260 Millionen Euro Streitwert: Deutsche Bank verklagt Linde

Ein geplatztes Russland-Projekt führt zum Bruch zwischen Deutscher Bank und Linde. Vor Gericht geht es um Garantien und Millionen.

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Das Wichtigste in Kürze

  1. Klage in Frankfurt: Die Deutsche Bank fordert vor Gericht rund 260 Millionen Euro inklusive Zinsen von Linde für eine geplatzte Russland-Garantie.
  2. Ende der Kooperation: Wegen des Konflikts haben beide Konzerne ihre langjährigen geschäftlichen Beziehungen zueinander vollständig beendet.
  3. Schadensersatz und Pflichten: Während die Bank auf Freistellung pocht, wirft Linde ihr vor Gericht eine Verletzung der Schadensminderungspflichten vor.

260 Millionen Euro Streitwert vor dem Landgericht Frankfurt

Ein gescheitertes Flüssigerdgas-Projekt in Russland hat zu einem tiefen Zerwürfnis zwischen zwei bekannten Unternehmensgrößen geführt. Die Deutsche Bank fordert vor dem Landgericht Frankfurt von dem Industriekonzern Linde rund 260 Millionen Euro einschließlich aufgelaufener Zinsen. Der ursprüngliche Garantiebetrag belief sich auf etwa 244 Millionen Euro. Hintergrund der juristischen Auseinandersetzung sind die Folgen westlicher Sanktionen, die nach dem Beginn des Kriegs gegen die Ukraine verhängt wurden und die vertraglichen Beziehungen im internationalen Projektgeschäft nachhaltig belasteten.

Wie Business Insider Deutschland berichtete, haben beide Häuser ihre Geschäftsbeziehungen infolge des Rechtsstreits inzwischen vollständig beendet. Damit fand eine über Jahre gewachsene Zusammenarbeit im operativen Bankgeschäft und bei Finanzierungen ein abruptes Ende. Die Dimension der Klage verdeutlicht die wirtschaftlichen Risiken, die aus dem Rückzug aus russischen Großprojekten bis heute nachwirken.

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Das Ust-Luga-Projekt und der Zugriff russischer Gerichte

Der Ursprung des Konflikts liegt im Jahr 2021. Damals hatte die Deutsche Bank im Auftrag von Linde eine Anzahlungsgarantie über 240 Millionen Euro ausgestellt. Empfänger war die Betreibergesellschaft RusChemAlliance, ein Gemeinschaftsunternehmen des russischen Staatskonzerns Gazprom und der Gesellschaft RusGasDobycha. Linde sollte nahe dem Ostseehafen Ust-Luga eine Großanlage zur Gasverarbeitung und Gasverflüssigung errichten. Nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine stoppte Linde die Arbeiten an dem Komplex unter Verweis auf die von der Europäischen Union beschlossenen Sanktionspakete.

RusChemAlliance verlangte daraufhin die Auszahlung der hinterlegten Bankgarantien. Weil die europäischen Vorgaben eine solche Bedienung untersagten, verweigerten die beteiligten Banken den Geldfluss. RusChemAlliance zog daraufhin vor russische Gerichte. Ein Gericht in Russland verfügte die Beschlagnahme von russischen Vermögenswerten, Konten, Beteiligungen und Immobilien der Deutschen Bank sowie der Commerzbank. Allein im Fall der Deutschen Bank ordnete die dortige Justiz den Zugriff auf Vermögenswerte im Volumen von bis zu 238,6 Millionen Euro an.

Das Landgericht Frankfurt verlangte von der Deutschen Bank Belege zu russischen Nostro-Konten; eine Entscheidung über die Klage ist damit noch nicht gefallen.

Börsen-Zeitung, Gerichtsbericht
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Hintergrund: Garantien und Nostro-Konten

Bei internationalen Industrieaufträgen stellen Banken oft Anzahlungsgarantien für Auftraggeber. Kommt es zum Leistungsstopp, greift üblicherweise eine Freistellungsvereinbarung zwischen Bank und beauftragtem Konzern. Ein Nostro-Konto ist wiederum ein Bankkonto, das ein Finanzinstitut bei einer Korrespondenzbank im Ausland in fremder Währung führt, um dort Zahlungen abzuwickeln.

Streit um Freistellungen und Vorwurf verletzter Pflichten

Die Deutsche Bank pocht vor Gericht auf die vertraglich vereinbarte Freistellung. Nach ständiger Praxis stellt der Kunde die ausstellende Bank von finanziellen Belastungen frei, die sich direkt aus der Inanspruchnahme der gestellten Garantie ergeben. Das Institut hatte für den Fall vorsorglich rund 260 Millionen Euro zurückgestellt und wies diesen Betrag zusammen mit dem geltend gemachten Erstattungsanspruch im Geschäftsbericht 2025 aus.

Linde vertritt jedoch eine gegenteilige Haltung. Nach Berichten der Börsen-Zeitung argumentiert der Gasekonzern unter anderem damit, dass die Deutsche Bank ihre Schadensminderungspflichten verletzt habe. Es geht dabei um den konkreten Umgang mit russischen Nostro-Konten vor der Beschlagnahme. Das Landgericht Frankfurt forderte das Geldhaus zuletzt auf, entsprechende Belege und Dokumente über die Kontobewegungen vorzulegen. Eine abschließende Entscheidung in der Hauptsache steht damit weiterhin aus.

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Diese Aktien gelten als mögliche Verlierer

Europäische Kreditinstitute sehen sich durch die russischen Beschlagnahmungen und langwierige Regressprozesse mit spürbaren finanziellen Belastungen konfrontiert.

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Die Deutsche Bank muss um die Durchsetzung ihres 260-Millionen-Euro-Anspruchs ringen, während Vermögensteile in Russland blockiert oder beschlagnahmt wurden. Ähnlich ergeht es der italienischen UniCredit: Das Institut soll Linde laut Medienberichten in Deutschland auf rund 450 Millionen Euro verklagt haben, nachdem Garantien für denselben Industriekomplex geplatzt waren. Auch die Commerzbank sowie die Bayerische Landesbank zählten zum Kreis der Garantiegeber für RusChemAlliance und mussten gerichtliche Zugriffe auf lokale Vermögenswerte in Russland hinnehmen.

Weitreichende Signale für internationale Projektfinanzierungen

Die gerichtliche Auseinandersetzung zieht Kreise über die unmittelbaren Beteiligten hinaus. Laut einer Einschätzung der Financial Times könnte der Rechtsstreit weitreichende Folgen für europäische Banken, Industrieunternehmen und die generelle Struktur künftiger Projektfinanzierungen in sanktionsgefährdeten Regionen nach sich ziehen. Unklar bleibt in vielen Fällen, wie rechtliche Widersprüche zwischen westlichen Sanktionsgeboten und den Vollstreckungsmaßnahmen ausländischer Gerichte zivilrechtlich aufgelöst werden können.

Sollten Garantiegeber auf den Verlusten sitzen bleiben oder Unternehmen umfassend für staatliche Enteignungsakte haften müssen, dürften Banken künftig deutlich strengere Maßstäbe an die Absicherung vergleichbarer Großprojekte anlegen. Der Ausgang des Frankfurter Verfahrens wird deshalb in der gesamten europäischen Finanz- und Industrielandschaft aufmerksam verfolgt.

Quellen & weiterführende Berichte

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