IBM-Aktie unter Druck: Analyst sieht Kaufchance durch Software und Quantencomputer

IBM Corp. AI Generated

Kurzüberblick

  • Die IBM-Aktie liegt am 9. September 2026 bei 199,28 Euro und seit Jahresbeginn 23,29 Prozent im Minus.
  • Analyst Amit Daryanani kommt in einer Sum-of-the-Parts-Bewertung auf einen möglichen Eigenkapitalwert von 281 US-Dollar je Aktie.
  • Das Quantencomputing-Geschäft könnte langfristig zusätzliche Milliardenumsätze liefern, ist in der Bewertung aber bislang kaum berücksichtigt.
  • Verzögerte Ausgaben für Mainframe-Software bleiben ein kurzfristiges Risiko für IBMs wichtigste Software-Sparte.

Marktanalyse & Details

Ausverkauf trifft auf Bewertungsargument

Die IBM-Aktie steht nach einem schwachen Jahresverlauf im Fokus von Contrarian-Investoren. Eine vorläufige Ergebnisveröffentlichung im Juli hatte vor schwächer als erwarteten Finanzzahlen und Belastungen im Mainframe-Geschäft gewarnt. Der Markt reagierte darauf mit wachsender Skepsis gegenüber der operativen Dynamik des Konzerns.

Die aktuelle Marktentwicklung unterstreicht den Druck: IBM notiert in Europa bei 199,28 Euro und hat seit Jahresbeginn 23,29 Prozent verloren. Der in der Analystenbewertung verwendete Referenzkurs von 231 US-Dollar ist wegen der unterschiedlichen Währung und Handelsplätze nicht direkt mit dem Eurokurs vergleichbar.

Software, Beratung und Infrastruktur als Kern der These

Amit Daryanani bewertet IBMs Software-, Beratungs- und Infrastrukturgeschäft zusammen mit 281 US-Dollar je Aktie. Damit läge der modellierte Eigenkapitalwert rund 22 Prozent über dem in seiner Analyse verwendeten Kursniveau von 231 US-Dollar und zugleich über seinem Kursziel von 250 US-Dollar. Die Berechnung ist ein Szenario und keine Unternehmensprognose.

  • Das Softwaregeschäft steht für rund 45 Prozent des Konzernumsatzes und ist damit der wichtigste operative Hebel.
  • IBM verfügt nach Einschätzung des Analysten über attraktive Geschäftsbereiche, die vom zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz profitieren können.
  • Das Quantencomputing wird in der Sum-of-the-Parts-Betrachtung im Wesentlichen als zusätzlicher Werttreiber behandelt.

Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass die Investmentthese derzeit weniger auf einem kurzfristigen Gewinnsprung als auf einer Neubewertung einzelner Geschäftsbereiche beruht. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung eine asymmetrische Chance: Software und Beratung können die bestehende Ertragsbasis stabilisieren, während Quantencomputing langfristig zusätzliches Potenzial eröffnet. Dem steht jedoch das Risiko gegenüber, dass die erwartete Dynamik im Kerngeschäft ausbleibt.

Quantencomputer liefern die langfristige Option

IBM will bis zum Ende des Jahrzehnts einen fehlertoleranten Quantencomputer entwickeln. Eine neue Quantenfabrik namens Anderon soll dabei mit einer Unterstützung von 1 Mrd. US-Dollar durch das US-Handelsministerium vorangetrieben werden. Mögliche Einsatzfelder reichen von der Luft- und Raumfahrt bis zur Modellierung von Anleihemärkten.

Susquehanna-Analyst James Friedman beurteilt IBMs Quanten-Roadmap ebenfalls konstruktiv. Als möglichen kurzfristigen Kurstreiber nennt er den Quantum World Congress im späteren September. Entscheidend bleibt allerdings, ob IBM aus technologischen Fortschritten tatsächlich wiederkehrende Umsätze im Milliardenbereich entwickeln kann.

Mainframe-Software bleibt kurzfristiger Belastungsfaktor

Im Mainframe-Geschäft verschieben Kunden offenbar Ausgaben für Transaktionsverarbeitungssoftware. Viele Unternehmen leasen ihre Mainframes über Verträge mit einer Laufzeit von drei Jahren und warten mit zusätzlichen Softwareinvestitionen, bis die Arbeitslasten auf der modernisierten Hardware stärker steigen.

Die Nachfrage wird derzeit teilweise von Hardwareausgaben verdrängt, da entsprechende Kapazitäten knapp sind. Weil Transaktionsverarbeitung den größten Teil des Softwaregeschäfts ausmacht, ist diese Verzögerung für IBM besonders relevant. Sie könnte sich als zeitliche Verschiebung und nicht als dauerhafter Nachfrageverlust erweisen, muss aber erst durch die kommenden Quartalszahlen bestätigt werden.

Fazit & Ausblick

Die IBM-Aktie bietet nach dem Kursrückgang eine klar umrissene Erholungsthese, aber keinen risikofreien Turnaround. Anleger sollten auf die Entwicklung der Softwareerlöse, den Nachholbedarf bei Mainframe-Kunden und die Signale vom Quantum World Congress achten. Gelingt es IBM, die Softwaredynamik zu stabilisieren und Fortschritte beim Quantencomputing zu monetarisieren, könnte die aktuelle Skepsis übertrieben sein. Bleiben diese Katalysatoren aus, dürfte der Bewertungsabschlag zunächst bestehen bleiben.

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