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Lars Weigand in Börsennews

02.03.2026 07:46

Blogartikelbild Peak Nvidia & Massenarbeitslosigkeit durch KI? Sichere Häfen im Blick

Peak Nvidia & Massenarbeitslosigkeit durch KI? Sichere Häfen im Blick

In der aktuellen Ausgabe des Podcasts “Aktientalk” spricht unser Goldesels Michael Flender mit Special-Guest Timo Baudzus – als Urlaubsvertretung für Daniel von Investflow – über die Frage, ob Nvidia nach dem Abverkauf nach den letzten Quartalszahlen seinen Peak gesehen hat.

Darüber hinaus geht es um die Frage, ob uns nach der Massenentlassung durch Block (ehemals Square – entlässt 40 % der Belegschaft) eine Welle der Massenarbeitslosigkeit durch KI droht.

In diesem Zusammenhang blicken Michael und Timo auf Aktien, die vermeintlich als sichere Häfen angelaufen werden könnten.

Warum Nvidia nach sehr guten Zahlen trotzdem abverkauft wurde, ob wir wirklich bald alle arbeitslos werden und welche Aktien in so einem Szenario profitieren könnten, das und vieles mehr erfahrt ihr in der aktuellen Ausgabe bei Apple PodcastSpotify oder direkt bei Youtube.

Die Börse ist aktuell ein Spannungsfeld aus Euphorie für Künstliche Intelligenz und wachsender Skepsis. Hohe Erwartungen an KI‑Profiteure treffen auf reale Fragen zu Wachstum, Margen und Arbeitsplätzen. Im Zentrum stehen dabei Nvidia und der breite Strukturwandel in Software und Infrastruktur — plus ein gleichzeitiger Anlegerdrang in sogenannte sichere Häfen.

Nvidia am Peak? Starke Zahlen, schwache Reaktion

Aktienverlinkung: US67066G1040

Nvidia lieferte erneut beeindruckende Ergebnisse: rund +73 % Umsatzwachstum im Jahresvergleich, getrieben vom Datenzentrumsgeschäft. Trotzdem fiel die Aktie nach den Zahlen deutlich – knapp -5,5 % (nachdem sie zunächst rund 3 % im Plus lag). Die Peergroup um KI‑Infrastrukturwerte wie Broadcom wurden ebenfalls unter Druck gesetzt.

Warum diese Diskrepanz? Drei Gründe sind zentral:

  • Erwartungen vs. Zukunftswachstum: Das aktuell hohe Wachstum von 73 % ist schwer zu halten – besonders wenn Hyperscaler, die derzeit rund 50 % von Nvidias Umsatz ausmachen, an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen und zunehmend Schulden aufnehmen.
  • Bewertung: Selbst wenn das aktuelle KGV von rund 23 auf den ersten Blick moderat wirkt, ist viel Wachstum im Kurs eingepreist. Sollten die Wachstumsraten nachhaltig unter die aktuellen Niveaus fallen, würde der Markt das entsprechend bewerten.
  • Wettbewerb und Margendruck: Neue Hardwarelösungen (z. B. TPUs von Google) sowie Diversifizierung der Käuferbasis können die Bruttomargen belasten.

Fazit: Die Zahlen waren stark – die Marktreaktion signalisiert aber Skepsis. Ob wir „Peak Nvidia“ sehen, ist offen. Kurzfristig könnte die Aktie diese Rücksetzer wieder aufholen; mittelfristig hängt vieles davon ab, wie Hyperscaler investieren und wie schnell Wettbewerber nachziehen.

Hyperscaler, nutzungsbasierte Modelle und die Gefahr für Softwareaktien

Viele Softwarefirmen erleben bereits Verwerfungen: Margendruck und die Diskussion um verbrauchsbasierte Abrechungsmodelle statt teurer Lizenzen. Für reine Nischen‑Tools kann das existenzielle Folgen haben.

Wichtige strukturverändernde Punkte:

  • Unternehmen setzen KI intern ein, um Teams zu verschlanken und Prozesse zu automatisieren.
  • Verbrauchsbasierte Modelle ändern Einnahmenprofile und können kurzfristig zu geringeren Erlösen pro Kunde führen.
  • Bei breiter Anpassung dieser Strategien drohen Kettenreaktionen: weniger Lizenzen, weniger Sales‑Jobs, sinkender Konsum.

Citrini Research: Ein Worst‑Case‑Szenario – wie realistisch ist es?

Ein vielbeachteter, fiktiver Report von Citrini Research skizziert ein mögliches Szenario bis 2028: schnelle Automatisierung in Kombination mit starken Effizienzgewinnen, die zu deutlich höherer Arbeitslosigkeit und damit schwächerem Konsum führen könnten. Die Kettenreaktion würde wie folgt aussehen:

  1. Firmen sparen durch KI massiv Personalkosten.
  2. Arbeitslosigkeit steigt, Kaufkraft sinkt.
  3. Bankbilanzen und Immobilienmärkte leiden, was die Wirtschaft weiter schwächt.

Das ist ein plausibles Worst‑Case‑Szenario, keine Vorhersage. Wichtig ist, dass Politik und Unternehmen jetzt vorausschauend über Ausbildung, Steuern und soziale Sicherung nachdenken – und Anleger das Risiko einkalkulieren.

Block und die Realität: 40% Entlassungen als Vorbote

Aktienverlinkung: US8522341036

Ein konkretes Signal kam kürzlich von Block: CEO Jack Dorsey kündigte an, dass von 10.000 Mitarbeitern etwa 4.000 gehen sollen. Seine Begründung war technisch: Effizienzgewinne durch KI‑Tools ermöglichen kleinere, flachere Teams.

„Wir haben 10.000 Mitarbeiter… wir müssen uns von 4.000 Mitarbeitern trennen.“

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Halo‑Trade: Heavy Assets, Low Obsolescence

Als Gegenbewegung zu KI‑Gewinnern rotieren Anleger in sogenannte Halo‑Werte – kapitalintensive, wenig disruptible Geschäftsmodelle. Halo-Werte zeichnen sich wie folgt aus:

  • Hoher Kapitalbedarf: Fabriken, Minen, Netze, Energieinfrastruktur, Maschinen.
  • Geringes Veralterungsrisiko: Produkte und Dienstleistungen sind schwer von KI zu ersetzen.
  • Stabile Erträge: Dividenden, Rückversicherung, längerfristige Vertragsstrukturen.

Beispiele und Gedanken:

  • Versorger und Netzanbieter mit stabilen Cashflows
  • Rückversicherer wie Munich Re oder Hannover Rück profitieren langfristig von Prämienanpassungen und haben oft hohe Ausschüttungsquoten. Munich Re kündigte eine Dividendenerhöhung an.
  • Rohstoff‑ und Energieunternehmen wie TotalEnergies, Exxon
  • Industrieaktien wie John Deere sind schon stark gelaufen, hier muss man auch auf die Bewertung achten.

Pragmatische Anlagestrategien: Wie schützt man das Depot?

Einige Handlungsempfehlungen, die aus der aktuellen Lage folgen:

  • Valuation zuerst: Kaufe keine Defensive nur wegen des Narrativs. KGV, Free Cash Flow, Dividendenrendite bleiben entscheidend.
  • Moat statt Hype: Firmen mit starken Netzwerken, großen Datensätzen oder regulatorischen Hürden (z. B. SAP, große Rückversicherer) sind robuster.
  • Diversifikation: Kombination aus Wachstumswerten und Halo‑Werten verringert Single‑Theme‑Risiko.
  • Watchlist mit Triggern: Quartalszahlen, Guidance, Hyperscaler‑Capex, Personalentscheidungen (Hiring/Firing), Umstieg auf verbrauchsbasierte Modelle.
  • Liquidität bereit halten: Korrekturen können Kaufgelegenheiten sein; dazu muss Bargeld verfügbar sein.

Fazit

Die Marktlage ist komplex: KI treibt massive technologische Veränderungen und eröffnet Riesenchancen, sie bringt aber auch reale Risiken für Wachstum, Beschäftigung und Konsum mit sich. Nvidia bleibt ein Kernstück der KI‑Hardwarestory, doch die Kursreaktion nach starken Zahlen zeigt, dass Anleger sich mehr Gedanken über zukünftiges Wachstum und Konkurrenz machen.

Parallel wächst Interesse an Halo‑Werten – schwer zu zerstörende, kapitalintensive Geschäftsmodelle mit stabilen Erträgen. Diese Aktien können als Schutz dienen, sind aber nicht automatisch günstig. Langfristig lohnt sich ein ausgewogener Ansatz: Qualitätswachstumsaktien mit nachhaltigen Burggräben plus konservative Kernpositionen in defensiven Branchen.

Wer wachsam bleibt, Kennzahlen priorisiert und flexibel auf strukturelle Signale reagiert, steht besser da als diejenigen, die nur einem einzelnen Narrativ folgen.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert: .

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