SCHOTT Pharma: Umsatz steigt im Q3, EBITDA sinkt – Prognose bestätigt, Cashflow verbessert
Kurzüberblick
SCHOTT Pharma hat zum dritten Quartal des Geschäftsjahres bis Ende Juni 2026 eine spürbar bessere Nachfrage gemeldet und damit den Umsatz deutlich gesteigert. Der Mainzer Pharmazulieferer erzielte im Quartal 281,8 Millionen Euro Umsatz und lag damit über Vorjahr. Die Entwicklung breitete sich über das gesamte Portfolio aus, getragen insbesondere von Nachfrage außerhalb des mRNA-Bereichs sowie weiterhin starkem Bedarf nach vorfüllbaren Glasspritzen für GLP-1-Medikamente.
Gleichzeitig ging das operative Ergebnis zurück: Das EBITDA sank im Quartal auf 75,5 Millionen Euro. Unter dem Strich reduzierte sich der Konzernüberschuss auf 39,0 Millionen Euro. Für die weitere Erwartungshaltung bleibt allerdings entscheidend, dass SCHOTT Pharma die Anfang Juli angehobene Jahresprognose bestätigt hat. Die Aktie notiert zum Zeitpunkt der Meldung bei 22,40 Euro und verliert am Tag 0,44 Prozent, während sie seit Jahresbeginn bereits um 48,34 Prozent zugelegt hat.
Marktanalyse & Details
Finanzkennzahlen: mehr Erlöse, aber Margen unter Druck
Die Umsatzdynamik ist im dritten Quartal klar sichtbar: Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Umsatz um 10,0 Prozent auf 281,8 Millionen Euro. Währungsbereinigt lag das Plus bei 8,3 Prozent. Für die ersten neun Monate summieren sich die Erlöse auf 769,8 Millionen Euro, währungsbereinigt ein Plus von 4,4 Prozent.
- EBITDA im Q3: Rückgang auf 75,5 Millionen Euro, entspricht einer Marge von 26,8 Prozent
- EBITDA in den ersten neun Monaten: 205,3 Millionen Euro bei 26,7 Prozent Marge
- Konzernüberschuss: Rückgang von 45,6 Millionen Euro auf 39,0 Millionen Euro
Für den Ergebnisschwund nennt das Unternehmen vor allem eine geringere Auslastung bei Polymerspritzen, weil die Nachfrage nach mRNA-Impfstoffen insgesamt gesunken ist. Zudem fielen im Quartal Mehrkosten im Zusammenhang mit Infrastruktur- und Prozessoptimierungen in der Produktion an.
Segmente im Blick: High Value Solutions bleiben der Stabilitätsanker
Das Wachstum wurde von beiden Segmenten mitgetragen, allerdings auf unterschiedlichem Niveau. Besonders relevant für die Bewertung ist der Anteil margenstarker Produkte: Die High Value Solutions (HVS) lagen im Quartal stabil bei 57 Prozent.
- Drug Containment Solutions: Umsatz auf 445,4 Millionen Euro für die ersten neun Monate, währungsbereinigt plus 9,2 Prozent. Der HVS-Anteil stieg auf 25 Prozent. Das EBITDA erhöhte sich auf 109,7 Millionen Euro, bei einer EBITDA-Marge von 24,6 Prozent.
- Drug Delivery Systems: Umsatz in den ersten neun Monaten bei 325,1 Millionen Euro, währungsbereinigt 1,7 Prozent unter Vorjahr. Hauptgrund ist der geringere Bedarf an Polymerspritzen für mRNA. Das EBITDA sank auf 95,7 Millionen Euro, die EBITDA-Marge fiel auf 29,5 Prozent.
Für Anleger bedeutet diese Segmentaufteilung vor allem: Während sich das Containment-Geschäft operativ verbessert, hängt die Ergebnisentwicklung bei Delivery stärker am Auslastungsgrad der Polymerkapazitäten und damit an der Nachfragerotation weg von mRNA hin zu anderen Indikationen.
Cashflow und Investitionen: Free Cashflow deutlich besser
Die Ergebniskennziffern zeigen zwar kurzfristig Gegenwind, die Liquiditätsseite liefert jedoch ein deutlich positives Signal. Der Free Cashflow verbesserte sich in den ersten neun Monaten um 49 Prozent auf 58,9 Millionen Euro. Als Treiber nennt SCHOTT Pharma niedrigere Steuerzahlungen sowie eine optimierte Finanzierungsstruktur.
- Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit: 140,7 Millionen Euro
- Free Cashflow: 58,9 Millionen Euro nach 39,6 Millionen Euro im Vorjahr
- CAPEX: 82,5 Millionen Euro, leicht unter Vorjahr
Beim Ausbau der Kapazitäten setzt das Unternehmen laut Mitteilung insbesondere auf Produktionsstandorte in der Schweiz und in Ungarn, um die weiter steigende Nachfrage nach spezialisierten Verpackungslösungen abzusichern.
Innovation: Pen-Injektor-Plattform startet
Im Innovationsbereich verweist SCHOTT Pharma auf eine Kooperation mit Nemera. Seit Juli bietet der Konzern Kunden eine verifizierte Pen-Injektor-Plattform an, die sterile 3 ml cartriQ Glaskarpulen mit einem Selbstverabreichungssystem kombiniert. Damit adressiert SCHOTT Pharma den Trend zu patientenorientierten Therapieformen und vereinfachter Selbstapplikation.
Analysten-Einordnung
Die Kombination aus Umsatzwachstum und rückläufigem EBITDA wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, deutet aber darauf hin, dass das Unternehmen kurzfristig Kosten und Kapazitätsanpassungen trägt, während die Nachfragebasis bereits wieder breiter wird. Besonders stützend ist dabei der anhaltend hohe Anteil von High Value Solutions von 57 Prozent. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung: Entscheidend wird weniger die absolute Umsatzsteigerung, sondern ob die Auslastung bei Polymerspritzen im vierten Quartal weiter anzieht und die EBITDA-Marge in Richtung der bestätigten Zielspanne zurückfindet. Der verbesserte Free Cashflow erhöht zudem die Glaubwürdigkeit der Wachstumsstrategie, weil Investitionen offenbar ohne Liquiditätsschub verkraftet werden.
Bestätigte Prognose für 2026
SCHOTT Pharma hält an der angehobenen Erwartung fest: Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das Unternehmen währungsbereinigt mit einem Umsatzwachstum von 5 bis 6 Prozent. Die EBITDA-Marge soll bei 27 bis 28 Prozent liegen.
Fazit & Ausblick
Nach dem starken dritten Quartal bleibt der Fokus an der Börse auf der Frage, wie schnell sich die Ergebnisbelastungen aus sinkender mRNA-Last und produktionsbezogenen Optimierungen wieder normalisieren. Während das Umsatzbild überzeugt, dürfte die Margenentwicklung im vierten Quartal der wichtigste Gradmesser sein.
Am 12. August 2026 um 11:00 Uhr findet zudem eine Telefonkonferenz mit CEO Christian Mias und CFO Reinhard Mayer statt. Anleger sollten dort besonders auf Aussagen zur Auslastung der Polymerkapazitäten, zur Kostenentwicklung sowie zur Umsetzung der Capex-Agenda achten.
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