Oracle-Aktie bleibt volatil: Bernstein bestätigt Outperform und Kursziel von 325 US-Dollar
Kurzüberblick
- Bernstein bestätigt für Oracle die Einstufung Outperform und ein Kursziel von 325 US-Dollar.
- Der Cloudbereich OCI bleibt der wichtigste Wachstumstreiber; für das August-Quartal wird ein Cloud-Umsatzplus von bis zu 63 Prozent erwartet.
- Oracle steht wegen hoher Investitionen, zusätzlicher Schulden und langfristiger Vertragsverpflichtungen unter besonderer Beobachtung.
- Der nächste entscheidende Termin ist der Quartalsbericht am 10. September nach Börsenschluss.
Marktanalyse & Details
Bernstein setzt auf einen mehrjährigen Investitionszyklus
Oracle befindet sich nach Einschätzung von Bernstein in der frühen Phase eines großen Investitionszyklus. Die Investitionen in Cloud-Infrastruktur und künstliche Intelligenz sollen Umsatz, Ergebnis und Free Cashflow beschleunigen. Langfristig könnte Oracle dadurch zum drittgrößten Hyperscaler aufsteigen.
Die Einschätzung steht allerdings im Kontrast zur aktuellen Skepsis am Markt. Die Oracle-Aktie notierte am 4. September bei 136,80 Euro und lag damit seit Jahresbeginn 17,65 Prozent im Minus. Die Tagesveränderung war zuletzt ausgeglichen. Das Kursziel von 325 US-Dollar ist wegen der unterschiedlichen Währungen nicht direkt mit dem Euro-Kurs vergleichbar, signalisiert aber eine sehr offensive Erwartung an die mittelfristige Neubewertung.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass Bernstein die derzeitige Volatilität vor allem als Übergangsproblem eines kapitalintensiven Wachstumsmodells betrachtet. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass die Bewertung weniger von der reinen Nachfrage nach KI-Rechenleistung abhängt als von der Frage, ob Oracle die hohen Investitionen zeitnah in profitables Wachstum und freien Cashflow umwandeln kann.
OCI-Wachstum trifft auf hohe Finanzierungskosten
Der zentrale Wachstumsmotor ist Oracle Cloud Infrastructure. Im jüngsten Geschäftsjahresquartal legte OCI währungsbereinigt um 93 Prozent zu. Für das August-Quartal rechnet Morgan Stanley mit einem Cloud-Umsatzwachstum von 63 Prozent und damit am oberen Ende der Unternehmensprognose von 58 bis 65 Prozent. Rückenwind könnte vom GPU-as-a-Service-Geschäft und höheren Preisen für KI-Infrastruktur kommen.
Zusätzliche Unterstützung liefert der wachsende Auftragsbestand. Das Cloudgeschäft verzeichnete beim aufgeschobenen Umsatz in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen ein höheres Wachstum als beim ausgewiesenen Umsatz. Dadurch könnte ein Teil der künftigen Erlöse bereits vertraglich abgesichert sein. Gleichzeitig muss Oracle die verbleibenden Leistungsverpflichtungen von rund 638 Milliarden US-Dollar erst über die kommenden Jahre in Umsatz umwandeln.
Kapitalbedarf bleibt der entscheidende Belastungsfaktor
Oracle plant für das Geschäftsjahr 2027, das vom 1. Juni 2026 bis zum 31. Mai 2027 läuft, Investitionen von rund 95 Milliarden US-Dollar. Im Geschäftsjahr 2026 nahm das Unternehmen bereits 43 Milliarden US-Dollar an neuen Schulden auf. Für das laufende Geschäftsjahr sind etwa 40 Milliarden US-Dollar über eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital vorgesehen.
- Hohe Investitionen erhöhen den Druck auf Verschuldung und Liquidität.
- Mögliche Verzögerungen beim Bau neuer Rechenzentren könnten den Umsatzbeitrag der KI-Infrastruktur verschieben.
- Niedrigere Bruttomargen im Cloudgeschäft müssen durch Skaleneffekte und Verbesserungen im übrigen Geschäft ausgeglichen werden.
Bernstein geht davon aus, dass sich Oracle dem Ende der Phase nähert, in der zusätzliches Kapital benötigt wird. Diese Annahme ist für die bullische Kurszielthese entscheidend, bleibt vor dem Quartalsbericht aber ein Prüfpunkt und keine bestätigte Tatsache.
Breiteres Geschäftsportfolio wird für die Bewertung wichtiger
Der Investmentcase beschränkt sich nach Einschätzung der Analysten nicht auf KI-Rechenzentren. Oracle profitiert auch von souveränen Cloud-Angeboten, der Oracle-Cloud-Datenbank und dem Bereich Strategic Back Office. Innerhalb des Softwaregeschäfts wächst der Anteil der wachstumsstarken Produkte, während stabile Umsätze zurückgehen und das rückläufige Segment zuletzt um rund 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr schrumpfte.
Im Hardwaregeschäft stieg der Umsatz zwar um 5 Prozent, langfristig dürfte dieser Bereich jedoch sinken, wenn Kunden von Oracle-Hardware in die Cloud wechseln. Der Serviceumsatz legte um etwa 10 Prozent zu, trägt wegen seiner niedrigen Gewinnmarge aber nur begrenzt zur Investmentthese bei. Ein schrumpfendes margenschwaches Beratungsgeschäft könnte die Gesamtmargen verbessern und damit teilweise den Margendruck im Cloudgeschäft abfedern.
Regulatorische und operative Risiken
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die Prüfung von Oracles Lizenzpraktiken durch europäische Wettbewerbsbehörden. Die Europäische Kommission sammelt hierzu Informationen von Marktteilnehmern und betont zugleich, dass derzeit kein formelles Verfahren gegen Oracle eröffnet wurde. Für die Aktie bleibt dies ein Beobachtungspunkt, ist aktuell aber kein abgeschlossener Belastungsfaktor.
Fazit & Ausblick
Oracle verbindet derzeit außergewöhnlich starkes Cloudwachstum mit einem außergewöhnlich hohen Kapitalbedarf. Der Quartalsbericht am 10. September dürfte deshalb vor allem zeigen müssen, wie schnell OCI-Umsätze, aufgeschobene Erlöse und neue Rechenzentrumskapazitäten in tatsächlichen Gewinn und Free Cashflow übergehen. Eine positive Überraschung bei Cloudwachstum oder Prognose könnte die Aktie stützen; enttäuschende Aussagen zu Finanzierung, Margen oder Lieferverzögerungen würden die bestehende Volatilität dagegen verstärken.
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