pferdewetten.de steht nach Gewinnwarnung unter Druck: Montega hält Aktie, Kursziel 3,00 €
Kurzüberblick
Die pferdewetten.de AG hat nach einer Gewinnwarnung für das Geschäftsjahr 2025 den Ausblick spürbar nach unten korrigiert. Statt eines zuletzt leicht positiven Ergebnisses erwartet das Unternehmen nun ein negatives EBITDA von -3,5 bis -3,8 Mio. Euro, ausgelöst vor allem durch einmalige Sondereffekte im Jahresabschluss.
Parallel dazu liefert die operative Entwicklung eine Gegenbotschaft: Für das erste Halbjahr 2026 rechnet der Vorstand (auf Basis vorläufiger, ungeprüfter Zahlen) mit einem positiven EBITDA von rund 3 Mio. Euro. Die Montega-Researchaktualisierung vom 11.08.2026 bestätigt die Bewertung „Halten“ und nennt ein Kursziel von 3,00 Euro. An der Börse notiert die Aktie derzeit bei 1,97 Euro, nach einem Tagesplus von 3,14 Prozent – bei gleichzeitig deutlichem YTD-Rückgang von -28,1 Prozent.
Marktanalyse & Details
2025: Gewinnwarnung durch Sondereffekte von rund 4,3 Mio. Euro
Die Zielverfehlung für 2025 wird laut Unternehmensangaben durch Sondereffekte in der Größenordnung von insgesamt rund 4,3 Mio. Euro getrieben. Zentral sind dabei Wertberichtigungen sowie Anpassungen in der Bilanzierung und in der Akquisitions- bzw. Restrukturierungslogik.
- Erhöhte Forderungswertberichtigungen aus eingestellten Geschäftsbeziehungen: bis zu 0,9 Mio. Euro
- Aufwands-erfassung aktivierter Akquisitionskosten: bis zu 0,2 Mio. Euro
- Möglicher Schuldbeitritt aus einer Akquisition: bis zu 1,1 Mio. Euro
- Einmalkompensationen bei Restrukturierung von Dienstleisterverbindlichkeiten: rund 0,4 Mio. Euro
- Nicht final wirksame Optimierungen der IT-Rechnungsstruktur (rechtliche Abwägung): rund 1,3 Mio. Euro
- Erhöhte Prüfungskosten: rund 0,3 Mio. Euro
Dem stehen positive Einmaleffekte im Finanzergebnis gegenüber: Die Zinsanpassung der beiden Wandelanleihen von 7,50 Prozent p.a. auf 2,50 Prozent p.a. wirkte einmalig mit rund 3,4 Mio. Euro positiv.
H1 2026: Operativ überraschend stark – Q2 mit rund 2 Mio. Euro EBITDA
Während 2025 von Belastungen geprägt ist, fällt die operative Entwicklung in 2026 deutlich besser aus. Für das erste Halbjahr 2026 erwartet der Vorstand ein positives operatives, ungeprüftes EBITDA von rund 3 Mio. Euro. Daraus ergibt sich implizit für das zweite Quartal ein EBITDA von etwa 2 Mio. Euro.
Für Anleger ist dabei entscheidend, dass das Umfeld im deutschen Sportwettenmarkt im Zusammenhang mit dem Turnierverlauf insgesamt eher herausfordernd war: Großereignisse kurbeln zwar grundsätzlich die Kundenaktivität an, können wegen des Wettbewerbs zugleich aber mit höheren Marketingkosten einhergehen. Das frühe Ausscheiden deutscher und türkischer Nationalmannschaften dürfte die Spielaktivität und damit die Wirkung gebuchter Mediabudgets reduziert haben. Da pferdewetten.de laut Darstellung nur begrenzt Spielraum für große Marketingkampagnen hatte, könnte der negative Effekt im Vergleich zu stärker werbenden Wettbewerbern weniger durchschlagen.
Analysten-Einordnung: „Halten“ trotz Fundamental-Upside – entscheidend bleiben offene Punkte
Die Montega-Einordnung wirkt plausibel: Die überraschend positive H1-Entwicklung deutet darauf hin, dass die operative Basis 2026 stabiler ist als es die 2025er Einmalbelastungen vermuten lassen. Gleichzeitig spricht das Kursbild mit dem deutlichen YTD-Abschlag dafür, dass der Markt die „Normalisierung“ der Ergebnisqualität noch nicht vollständig eingepreist hat.
Für Anleger bedeutet diese Gemengelage: Selbst wenn das Chance-Risiko-Profil bei anziehender operativer Dynamik attraktiver werden kann, bleiben die Bewertungs- und Realisierungsrisiken kurzfristig hoch. Montega verweist dabei auf ausstehende Punkte wie die abschließende Umschuldung der Gesellschafterdarlehen, die Ergebnisse der BaFin-Prüfung sowie die Besetzung der CFO-Position über den 31.08. hinaus. Genau solche Faktoren können die Wahrnehmung von Governance- und Umsetzungsrisiken maßgeblich beeinflussen.
Hinzu kommt ein Bewertungsanker aus der Analystenlogik: Mit einem KGV von 7,6x für 2027e wird das Papier zwar als spekulativer Einstieg unter bestimmten Voraussetzungen gesehen, die Aktie bleibt aber bis zur Auflösung der offenen Themen eher „hold“-würdig als ein klarer Risikospiel-Optimismus.
Warum die Aktie trotz 2025-Dämpfer fester wirkt
Dass die Aktie an der aktuellen Notierungstagestendenz fester erscheint, obwohl 2025 klar negativ ausfällt, spricht für einen Marktfokus auf die nächsten operativen Schritte. Die Kombination aus hoher Ergebnisqualität in H1 2026 und der Aussicht auf weitere Konkretisierung durch späteren Reporting-Zeitplan kann die kurzfristige Sentiment-Delle abmildern – ersetzt aber nicht den Abgleich der noch laufenden rechtlichen und organisatorischen Themen.
Fazit & Ausblick
Die Gewinnwarnung für 2025 ist zwar ein klarer Rückschlag, doch die operative Entwicklung in H1 2026 liefert einen wichtigen Gegenimpuls. Entscheidend wird nun, ob sich das positive EBITDA-Niveau auch im zweiten Halbjahr bestätigt und ob die noch offenen Punkte rund um Umschuldung, BaFin-Entscheidungen sowie CFO-Besetzung schnell zu mehr Planbarkeit führen.
Für die nächsten Wochen sollten Anleger vor allem die weiteren Unternehmensupdates nach der CFO-Frist zum 31.08. sowie die detaillierte Fortschrittsdarstellung im laufenden Jahr beobachten, um die Brücke von „ungeprüft vorläufig“ zu nachhaltig belastbarer Ergebnisqualität zu prüfen.
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