
Dieser Sektor bietet Chancen & Qualitätsunternehmen im Blick
In der aktuellen Ausgabe des Podcasts “Aktientalk” sprechen unser Goldesel Michael Flender und Daniel von Investflow über die aktuell Lage am Markt und und einen Sektor, der aus ihrer Sicht Chancen bieten könnte.
Außerdem geht es um das Klumpenrisiko von Microsoft im Zusammenhang mit OpenAI und mögliche Chancen bei abgestraften Qualitätsaktien.
Welcher Sektor mittelfristig interessant sein könnte, was für Microsoft zum Problem werden könnte und warum man vielleicht doch einfach in ETFs investieren sollte, das und vieles mehr erfahrt ihr in der aktuellen Ausgabe bei Apple Podcast, Spotify oder direkt bei Youtube.
Warum die Märkte gerade so „verrückt“ wirken
Ein zentraler Punkt der aktuellen Volatilität ist der Mix aus Politik und Märkten. Als Beispiel dient der jüngste Schlagabtausch rund um den Iran. Die ständig neuen Headlines im Minutentakt sorgen für massive Verunsicherung an den Märkten und auch alle Infos, die wir im Podcast besprochen haben, wurden mittlerweile schon wieder mehrfach dementiert und das Gegenteil wurde behauptet.
Energiekrise als Risiko: Was passiert, wenn Optimismus kippt?
Der entscheidende Punkt für Anleger ist weniger die Frage „Gab es Verhandlungen?“, sondern die Frage „Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit einer echten Energieknappheit?“ Denn wenn es wirklich zu einer Unterbrechung der Lieferketten kommt, reden wir nicht über ein bisschen erhöhte Schlagzeilenlage, sondern über reale Effekte in der Wirtschaft.
Wenn ein paar wenige Tage Transportengpässe oder Verfügbarkeitsprobleme entstehen, können sich die Konsequenzen schnell hochschaukeln. In Asien könnte nach dem Eintreffen der letzten LNG-Tanker in wenigen Tagen möglicherweise die größte Energiekrise den vergangenen Jahrzehnte eintreten.
Warum „Qualität“ gerade wieder gegen die Panik gewinnt
Bei allem Chaos gibt es einen Silberstreif am Horizont: In Phasen wie dieser werden häufig die besten Unternehmen an der Börse kurzzeitig „mit runtergezogen“, obwohl die Fundamentaldaten nicht zwingend schlechter geworden sind. Manchmal ist es primär die Bewertung, die leidet.
Ein konkretes Beispiel für dieses Muster: BlackRock. Monströse Zahlen, aber dennoch ein deutlicher Rücksetzer, weil gleichzeitig Sorgen rund um den Private-Credit-Markt kursierten. Das zeigt: Aktien reagieren nicht nur auf Kennzahlen, sondern auf die „Stimmung um die nächste potenzielle Gefahr“.
Die gute Nachricht: Wenn Bewertung runtergeht, kann das langfristig wieder Chancen eröffnen, vor allem wenn Unternehmen weiter liefern. Die schlechte Nachricht: Man muss aushalten können, dass die Märkte nicht linear sind.
OpenAI, Microsoft und die Risiken
Parallel zum geopolitischen Thema läuft das zweite große Narrativ: KI. Und hier passiert etwas, das viele Anleger unterschätzen: KI ist nicht nur „innovativ“. KI ist auch finanziell, strategisch und rechtlich hochkomplex. Das bedeutet: Selbst wenn ein Produkt beeindruckend wirkt, können Abhängigkeiten und Risiken die Bewertung stark beeinflussen.
OpenAI und die Abhängigkeit von Microsoft
OpenAI soll eine Art Risiko-Dokument veröffentlicht haben, in dem unter anderem die Abhängigkeit von Microsoft als große Schwachstelle genannt wird. Das ist für viele ein offenes Geheimnis, weil Microsoft schon sehr früh investiert hat. Aber: An den Märkten wird Abhängigkeit gerne als „Konzentrationsrisiko“ interpretiert. Und Microsoft wird dann automatisch mitgeprüft.
Im Raum steht außerdem ein Ziel, das Dimension hat: eine weitere Finanzierung in Höhe von über 100 Milliarden Dollar für die Zukunft. Dazu kommen typische „KI-Realitätschecks“: hohe Capex, Abhängigkeit von Rechenressourcen und bestehende Rechtsstreitigkeiten.
Der wichtigste Satz für Anleger ist vielleicht: Wenn OpenAI unter Druck gerät, kann das Märkte mitreißen.
Werbung bei KI: Meta holt Vertriebsleiter, aber es hakt
Ein weiteres Detail, das spannend ist: OpenAI versucht sich offenbar verstärkt im Werbegeschäft. Dazu wurde ein Vertriebsleiter von Meta eingestellt, mit dem Ziel, in diesem Jahr etwa 17 Milliarden Umsatz mit Endkunden zu generieren.
Aber hier kommt das typische Problem: Tests sind noch nicht „verlässlich messbar“. Bei einem Pilot wurden unter anderem Probleme genannt, die Wirksamkeit der Anzeigen überhaupt nachzuvollziehen, weil die Anzeigen zu wenig Nutzern erreicht hätten. Außerdem wirkt das Setup nicht wie ein kleines Spielgeldprojekt: Für eine Testphase wurden 60 Dollar pro 1.000 Anzeigenaufrufe berechnet, und Werbetreibende mussten direkt Budgets in der Größenordnung von 200.000 Euro committen. Das ist Premium-Werbefläche, nur eben mit Unsicherheiten.
Claude von Anthropic: Das nächste „Control“-Upgrade
Während OpenAI also mit Abhängigkeiten und Risiken kämpft, wirkt Anthropic mit Claude in der Wahrnehmung vieler Marktbeobachter gerade sehr dynamisch. Claude kann nun über das Smartphone mit dem Computer „verbunden“ werden und Aufgaben direkt am Bildschirm erledigen. Also nicht nur Texte generieren, sondern wirklich Workflows ausführen: PDF öffnen, exportieren, in Ordner ablegen, und so weiter.
Deutsche Aktien: Wenn Qualität fällt, weil Analysten das Narrativ drehen
Neben dem KI-Blick hier ein Fokus auf den deutschen Markt, genauer: Aktien, bei denen das Chartbild und das Analystenkommentarbild auseinanderlaufen können.
Bei SAP hat JP Morgan das Kursziel von 260 Euro auf 175 Euro gesenkt und von „Übergewichten“ auf „neutral“ abgestuft. Die Begründung: erwartete Wachstumsbeschleunigung und Margenexpansion könnten ausbleiben, weil Cloud-vertraglich zugesicherte Erlöse bei der Migration in die Cloud eher abnehmen könnten. Zusätzlich: höhere Investitionen, härterer Wettbewerb und potenziell stärkere Ergebnisschwankungen. Auch MTU und Siemens gerieten zuletzt unter Druck, gelten aber weiter als hochqualitative Werte.
Dieser Sektor ist gerade attraktiv
Der „Sektor mit guten Chancen“ ist der Finanzsektor. Die Logik dahinter: Finanzwerte gelten seit Jahrzehnten als relativ stabil, und sie haben Gewinnerstrukturen. Gleichzeitig sind viele Finanzaktien aktuell unter Bewertungsdruck geraten, obwohl die operative Lage nicht zwingend „bricht“.
Was drückt gerade im Finanzsektor?
- US-Kreditkarten-Thema: In den USA kursiert die Angst, dass Kreditkartengebühren gedeckelt werden könnten. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit nicht als extrem hoch eingeschätzt wurde, hat allein die Diskussion die Aktien belastet.
- Private-Credit und Kreditrisiko-Narrativ: Wenn Märkte Angst vor Ausfällen oder Bewertungseinbrüchen in speziellen Kreditsegmenten bekommen, werden Finanzwerte schnell „mit verkauft“.
- KI-Disruption-Angst: Paywalls, Automatisierung, Datenanalyse und KI-gestützte Prozesse können zwar langfristig sogar Effizienz bringen. Aber kurzfristig drückt die Frage „Wird jemand verdrängt?“ auf die Bewertung.
Warum es trotzdem interessant werden kann
Die spannende Anlegerperspektive lautet: Viele Investments sind nicht wegen schlechter Ergebnisse gefallen, sondern wegen Preisfindung und Risikoaufschlägen. Wenn dann die Wachstumserwartungen stabil bleiben, kann Bewertung „zu weit“ runtergehen.
- Kreditkartenaussteller: Visa, Mastercard, American Express. Besonders American Express wurde als bewertungstechnisch interessant beschrieben, unter anderem wegen eines Forward-KGV um etwa 17.
- Finanzmarkt- und Datenanbieter: S&P Global, MSCI, Nasdaq Inc.. Diese litten zuletzt unter KI-Ängsten, gleichzeitig sei die Positionierung und Wachstumsstory grundsätzlich intakt.
- Score- und Kredit-Scoring-Spezialisten: Fair Isaac. Der Markt für Scores ist nicht mehr völlig monopolisierbar, aber die Basis ist weiterhin stark. Die Bewertung sei im Vergleich zu früheren Extreme deutlich „runtergekommen“.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert: Microsoft.

