SGL Carbon Aktie: Deutsche Bank hebt Kursziel auf 4,60 Euro
Aktien im Artikel
Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Deutsche Bank Research erhöht das Kursziel für SGL Carbon von 4,15 auf 4,60 Euro und bestätigt die Einstufung „Hold“.
- Nach neun Monaten 2026 liegt der Umsatz mit 594,8 Millionen Euro um 8,9 Prozent unter dem Vorjahreswert; im dritten Quartal erreichte er wieder Vorjahresniveau.
- Das bereinigte EBITDA sank nach neun Monaten nur um 2,1 Prozent auf 106,3 Millionen Euro, während die Marge auf 17,9 Prozent stieg.
- SGL Carbon erwartet für 2026 ein bereinigtes EBITDA von 130 bis 140 Millionen Euro und einen Umsatz am oberen Ende der Spanne von 720 bis 770 Millionen Euro.
Marktanalyse & Details
Höheres Kursziel, aber weiter „Hold“
Deutsche Bank Research hat das Kursziel für die SGL-Carbon-Aktie auf 4,60 Euro angehoben. Zuvor lag die Marke bei 4,15 Euro; die Einschätzung bleibt „Hold“. Der Schritt folgt auf die Neunmonatszahlen und die vom Unternehmen bestätigte höhere Ergebnisprognose für 2026.
Zum 6. November, 8:31 Uhr, notierte die Aktie im Lang-&-Schwarz-Handel bei 4,675 Euro. Damit liegt der Kurs knapp über dem neuen Ziel der Bank. Trotz eines Tagesminus von 1,27 Prozent beträgt das Plus seit Jahresbeginn 50,08 Prozent. Das Kursziel signalisiert somit nach der starken bisherigen Entwicklung nur noch begrenzten Abstand nach oben, nicht aber eine Kaufempfehlung.
Ertragskraft hält sich besser als der Umsatz
In den ersten neun Monaten 2026 setzte SGL Carbon 594,8 Millionen Euro um, nach 652,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang hängt vor allem damit zusammen, dass das Unternehmen zuvor defizitäre Aktivitäten im Carbonfasergeschäft eingestellt hatte. Im dritten Quartal lag der Umsatz mit 200,6 Millionen Euro wieder annähernd auf Vorjahresniveau.
Das bereinigte EBITDA ging um 2,1 Prozent auf 106,3 Millionen Euro zurück und entwickelte sich damit deutlich besser als der Umsatz. Die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich von 16,6 auf 17,9 Prozent. Das Konzernergebnis drehte auf 31,3 Millionen Euro Gewinn, nachdem im Vorjahreszeitraum ein Verlust von 51,3 Millionen Euro angefallen war. Der starke Vergleich beim Nettoergebnis ist allerdings auch durch die deutlich geringeren Einmal- und Sondereffekte geprägt: Sie belasteten die ersten neun Monate 2026 mit 3,1 Millionen Euro, gegenüber 84,7 Millionen Euro im Vorjahr.
Starke Sparten, deutliche Schwäche im Chemiegeschäft
Die Entwicklung fiel zwischen den Geschäftsbereichen unterschiedlich aus. Graphite Solutions steigerte den Umsatz um 10 Prozent auf 358,3 Millionen Euro und das bereinigte EBITDA um 23,5 Prozent auf 71,9 Millionen Euro. Dazu trugen unter anderem 30,4 Millionen Euro an Ausgleichszahlungen aus angepassten Lieferverträgen mit Halbleiterkunden bei. Auch Fiber Composites verbesserte das bereinigte EBITDA deutlich auf 28,7 Millionen Euro, obwohl der Umsatz wegen der eingestellten Carbonfaseraktivitäten niedriger ausfiel.
Gegenläufig entwickelte sich Process Technology: Der Umsatz sank um 27,7 Prozent auf 74,0 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA fiel um 60 Prozent auf 11,2 Millionen Euro. SGL Carbon nennt verschobene Investitions- und Wartungsprojekte in der Chemieindustrie, ausbleibende Großprojekte sowie niedrigere Verkaufspreise als Belastungen.
Analysten-Einordnung: Die angehobene Zielmarke passt zu einer verbesserten Ergebnisbasis, doch die Bestätigung von „Hold“ unterstreicht, dass die positiven Nachrichten im Aktienkurs bereits weitgehend eingepreist sein könnten. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung: Entscheidend ist, ob SGL Carbon die Margenverbesserung auch ohne vergleichbare Ausgleichszahlungen aus dem Halbleitergeschäft fortsetzen und zugleich die Schwäche bei Process Technology begrenzen kann. Die Ergebniswende beim Konzernergebnis sollte zudem nicht allein als operativer Durchbruch gelesen werden, da der Vorjahresvergleich durch hohe Restrukturierungs- und Sondereffekte belastet war.
Bilanz und Liquidität verbessern sich
Zum 30. September 2026 lagen die Nettofinanzschulden bei 78,5 Millionen Euro, nach 98,9 Millionen Euro zum Jahresende 2025. Die Eigenkapitalquote stieg von 39,2 auf 41,0 Prozent. Der Free Cashflow erreichte nach drei Quartalen 38,0 Millionen Euro gegenüber 12,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Zusätzlich hat SGL Carbon nach dem Verkauf des früheren Carbon-Fiber-Standorts Moses Lake die erste Kaufpreistranche von 45 Millionen US-Dollar erhalten; das Unternehmen hob seine Free-Cashflow-Prognose für 2026 um diesen Betrag an.
Fazit & Ausblick
SGL Carbon rechnet für 2026 mit einem bereinigten EBITDA von 130 bis 140 Millionen Euro, zuvor lag die Prognosespanne bei 110 bis 130 Millionen Euro. Beim Umsatz erwartet das Unternehmen einen Wert am oberen Ende der Spanne von 720 bis 770 Millionen Euro. Die Mittelfristplanung bis 2030 bleibt unverändert. Für die Aktie hängt der nächste Bewertungsschritt vor allem davon ab, ob die Nachfrage in Halbleiter- und Nuklearmärkten anhält und sich die schwächere Entwicklung in Process Technology stabilisiert. Das neue Kursziel von 4,60 Euro und das unveränderte „Hold“-Votum bilden diese Chancen ebenso ab wie die bereits kräftige Kursentwicklung.
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