel 2018, als ein ähnliches Umfeld im vierten Quartal zu Verlusten von rund 14 Prozent führte.
Jahresendrally oder Jahresendrallye: Was ist richtig?
Der Duden schreibt "Rallye", an der Börse hat sich die englische Schreibweise "Rally" durchgesetzt. Beide meinen dasselbe. Nach "Jahresendrally" wird in Deutschland etwa zehnmal so häufig gesucht wie nach "Jahresendrallye".
Was ist der Unterschied zwischen Jahresendrally, Weihnachtsrallye und Santa-Claus-Rally?
Die Jahresendrally meint meist das gesamte vierte Quartal oder die Monate November und Dezember. Die Weihnachtsrallye bezieht sich auf die Wochen vor Weihnachten. Die Santa-Claus-Rally ist am engsten gefasst: Sie beschreibt die letzten fünf Handelstage des Jahres und die ersten zwei des neuen Jahres, 2026 also etwa den Zeitraum vom 24. Dezember bis 5. Januar.
Was bedeutet Window Dressing an der Börse?
Fondsmanager kaufen zum Jahresende gezielt die Gewinner des Jahres, damit diese im Jahresbericht auftauchen. Weil diese Käufe mit dem Jahreswechsel enden, drehen die betroffenen Aktien im Januar oft wieder nach unten. Beim Momentum-ETF passiert Ähnliches nach festen Regeln, einmal pro Quartal.
Wo stehen DAX, S&P 500 und Nasdaq Ende 2026?
Das sagen die Banken Für den S&P 500 liegen die Jahresendziele der großen Banken zwischen 7.950 Punkten (Barclays) und 8.100 Punkten (HSBC), Goldman Sachs, UBS und Citigroup rechnen mit mindestens 8.000 Punkten. Das wären vom Stand am 25. September aus rund 3 bis 5 Prozent. Für den DAX erwartet die DWS 28.600 Punkte auf Sicht von zwölf Monaten. Prognosen sind keine Garantie, sie haben sich 2026 schon mehrfach verschoben.
Warum ist die SAP Aktie 2026 gefallen?
SAP verlor am 29. Januar nach einer vorsichtigen Cloud-Prognose so stark wie seit 2020 nicht mehr und geriet danach in den Ausverkauf der Softwarebranche, weil Anleger fürchteten, KI-Agenten könnten klassische Unternehmenssoftware verdrängen. Dazu kam der schwache Dollar. Seit dem Tief im Juli hat die Aktie deutlich aufgeholt, am 25. September lag sie aber noch knapp 11 Prozent unter dem Jahresstart. Die Q3-Zahlen folgen am 21. Oktober.
Ist die Infineon Aktie ein Kandidat für die Jahresendrally?
Infineon ist mit rund 50 Prozent Plus der beste DAX-Wert 2026 und damit genau die Art Aktie, die Fondsmanager zum Jahresende zeigen wollen. Gleichzeitig liegt sie deutlich unter ihrem Rekordhoch vom Juni. Am 10. November legt Infineon die Jahreszahlen vor, mitten im Window-Dressing-Fenster.
Wann legt Nike Zahlen vor?
Nike berichtet am 1. Oktober nach US-Börsenschluss über das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027. Die Aktie hat 2026 mehr als 40 Prozent verloren und notiert so tief wie seit 2014 nicht mehr.