Buy-and-Hold Anleger brauchen nur einen Indikator
Verschiedene Indikatoren sagen die zukünftige Performance unterschiedlich zuverlässig voraus. Eigentlich reicht ein einziger Indikator.
Am besten korreliert die langfristige Performance mit dem nominellen Wirtschaftswachstum. Den langfristigen Wachstumstrend zu bestimmen, kann jedoch schwierig sein und es löst ein Problem der Gegenwart nicht. Der Aktienmarkt kann gerade in einer Blase stecken. In diesem Fall hilft zukünftig robustes Wachstum wenig. Der Aktienmarkt wird keine gute Performance generieren.
Am einfachsten ist ein simpler Indikator, der die Bewertung widerspiegelt. Nicht zum ersten Mal schreibe ich darüber. Es lohnt sich allerdings regelmäßig darauf hinzuweisen. Das inflationsbereinigte 10-Jahres-KGV hat sich als zuverlässigster Indikator erwiesen. Die annualisierte 10-Jahres-Performance des Aktienmarktes folgt der Bewertung mit ungefähr zehn Jahren Abstand (Grafik 1).

Nicht ganz so zuverlässig, aber immer noch gut, ist die Dividendenrendite. Diese zeigt eine ähnliche Vorhersagekraft. Wichtig ist dabei nicht das absolute Niveau, sondern die Richtung, in die sich die Dividendenrendite entwickelt. Seit einigen Jahren wird der Abstand der Aktienmarkt- und Dividendenrendite immer größer. Die Richtung ist aber noch die gleiche (Grafik 2). Der Grund in der zunehmenden Differenz ist einfach. Anstatt Gewinne ausschließlich durch Dividenden auszuschütten, werden Aktien zurückgekauft. Diese Rückkäufe scheinen in der Dividendenrendite nicht auf. Rückkäufe sind ein relativ neues Phänomen.

Dividendenrendite und Bewertung sind zwei Indikatoren, aber längst nicht die einzigen. Man kann ebenso versuchen, die zukünftige Rendite durch Gewinnwachstum oder Anleiherenditen zu erklären. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Es gibt dabei zwei wichtige Aspekte zu beachten.
Der eine Aspekt ist der Zeithorizont. Nicht jeder Indikator prognostiziert die Rendite der nächsten zehn Jahre. Das Gewinnwachstum hat die höchste Aussagekraft auf Sicht von fünf Jahren. Dies ist in Grafik 3 als 100 % dargestellt. Bei der 10-Jahresrendite werden 100 % auf eine Sicht von 15 Jahren erreicht. Die höchste Aussagekraft der heutigen Rendite kommt also erst in fünfzehn Jahren zum Tragen.

Jeder Indikator kann einen eigenen Prognosehorizont haben. Das sagt noch nichts über den zweiten Aspekt aus. Bei diesem geht es darum, wie viel der zukünftigen Performance überhaupt durch den Indikator erklärt werden. Hier gibt es große Unterschiede. Gewinnwachstum und Anleiherendite erklären auf Sicht von fünf Jahren nur einen niedrigen einstelligen Prozentsatz der Performance. Wenn die Rendite zu einem so geringen Grad erklärt wird, ist der Indikator kaum brauchbar.
Am meisten wird durch die Bewertung erklärt. Trotz aller Kritik und Unkenrufe, die Bewertung bleibt das zuverlässigste Instrument, um das langfristige Potenzial des Aktienmarktes zu beurteilen. Die Bewertung ist heute hoch. In den kommenden zehn Jahren ist die Rendite daher mager. Nach Abzug der Inflation bleiben pro Jahr noch 2-3 % übrig. Schlechter sind Anleihen nicht.

Clemens Schmale
Dieser Beitrag ist zuerst auf stock3.com erschienen.
Hier geht es zu allen meinen Beiträgen auf stock3.com