Amgen-Aktie stürzt ab: Novartis-Studienflop belastet Olpasiran trotz Lungenerfolg

Amgen Inc. AI Generated

Kurzüberblick

  • Die Amgen-Aktie steht am 8. September 2026 wegen des Novartis-Rückschlags bei Pelacarsen deutlich unter Druck.
  • Der Misserfolg stellt die Wirksamkeit von Lp(a)-senkenden Therapien infrage und belastet Amgens Entwicklungsmedikament Olpasiran.
  • Amgen und AstraZeneca meldeten zugleich positive Phase-3-Daten für Imdelltra beziehungsweise Tarlatamab plus Imfinzi bei kleinzelligem Lungenkrebs.
  • Amgen notiert bei 339,45 Euro, liegt damit 5,42 Prozent im Minus und seit Jahresbeginn noch 21,86 Prozent im Plus.

Marktanalyse & Details

Novartis-Rückschlag trifft Amgens Lp(a)-Hoffnung

Die Amgen-Aktie geriet am Dienstag massiv unter Druck, nachdem Novartis mitgeteilt hatte, dass die Herz-Kreislauf-Therapie Pelacarsen in einer wichtigen Studie das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse nicht stärker senkte als ein Placebo. Die US-gehandelte Novartis-Aktie verlor daraufhin rund 14 Prozent. Amgen fiel im Handelsverlauf zeitweise um mehr als 9 Prozent und war damit auf dem Weg zum stärksten Tagesverlust seit Oktober 2000.

Im Zentrum der Sorgen steht Olpasiran, Amgens noch nicht zugelassene Therapie zur Senkung des Lipoproteins(a), kurz Lp(a). Der Wirkstoff gehört damit zu einer Medikamentenklasse, deren medizinischer und wirtschaftlicher Erfolg wesentlich davon abhängt, ob eine Senkung des Biomarkers tatsächlich weniger Herzinfarkte und andere kardiovaskuläre Ereignisse bewirkt.

Analysten sehen klares Risiko für Olpasiran

Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass der Markt den Novartis-Rückschlag nicht als isoliertes Studienproblem bewertet, sondern die gesamte Lp(a)-These neu prüft. Citi-Analyst Geoff Meacham sieht bei Amgen neben Novartis das deutlichste Risiko. Unterschiede im Studiendesign könnten zwar eine Differenzierung ermöglichen, böten nach seiner Einschätzung aber keinen vollständigen Schutz vor den Folgen des Pelacarsen-Ergebnisses.

Barclays-Analystin Emily Field erklärte, der Markt befinde sich nun an dem Punkt, an dem das Ergebnis die grundlegende Annahme infrage stelle, dass eine Lp(a)-Senkung automatisch zu einem besseren Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Zusätzlich belastete eine Abstufung durch BMO Capital Markets die Amgen-Aktie.

Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass der Wert von Olpasiran künftig stärker von den eigenen klinischen Daten abhängen dürfte. Bis zu belastbaren Ergebnissen bleibt das Programm ein bedeutender Bewertungsfaktor mit erhöhtem binärem Risiko: Positive Daten könnten die These bestätigen, ein weiterer Rückschlag würde dagegen die Wachstumserwartungen für Amgens Pipeline deutlich schwächen.

Positive Phase-3-Daten bei kleinzelligem Lungenkrebs

Amgen meldete am selben Tag auch einen wichtigen klinischen Erfolg. Die Phase-3-Studie DeLLphi-305 erreichte bei einer vorab geplanten Zwischenanalyse ihren primären Endpunkt. Imdelltra, auch als Tarlatamab bezeichnet, verbesserte in Kombination mit AstraZenecas Imfinzi das Gesamtüberleben von Patienten mit extensivem kleinzelligem Lungenkrebs gegenüber Imfinzi allein statistisch signifikant und klinisch relevant.

Auch beim progressionsfreien Überleben und bei der objektiven Ansprechrate zeigte die Kombination statistisch signifikante und klinisch relevante Verbesserungen. Die Studie untersuchte Patienten, deren Erkrankung nach einer initialen Behandlung mit Imfinzi, einer Platin-Chemotherapie und Etoposid nicht fortgeschritten war. Neue oder unerwartete Sicherheitssignale wurden laut Amgen nicht festgestellt.

Der Erfolg stärkt Amgens Onkologie-Pipeline und könnte Tarlatamab früher im Behandlungsverlauf etablieren. Kurzfristig konnte die Meldung den Verkaufsdruck jedoch nicht ausgleichen, weil der Novartis-Rückschlag eine breitere Frage zur kardiovaskulären Wirksamkeit der Lp(a)-Klasse aufgeworfen hat.

Aktienkurs zwischen Tagesverlust und Jahresplus

Zum Kurszeitpunkt am 8. September 2026 um 20:55 Uhr notierte Amgen bei 339,45 Euro. Nach dem Tagesverlust von 5,42 Prozent bleibt seit Jahresbeginn ein Plus von 21,86 Prozent. Die positive Jahresbilanz relativiert den Schock nicht, zeigt aber, dass die aktuelle Bewegung auf einen bereits zuvor gestiegenen Kurs trifft.

Fazit & Ausblick

Amgen steht kurzfristig vor einem Vertrauensproblem bei Olpasiran: Entscheidend wird sein, ob die eigenen Studiendaten die Lp(a)-Senkung mit einem konkreten Schutz vor Herz-Kreislauf-Ereignissen verbinden können. Der positive DeLLphi-305-Ausgang liefert zugleich einen wichtigen Gegenpol und verbessert die Perspektiven in der Onkologie. Anleger sollten als Nächstes vor allem auf weitere klinische Daten zu Olpasiran, regulatorische Schritte für Tarlatamab und die Entwicklung der Sicherheits- und Wirksamkeitsprofile beider Programme achten.

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