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Lars Weigand in Börsennews

24.06.2026 23:05

Blogartikelbild Nvidia Aktie viel zu günstig? Pharma Sektor gibt Gas, KI Infrastruktur crasht

Nvidia Aktie viel zu günstig? Pharma Sektor gibt Gas, KI Infrastruktur crasht

In der aktuellen Ausgabe des Podcasts “Aktientalk” sprechen unser Goldesel Michael Flender und Daniel von Investflow über die aktuelle Bewertung von Nvidia und ob das Unternehmen auf dem aktuellen Niveau nicht viel zu günstig bewertet ist.

Außerdem beleuchten unsere Experten die aktuelle Lage im KI Infrastruktur Sektor und im Pharma Sektor.

Zudem geht es um den aktuellen Turnaround bei Novo Nordisk und die Ernüchterung nach dem SpaceX IPO.

Warum Nvidia zu günstig sein könnte, was den Pharma Sektor aktuell attraktiv macht und warum das SpaceX IPO nun doch nicht so erfolgreich war, das und vieles mehr erfahrt ihr in der aktuellen Podcast-Episode bei Apple PodcastsSpotify oder direkt bei YouTube.

Aktuelle Marktlage: starke Indizes, schwache Breite

Was zuletzt ziemlich frustrierend war: Die großen Indizes sehen oft robuster aus, als es sich bei vielen Einzelaktien anfühlt. Während einige Tech Schwergewichte lange Zeit nach oben gezogen haben, kam bei vielen anderen Aktien und Sektoren wenig bis gar nichts an.

In den vergangenen Tagen hat sich dieses Bild aber erneut verschoben. Gerade im Tech-Universum sah man extreme Bewegungen. Speicherwerte und Chipaktien wie Micron oder SanDisk waren zuvor regelrecht explodiert. Teilweise wirkte das schon nicht mehr wie ein normaler Anstieg, sondern wie eine Übertreibung, bei der zu viel heißes Geld in zu kurzer Zeit in denselben Trade läuft.

Passend dazu gab es in Asien einen heftigen Rückschlag. Der Kospi sackte massiv ab, was vor allem mit dem Gewicht von Samsung und SK Hynix zusammenhängt. Wenn diese Schwergewichte deutlich korrigieren, spürt man das sofort im gesamten Index. Solche Bewegungen zeigen, wie fragil Euphoriephasen sein können, wenn zu viele Marktteilnehmer auf denselben Zug aufspringen.

Dazu kommt noch ein weiteres Problem: Es gibt derzeit Anzeichen, dass Kapital aus Aktien abgezogen oder zumindest neu gewichtet werden könnte. Wenn dann gleichzeitig große Techwerte schwächeln, kann sich so ein Abverkauf schnell ausbreiten.

Mittlerweile wurde der Rücksetzer bei den Chip-Aktien allerdings schon wieder deutlich aufgefangen, was insbesondere an den am 24. Juni nachbörslich gemeldeten Zahlen von Micron Technologies lag.

Warnzeichen des Marktes

Neben den Kursbewegungen selbst gibt es auch einige Signale, die man ernst nehmen sollte.

  • Kapitalmaßnahmen in Europa: Unternehmen wie Vonovia und RWE nehmen frisches Kapital auf. Das muss nicht automatisch schlecht sein, zeigt aber die aktuelle Lage bei einzelnen Unternehmen und in manchen Sektoren
  • Unsicherheit bei der Geldpolitik: Während der Markt bislang eher mit Zinssenkungen rechnet, gibt es Stimmen, die sogar weitere Zinserhöhungen für möglich halten. Sollte das tatsächlich eintreten, wäre das vor allem für hoch bewertete Wachstumswerte unangenehm.
  • Schwäche bei Big Tech: Selbst große Namen wie Alphabet wurden zuletzt deutlich abverkauft. Das passiert nicht oft und ist deshalb umso bemerkenswerter.

Gleichzeitig gibt es aber auch positive Einzelnachrichten. Brenntag etwa profitiert von veränderten Lieferketten und hat die Erwartungen für das zweite Quartal übertroffen. Solche Fälle zeigen, dass der Markt nicht pauschal schlecht ist. Er ist nur deutlich selektiver geworden.

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Novo Nordisk: plötzlich wieder Rückenwind

Aktienverlinkung: US6701002056

Novo Nordisk gehört zu den Aktien, die nach einer schwierigen Phase wieder deutlich freundlicher aussehen. Lange Zeit hatte man das Gefühl, dass auf jede gute Nachricht direkt wieder die nächste Belastung folgt. Inzwischen hat sich das Bild aber gedreht.

Ein wichtiger Punkt ist die internationale Expansion. Das Unternehmen drückt in neue Märkte, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate und das Vereinigte Königreich. Zusätzlich wurde in China eine Zulassung beantragt. Das ist strategisch enorm wichtig, weil dort ein riesiger potenzieller Markt wartet.

Noch interessanter ist aber, dass Novo Nordisk auch juristisch Fortschritte macht. Im Zusammenhang mit den Nachahmerpräparaten rund um Semaglutid konnte das Unternehmen erneut vor Gericht gewinnen. Das ist deshalb relevant, weil diese Kopien in Zeiten von Lieferengpässen überhaupt erst in den Markt gedrängt sind. Für Novo Nordisk ist das natürlich ein direkter Angriff auf die eigene Profitabilität und Markenstärke.

Wenn diese Konkurrenz über Umwege zurückgedrängt wird, verbessert das die Ausgangslage deutlich.

Warum Novo Nordisk wieder Momentum hat

Es kommen gerade mehrere Dinge gleichzeitig zusammen:

  • positive Nachrichten zur internationalen Expansion
  • rechtliche Erfolge gegen Nachahmerprodukte
  • ein starker Start der Abnehmpille
  • mögliche weitere Zulassungsimpulse in Europa und China

Besonders die neue Pillenform wird vom Markt sehr aufmerksam verfolgt. Der Start scheint stark gewesen zu sein. Wenn zusätzlich auch die Nachfrage nach den Injektionslösungen stabil bleibt oder sogar steigt, wäre das für den Kurs weiterhin positiv.

Charttechnisch wird die Lage ebenfalls interessanter. Die Aktie hat sich von ihren Tiefs deutlich erholt und wichtige Marken zurückerobert. Wenn daraus nun ein nachhaltiger Trend wird, könnte Novo Nordisk nach langer Schwächephase wieder zu den stärkeren europäischen Pharmawerten zählen.

Pharma Aktien allgemein im Aufschwung

Aktienverlinkung: US00287Y1091

Novo Nordisk ist nicht allein. Der Gesundheitssektor zeigt insgesamt wieder mehr Leben. Das hat auch mit einer großen Übernahme zu tun, die vom Markt erstaunlich positiv aufgenommen wurde.

AbbVie will Capstan Therapeutics für rund 11 Milliarden Dollar übernehmen. Bemerkenswert daran ist nicht nur die Größe des Deals, sondern die Reaktion darauf. Normalerweise werden milliardenschwere Übernahmen beim Käufer eher skeptisch aufgenommen. In diesem Fall legte die Aktie von AbbVie deutlich zu. Das ist ein klares Signal, dass der Markt den strategischen Nutzen sieht.

Warum die AbbVie Übernahme so gut ankommt

AbbVie steht wie viele große Pharmakonzerne vor dem Problem kommender Patentabläufe. Humira ist längst das bekannteste Beispiel. Aber auch andere wichtige Umsatzträger werden auf Sicht nicht ewig unter Patentschutz stehen.

Mit der Übernahme sichert sich AbbVie nun einen Kandidaten, dem enormes Potenzial zugeschrieben wird. Im Fokus steht ein Wirkstoff für mittelschwere bis schwere atopische Dermatitis sowie Asthma. Der mögliche Vorteil ist erheblich: Während bestehende Therapien teilweise im Zweiwochenrhythmus gegeben werden müssen, könnte diese neue Lösung nur noch alle drei bis sechs Monate verabreicht werden.

Für Patienten wäre das ein gewaltiger Fortschritt. Und aus Marktsicht ist genau so etwas spannend. Wer eine etablierte Therapie nicht nur erreicht, sondern im Alltag klar verbessert, hat beste Chancen auf Blockbusterstatus.

Kein Wunder also, dass Analysten und Branchenteilnehmer den Deal als clever einstufen. AbbVie bekommt damit nicht einfach irgendein Projekt, sondern einen potenziell sehr großen Hebel für die Zeit nach den Patentklippen.

Gesundheitssektor als mögliche Rotationschance

Genau hier wird es für Anleger besonders interessant. Wenn Big Tech und KI Infrastruktur zumindest vorübergehend an Momentum verlieren, braucht das Kapital neue Ziele. Der Gesundheitssektor bietet dafür einige Vorteile:

  • solide Geschäftsmodelle
  • häufig starke Cashflows
  • teilweise deutlich vernünftigere Bewertungen
  • weitere Kurstreiber wie Studien, Zulassungen oder Übernahmen

Während bei vielen Techaktien gerade die Frage im Raum steht, wie lange der Investitionsrausch noch finanzierbar ist, wirken viele Pharmawerte wieder kalkulierbarer. Das heißt nicht, dass sie risikolos sind. Aber das Chance-Risiko-Verhältnis ist dort in einigen Fällen deutlich nachvollziehbarer geworden.

KI Infrastruktur: erste echte Risse im Bild?

Der spannendste und gleichzeitig heikelste Bereich bleibt die KI Infrastruktur. Genau dort liefen die Kurse in den vergangenen Monaten fast ohne Pause nach oben. Rechenzentren, Speicher, Netzteile, Chips, Kühlung, alles mit KI Bezug wurde aggressiv gekauft.

Jetzt häufen sich erstmals die Fragezeichen.

Ein Auslöser war die Schwäche bei den großen Techwerten. Alphabet verlor deutlich. Dazu kamen Meldungen über Abgänge wichtiger KI Forscher. Oracle stand ebenfalls unter Druck, unter anderem wegen Stellenabbau. Solche Nachrichten reichen in einem nervösen Markt oft aus, um Gewinnmitnahmen in Gang zu setzen.

Das größere Thema ist aber ein anderes: Der Markt beginnt, die gigantischen Investitionen kritischer zu hinterfragen. Hyperscaler pumpen unfassbar viel Geld in KI Infrastruktur. Solange die Aktien steigen und der Kapitalmarkt bereitwillig neues Geld liefert, funktioniert dieses Spiel. Aber irgendwann stellt sich immer die gleiche Frage: Wann verdient sich das eigentlich zurück?

Das Grundproblem der KI Euphorie

Viele Unternehmen haben ihre freien Cashflows bereits stark belastet, um bei KI vorne mitzuspielen. Reicht das nicht, wird neues Kapital aufgenommen. Solange Investoren begeistert sind, ist das kein Problem. Kippt die Stimmung jedoch, kann sich die Situation schlagartig ändern.

Dann geht es nicht mehr nur um Bewertung, sondern um Finanzierbarkeit. Wenn Aktienkurse fallen, wenn Kapital teurer wird und wenn Investoren eine Bremse fordern, hat das Folgen für die gesamte Lieferkette. Denn die Chipwerte und Infrastrukturanbieter leben am Ende davon, dass die Großen immer weiter investieren.

Noch ist davon nichts offiziell zurückgedreht worden. Aber der Markt versucht meist vorher, dieses Risiko einzupreisen.

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Ist Nvidia jetzt viel zu günstig?

Aktienverlinkung: US67066G1040

Damit sind wir bei der Kernfrage angekommen. Nvidia wird trotz aller Unsicherheit inzwischen von vielen als überraschend günstig angesehen, zumindest im Verhältnis zu Wachstum und Qualität.

Die Argumentation dahinter ist klar: Im Vergleich zu anderen Big Tech Werten liegt die Bewertung beim erwarteten Gewinn nicht besonders hoch. Gleichzeitig rechnen viele Schätzungen auch in den nächsten Jahren noch mit extrem starkem Gewinnwachstum. Wenn ein Unternehmen jährlich weiter um rund 40 Prozent beim Gewinn zulegen kann und gleichzeitig nur mit einem moderaten Forward KGV bewertet wird, sieht das auf dem Papier sehr attraktiv aus.

Genau deshalb sagen manche: Das ist vielleicht gerade die günstigste Big Tech Aktie relativ zu ihrem Wachstum.

Woher die Skepsis kommt

Trotzdem gibt es Gründe, vorsichtig zu bleiben. Ein oft genannter Punkt sind fallende Mietpreise für Rechenleistung auf Basis bestimmter Nvidia Chips. Das deutet darauf hin, dass bei Cloud Kapazitäten mehr Angebot in den Markt kommt. Für manche ist das ein frühes Warnzeichen, dass die Margen im Ökosystem unter Druck geraten könnten.

Man darf dabei aber nicht vergessen: Nvidia verdient primär am Verkauf der Hardware, nicht an der späteren Vermietung durch andere Anbieter. Sinkende Mietpreise treffen also zunächst eher die Betreiber dieser Kapazitäten, nicht direkt Nvidia selbst.

Dazu kommt, dass die Nachfrage nach Nvidia Hardware bislang keineswegs eingebrochen wirkt. Im Gegenteil. Große Verträge, massive Ausbaupläne und der Bedarf der Hyperscaler sprechen bislang weiter für hohe Investitionen.

Das eigentliche Risiko bei Nvidia

Das größere Risiko liegt weniger in der Gegenwart als in der Zukunft des Investitionszyklus. Nvidia profitiert stark davon, dass KI Modelle trainiert werden müssen. In kommenden Phasen könnte sich der Fokus aber stärker in Richtung effizienter Nutzung, Inferenz und spezialisierter Chips verschieben.

Dort wird der Wettbewerb breiter:

  • AMD
  • Intel
  • eigene Chips von Amazon und Google
  • weitere spezialisierte Anbieter

Das heißt nicht, dass Nvidia seinen Vorsprung verliert. Aber es bedeutet, dass das heutige Traumumfeld nicht ewig unangefochten bleiben muss. Und genau deshalb ist die Diskussion so spannend: Die Aktie könnte gemessen an den Schätzungen sehr günstig sein. Diese Schätzungen hängen aber an einem Markt, der gerade dabei ist, erste Ermüdungserscheinungen zu zeigen.

Micron als Beispiel für verzerrte Bewertungen

Aktienverlinkung: US5951121038

Ein guter Vergleich ist Micron. Auch dort sieht die Bewertung auf den ersten Blick fast billig aus. Das Problem: Die Gewinne sind in diesem Geschäft extrem zyklisch. Vor kurzem verdiente das Unternehmen noch kaum Geld oder fuhr sogar Verluste ein. Jetzt explodieren die Gewinne wieder. Dadurch wirken klassische Kennzahlen plötzlich günstig, obwohl sie auf einem sehr hohen Zyklusniveau basieren.

Genau das macht den gesamten Bereich so schwer einschätzbar. Nicht jede niedrige Bewertung ist automatisch ein Schnäppchen. Manchmal spiegelt sie einfach nur einen temporären Margenboom wider, der so nicht dauerhaft bleibt.

Bei Nvidia ist die Lage etwas robuster, weil das Unternehmen technologisch und operativ deutlich stärker positioniert ist. Trotzdem gilt auch hier: Wenn die Umsatzdynamik irgendwann spürbar nachlässt, kann das für den Kurs schnell ungemütlich werden.

SpaceX nach dem Hype: erste Ernüchterung

Aktienverlinkung: US84615Q1031

Zum Schluss noch ein Blick auf SpaceX, weil auch hier das Muster typisch Markt ist. Nach dem starken Start folgten mehrere Verlusttage. Wer im laufenden Handel nach der Eröffnung gekauft hat, lag zwischenzeitlich oft im Minus. Das zeigt, wie schnell Euphorie in Ernüchterung umschlagen kann, wenn die erste Begeisterung abgearbeitet ist.

Besonders wichtig ist hier der geringe Free Float. Wenn aktuell nur ein kleiner Teil der Aktien handelbar ist, können Kurse stark übertreiben. Sobald in den kommenden Monaten deutlich mehr Aktien frei werden, steigt auch die Gefahr, dass frühe Investoren Gewinne mitnehmen.

Langfristig bleibt SpaceX für viele eines der spannendsten Unternehmen überhaupt. Kurzfristig wirkt das Setup aber deutlich riskanter, gerade in einem ohnehin wackligeren Marktumfeld.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert: AMD, Intel, Novo Nordisk.

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