Lang & Schwarz Aktie: Analyst sieht rund 30 Prozent Kurspotenzial
Aktien im Artikel
Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Eine neue Initiierungsstudie bewertet Lang & Schwarz mit „Buy“ und nennt ein Kursziel von 20 Euro auf zwölf Monate.
- Das Geschäftsmodell soll sich nach dem Ende des früheren Trade-Republic- und PFOF-Beitrags stärker auf strukturierte Produkte stützen.
- Für 2027 werden gegenüber der annualisierten Basis des zweiten Halbjahrs 2026 Zuwächse bei Handelsergebnis und bereinigtem Nettogewinn erwartet.
- Die Aktie notierte am 14. Oktober um 09:10 Uhr bei 15,20 Euro und lag seit Jahresbeginn 31,84 Prozent im Minus.
Marktanalyse & Details
Kursziel und Bewertung
Die Initiierungsstudie setzt für Lang & Schwarz ein Kursziel von 20 Euro und empfiehlt die Aktie zum Kauf. Der Anlagehorizont beträgt zwölf Monate. Ausgehend von 15,20 Euro entspricht das einem rechnerischen Abstand von rund 32 Prozent; die Studie beziffert das Potenzial gerundet auf etwa 30 Prozent. Als Bewertungsargument wird ein erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2027 von 7,9 genannt, gegenüber 10,3 bei Vergleichsunternehmen.
Der Börsenkurs lag am 14. Oktober um 09:10 Uhr 1,62 Prozent unter dem Vortagesschluss und seit Jahresbeginn 31,84 Prozent im Minus. Das unterstreicht, wie stark die Erwartungen an die Folgen des Verbots von Payment for Order Flow (PFOF) und der veränderten Handelsanbindung bereits auf die Aktie drücken.
Strukturierte Produkte gewinnen an Bedeutung
Nach Einschätzung der Studie ist die Ertragskraft des Unternehmens durch den Wegfall früherer Handelsströme zwar verändert, die zugrunde liegende Handelsplattform aber weiterhin werthaltig. Lang & Schwarz stellt nach den Angaben rund 100 Beschäftigte, zwei Rechenzentren und Kapital einschließlich des Fonds für allgemeine Bankrisiken von 207 Millionen Euro bereit. Die Plattform kann demnach Kurse für mehr als 50.000 Wertpapiere stellen und erreicht über 20 Partner mehr als 25 Millionen Privatanleger.
Als besonders ertragsstark hebt die Analyse strukturierte Produkte hervor: Das Segment habe 2025 mit 55 Millionen Euro 38 Prozent des Handelsergebnisses beigesteuert, obwohl es weniger als ein Prozent des Volumens ausmachte. Die Studie erwartet, dass strukturierte Produkte ab der zweiten Jahreshälfte 2026 den Großteil des Konzernergebnisses stellen könnten. Außerdem wird für wikifolio ein wiederkehrender Gebührenbeitrag von geschätzt rund sieben Millionen Euro jährlich vor erfolgsabhängigen Gebühren angesetzt.
Übergang zu einer neuen Ertragsbasis
Das erste Halbjahr 2026 enthält laut Analyse noch die frühere PFOF-Situation und hohe Handelsströme aus der damaligen Trade-Republic-Anbindung. Ab dem dritten Quartal 2026 seien die veränderten Rahmenbedingungen vollständig sichtbar. Deshalb gilt 2027 in der Studie als erstes vollständig eigenständiges Geschäftsjahr. Im Vorjahresvergleich dürfte die außergewöhnliche Vergleichsbasis das Bild verzerren; gegenüber der annualisierten, bereinigten Basis des zweiten Halbjahrs 2026 werden für 2027 jedoch ein um rund sieben Prozent höheres Handelsergebnis und ein um rund 33 Prozent höherer bereinigter Nettogewinn erwartet.
- Zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten sieht die Studie in neuen Partnerschaften und einem geplanten Multi-Market-Maker-Modell.
- Die Zahl der Orders in strukturierten Wertpapieren an ausgewählten deutschen Handelsplätzen sei von 2015 bis 2025 jährlich durchschnittlich um 11 Prozent gestiegen.
- Als längerfristige Nachfragebasis verweist die Analyse auf rund fünf Millionen deutsche Anleger unter 40 Jahren und eine im internationalen Vergleich geringe Verbreitung von Wertpapieranlagen.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass die Kaufempfehlung vor allem auf eine erfolgreiche Anpassung an die Zeit nach PFOF und ein höheres Gewicht strukturierter Produkte setzt – nicht auf eine Rückkehr zu den früheren Handelsströmen. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass das genannte Kurspotenzial an Prognosen für 2027 hängt: Sollten neue Partnerschaften, Kosteneinsparungen oder die erwartete Nachfrage schwächer ausfallen, könnte sich die Erholung verzögern. Auch der deutliche Kursrückgang seit Jahresbeginn zeigt, dass der Markt die Übergangsrisiken bislang hoch gewichtet.
Fazit & Ausblick
Die Studie sieht Lang & Schwarz nach dem PFOF-Umbruch mit einer eigenständigen Ertragsbasis und bewertet die Aktie mit „Buy“. Entscheidend für die weitere Einschätzung werden die Geschäftszahlen ab dem dritten Quartal 2026 und der Nachweis sein, dass strukturierte Produkte und Kostensenkungen die wegfallenden Handelsbeiträge ausreichend kompensieren. Ein konkreter Termin für die nächste Zahlenvorlage liegt in den vorliegenden Angaben nicht vor.
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