
Bei Cloudflare zeigt sich KI-Disruption & warum Daniel Stryker jetzt spannend findet
In der aktuellen Ausgabe des Podcasts “Aktientalk” sprechen unser Goldesel Michael Flender und Daniel von Investflow über die Quartalszahlen von Datadog, Stryker, The Trade Desk und McDonald’s. Außerdem blicken unsere Experten für euch auf die Zahlen von Cloudflare und gehen darauf ein, warum man bei Cloudflare nun den Beginn der KI-Disruption sieht.
Zusätzlich haben wir für euch noch die Zahlen von Rheinmetall und den Großenwahn bei KI-Infrastruktur und Chip-Aktien.
Warum Daniel Stryker spannend findet und wie die Zahlen von Cloudflare, Datadog und McDonald’s ausgefallen sind, das und vieles mehr erfahrt ihr in der aktuellen Podcast-Episode bei Apple Podcast, Spotify oder direkt bei Youtube.
Marktlage: KI treibt weiter, aber die Risiken sind nicht weg
Wir sind mitten in der Berichtssaison. Gerade bei Nebenwerten und Wachstumsaktien sind die Kursreaktionen teilweise brutal. Ein starkes Quartal kann für plus 20 oder 30 Prozent sorgen. Ein schwacher Ausblick reicht oft für zweistellige Verluste.
Der Markt blendet momentan viele Risiken erstaunlich locker aus. Das gilt vor allem für das geopolitische Umfeld rund um Iran und die Straße von Hormus. Zwischenzeitlich hatte Hoffnung auf einen möglichen Waffenstillstand für Erleichterung gesorgt. Aktien hoch, Ölpreis runter. Doch die Lage bleibt fragil. Solche Themen können jederzeit wieder als Korrekturtrigger dienen.
Gleichzeitig läuft der KI-Komplex vielerorts heiß. Vor allem im Halbleiter- und Infrastrukturumfeld wird aktuell fast alles gekauft, was auch nur entfernt nach Rechenzentrum, Server-CPU oder KI-Zulieferer klingt.
Das Problem dabei ist nicht, dass diese Unternehmen grundsätzlich schlecht wären. Das Problem ist, dass kurzfristig sehr viel Perfektion eingepreist sein kann. Und wenn das so ist, reichen solide Zahlen oft nicht mehr. Dann braucht es echte Überraschungen.
Ein weiterer Punkt, den man auf dem Schirm haben sollte, ist die Liquidität im Markt. Wenn in den kommenden Monaten große IPOs auf den Markt kommen, könnte das Kapital aus anderen Bereichen absaugen. Gerade bei sehr ambitioniert bewerteten Aktien ist das ein Risiko, das gerne unterschätzt wird.
OpenAI, Chips und der Größenwahn der KI-Infrastruktur
Ein Thema, das perfekt zur aktuellen Marktphase passt, ist die gigantische Aufrüstung bei Rechenleistung. Die Dimensionen, über die inzwischen gesprochen wird, sind fast absurd.
Im Raum stehen Deals über mehrere Gigawatt an Stromkapazität für KI-Rechenzentren. Allein die Größenordnungen zeigen, wie teuer das Ganze werden kann. OpenAI hat sich wohl in verschiedensten Konstruktionen gewaltige Kapazitäten gesichert oder zumindest in Aussicht gestellt, unter anderem bei Oracle, Microsoft, CoreWeave, Google Cloud, Cerebras und AMD-nahen Strukturen.
Der springende Punkt ist aber: Wer finanziert das am Ende?
Wenn Chipdesigner und Zulieferer wie Broadcom auf Garantien bestehen, dann wird schnell klar, dass KI-Infrastruktur nicht nur ein Technologie-, sondern auch ein Finanzierungsproblem ist. Solange Kapital da ist und der Markt an das Wachstum glaubt, funktioniert das Modell. Wenn dieses Vertrauen aber Risse bekommt, kann das schnell für Unruhe sorgen.
Noch ist davon an der Oberfläche wenig zu sehen. Aber genau solche Themen können später zum Auslöser für stärkere Schwankungen werden.
DataDog: Starke Zahlen und ein Befreiungsschlag für den Softwaresektor
Eine der stärksten Bewegungen der Woche kam von DataDog. Die Aktie war in den vergangenen Monaten im Zuge des Software-Abverkaufs ordentlich unter Druck geraten. Umso wichtiger war dieses Quartal.
Und das hatte es in sich:
- Umsatz von über 1 Milliarde US-Dollar
- Wachstum von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr
- Beschleunigung gegenüber den vorherigen Quartalen
- Verbesserung bei der Profitabilität
- Rule of 40 von knapp 65 Prozent
Damit zeigt DataDog genau das, was viele bei High-Growth-Softwarefirmen lange sehen wollten: nicht nur Wachstum, sondern auch Fortschritte in Richtung Ergebnisqualität.
Besonders bemerkenswert ist, wie stark sich das Unternehmen seit 2020 entwickelt hat. Der Umsatz hat sich in dieser Zeit mehr als versiebenfacht. Solche Wachstumsstorys gibt es nicht oft.
Gleichzeitig ist DataDog auch ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig die Bewertung ist. Trotz des massiven Kurssprungs liegt die Aktie gerade einmal leicht über dem Niveau von vor zwei Jahren. Das klingt verrückt, wenn man das operative Wachstum danebenlegt. Aber es zeigt eben: Wenn ein Unternehmen zu teuer an die Börse kommt oder in einer Euphoriephase zu hoch bewertet wird, kann es Jahre dauern, bis es in die Bewertung hineinwächst.
Die starken Zahlen haben nicht nur DataDog geholfen, sondern dem gesamten Softwaresektor Rückenwind gegeben. ServiceNow, Cybersecurity-Werte und andere Cloudtitel wurden direkt mit nach oben gezogen. Das war mal wieder ein echter kleiner Befreiungsschlag für ein Segment, das zuletzt häufig nur noch Prügel kassiert hat.
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Cloudflare: Operativ top, aber hier sieht man die KI-Disruption plötzlich glasklar
Bei Cloudflare wurde es richtig spannend. Die Zahlen an sich waren stark. Das Unternehmen wuchs erneut um 34 Prozent, der Umsatz lag bei 640 Millionen US-Dollar, der Bruttogewinn stieg deutlich und auch beim Nettoverlust gab es eine klare Verbesserung. Cloudflare bewegt sich also ebenfalls Schritt für Schritt Richtung Profitabilität.
Eigentlich genau das, was man als Aktionär sehen will. Und trotzdem wurde die Aktie nach den Zahlen abverkauft. Warum? Zum einen, weil die Bewertung extrem hoch ist. Cloudflare gilt seit Jahren als ein Unternehmen, das quasi für Perfektion bewertet wird. In so einem Umfeld reicht es nicht, einfach nur gut zu sein. Man muss die Erwartungen deutlich schlagen und idealerweise den Ausblick anheben.
Zum anderen kam aber noch etwas viel Interessanteres dazu: Cloudflare kündigte an, rund 20 Prozent der Belegschaft abzubauen. Das wären etwa 1100 Stellen. Gleichzeitig gibt es aber weiterhin hunderte offene Positionen. Es geht also nicht um einen klassischen Krisen- oder Sparmodus.
Der CEO hat sehr klar beschrieben, was passiert: Die interne Nutzung von KI-Tools sei in drei Monaten um 600 Prozent gestiegen. Viele Aufgaben, die früher von Teams im Backoffice oder in klassischen operativen Rollen erledigt wurden, lassen sich nun durch KI-Agenten automatisieren oder stark verdichten.
Anders gesagt: Cloudflare braucht nicht einfach weniger Leute, sondern andere Leute.
Besonders in produktnahen und wachstumsorientierten Bereichen werden neue Rollen gebraucht. Gleichzeitig werden traditionelle Prozesse verschlankt. Das ist genau die Art von Entwicklung, über die seit Monaten spekuliert wird. Nur sieht man hier jetzt erstmals sehr deutlich, wie daraus reale Unternehmensentscheidungen werden.
Das macht Cloudflare zu einem der spannendsten Beispiele der aktuellen Berichtssaison:
- starkes operatives Wachstum
- fortschreitende Profitabilität
- hohe Bewertung
- und erstmals sichtbare KI-bedingte Umstrukturierung im Personalbereich
Damit ist klar: KI-Disruption ist nicht mehr nur Theorie. Sie ist in den Zahlen und Maßnahmen der Unternehmen angekommen.
McDonald’s: Operative Exzellenz schlägt Lärm
Mal weg von KI, Cloud und Software. Es gibt tatsächlich auch noch Unternehmen aus der ganz klassischen Old Economy, die einfach seit Jahrzehnten sauber liefern. McDonald’s ist so ein Fall.
Nach einer Phase, in der man das Gefühl hatte, die Kette habe etwas den Draht zum Kunden verloren, sieht es inzwischen wieder deutlich besser aus. Damals war viel Kritik da: Menüs zu teuer, weniger Attraktivität, zu wenig Gegenwert. In den USA hat die Einführung günstigerer Menüangebote, insbesondere der 5-Dollar-Menüs, offenbar wieder gut funktioniert.
Die aktuellen Zahlen waren jedenfalls ordentlich:
- Umsatz von 6,52 Milliarden US-Dollar plus 9 Prozent
- Same Store Sales bei 3,8 Prozent und damit leicht über den Erwartungen
- starke Entwicklung international, unter anderem in Frankreich, Australien und Deutschland
McDonald’s ist kein aufregender KI-Hype-Wert. Aber das Unternehmen zeigt immer wieder, was starke operative Qualität bedeutet. Prozesse, Markenstärke, Preissetzung, internationale Skalierung und Anpassungsfähigkeit sind dort seit Jahrzehnten auf sehr hohem Niveau.
Natürlich kann man über die Produkte diskutieren. Muss man auch gar nicht schönreden. Aber aus Investorensicht ist McDonald’s seit langem ein Paradebeispiel für ein solides Basisinvestment. Gerade in Marktphasen, in denen Technologieaktien extrem schwanken, wird dieser Unterschied oft besonders sichtbar.
Charttechnisch muss man die Aktie daher jetzt im Blick haben. Schaut dafür gerne nochmal in unsere vorletzte Topstory rein.
Rheinmetall: Wenn hohe Erwartungen auf erste operative Dellen treffen
Bei Rheinmetall kommt gerade etwas Ernüchterung in den Markt. Eine Abstufung durch JPMorgan hat zusätzlich Druck erzeugt. Das Kursziel wurde deutlich gesenkt, von 2130 auf 1500 Euro, das Rating ging von Overweight auf Neutral.
Solche Analystenreaktionen sind oft nicht sonderlich elegant getimt. Häufig laufen sie der Kursentwicklung eher hinterher, statt sie vorauszudenken. Aber ganz aus der Luft gegriffen kam die Skepsis diesmal nicht.
Die vorläufigen Zahlen waren schwächer als erhofft:
- Umsatz bei 1,94 Milliarden Euro
- Erwartet wurden rund 2,3 Milliarden Euro
- Wachstum von nur 7,7 Prozent
Das ist angesichts der hohen Erwartungen und der zuvor sehr ambitionierten Bewertung einfach zu wenig. Auch wenn die Jahresprognose bestätigt wurde und Verschiebungen bei Auslieferungen als Grund genannt wurden, zeigt sich hier ein zentrales Risiko des Sektors: Defense ist politisch, bürokratisch und projektgetrieben.
Wenn Abnahmen verschoben werden, Ausschreibungen länger dauern oder Anforderungen angepasst werden, dann zieht sich das direkt durch die Quartale.
Hinzu kommt eine grundsätzliche Debatte über das Produktportfolio. Panzer und klassische schwere Systeme bleiben wichtig, keine Frage. Aber moderne Kriegsführung verändert sich. Drohnen, günstige Abwehrlösungen und flexible Systeme gewinnen an Bedeutung. Genau da fragen sich manche Investoren, ob Rheinmetall im Verhältnis zur Bewertung noch dieselbe Fantasie mitbringt wie vor einigen Monaten.
Das heißt nicht, dass die Langfriststory tot ist. Aber es zeigt: Selbst ein Sektor mit Rückenwind ist nicht immun gegen Übertreibung.
The Trade Desk: Schwacher Ausblick bleibt Gift
Bei The Trade Desk sieht die Lage deutlich unangenehmer aus. Das Unternehmen hat die Umsatzprognose zwar leicht geschlagen und 689 Millionen US-Dollar umgesetzt. Das entspricht einem Wachstum von 12 Prozent.
Das Problem lag aber an anderer Stelle:
- Das Ergebnis pro Aktie lag mit 28 Cent klar unter den erwarteten 32 Cent
- Der Ausblick auf das nächste Quartal blieb unter den Markterwartungen
- Die Profitabilität steht stärker unter Druck
Und genau das ist an der Börse oft der entscheidende Punkt. Nicht das vergangene Quartal bewegt den Kurs nachhaltig, sondern der Blick nach vorn. Wenn dieser enttäuscht, wird es unangenehm.
Die Aktie wurde entsprechend erneut hart abgestraft und nähert sich immer wieder ihren Tiefs. Gerade bei US-Wachstumswerten sieht man häufig, wie gnadenlos der Markt sein kann, wenn Vertrauen fehlt. Da reicht nicht ein okayes Quartal. Es braucht irgendwann einen echten Turnaround-Report, der deutlich über den Erwartungen liegt. Vorher drehen solche Charts oft nicht nachhaltig.
Deshalb gilt hier aktuell ganz klar: Vorsicht. Reinzugreifen, nur weil es optisch günstig aussieht, ist selten eine gute Idee, wenn operativ noch keine Trendwende sichtbar ist.
Die Aktie, die jetzt wirklich spannend wird: Stryker
Stryker ist eines dieser Qualitätsunternehmen, bei denen man sich als Investor jahrelang ärgert, weil es fast nie wirklich günstig wird. Das Unternehmen hat über sehr lange Zeiträume hinweg beeindruckend konstant geliefert. Vor Corona konnte Stryker den Umsatz über Jahrzehnte Jahr für Jahr steigern. Solche Serien sieht man extrem selten. Jetzt gab es aber einen heftigen Sondereffekt: einen massiven Cyberangriff.
Die Folgen waren gravierend:
- Produktionsstillstände über mehrere Tage
- teilweise weltweit Einschränkungen über rund drei Wochen
- Verzögerungen bei Auslieferungen
- deutlicher Miss bei Umsatz und Gewinn
Die Zahlen fielen entsprechend schwach aus:
- EPS bei 2,60 US-Dollar statt erwarteten knapp 3 Dollar
- Umsatz bei 6,02 Milliarden US-Dollar statt erwarteten 6,34 Milliarden
Auf den ersten Blick unschön. Auf den zweiten Blick aber vielleicht eine Chance.
Denn trotz dieses Rückschlags hat das Unternehmen die Jahresprognose bestätigt. Außerdem verweist das Management auf weiterhin starke Nachfrage, insbesondere in den Bereichen:
- Knieoperationen
- Hüftoperationen
- Robotiklösungen
Genau deshalb wirkt die Situation spannend. Der Markt hat die Aktie wegen eines temporären externen Problems abgestraft. Wenn dieses Problem tatsächlich überwunden ist und das operative Kerngeschäft intakt bleibt, könnte genau daraus eine Gelegenheit entstehen.
Auch die Bewertung ist inzwischen deutlich vernünftiger geworden:
- EV/EBIT bei rund 26,8
- Forward-KGV unter 25
- Free-Cashflow-Rendite bei etwa 3 Prozent
Das klingt für viele Aktien immer noch nicht billig. Für Stryker ist das aber im historischen Vergleich durchaus attraktiv. Gerade bei einem Qualitätsunternehmen aus dem Medizintechnikbereich, das über Jahre kaum echte Korrekturen geliefert hat, ist so etwas bemerkenswert.
Natürlich bleibt ein Risiko: Wenn die bestätigte Jahresprognose später doch kassiert werden müsste, wäre das unschön. Aber genau diese Mischung aus kurzfristiger Unsicherheit und langfristig intakter Story macht den Wert aktuell so interessant.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert: Cloudflare, The Trade Desk.
