HSBC stuft Amgen-Aktie auf Hold ab und senkt Kursziel auf 425 US-Dollar
Kurzüberblick
- HSBC stuft Amgen von Buy auf Hold herab und senkt das Kursziel von 445 auf 425 US-Dollar.
- Der Rückschlag bei Novartis’ Pelacarsen belastet Amgens Lp(a)-Programm mit dem Prüfpräparat Olpasiran.
- Die Phase-III-Studie DeLLphi-305 erzielte mit Imdelltra und Imfinzi einen statistisch signifikanten Überlebensvorteil.
- Amgen lag zuletzt bei 334,95 Euro und blieb am 9. September unverändert; seit Jahresbeginn steht die Aktie in Euro 20,25 Prozent höher.
Marktanalyse & Details
HSBC wird vorsichtiger bei der Amgen-Aktie
HSBC hat die Einstufung von Amgen von Buy auf Hold gesenkt. Gleichzeitig reduzierte die Bank ihr Kursziel von 445 auf 425 US-Dollar. Die Entscheidung folgt auf eine Phase starker Kursgewinne und erhöht die Aufmerksamkeit für die Risiken in Amgens Pipeline und bei künftigen Wachstumstreibern.
Bereits zuvor hatte BMO Capital Amgen auf Market Perform abgestuft, das Kursziel jedoch bei 450 US-Dollar belassen. Als Gründe galten die inzwischen weitgehend eingepreiste kommerzielle Entwicklung, der anhaltende Druck durch auslaufenden Patentschutz sowie offene Fragen zum Wettbewerbsprofil des Adipositas-Kandidaten MariTide.
Pelacarsen-Flop erschüttert die Lp(a)-These
Zusätzlichen Druck erzeugte das Scheitern von Novartis’ Herzmedikament Pelacarsen in einer Phase-III-Studie. Obwohl der Wirkstoff den Lipoprotein(a)-Spiegel senkte, verfehlte die Studie den entscheidenden Nachweis, das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse gegenüber einem Placebo zu reduzieren.
Die Nachricht traf Amgen besonders stark, weil das Unternehmen mit Olpasiran an einem vergleichbaren Lp(a)-senkenden Ansatz arbeitet. Die Amgen-Aktie fiel am 8. September zeitweise um mehr als 9 Prozent und war damit auf dem Weg zum schwächsten Handelstag seit Oktober 2000. Olpasiran ist damit nicht gescheitert, steht aber vor einer deutlich höheren Beweislast: Eine reine Senkung des Biomarkers dürfte für eine breite Marktzulassung nicht ausreichen, wenn der klinische Nutzen für Herzinfarkte, Schlaganfälle und kardiovaskuläre Todesfälle nicht belegt wird.
DeLLphi-305 liefert einen wichtigen Pipeline-Erfolg
Dem negativen Signal bei Olpasiran steht ein bedeutender klinischer Erfolg in der Onkologie gegenüber. Die Phase-III-Studie DeLLphi-305 erreichte bei Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs im extensiven Stadium ihren primären Endpunkt. Imdelltra, Amgens Tarlatamab, verbesserte in Kombination mit AstraZenecas Imfinzi das Gesamtüberleben gegenüber Imfinzi allein statistisch signifikant und klinisch relevant.
- Die Studie untersuchte eine Erstlinien-Erhaltungstherapie nach einer Behandlung mit Imfinzi, Platin-Chemotherapie und Etoposid.
- Auch das progressionsfreie Überleben und die objektive Ansprechrate verbesserten sich statistisch signifikant.
- Das Sicherheitsprofil der Kombination entsprach den bekannten Profilen der Einzelmedikamente; neue oder unerwartete Sicherheitssignale wurden nicht festgestellt.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass Amgen trotz des Rückschlags bei der Lp(a)-Strategie über einen wichtigen klinischen Wachstumshebel in der Onkologie verfügt. Der DeLLphi-305-Erfolg kann die Pipeline-Bewertung stabilisieren, ersetzt aber nicht die noch ausstehenden Belege für Olpasiran und MariTide. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass die Aktie stärker zwischen kurzfristigem Bewertungsdruck und langfristigem Pipelinepotenzial abwägen muss.
Aktie bleibt trotz Rückschlägen im Jahresplus
Der zuletzt festgestellte Kurs von 334,95 Euro lag am 9. September um 22:59 Uhr unverändert zum Vortag. Auf Euro-Basis summierte sich das Plus seit Jahresbeginn auf 20,25 Prozent. Diese Entwicklung erklärt, weshalb einige Analysten nach der Rally vorsichtiger werden: Positive operative Nachrichten sind teilweise bereits im Kurs berücksichtigt, während klinische Fehlschläge oder Verzögerungen die Bewertung schnell unter Druck setzen können.
Fazit & Ausblick
Die kurzfristige Einschätzung zu Amgen wird von drei Themen geprägt: der Unsicherheit rund um Olpasiran nach dem Pelacarsen-Fehlschlag, der offenen Wettbewerbsposition von MariTide und dem positiven Impuls durch DeLLphi-305. Entscheidend sind nun die weiteren klinischen Daten zu Olpasiran und MariTide sowie die regulatorischen Schritte für die Ausweitung des Einsatzes von Imdelltra. Bis dahin bleibt die Aktie trotz des positiven Jahresverlaufs anfällig für neue Pipeline- und Bewertungsnachrichten.
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