VW Aktie: Analysten erwarten Quartalsverlust von bis zu 6,2 Milliarden Euro
Aktien im Artikel
Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Volkswagen veröffentlicht am Donnerstag, 29. Oktober, die Zahlen für das dritte Quartal.
- Analysten rechnen mit einem operativen Verlust von bis zu 6,2 Milliarden Euro und einem Nettoverlust von 5,7 Milliarden Euro.
- Eine Porsche-Abschreibung von rund 6 Milliarden Euro und weitere Sonderkosten belasten das Quartal.
- Auslieferungen sanken im dritten Quartal um gut 14 Prozent; in China gingen sie fast 39 Prozent zurück.
Marktanalyse & Details
Hohe Sonderkosten drücken das Quartalsergebnis
Volkswagen legt am 29. Oktober seine Quartalszahlen vor. Nach der im September gesenkten Jahresprognose steht der Konzern unter erheblichem Ergebnisdruck: Für 2026 stellt VW eine operative Gewinnmarge von höchstens einem Prozent in Aussicht, nach 2,8 Prozent im Vorjahr. Der Umsatz dürfte bei rund 315 Milliarden Euro liegen. Für den Netto-Cashflow im Automobilbereich erwartet das Unternehmen 3 bis 6 Milliarden Euro.
Zu den Belastungen zählen laut Konzern rund 10 Milliarden Euro an Sonderkosten für das Gesamtjahr. Davon wurden im ersten Halbjahr 900 Millionen Euro verbucht. Besonders schwer wiegt eine geplante Abschreibung von rund 6 Milliarden Euro auf den Firmenwert der Porsche AG. Weitere rund 2 Milliarden Euro könnten unter anderem durch Vorruhestandsregelungen, Wertberichtigungen in China und den Verkauf des Werks in Osnabrück anfallen. Der Großteil dieser Posten dürfte das dritte Quartal treffen.
Analysten rechnen mit tiefroten Zahlen
Die Erwartungen an das Quartal unterscheiden sich je nach Berechnung: Jefferies sieht einen operativen Verlust von 6,2 Milliarden Euro, RBC einen Fehlbetrag von 5,8 Milliarden Euro. Ohne die Porsche-Abschreibung und die Kosten für den Verkauf des Osnabrücker Werks erwartet Jefferies ein bereinigtes operatives Ergebnis von 1,8 Milliarden Euro und eine Marge von 2,4 Prozent. Marktschätzungen zufolge dürfte der Umsatz bei 78,2 Milliarden Euro liegen; unter dem Strich wird ein Verlust von 5,7 Milliarden Euro erwartet.
Das schwache operative Umfeld zeigt sich auch bei den Auslieferungen: Im dritten Quartal lieferte VW gut 14 Prozent weniger Fahrzeuge aus als ein Jahr zuvor, insgesamt 1,89 Millionen. In China brachen die Verkäufe fast 39 Prozent ein. Zuwächse in Europa und Südamerika konnten den Rückgang nicht ausgleichen. Zugleich setzt der stärkere Anteil von Elektroautos in Europa die Profitabilität unter Druck, weil Batterieautos derzeit weniger rentabel sind als Verbrenner.
Analysten-Einordnung: Die erwarteten Milliardenverluste spiegeln nicht allein die laufende Ertragskraft wider, sondern sind stark von Abschreibungen und weiteren Sonderkosten geprägt. Entscheidend für die VW-Aktie wird daher sein, ob das bereinigte Ergebnis stabil bleibt und ob das Management die Belastungen nachvollziehbar von der Entwicklung des Kerngeschäfts abgrenzt. Dies deutet darauf hin, dass Anleger neben dem ausgewiesenen Verlust besonders auf Ausblick, Cashflow und Hinweise zur Erholung im vierten Quartal achten dürften. JPMorgan erwartet für dieses dank neuer Modelle sowie einer besseren Entwicklung bei Skoda und Audi eine Verbesserung gegenüber dem dritten Quartal.
Sparpläne und US-Investition erhöhen den strategischen Druck
Die Absatzschwäche in China und der Margendruck verschärfen die Debatte über Kapazitäten und Beschäftigung. VW prüft weitere Einschnitte; zugleich stehen Tarifgespräche mit der IG Metall bevor. Auch die Pläne für ein Audi-Werk in Georgia sind konzernpolitisch umstritten. Vorgesehen sind Investitionen von rund 4 Milliarden US-Dollar und eine jährliche Fertigung von 200.000 SUVs. Eine endgültige Zustimmung der zuständigen VW-Gremien steht jedoch noch aus, während Beschäftigte und Politik Klarheit über mögliche Folgen für deutsche Standorte verlangen.
Die VW-Vorzugsaktie notierte am 26. Oktober um 14:42 Uhr bei 69,12 Euro und lag damit 0,7 Prozent im Plus. Seit Jahresbeginn stand sie zu diesem Zeitpunkt 33,6 Prozent im Minus. Die Tagesbewegung ändert nichts daran, dass die anstehenden Zahlen und der Ausblick zentrale Prüfsteine für die weitere Bewertung bleiben.
Fazit & Ausblick
Am Donnerstag, 29. Oktober, richtet sich der Blick auf die Quartalsbilanz und darauf, wie stark die Sonderbelastungen das ausgewiesene Ergebnis prägen. Für die weitere Einschätzung zählen insbesondere die bereinigte operative Marge, der Cashflow im Automobilbereich und die Signale zum vierten Quartal. Eine nachhaltige Erholung müsste sich zudem in stabileren Auslieferungen und einer Verbesserung der Profitabilität zeigen.
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