Amazon-Aktie vor Zahlen: AWS-Kapazität ausverkauft

AWS ist laut Jassy weitgehend bis 2027 ausverkauft. Zugleich warten Nvidia-Systeme auf Strom. Was hinter Amazons milliardenschwerem Ausbau steckt.

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Das Wichtigste in Kürze

  1. Kapazität bis 2027: Laut Reuters sagte Andy Jassy am 23.10., AWS sei weitgehend bis 2027 ausverkauft, mit erheblichen Zusagen bis 2028.
  2. AWS wächst stark: AWS erzielte im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 42,2 Mrd. USD und wuchs gegenüber dem Vorjahr um 37 %.
  3. Hardware trifft Stromengpass: Laut Business Insider steht ein Teil der für AWS beschafften Nvidia-Systeme wegen fehlender Stromkapazität vorübergehend in Zwischenlagern.

Amazon vor Quartalszahlen: Die jüngste Nachricht kommt aus dem Cloudgeschäft. CEO Andy Jassy sagte am Freitag, 23.10., laut Reuters, die AWS-Kapazität sei weitgehend bis 2027 ausverkauft; erhebliche Kundenzusagen reichten bis 2028. Gleichzeitig berichtet Business Insider von milliardenschweren Nvidia-Systemen, die teilweise wegen fehlender Stromkapazität noch in Zwischenlagern stehen. Damit treffen zwei Seiten des KI-Ausbaus aufeinander: Kunden wollen Rechenleistung, doch beschaffte Hardware lässt sich nicht überall sofort einsetzen. Am 29.10.2026 nach US-Börsenschluss soll Amazon laut The Right Trader seine Zahlen für das dritte Quartal veröffentlichen.

Für dich als Leser liegt der Zusammenhang in der zeitlichen Lücke zwischen Nachfrage, Investition und tatsächlicher Nutzung. Die jüngsten Meldungen beschreiben unterschiedliche Stationen dieses Ausbaus. Die bisherigen Quartalszahlen zeigen, wie groß das Cloudgeschäft inzwischen ist und wie viel Kapital Amazon bereits in Infrastruktur steckt.

AWS wächst schneller als der Gesamtkonzern

Die von Reuters berichtete Aussage Jassys reicht über das nächste Quartal hinaus. Weitgehend ausverkaufte Kapazität bis 2027 beschreibt die Nachfrage nach verfügbarer Rechenleistung. Die erheblichen Zusagen bis 2028 verlängern diesen Zeitraum nochmals. Diese Zeitangaben sind keine Umsatzprognose für einzelne Quartale: Sie sagen zunächst, dass Kunden Kapazitäten über einen längeren Zeitraum beanspruchen.

Die Größenordnung zeigt das zweite Quartal 2026, dessen Ergebnisse Amazon am 30.07.2026 veröffentlichte. AWS erzielte 42,2 Mrd. USD Umsatz, ein Plus von 37 % gegenüber dem Vorjahr. Der Nettoumsatz des gesamten Konzerns stieg um 20 % auf 200,6 Mrd. USD. Damit wuchs die Cloudsparte deutlich schneller als Amazon insgesamt und machte rund 21 % des Konzernumsatzes aus.

“AWS is booming, growing 36.7% year-over-year in Q2—our fastest growth in 18 quarters—and our AI and Chips businesses each eclipsed run rates of more than $25 billion,”

Andy Jassy, Amazon-CEO, Mitteilung zum zweiten Quartal 2026

Auch beim operativen Ergebnis hat AWS ein hohes Gewicht. Die Cloudsparte verdiente im zweiten Quartal operativ 16,6 Mrd. USD bei einer Marge von 39,4 %. Amazon insgesamt erreichte 27,5 Mrd. USD operatives Ergebnis. Aus diesen Zahlen ergibt sich: AWS lieferte rund 60 % des operativen Konzernergebnisses, obwohl sein Umsatzanteil wesentlich kleiner war. Deshalb betrifft die Frage nach zusätzlicher Cloudkapazität einen besonders ertragreichen Teil des Unternehmens.

Milliarden an Nvidia-Hardware warten auf ihren Einsatz

Auf der Beschaffungsseite beschreibt Business Insider einen neuen Early-Rack-Receipt-Prozess. AWS soll darüber Nvidia-GB300-Racks im Wert von rund 5 Mrd. USD erhalten haben und weitere rund 3 Mrd. USD monatlich erwarten. Es geht damit um laufende Hardwarebeschaffung in Milliardenhöhe. Der Monatsbetrag entspricht rechnerisch 60 % des genannten anfänglichen Volumens von rund 5 Mrd. USD.

Ein Teil dieser Nvidia-Systeme steht laut Business Insider vorübergehend in Zwischenlagern, weil an AWS-Standorten Stromkapazität fehlt. Das erklärt, warum hohe Kundennachfrage und ungenutzte Hardware gleichzeitig vorkommen können. Die Systeme sind beschafft, aber am vorgesehenen Standort fehlt eine Voraussetzung für ihren Betrieb. Mehr Server allein beseitigen diesen Engpass nicht.

Für Amazon und Nvidia liegt der wirtschaftliche Bezug deshalb an verschiedenen Stellen. Nvidia liefert die Systeme; AWS setzt sie ein, um Rechenleistung für Kunden bereitzustellen. Beschaffung und Nutzung fallen bei den zwischengelagerten Geräten zeitlich auseinander. Die berichteten Milliardenbeträge beschreiben den Hardwarebezug, während Jassys Aussage die Nachfrage nach Cloudkapazität beschreibt. Beide Meldungen gehören zur selben Ausbaugeschichte, messen aber unterschiedliche Dinge.

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Hardware ist noch keine nutzbare Cloudkapazität

Business Insider berichtet, dass ein Teil der Nvidia-Systeme wegen fehlender Stromkapazität zwischengelagert wird. Der Wert beschaffter Racks und die tatsächlich verfügbare Rechenleistung sind deshalb unterschiedliche Größen. Aus einem Hardwarekauf lässt sich kein gleich hoher Cloudumsatz ableiten.

4,8 Mrd. Euro fließen in den Ausbau bei Frankfurt

Ein konkretes Ausbauprojekt liegt in Deutschland. Amazon kündigte am 20.10.2026 Investitionen von mehr als 16 Mrd. Euro für 2027 an und bestätigte die Planung in einer eigenen Unternehmensmitteilung. Davon sind 4,8 Mrd. Euro für AWS- und KI-Infrastruktur in der Region Frankfurt vorgesehen. Diese Ausgaben stehen noch bevor; sie sind keine bereits abgeschlossenen Investitionen.

Die Aufteilung hilft, die Deutschland-Ankündigung einzuordnen. Bezogen auf 16 Mrd. Euro entsprechen 4,8 Mrd. Euro genau 30 %. Weil die Gesamtplanung mehr als 16 Mrd. Euro umfasst, liegt der AWS- und KI-Anteil unter 30 % des angekündigten Gesamtbetrags. Die gesamte Deutschland-Summe als reines Cloudbudget zu behandeln, würde den Infrastrukturanteil also zu groß darstellen.

Frankfurt gibt der ansonsten globalen Kapazitätsgeschichte einen konkreten Standort und einen zeitlichen Rahmen. Die Planung für 2027 fällt in denselben Zeitraum, für den Jassy weitgehend ausverkaufte AWS-Kapazität beschreibt. Daraus ergibt sich der Zusammenhang zwischen Nachfrage und Ausbau. Die Deutschland-Ankündigung nennt allerdings Investitionsbeträge, während die Aussage über ausverkaufte Kapazität Kundenzusagen beschreibt; eine direkte Umsatzhöhe für Frankfurt folgt daraus nicht.

Die Q3-Erwartung liegt knapp über Amazons Umsatzspanne

Für die bevorstehenden Zahlen gibt es zwei verschiedene Vergleichsmaßstäbe. Amazon prognostizierte am 30.07.2026 für das dritte Quartal einen Nettoumsatz von 197 bis 202 Mrd. USD und ein operatives Ergebnis von 22,5 bis 26,5 Mrd. USD. Laut The Right Trader erwartet der Konsens dagegen rund 202,1 Mrd. USD Umsatz sowie ein Ergebnis je Aktie von 2,01 USD.

Der erwartete Umsatz liegt damit rechnerisch 0,1 Mrd. USD, also 100 Mio. USD, über der Obergrenze von Amazons eigener Prognose. Gegenüber 202 Mrd. USD sind das rund 0,05 %. Die beiden Umsatzmaßstäbe liegen somit sehr nah beieinander. Beim Ergebnis ist ein direkter Vergleich dagegen nicht möglich: Amazon gab eine Spanne für das operative Ergebnis an, während die Analystenerwartung ein Ergebnis je Aktie nennt.

Warum diese Unterscheidung wichtig ist, zeigt die Amazon-Mitteilung zum zweiten Quartal. Der Nettogewinn betrug damals 62,6 Mrd. USD beziehungsweise 5,75 USD je verwässerter Aktie. Darin waren 53,4 Mrd. USD nicht operativer Ertrag vor Steuern enthalten, hauptsächlich aus den Investitionen in Anthropic. Diese Beträge gehören zu unterschiedlichen Ergebnisgrößen und lassen sich wegen der Steuerwirkung nicht einfach voneinander abziehen. Sie zeigen aber, weshalb der Nettogewinn nicht allein die Entwicklung des laufenden Geschäfts abbildet.

Auch der Geldfluss erzählt eine eigene Geschichte. In den zwölf Monaten bis Ende Juni stieg Amazons operativer Cashflow um 33 % auf 161,4 Mrd. USD. Nach den von Amazon berücksichtigten Nettoausgaben für Sachanlagen blieb dennoch ein negativer freier Cashflow von 7,6 Mrd. USD; ein Jahr zuvor waren es positive 18,2 Mrd. USD gewesen. Die Nettoausgaben für Sachanlagen erhöhten sich im Jahresvergleich um 66,1 Mrd. USD, hauptsächlich durch KI-Investitionen. Das ist der finanzielle Hintergrund des Kapazitätsausbaus: Das Geschäft erzeugt mehr Geld, zugleich beansprucht die Infrastruktur noch mehr davon.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Keiner der Autoren ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse in den erwähnten Wertpapieren investiert.

Häufige Fragen

Wann soll Amazon die Zahlen für das dritte Quartal 2026 veröffentlichen?

Laut The Right Trader ist die Veröffentlichung für den 29.10.2026 nach US-Börsenschluss vorgesehen.

Welche Zahlen werden für das dritte Quartal erwartet?

Laut The Right Trader erwartet der Konsens rund 202,1 Mrd. USD Umsatz und 2,01 USD Ergebnis je Aktie. Amazon prognostizierte einen Nettoumsatz von 197 bis 202 Mrd. USD und ein operatives Ergebnis von 22,5 bis 26,5 Mrd. USD.

Warum stehen Nvidia-Systeme für AWS in Zwischenlagern?

Business Insider berichtet, dass an einem Teil der AWS-Standorte Stromkapazität fehlt. Deshalb werden einige Nvidia-Systeme vorübergehend zwischengelagert.

Wie viel plant Amazon 2027 in Deutschland zu investieren?

Amazon plant mehr als 16 Mrd. Euro an Deutschland-Investitionen für 2027. Davon sind 4,8 Mrd. Euro für AWS- und KI-Infrastruktur in der Region Frankfurt vorgesehen.

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