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Lars Weigand in Börsennews

18.05.2023 14:33

Blogartikelbild Encavis bestätigt Prognose – Analysten sehen über 50 % Potenzial

Encavis bestätigt Prognose – Analysten sehen über 50 % Potenzial

Bei der Encavis AG (Ticker: ECV) handelt es sich um einen im MDAX-notierten Wind- und Solarparkbetreiber aus Hamburg. Aktuell erzeugt das in 12 europäischen Ländern tätige Unternehmen über 3,5 Gigawatt an Leistung. Über größtenteils langfristige Abnahmeverträge, sogenannte PPA’s (Power Purchase Agreements), generiert Encavis kalkulierbare und dauerhafte Einnahmen. Zudem wird die Aktiengesellschaft an sich, durch die Gründung von Tochtergesellschaften für die einzelnen Parks, gegen etwaige Insolvenzen abgesichert.

Mehr zum Geschäftsmodell und den Zukunftsaussichten des Unternehmens in unserem großen Goldesel Interview mit dem Sprecher des Vorstands Herrn Dr. Christoph Husmann.

Turbulenzen um die Dividende

Zuletzt hatte das Unternehmen mit einer kompletten Streichung der seit Jahren kontinuierlich gesteigerten Dividende für Aufsehen gesorgt. Das Management hatte verkündet, man wolle die enormen Wachstumschancen nutzen, die der Markt aktuelle biete. In Verbindung mit dem sich verschlechternden Zinsumfeld sah sich das Unternehmen wohl zu diesem unbeliebten Schritt gezwungen, um mehr Liquidität im eigenen Unternehmen zu halten.

Angesichts der jüngsten Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten müssen wir uns besonders auf unsere eigenen Stärken konzentrieren und können uns nicht auf die Zurverfügungstellung externen Kapitals verlassen, um unser starkes Wachstum zu beschleunigen.

Dr. Christoph Husmann – Sprecher des Vorstands der Encavis AG

Die Analysten bleiben jedoch überwiegend positiv gestimmt und die letzten Zahlen konnten auch überzeugen. Vom allgemeinen Trend hin zu Erneuerbaren Energien mal ganz abgesehen.

Die Zahlen zum Q1 2023

Am 15. Mai 2023 hatte Encavis die Zahlen zum ersten Quartal 2023 gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem der gesamte Strommarkt von der Sonderkonjunktur rund um die Ukraine-Krise geprägt war, konnte das Unternehmen sowohl den Umsatz wie auch das Ergebnis leicht steigern.

Das Management erklärte, man habe das Vorjahr aufgrund der folgenden Faktoren übertreffen können, obwohl die Strompreise im Jahresvergleich leicht zurückgegangen seien:

  • gesteigertes Produktionsvolumen der Encavis AG durch Erweiterung des Bestandsportfolios im letzten Jahr;
  • Vollkonsolidierung der Stern Energy S.p.A (Beteiligung in Höhe von 80 %);
  • geplante Nachvergütung von niederländischen Solarparks im Rahmen der Einspeisevergütung (SDE+).

Der Vorstand bestätigte die im März 2023 ausgegebene Prognose für 2023 sowie die beschleunigte Wachstumsstrategie bis 2027.

Im Details konnte Encavis die Stromproduktion von 710 Gigawattstunden (GWh) um 6 % auf 753 GWh steigern. Die Umsätze legten um 9 % von zuvor 90,4 Millionen EUR auf nun 98,8 Millionen EUR zu (Strompreisbremse bereits herausgerechnet). Hierbei erzielte das Solarportfolio rund 56 % und das Windportfolio etwa 31 % des Umsatzes. Das Solarportfolio schnitt hierbei besser ab als im Vorjahr, was im Wesentlichen auf die Vollkonsolidierung der Stern Energy S.p.A. zurückzuführen war.

Das Windportfolio musste einen Rückgang um gut 11 % in Kauf nehmen, da die Windverhältnisse sich verschlechtert und die Strompreise wie beschrieben zurückgegangen waren. Die restlichen Umsätze entfallen auf das Segment Assetmanagement, hier berät Encavis institutionelle Investoren bei Kapitalanlagen rund um das Thema erneuerbare Energien.

Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abgaben (EBITDA) lag mit 64,3 Millionen EUR nahezu auf Vorjahresniveau (64,4 Millionen EUR). Die EBITDA-Marge ging allerdings von 71 auf nun 65 % zurück. Dieser Rückgang wurde allerdings mit dem stärkeren Service-Geschäft der Stern Energy S.p.A. begründet. Im nächsten Quartal rechnet man im Dienstleistungsgeschäft wieder mit einer stärkeren EBITDA-Marge. Das operative Ergebnis (EBIT) lag bei 35,3 Millionen EUR und somit leicht über dem Vorjahresquartal (34,8 Millionen EUR). Die EBIT-Marge lag daher bei 36 % gegenüber 38 % im Q1 2022. Das operative Ergebnis pro Aktie lag mit 0,09 EUR einen Cent über dem Vorjahr.

Encavis hatte zudem im ersten Quartal zwei italienische Solarparkprojekte gekauft und ein Schuldscheindarlehen ausgegeben.

Trotz ungünstigerer Wetterbedingungen und leicht gesunkener Strompreise, schauen wir auf ein erfolgreiches erstes Quartal 2023. Unser wichtigster Wachstumstreiber ist der planmäßige Kapazitätsaufbau unseres Wind- und Solarparkportfolios. Hier sind wir mit dem Erwerb der beiden italienischen Solarparkprojekte in Montalto di Castro und Montefiascone (zusammen 93 Megawatt) und der erfolgreichen Emission des Grünen Schuldscheindarlehens über 210 Millionen Euro im ersten Quartal 2023 zwei wichtige Schritte zur Erreichung unserer Ziele des laufenden Geschäftsjahres vorangekommen.

Dr. Christoph Husmann – Sprecher des Vorstands und CFO der Encavis AG

Der Ausblick für 2023

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Vorstand der Encavis AG mit einem Umsatz von etwas mehr als 440 Millionen EUR (nach Abzug der Strompreisbremse). Im Vorjahr lag der Umsatz noch bei 462,5 Millionen EUR. Für das EBITDA erwartet das Unternehmen etwa 310 Millionen EUR, im Jahr 2022 waren es 350 Millionen EUR. Das EBIT soll ebenso von 198,3 auf mehr als 185 Millionen EUR zurückgehen. Der operative Cashflow soll mit 280 Millionen EUR knapp 50 Millionen EUR unter dem Vorjahr liegen. Das operative Ergebnis pro Aktie soll über 0,60 EUR und somit mehr als im Vorjahr (genau 0,60 EUR) betragen.

Das sagen die Analysten

Trotz der zuletzt komplett gestrichenen Dividende und den rückläufigen Strompreisen bleiben die Analysten optimistisch, was das Potenzial der Encavis-Aktie betrifft.

Die Privatbank Berenberg blieb ihrem “buy”-Rating für die Aktie nach den Zahlen zum 1. Quartal treu und bestätigte das Kursziel von 26 EUR (aktuell etwa 58 % Potenzial). Analyst Thomas Junghanns sprach von übertroffenen Umsatzerwartungen und einem EBITDA, das ebenfalls über den Erwartungen lag. Angesichts der fallenden Strompreise und den schlechten meteorologischen Bedingungen zeige diese Entwicklung, wie wichtig der Ausbau der Produktionskapazitäten sei.

Die Analysten von Warburg Research senkten ihr Kursziel nach den Zahlen von 21,40 auf 20,40 EUR, blieben jedoch mit ihrem Rating auf “buy”. Hier betonten die Experten die starken Zahlen zum ersten Quartal, die auch für ein besser als erwartetes Gesamtjahr 2023 sprechen würden. Das gesenkte Kursziel habe man aufgrund von gestiegenen Fremdkapitalkosten gewählt, so Analyst Jan Bauer.

Die Investmentbanker von Hauck & Aufhäuser stufen die Aktie von Encavis auch weiter mit “buy” und einem Kursziel von 24 EUR ein. Es läge ein gutes Quartal hinter dem Unternehmen und die Ziele für 2023 seien in Reichweite. Der Analyst Simon Jouck betonte in seiner Studie, dass die fallenden Preise für Solarmodule dem Unternehmen in die Karten spielen würden.

Charttechnik

Der Chart von Encavis – ist die Bodenbildung abgeschlossen? – Quelle: stock3.com

Nach der Meldung über die gestrichene Dividende fiel die Aktie kurzzeitig fast bis auf 14 EUR. Es ist zu vermuten, dass auch viele Fonds die Papiere von Encavis aufgrund dieser Entwicklung verkaufen mussten. Die weiteren Investoren schienen den Argumenten von Vorstandssprecher Dr. Husmann jedoch etwas abgewinnen zu können und die Aktie konnte sich schnell wieder erholen.

In der Zone um 15 EUR konnte zunächst ein Boden gebildet werden. Aktuell befindet sich der Kurs noch knapp über 16 EUR (Stand 18. Mai, 09:40). Hier unterstützt ein Verlaufstief von Anfang des Jahres und die 50-Tage-Linie (SMA50 – gelb). Sollte dieser Bereich halten, könnte die Widerstandszone im Bereich von 17 EUR im aktuell freundlichen Marktumfeld zeitnah wieder angelaufen werden. Bei einem Kursrückgang auf nachhaltig unter 16 EUR sollte man sich allerdings erstmal an die Seitenlinie begeben.

Wer bei einem Trade auf ein Derivat setzen möchte könnte die WKN TT2NGH nutzen (HSBC – Hebel 3,18).

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Fazit

Nach dem Schock um die gestrichene Dividende hat sich die Aktie von Encavis mittlerweile wieder erholt. Vorstandssprecher Dr. Christoph Husmann hatte auch in unserem Goldesel-Interview betont, man werde die Wachstumsstrategie des Unternehmens vorantreiben und somit gleichzeitig auch im Interesse der Aktionäre handeln. Natürlich waren Dividendeninvestoren über den vom Vorstand gewählten Schritt nicht begeistert, aber wenn das Management die Wachstumschancen nutzen kann, die der Markt aktuell scheinbar bietet, könnte dies auch zukünftig eine freudige Entwicklung für uns Aktionäre bedeuten. Die Wiedereinführung der Dividende sollte ebenfalls eines Tages wieder möglich sein.

Encavis wird auch weiterhin vom Trend hin zu Erneuerbaren Energien profitieren und ist mit seinem stabilen Geschäftsmodell in einer spannenden Position.

Mehr zum Thema erneuerbare Energien in unserer Clean Energy Reihe.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Der Autor ist im besprochenen Wertpapier bzw. Basiswert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert (Encavis AG). Transparenzhinweis: Die im Artikel vorgestellten Derivate werden durch die Redaktion ausgesucht. Wir arbeiten aber mit ausgewählten Emittenten zusammen, die mit der Goldesel Trading & Investing GmbH in einer Geschäftsbeziehung stehen. Bitte beachten Sie: Der Handel mit Derivaten ist mit einem erheblichen Risiko verbunden und kann unter Umständen zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.

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