Thyssenkrupp: Nucera rechnet mit mehr Verlust, TKMS hebt Prognose – Umbau im Faktencheck

thyssenkrupp AG

Kurzüberblick

Thyssenkrupp liefert zum Wochenauftakt ein gemischtes Signalbild aus dem laufenden Konzernumbau: Die Elektrolyse-Tochter Thyssenkrupp Nucera senkt ihre Ergebnis-Erwartung für 2025/26 deutlich, weil der Ausstieg aus der eigenen Serienfertigung für SOEC (Hochtemperatur-Elektrolyse) einmalig belastet. Gleichzeitig stimmt die Entwicklung bei TKMS zuversichtlich: Der Marineschiffbauer hebt die Prognose für Umsatz und Ergebnisbandbreite an.

Während die Nucera-Angaben am Markt zunächst Enttäuschung auslösen, stützt die TKMS-Perspektive die Hoffnung auf eine stabilere Profitabilität. Parallel schreitet die rechtliche Verselbstständigung voran: Aktionäre haben der geplanten Börsennotierung von TK Accelis zugestimmt. Die Thyssenkrupp-Aktie notiert um 07:52 Uhr (Lang & Schwarz Exchange) bei 12,005 Euro (+0,33%), seit Jahresbeginn liegt sie bei +28,98%.

Marktanalyse & Details

1) Nucera: SOEC-Ausstieg drückt Ebit – Umsatzerwartung deutlich niedriger

Thyssenkrupp Nucera rechnet wegen der strategischen Neuausrichtung im laufenden Geschäftsjahr mit einem stärkeren operativen Verlust. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll 2025/26 bei minus 105 bis minus 75 Millionen Euro liegen, nach zuvor minus 80 bis minus 30 Millionen Euro.

Als unmittelbarer Belastungsfaktor werden negative Einmaleffekte im Ebit von 30 Millionen Euro im vierten Quartal genannt. Für das kommende Geschäftsjahr stellt Nucera dagegen einen positiven Effekt in Höhe von 10 Millionen Euro im Ebit sowie 20 Millionen Euro im Zahlungsmittelfluss in Aussicht.

  • Ebit 2025/26: minus 105 bis minus 75 Mio. Euro (vorher: minus 80 bis minus 30)
  • Umsatzerwartung 2025/26: 450 bis 500 Mio. Euro (vorheriger Ausblick: bis zum oberen Ende der bisherigen Spanne; Vorjahr: 845 Mio. Euro)
  • Auftragseingang: 550 bis 670 Mio. Euro (vorher: 550 bis 850; 2024/25: 348 Mio. Euro)

Für Anleger ist entscheidend, dass der Konzern nicht nur eine Ergebnisbereinigung adressiert, sondern auch die Umsatzbasis deutlich nach unten korrigiert. Diese Kombination ist typischerweise schwerer zu verdauen als rein buchhalterische Effekte.

2) TKMS: Prognoseanstieg bei Umsatz und Marge – Auftragseingang schwächer

TKMS hebt für 2025/26 (per Ende September) den Ausblick: Der Umsatz soll nun um 10 bis 12 Prozent steigen, zuvor waren 2 bis 5 Prozent in Aussicht gestellt. Die bereinigte Ebit-Marge soll bis zu 6,5 Prozent erreichen (zuvor: über 6 Prozent).

Operativ zeigt TKMS zuletzt Durchhaltefähigkeit: In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz um 19 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro, das bereinigte Ebit legte von 98 Millionen auf 110 Millionen Euro zu. Allerdings drückten höhere Verwaltungskosten die Marge um 0,3 Prozentpunkte auf 5,8 Prozent. Der Auftragseingang fiel hingegen deutlich von 8,6 auf 3,6 Milliarden Euro; der Auftragsbestand liegt weiterhin bei rund 20 Milliarden Euro.

  • Umsatzwachstum (2025/26): +10 bis +12% (vorher: +2 bis +5%)
  • Bereinigte Ebit-Marge (Ziel): bis zu 6,5% (zuvor: >6%)
  • Auftragseingang (erste neun Monate): 8,6 → 3,6 Mrd. Euro
  • Auftragsbestand: rund 20 Mrd. Euro

Das Muster passt zu einem spürbaren Ausbau in ausgewählten Bereichen (etwa Atlas Electronics und Überwasserschiffe) bei gleichzeitig selektiverem Orderflow. Für die Bewertung der kommenden Quartale ist der Auftragseingang zwar relevant, der große Auftragsbestand kann die Umsatzrealisation jedoch vorerst stützen.

3) TK Accelis: Verselbstständigung gebilligt – nächster Schritt Richtung Finanzholding

Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung haben Aktionärsvertreter der Verselbstständigung der Werkstoffsparte TK Accelis mit anschließender Börsennotierung zugestimmt. Die Zustimmung fiel am Ende mit 99,99 Prozent der Stimmen sehr hoch aus. Thyssenkrupp bleibt Mehrheitsgesellschafter: Über eine neue Holding-Gesellschaft sollen 51 Prozent gehalten werden.

Die Notierung soll nach Angaben des Unternehmens im Anschluss an die Eintragung der neuen Gesellschaft Ende Oktober starten. Für die Aktionäre ist zudem ein Bezugsverhältnis vorgesehen: Für jeweils 20 Thyssenkrupp-Aktien erhalten sie einen Anteilsschein an TK Accelis.

Stimmen aus dem Aktionärslager bewerteten die Struktur differenziert: Kritisch angemerkt wurde unter anderem, dass die Konzernmutter weiterhin einen starken Einfluss auf zentrale Kontrollorgane ausüben könnte. Auf der anderen Seite argumentierte der Konzern, die Eigenständigkeit ermögliche schnellere Investitionen und konsequentere Marktentscheidungen.

Analysten-Einordnung

Dies deutet darauf hin, dass der Konzernumbau kurzfristig Kosten und Ergebnisvolatilität verursacht, während zugleich mittelfristig Wert über klar getrennte Geschäftseinheiten gehoben werden soll. Für Anleger bedeutet das: Das Nucera-Zahlenbild spricht für ein anhaltend anspruchsvolles Übergangsszenario (SOEC-Auslauf plus niedrigere Umsatzannahmen), während TKMS mit höheren Wachstums- und Margenzielen eher Stabilität liefert. Entscheidend wird, ob sich die von Nucera genannten positiven Effekte im nächsten Geschäftsjahr tatsächlich materialisieren und ob TKMS trotz schwächerem Auftragseingang die Marge in den Zielkorridor hält.

Fazit & Ausblick

Thyssenkrupp bleibt mit seinem Segmentumbau in Bewegung: Während Nucera das Ergebnisprofil spürbar belastet, liefert TKMS eine deutlich optimistischere Perspektive. Der nächste Katalysator dürfte weniger die einzelne Einmalwirkung sein als der Verlauf der operativen Umsetzung nach dem SOEC-Ausstieg sowie die Fortschritte auf dem Weg zur eigenständigen Börsenstory von TK Accelis.

Anleger sollten insbesondere die weiteren Veröffentlichungen zu Nucera und TKMS in den kommenden Quartalen verfolgen und den Zeitplan für TK Accelis (Eintragung Ende Oktober, anschließende Notierung) als wichtigen Meilenstein im Blick behalten.

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