Boeing mit erneuten Problemen – kann Airbus profitieren?
Der amerikanische Flugzeugbauer Boeing musste am Donnerstag, 13. April, erneut Probleme mit dem Flieger 737 Max vermelden. Es lägen weitere Produktionsmängel vor, weshalb das Unternehmen die Auslieferungen reduzieren müsse. Einige Flugzeuge würden einer erneuten Inspektion unterzogen, hieß es. Laut dem Management bestehe jedoch kein akutes Sicherheitsrisiko und die im Einsatz befindliche Flotte sei nicht betroffen. Kann Airbus als einzig nennenswerter Konkurrent im Duopol profitieren?
Neue Probleme bei Boeing
Das Boeing-Management beschwichtigte zwar, sprach allerdings auch von einer “erheblichen Anzahl” betroffener Maschinen, welche sich aktuell noch in der Bauphase befänden.
Nachdem in den Jahren 2018 und 2019 zwei Flugzeuge dieser Baureihe abgestürzt und 346 Menschen gestorben waren, hatte der amerikanische Flugzeugbauer erhebliche Probleme mit der 737 Max. Die Flugaufsichtsbehörde FAA hatte aufgrund der beiden Unglücksfälle die Auslieferung der Modellreihe lange Zeit untersagt und erst vor wenigen Monaten wieder freigegeben.
Aktionäre und Kunden von Boeing hatten zuletzt gehofft, dass das Debakel um den genannten Flugzeugtyp endlich überwunden ist. Dem scheint allerdings doch nicht ganz zu sein.
Durch die neuerlichen Probleme könnten die Auslieferungszahlen für den 737 Max nach dem Analystenhaus Jefferies nun um rund ein Fünftel niedriger ausfallen als erwartet. Zudem sehen die Analysten den Free Cashflow dadurch um 800 Millionen USD geringer als zuvor geschätzt.
Technische Situation bei Boeing
Boeing hatte Kurstechnisch im Vergleich zu Airbus zuletzt wieder etwas aufgeholt, nachdem die Aktie sich nach Corona, aber eben auch von der 737 Max-Krise, nur schleppend erholt hatte. Der europäische Flugzeugbauer Airbus hingegen hat bereits einen erheblichen Teil der Kursverluste, welche durch die Coronakrise erlitten wurden, wett gemacht.

Airbus als Profiteur?
Zuletzt schien es, als würde Boeing langsam wieder an Airbus vorbeiziehen. Bei den am vergangenen Dienstag gemeldeten Auslieferungszahlen hatte das Unternehmen drei Flugzeuge mehr ausgeliefert als der europäische Konkurrent (127 Flugzeuge in Q1). Im Monat März hatte Boeing die Nase mit 64 Maschinen ebenfalls vorne – Airbus lieferte 61 Maschinen aus.
Vorgestellt haben wir euch Airbus auch in diesem Artikel, schaut gerne rein.
Das europäische Unternehmen Airbus hatte erneut mit Lieferkettenproblemen zu kämpfen und lag daher mit den Auslieferungszahlen 11 % unter dem Vorjahr, obwohl der Flugzeugbauer in diesem Jahr ein ehrgeiziges Ziel von 720 hergestellten Flugzeugen erreichen wollte. Ziel für das Q1 2023 waren ursprünglich 140 Maschinen.
Wohl nicht zuletzt wegen der Nachwirkungen der 737 Max-Krise hatte Airbus allerdings die besseren Ergebnisse bei den Neubestellungen verzeichnet. Im Q1 2023 konnte Airbus bislang Aufträge für 156 neue Flugzeuge einholen. Bei Boeing waren es hingegen nur 120.
Wachstum in China
Airbus gelang es zuletzt, eine Vereinbarung mit dem Luftfahrtkonzern Aviation Industry Corporation of China (AVIC) aus dem Reich der Mitte abzuschließen. Mit dem A320neo möchte der Konzern in China erhebliches Wachstum generieren.
Bereits im vergangenen Jahr hatten chinesische Behörden etwa 300 neue Airbus-Jets bestellt, um dem angestrebte Wachstum im heimischen Flugbetrieb gerecht werden zu können.
Das aktuelle Abkommen sieht vor, dass Airbus in seinem Werk in der chinesischen Metropole Tianjin zukünftig die doppelte Anzahl an Flugzeugen herstellen und an inländische Airlines ausliefern wird. So sollen nun 12 statt zuvor 6 Maschinen pro Monat gebaut werden.
Zukünftig sollen vom Erfolgsflieger A320neo insgesamt 75 Flugzeuge pro Monat gebaut werden. Bislang werden 43 Maschinen pro Monat produziert. Diese Wachstumsraten sind allerdings daran geknüpft, dass das Unternehmen seine Probleme bei der Belieferung mit Komponenten, insbesondere im Bereich der Triebwerke besser managen kann. Aktuell geht Airbus davon aus, dass sich die Lieferschwierigkeiten erst im Jahr 2024 entspannen werden.
Ein weiterer Auftrag
Zuletzt hatte Airbus ebenso vermeldet, dass das isländische Unternehmen Icelandair eine Absichtserklärung zum Kauf von 13 Airbus A321XLR mit Option auf 12 weitere Maschinen unterschrieben hatte. Ein weiterer Rückschlag für Konkurrent Boeing, dessen 757 Flieger mit den neuen Airbus-Maschinen ersetzt werden.
Airbus deutlich schneller erholt

Nach Corona konnte sich Airbus deutlich schneller von der Krise erholen, als dies bei Boeing der Fall war. Der Kurs handelte zuletzt in einer engen Range und scheiterte immer wieder an der Widerstandszone bei etwa 120 EUR. Diese Marke konnte allerdings kürzlich gebrochen werden.
Im Trading-Channel von Goldesel Premium wurde Airbus zuletzt auch als Trading-Idee erwähnt, nachdem die Aktie über das Jahreshoch bei 125 EUR ausbrechen konnte. Mit dem Zertifikat WKN: HG5UQJ könnte man weiterhin am möglichen Ausbruch partizipieren.


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Fazit
Auch wenn Boeing sich charttechnisch noch lange nicht seinem Vor-Corona-Niveau angenähert hat, wie das bei Airbus der Fall ist, bleibt der europäische Flugzeughersteller für mich der Favorit in diesem Duopol. Sollte Airbus die Probleme in der Lieferkette bis nächstes Jahr überwunden haben, so sollten auch die Ergebnisse weiter sehr gut aussehen. Boeing hingegen hat erneut mit Problemen zu kämpfen und scheint die Produktionsprobleme im eigenen Haus immer noch nicht ausgeräumt zu haben. Der aktuelle Ausbruch aus der längeren Seitwärtsphase bietet sowohl für Trader wie auch für langfristige Investoren gute Chancen.
Auch die nächsten Ergebnisse werden wir mit Spannung verfolgen. Hier bereits ein erster Ausblick auf die kommende Berichtssaison.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Der Autor ist in folgenden Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert: Airbus
Transparenzhinweis: Die im Artikel vorgestellten Derivate werden durch die Redaktion ausgesucht. Wir arbeiten aber mit ausgewählten Emittenten zusammen, die mit der Goldesel Trading & Investing GmbH in einer Geschäftsbeziehung stehen. Bitte beachten Sie: Der Handel mit Derivaten ist mit einem erheblichen Risiko verbunden und kann unter Umständen zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.