Marvell-Aktie steigt 241 % in einem Jahr: CEO sieht über 15 Mrd. Dollar Rechenzentrumsumsatz
Kurzüberblick
- Marvell-CEO Matt Murphy sieht das Unternehmen nach einem Kursanstieg von 241 % binnen eines Jahres auf allen Wachstumsmärkten gut positioniert.
- Für 2027 stellt Murphy mehr als 15 Mrd. US-Dollar Umsatz im Rechenzentrumsgeschäft in Aussicht.
- Das Management peilt für die Geschäftsjahre 2027 und 2028 Gesamtumsätze von rund 12 beziehungsweise 18 Mrd. US-Dollar an.
- Rosenblatt Securities bestätigt die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 300 US-Dollar und erwartet neue Impulse beim Analystentag Anfang Oktober.
Marktanalyse & Details
Marvell baut Rechenzentrumsgeschäft aus
Marvell Technology profitiert von der anhaltend hohen Nachfrage nach Infrastruktur für künstliche Intelligenz und Cloud-Rechenzentren. CEO Matt Murphy erklärte in einem Interview, das Unternehmen arbeite derzeit auf allen wichtigen Feldern mit hoher Dynamik. Für 2027 erwartet er mehr als 15 Mrd. US-Dollar Umsatz im Rechenzentrumsgeschäft.
Als Wachstumstreiber nannte das Management ein breiter werdendes Angebot aus Interconnect-Lösungen, Switching, Custom Silicon und Scale-up-Konnektivität. Besonders die Custom-ASIC-Umsätze könnten nach Einschätzung von Rosenblatt von 2027 bis 2029 um mehr als 100 % wachsen. Eine Vereinbarung mit Google unterstreicht laut Murphy zudem, dass große Kunden Marvell als strategischen Entwicklungspartner einbinden wollen.
Murphy führt den Wettbewerbsvorsprung des Konzerns nicht auf einen kurzfristigen KI-Trend zurück. Der technologische Burggraben sei über rund zehn Jahre aufgebaut worden. Die Positionierung als neutraler Anbieter, der mit verschiedenen Kunden und Plattformen arbeitet, soll dabei die Abhängigkeit von einzelnen Abnehmern begrenzen.
Ambitionierte Prognosen, aber unterschiedliche Bezugsgrößen
Das Management hat seine Umsatzprognosen für die Geschäftsjahre 2027 und 2028 um 500 Mio. beziehungsweise 1,5 Mrd. US-Dollar auf rund 12 beziehungsweise 18 Mrd. US-Dollar angehoben. Diese Prognosen beziehen sich auf den Gesamtumsatz des jeweiligen Geschäftsjahres. Die separate CEO-Aussage von mehr als 15 Mrd. US-Dollar Rechenzentrumsumsatz für 2027 enthält dagegen keine genaue Abgrenzung des Zeitraums. Beide Angaben sollten deshalb nicht ohne Weiteres direkt miteinander verrechnet werden.
Die Aufwärtsrevision beim Umsatz schlägt sich zudem nicht vollständig im Gewinn je Aktie nieder. Höhere operative Kosten und die Verwässerung durch Übernahmen begrenzen laut Rosenblatt die entsprechenden EPS-Anhebungen auf etwa 3 % für 2027 und 6 % für 2028. Die Bruttomarge soll nach den aktuellen Erwartungen bis zum Geschäftsjahr 2028 zwischen 57,5 und 58,5 % liegen.
Aktie mit starkem Momentum
Die Marvell-Aktie hat binnen eines Jahres 241 % zugelegt und damit Broadcom deutlich übertroffen. Am 9. September 2026 notierte sie an der Lang & Schwarz Exchange bei 194,22 Euro, im Tagesvergleich lag sie 0,38 % im Plus. Seit Jahresbeginn summiert sich der Anstieg auf 166,6 %. Nach einer Rally von fast 50 % seit dem Juli-Tief ist damit allerdings bereits viel Wachstumserwartung im Kurs enthalten.
Analysten-Einordnung
Dies deutet darauf hin, dass der Markt Marvell zunehmend als langfristigen Profiteur des KI-Infrastrukturausbaus bewertet und nicht mehr nur als klassischen Halbleiterzulieferer. Rosenblatt Securities bestätigt die Kaufempfehlung und das Kursziel von 300 US-Dollar. Gegenüber dem im Research verwendeten Kurs von 241,45 US-Dollar entspricht dies rechnerisch einem Potenzial von rund 24 %. Die Bewertung basiert auf dem 28-Fachen des für 2029 erwarteten Ergebnisses je Aktie.
Für Anleger bedeutet diese Entwicklung: Der Investmentcase hängt künftig stärker an der Umsetzung als an weiteren Prognoseanhebungen. Entscheidend sind das Wachstum bei Custom ASICs, die Skalierung im Rechenzentrum und ein glaubwürdiger Weg zu einer operativen Marge von mehr als 40 %. Bleibt die operative Entwicklung hinter den hohen Erwartungen zurück, erhöht der starke Kursanstieg zugleich das Rückschlagrisiko.
Fazit & Ausblick
Der Analystentag Anfang Oktober dürfte zum nächsten wichtigen Kurstermin werden. Investoren erwarten dort mehr Transparenz für das Geschäftsjahr 2029 und darüber hinaus, insbesondere zu Google, Speichererweiterungen, dem mehrjährigen Umsatzrahmen und der Margenentwicklung. Bestätigt Marvell die ambitionierten Wachstumsziele, könnte der Rechenzentrumsausbau die Rally weiter stützen. Eine Enttäuschung bei Umsatz, Margen oder Kundenprojekten würde dagegen die hohe Bewertung unter Druck setzen.
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