COREWEAVE Aktie: Bernstein sieht noch keinen Boden und senkt Kursziel auf 51 Dollar
Aktien im Artikel
Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Bernstein senkt das Kursziel für CoreWeave von 74 auf 51 US-Dollar und bestätigt die Einstufung Underperform.
- Einzelne CoreWeave-Anleihen rentieren mit rund 15 Prozent – ein Zeichen gestiegener Finanzierungssorgen.
- Der Auftragsbestand wuchs im zweiten Quartal auf 104 Milliarden US-Dollar, doch der Ausbau erfordert hohe Investitionen.
- Die Aktie notierte am 26. Oktober früh bei 46,35 Euro und lag damit 4,63 Prozent im Minus.
Marktanalyse & Details
Finanzierung wird zum zentralen Börsenthema
Die CoreWeave-Aktie steht unter Druck, weil Anleger zunehmend hinterfragen, ob der auf Krediten und hohen Investitionen beruhende Ausbau der KI-Infrastruktur dauerhaft finanzierbar ist. Die Rendite einzelner Unternehmensanleihen ist auf etwa 15 Prozent gestiegen. Das verteuert neue Finanzierungen und signalisiert, dass Gläubiger für das Risiko höhere Erträge verlangen.
Bernstein-Analystin Madison Rezaei senkte ihr Kursziel auf 51 US-Dollar von zuvor 74 US-Dollar und hält an der Einstufung Underperform fest. Sie erwartet zwar nicht, dass CoreWeave ausfällt: Der große Auftragsbestand und eine mögliche Unterstützung durch Nvidia, das rund neun Prozent der Anteile hält, könnten dem Unternehmen Rückhalt geben. Das löst jedoch nicht die Frage, zu welchen Kosten CoreWeave seine Expansion finanzieren kann.
Starkes Wachstum, hoher Kapitalbedarf
Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 112 Prozent auf 2,58 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig weitete sich der GAAP-Verlust je Aktie auf 1,14 US-Dollar aus; der Nettoverlust betrug 626 Millionen US-Dollar. Zinsaufwendungen von 640 Millionen US-Dollar belasteten das Ergebnis. Das bereinigte EBITDA lag bei 1,51 Milliarden US-Dollar, die bereinigte operative Marge bei 59 Prozent.
- Der Umsatzauftragsbestand stieg im Jahresvergleich um 246 Prozent auf 104 Milliarden US-Dollar; nach Quartalsende kamen weitere Kundenverpflichtungen über 25 Milliarden US-Dollar hinzu.
- Die Investitionsausgaben erreichten im zweiten Quartal 9,4 Milliarden US-Dollar. Für das dritte Quartal erwartet CoreWeave 11,5 bis 13,5 Milliarden US-Dollar.
- Das Unternehmen nahm im zweiten Quartal rund 18 Milliarden US-Dollar über Schulden, Wandelpapiere und Eigenkapital auf.
- Für Ende 2026 rechnet CoreWeave mit mehr als 1,85 Gigawatt aktiver Leistungskapazität, gegenüber einer vorherigen Prognose von 1,7 Gigawatt.
Für das dritte Quartal stellt das Management einen Umsatz von 3,45 bis 3,6 Milliarden US-Dollar und ein bereinigtes operatives Ergebnis von 200 bis 260 Millionen US-Dollar in Aussicht. Zugleich sollen die Zinsaufwendungen auf 860 bis 940 Millionen US-Dollar steigen.
Analysten-Einordnung: Der Auftragsbestand belegt eine starke Nachfrage, ist aber nicht mit sofort verfügbarem Geld oder Gewinn gleichzusetzen. CoreWeave muss zunächst erhebliche Mittel in Rechenzentren und Rechenleistung investieren, bevor die vertraglich gebundene Nachfrage Umsatz und Cashflow erzeugt. Dies deutet darauf hin, dass die Börsenbewertung kurzfristig besonders empfindlich auf Kreditkosten, Investitionsbedarf und den Zeitplan der Kapazitätserweiterung reagieren dürfte. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung: Wachstum allein reicht als Argument nicht, solange unklar bleibt, wie profitabel das zusätzlich eingesetzte Kapital wird.
Uneinigkeit über die Bewertung
Die Einschätzungen der Analysten gehen weit auseinander. Während Bernstein ein Kursziel von 51 US-Dollar setzt, bestätigte BofA Securities am 22. Oktober eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 140 US-Dollar und verwies auf den Auftragsbestand von rund 129 Milliarden US-Dollar zu Beginn des dritten Quartals. HSBC bekräftigte dagegen eine Reduce-Einstufung mit einem Kursziel von 39 US-Dollar und sieht die erwartete Kapitalrendite unter den Fremdkapitalkosten. Diese Spannweite macht deutlich, wie stark die Bewertung davon abhängt, ob CoreWeave seine Aufträge mit ausreichender Rendite und tragfähiger Finanzierung bedienen kann.
Auch Elon Musk warnte zuletzt, dass Unternehmen ohne nennenswerte Einnahmen außerhalb von KI-Rechenzentren künftig schwerer Zugang zu Fremdkapital erhalten könnten, und stellte eine Konsolidierung unter Neocloud-Anbietern in Aussicht. Seine Aussagen erhöhen den Druck auf spezialisierte Anbieter wie CoreWeave, ihre Finanzierung und Profitabilität überzeugend darzustellen.
Fazit & Ausblick
Die nächsten wichtigen Hinweise werden mit den Ergebnissen zum dritten Quartal erwartet, die laut Analysteneinschätzung Anfang November anstehen. Entscheidend sind dann neben Umsatz und Kapazitätsausbau vor allem die tatsächlichen Investitionsausgaben, die Finanzierungskosten und der Ausblick auf den freien Cashflow. Bis dahin bleibt die CoreWeave-Aktie ein stark schwankender, kapitalintensiver Einsatz auf anhaltendes KI-Wachstum: Der große Auftragsbestand stützt die Nachfrageperspektive, beseitigt aber nicht das Finanzierungsrisiko.
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