RWE-Chef Krebber fordert nach Strom-Sabotage besseren Schutz kritischer Infrastruktur
Kurzüberblick
- RWE-Chef Markus Krebber fordert am 9. September 2026 schnellere und umfassendere Schutzmaßnahmen für Stromnetze und Kraftwerke.
- Nach mutmaßlichen Sabotageakten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen wurden insgesamt 21 Sprengvorrichtungen an Hochspannungstrassen entdeckt und entschärft.
- Die Bundesnetzagentur meldet für neue Backup-Kraftwerke eine deutlich überzeichnete Ausschreibung; Zuschläge sollen spätestens am 3. November fallen.
- Erneuerbare Energien deckten im ersten Halbjahr 2026 bereits 59,1 Prozent der deutschen Stromeinspeisung.
Marktanalyse & Details
RWE-Chef verlangt mehr Schutz und Überwachung
RWE-Chef Markus Krebber hat angesichts einer Serie mutmaßlicher Sabotageakte gegen das deutsche Stromnetz einen besseren Schutz kritischer Infrastruktur gefordert. Beim Sommerfest des Energiekonzerns in Berlin warnte er, die aktuelle Bedrohungslage lasse sich nicht mehr mit Regeln und bürokratischen Abläufen aus Friedenszeiten bewältigen.
Krebber plädierte für eine frühere Erkennung möglicher Angriffe. Aus seiner Sicht sollten Betreiber kritischer Anlagen nicht nur das eigene Betriebsgelände überwachen dürfen, sondern mit technischen Mitteln auch Bedrohungen im öffentlichen Raum besser erkennen können. Zudem stellte er die bisherige Balance zwischen Transparenz und Geheimhaltung infrage.
- RWE kann das eigene Gelände bereits mit technischen Systemen wie Videosensorik überwachen.
- Nach Krebbers Einschätzung entstehen Risiken jedoch häufig außerhalb der Werksgrenzen.
- Für den Umgang mit Drohnen und anderen unmittelbaren Gefahren forderte er eine engere Zusammenarbeit von Unternehmen, Sicherheitsbehörden und Öffentlichkeit.
Sabotagefälle erhöhen den Druck auf Betreiber
Die Ermittlungen zu Angriffen auf Stromleitungen konzentrieren sich auf Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen. Ein 48-jähriger Tatverdächtiger wurde festgenommen. In Ostsachsen entdeckten Spezialkräfte insgesamt 21 selbst hergestellte Sprengvorrichtungen im Bereich von Hochspannungstrassen und entschärften sie. Bei den zuvor gemeldeten Vorrichtungen in der Lausitzer Braunkohleregion war kein Schaden am Stromnetz eingetreten.
Auch der Angriff auf ein Umspannwerk in Bergheim hatte Auswirkungen auf die Energieinfrastruktur. Nach dem Vorfall waren zunächst drei von fünf betroffenen Kraftwerksblöcken wieder am Netz; für weitere Blöcke waren zusätzliche Prüfungen erforderlich. Die allgemeine Stromversorgung blieb nach den vorliegenden Angaben gesichert.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass physische Sicherheit und Resilienz für Energieversorger zu einem wachsenden operativen und regulatorischen Thema werden. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung zunächst keinen automatisch messbaren Ergebniseffekt für RWE, sie kann jedoch zusätzliche Ausgaben für Überwachung, Zugangsschutz und technische Redundanzen auslösen. Gleichzeitig stärkt die Debatte über Versorgungssicherheit die politische Bedeutung flexibler Kraftwerkskapazitäten.
Überzeichnete Ausschreibung für neue Gaskraftwerke
In dieses Umfeld fällt die erste Ausschreibung der Bundesnetzagentur für neue Backup-Kraftwerke. Die Behörde bezeichnete die Ausschreibung für sogenannte Langzeitkapazitäten als deutlich überzeichnet und prüft nun die eingegangenen Gebote. Die Zuschläge sollen spätestens am 3. November bekanntgegeben werden.
Die Anlagen sollen den schrittweisen Kohleausstieg bis 2038 absichern und in sogenannten Dunkelflauten einspringen, wenn Wind- und Solarstrom nur in geringem Umfang verfügbar sind. Voraussetzung ist unter anderem, dass ein Kraftwerk mindestens zehn Stunden lang ununterbrochen Strom ins Netz einspeisen kann. Die bezuschlagten Anlagen sollen bis 2031 in Betrieb gehen; Betreiber erhalten dafür eine Kapazitätsvergütung und müssen die Kraftwerke verfügbar halten.
Für RWE ist die Ausschreibung strategisch relevant, weil der Konzern sowohl über bestehende konventionelle Kraftwerksstandorte als auch über Erfahrung im Gas- und Stromgeschäft verfügt. Ob RWE selbst einen Zuschlag erhält, geht aus den vorliegenden Angaben jedoch nicht hervor.
Erneuerbare wachsen, gesicherte Leistung bleibt gefragt
Der deutsche Strommix verschiebt sich weiter zugunsten erneuerbarer Energien. Windkraft, Photovoltaik und Biogas lieferten im ersten Halbjahr 2026 zusammen 59,1 Prozent der eingespeisten Strommenge. Die Erzeugung aus erneuerbaren Quellen stieg im Jahresvergleich um 6,5 Prozent auf 136,4 Milliarden Kilowattstunden.
Windkraft blieb mit einem Anteil von 29,4 Prozent die wichtigste Energiequelle. Photovoltaik kam auf 17,8 Prozent, Erdgas auf 16,5 Prozent und Kohle auf 21,4 Prozent. Obwohl die Erzeugung aus konventionellen Energieträgern ebenfalls zunahm, sank ihr Anteil am Strommix von 42,0 auf 40,9 Prozent.
Der Ausbau von Wind- und Solarenergie reduziert zwar langfristig die Abhängigkeit von fossiler Stromproduktion. Er erhöht zugleich den Bedarf an gesicherter und flexibel abrufbarer Leistung für Zeiten mit schwacher Erzeugung aus erneuerbaren Quellen. Genau an dieser Schnittstelle liegen die Chancen für moderne Gaskraftwerke, aber auch die Kosten für deren Bau und Vorhaltung.
Fazit & Ausblick
RWE bringt mit der Forderung nach mehr Schutz kritischer Infrastruktur ein Thema auf die politische Agenda, das über den aktuellen Einzelfall hinausgeht. Kurzfristig stehen die laufenden Ermittlungen und die vollständige Absicherung betroffener Anlagen im Mittelpunkt. Für die Branche und RWE wird zudem entscheidend, welche Anbieter bei der überzeichneten Kraftwerksausschreibung zum Zug kommen. Die Bundesnetzagentur will die Ergebnisse spätestens am 3. November 2026 veröffentlichen.
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