Gerresheimer Aktie: Q2-Erholung stärkt Hoffnung auf besseres zweites Halbjahr
Aktien im Artikel
Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Gerresheimer steigerte den Umsatz im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem schwachen ersten Quartal auf 578 Millionen Euro.
- Das bereinigte EBITDA legte im Quartalsvergleich um 35 Millionen auf 102 Millionen Euro zu, blieb aber unter dem Vorjahreswert.
- Für das zweite Halbjahr erwartet der Konzern bessere Ergebnisse; der Centor-Verkauf soll kurzfristig abgeschlossen werden.
- Die Aktie notierte am 30. September um 11:43 Uhr bei 28,20 Euro und lag 2,84 Prozent im Plus.
Marktanalyse & Details
Deutliche Verbesserung zum schwachen Jahresauftakt
Gerresheimer hat im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Jahresauftakt Boden gutgemacht. Der vorläufige Umsatz stieg von rund 523 Millionen Euro im ersten Quartal auf 578 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich von rund 67 Millionen auf 102 Millionen Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge kletterte im Quartalsvergleich um 5,0 Prozentpunkte auf 17,6 Prozent.
Im Jahresvergleich bleibt die Erholung jedoch unvollständig: Im zweiten Quartal 2025 hatte Gerresheimer, auf vergleichbarer angepasster Basis, 614 Millionen Euro Umsatz und 126 Millionen Euro bereinigtes EBITDA erzielt. Für das erste Halbjahr 2026 weist das Unternehmen vorläufig 1,10 Milliarden Euro Umsatz und 168 Millionen Euro bereinigtes EBITDA aus. Im Vorjahreszeitraum waren es angepasst 1,14 Milliarden beziehungsweise 224 Millionen Euro.
Unterschiedliche Entwicklung in den Geschäftsbereichen
Das Geschäft mit Drug-Delivery-Systemen entwickelte sich vergleichsweise robust. Der Bereich Containment & Delivery Systems steigerte den Halbjahresumsatz auf rund 604 Millionen Euro und das bereinigte EBITDA auf 135 Millionen Euro. Dagegen belasteten schwächere Nachfrage und geringere Werksauslastung das Geschäft mit Injektionslösungen: Bei Primary Injectable Solutions sank das bereinigte EBITDA im ersten Halbjahr auf 16 Millionen Euro nach 50 Millionen im Vorjahreszeitraum.
Auch Moulded Glass blieb im Halbjahr deutlich unter dem Vorjahr. Im zweiten Quartal verbesserte sich die Marge gegenüber dem ersten Quartal allerdings spürbar auf 14,9 Prozent. Gerresheimer führt die Belastungen unter anderem auf geringere Pharma-Umsätze und die geplante Schließung des Werks in Chicago Heights zurück.
Verkäufe und Bilanzvertrauen bleiben wichtige Faktoren
Der Verkauf des Geschäftsbereichs Centor befindet sich laut Unternehmen in der Schlussphase und soll kurzfristig vollzogen werden. Der Abschluss des Verkaufs von Primary Packaging Plastics ist für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen. Beide Transaktionen gehören zu den Maßnahmen, mit denen Gerresheimer sein Portfolio und seine Finanzstruktur neu ordnen will.
Die Erholung findet zudem vor dem Hintergrund früherer Bilanzierungsfehler statt, die Untersuchungen der Finanzaufsicht aufgedeckt hatten. Gerresheimer verschob daraufhin Veröffentlichungen, korrigierte Abschlüsse und verschärfte interne Kontrollprozesse. Im Geschäftsjahr 2024/25 hatte der Konzern nach hohen Wertberichtigungen einen Verlust von knapp 319 Millionen Euro ausgewiesen.
Analysten-Einordnung: Der kräftige sequenzielle Anstieg des bereinigten EBITDA ist ein positives Signal, belegt aber noch keine nachhaltige Trendwende: Umsatz und Ergebnis liegen weiterhin unter dem Vorjahr, und die Geschäftsentwicklung unterscheidet sich stark zwischen den Sparten. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass die Erfüllung der Halbjahres- und Jahresziele vor allem davon abhängt, ob die operative Verbesserung im zweiten Halbjahr anhält, die schwächeren Bereiche stabilisiert werden und die angekündigten Verkäufe planmäßig abgeschlossen werden. Der Kursanstieg um 2,84 Prozent bei 28,20 Euro spiegelt die bessere Quartalsdynamik wider, ersetzt aber keinen Nachweis einer dauerhaften Erholung.
Fazit & Ausblick
Gerresheimer erwartet für das zweite Halbjahr 2026 bessere Ergebnisse und eine deutlich verbesserte Finanzlage. Entscheidend werden die weitere Nachfrage nach Drug-Delivery-Produkten, die Auslastung der Werke sowie der Abschluss der Veräußerungen sein. Die endgültigen Halbjahreszahlen will das Unternehmen voraussichtlich Ende November 2026 vorlegen.
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