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Matthias v.M. in Börsennews

28.11.2022 10:13

Blogartikelbild Stehen wir kurz vor einer neuen Finanzkrise?

Stehen wir kurz vor einer neuen Finanzkrise?

Das Wort “Finanzkrise” fällt immer öfter. Es sind nicht nur einzelne Akteure, die pessimistisch gestimmt sind, sondern wichtige, staatliche Einrichtungen auf der ganzen Welt. So warnen zum Beispiel die BaFin, die Bundesbank, die EZB, das BIZ aus Basel oder auch die Singapore Monetary Authority. Großbanken wie Barclays machen ebenfalls auf schlechte Signale aufmerksam.

Der erhöhte Stress ist messbar

Allerdings wird dieses Mal eine derartige Krise wohl nicht von den Großbanken ausgehen. Viele Experten sehen eher die Gefahr einer Multikrise, also viele kleinere Probleme, die in Summe die Weltwirtschaft in die Krise manövrieren. Der Composite Indicator of Systematic Stress – kurz: CISS-Indikator – misst den Stress für das Finanzsystem. Höhere Werte als aktuell gab es nur während der Finanz- und Eurokrise.

Die Märkte agieren deutlich nervöser

Mit dem höheren Gefahrenbewusstsein und einer angespannteren Lage musste zuletzt auch die britische Ex-Regierungschefin Liz Truss Erfahrungen machen. Sie wollte die Steuern senken und dafür mehr Schulden aufnehmen. Die Märkte bestraften dieses riskante Vorgehen und sorgten dafür, dass Truss in nur wenigen Tagen ihren Amtssitz wieder verlor.

Eine Multikrise mit verschiedenen Ursachen droht

Drei Ursachen könnten im Zusammenspiel zu einer neuen Krise führen: Der Ukrainekrieg, geopolitische Risiken (insbesondere durch China) für die Lieferketten und die Folgen des Klimawandels

Der Ukrainekrieg

Durch den Ukrainekrieg stiegen bereits die Energiepreise enorm an. Gleichzeitig ist vor allem der globale Süden von den höheren Lebensmittelpreisen bedroht. Sowohl Russland als auch die Ukraine sind und waren vor dem Krieg wichtige Getreide-Exporteure. Auch eine weitere Eskalation des Konflikts konnte drohen. Der Vorfall in Polen zeigt, wie schnell der Krieg auch die NATO zu einer Konfliktpartei machen könnte.

Geopolitische Risiken

Hierunter kann man vor allem die Lage rund um China zusammenfassen. In China gibt es mittlerweile Unruhen als Folge der Zero-Covid Politik. Gleichzeitig könnte der Konflikt mit Taiwan eskalieren. Auch der chinesische Immobiliensektor steckt in der Krise. Im chinesischen Immobilienmarkt stecken etwa 10 % des globalen Vermögens. Die weltweiten Lieferketten sind durch die Politik Chinas bedroht. Auch Demokratien wie die USA oder Brasilien haben mit einer wachsenden Polarisierung zu kämpfen, die in einer Eskalation münden könnte.

Folgen des Klimawandels

Dürre, Brände, Stürme, Überschwemmungen oder Hagel – in den vergangenen Jahren haben wir so einiges gesehen. Diese Extremwetterereignisse sowie Maßnahmen gegen den Klimawandel nehmen weiter zu und können ebenso die Inflation treiben. Gleichzeitig kann die Klimakrise neue Fluchtursachen auslösen, was auch zu politischen Verwerfungen führen kann. In Italien konnten im letzten Sommer teilweise keine Felder mehr bewässert werden. Es kam zu einer echten Wasserknappheit. Solche Situationen haben einen direkten Einfluss auf die ökonomische Situation und könnten die Haushaltssituation in dem angeschlagenen Land weiter verschärfen.

Dieses Fazit lässt sich ziehen

So wirklich neu sind die ganzen Risiken eigentlich nicht. Neu ist aber, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass mehrere Risiken gleichzeitig eintreten und so das Finanzsystem einem besonderen Stresstest unterziehen wird. Man sollte die Situation jedenfalls weiter aufmerksam beobachten.

Siehe auch: Mein Tradingjahr 2022: Performance, Probleme, Aussichten

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