Goldpreis fällt fünf Prozent: Zinsspekulation drückt Spot-Gold auf 4.372 US-Dollar
Kurzüberblick
- Der Goldpreis fiel am Dienstag um rund 1,5 Prozent auf 4.372 US-Dollar je Feinunze.
- Seit Beginn der Woche hat sich Gold wegen des Verkaufsdrucks um etwa fünf Prozent verbilligt.
- Steigende Anleiherenditen und Spekulationen auf höhere Leitzinsen machen das zinslose Edelmetall derzeit weniger attraktiv.
- Die Eurozonen-Inflation von 3,3 Prozent erhöht den Fokus auf eine mögliche EZB-Zinserhöhung in der kommenden Woche.
Marktanalyse & Details
Zinserwartungen belasten Gold
Der Spot-Goldpreis geriet am Dienstag deutlich unter Druck. An den Märkten kostete eine Feinunze – rund 31,1 Gramm – zuletzt 4.372 US-Dollar. Damit summiert sich der Rückgang seit Wochenbeginn auf etwa fünf Prozent.
Der wichtigste Belastungsfaktor sind die gestiegenen Renditen an den Anleihemärkten. Besonders zehnjährige Bundesanleihen rentieren auf mehrjährigen Höchstständen. Steigende Renditen erhöhen die Opportunitätskosten einer Goldanlage, weil das Edelmetall keine laufenden Zinsen abwirft.
Inflation und Notenbanken im Fokus
Die Zinsspekulation wurde durch jüngste Aussagen des US-Notenbankchefs Kevin Warsh verstärkt. Seine Betonung der Preisstabilität wurde am Markt als Hinweis auf eine mögliche Zinserhöhung der US-Notenbank interpretiert.
Zusätzlichen Druck erzeugt die Entwicklung in der Eurozone: Die Inflation stieg im August auf 3,3 Prozent und lag damit deutlich über dem mittelfristigen EZB-Ziel von zwei Prozent. Als wesentlicher Preistreiber gelten die hohen Energiepreise. Der gestiegene Ölpreis verschärft die Inflationssorgen und stärkt damit die Erwartung höherer Leitzinsen.
Analysten-Einordnung
Dies deutet darauf hin, dass Gold kurzfristig vor allem auf die Entwicklung der Realrenditen und die Kommunikation der Notenbanken reagieren dürfte. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass der jüngste Rückgang zunächst als Zins- und Renditekorrektur einzuordnen ist. Ob daraus ein nachhaltiger Trendwechsel entsteht, hängt davon ab, ob sich die Inflation weiter beschleunigt und die Renditen auf hohem Niveau bleiben.
Der Rückgang ist auch deshalb bemerkenswert, weil Gold Anfang August noch stark gestiegen war: In der ersten Handelswoche des Monats legte der Preis um 7,3 Prozent zu, am 11. August überschritt er erstmals seit Anfang Juni wieder die Marke von 4.400 US-Dollar. Die aktuelle Bewegung zeigt, wie schnell Gewinnmitnahmen einsetzen können, wenn sich die Zinserwartungen gegen das Edelmetall drehen.
Fazit & Ausblick
In der kommenden Woche richtet sich der Blick auf die EZB-Sitzung sowie auf neue Signale der Notenbanken und die Entwicklung der Anleiherenditen. Bleiben Inflation und Ölpreis hoch, könnte Gold weiter unter Druck stehen. Eine Entspannung bei den Renditen oder eine weniger aggressive Zinserwartung würde dagegen das Erholungspotenzial des Edelmetalls wieder erhöhen.
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