Gap hebt EPS-Prognose nach Q2 an: Neuer Old-Navy-Chef soll Wachstum drehen

Gap Inc. AI Generated

Kurzüberblick

  • Gap erzielt im zweiten Quartal 3,70 Mrd. USD Umsatz und übertrifft mit 0,52 USD bereinigtem EPS die Erwartungen.
  • Gap hebt die bereinigte EPS-Prognose für das Geschäftsjahr 2026 auf 2,35 bis 2,45 USD an, verengt aber den Umsatzausblick.
  • Michael Francis übernimmt am 2. November 2026 die Führung von Old Navy und soll das Wachstum der wichtigsten Marke beleben.
  • JPMorgan erhöht das Kursziel für Gap von 27 auf 29 USD und stuft die Aktie weiterhin mit Neutral ein.

Marktanalyse & Details

Quartalszahlen übertreffen Erwartungen

Gap hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Umsatz von 3,70 Mrd. USD erzielt. Damit lag der Konzern zwar 2,0 Prozent unter dem Vorjahreswert, übertraf jedoch die Schätzung von 3,69 Mrd. USD knapp. Beim bereinigten Gewinn je Aktie erreichte Gap 0,52 USD und lag damit über der Erwartung von 0,48 USD.

Das ausgewiesene GAAP-Nettoergebnis stieg auf 501 Mio. USD, verglichen mit 206 Mio. USD im Vorjahr. Das bereinigte Nettoergebnis betrug 190 Mio. USD. Die starke Verbesserung des ausgewiesenen Ergebnisses ist allerdings im Zusammenhang mit der bilanziellen Behandlung von Zollrückerstattungen zu sehen und sollte nicht vollständig als operativer Gewinnsprung interpretiert werden.

Margen profitieren stark von Zollrückerstattungen

Die berichtete Bruttomarge kletterte auf 52,8 Prozent. Der Anstieg um 11,6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr wurde jedoch zu 11,4 Prozentpunkten durch den erwarteten Nettoeffekt aus der Rückerstattung von IEEPA-Zöllen verursacht. Bereinigt um diesen Effekt lag die Bruttomarge bei 41,4 Prozent und verbesserte sich lediglich um 0,2 Prozentpunkte.

Gap verbuchte im Quartal eine Anpassung der Herstellungskosten von 417 Mio. USD im Zusammenhang mit der Zollrückerstattung. Davon erhielt das Unternehmen 95 Mio. USD an Erstattungen sowie 5 Mio. USD an damit verbundenen Zinserträgen. Die verbleibenden Erstattungen und Zinserträge sollen im dritten Quartal eingehen. Der bereinigte Ausblick klammert den Effekt dieser Erstattungen aus.

Nach der Änderung der Zollannahmen im Juli rechnet Gap für den Zeitraum vom 24. Juli bis Ende August mit einem zusätzlichen Zollsatz von ungefähr 10 Prozent. Zuvor war ein Satz im hohen einstelligen Prozentbereich angenommen worden. Diese Anpassung soll den Jahresgewinn bei Brutto- und Betriebsergebnis um rund 15 Mio. USD entlasten und die Brutto- sowie operative Marge um etwa 10 Basispunkte verbessern. Der Vorteil dürfte vor allem im vierten Quartal sichtbar werden.

EPS-Ziel steigt trotz engerem Umsatzausblick

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Gap nun ein bereinigtes EPS von 2,35 bis 2,45 USD. Zuvor hatte die Spanne bei 2,30 bis 2,40 USD gelegen. Gleichzeitig wurde die Prognose für das Umsatzwachstum von 1,0 bis 2,0 Prozent auf 1,0 bis 1,5 Prozent eingeengt.

Für das dritte Quartal stellt Gap ein Umsatzwachstum von 1,5 bis 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresumsatz von 3,90 Mrd. USD in Aussicht. Die Bruttomarge soll 25 bis 75 Basispunkte über dem Vorjahreswert von 42,4 Prozent liegen. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen eine leicht steigende bereinigte Bruttomarge sowie eine operative Marge von 7,4 bis 7,6 Prozent. Die vorherige Prognose hatte bei 7,3 bis 7,5 Prozent gelegen.

Neuer Chef für Old Navy

Michael Francis wird am 2. November 2026 President und CEO von Old Navy. Er folgt auf Haio Barbeito, der nach dem Führungswechsel in eine beratende Funktion wechselt. Francis kam im März 2026 zu Gap und verantwortete zuletzt als Chief Customer Officer von Old Navy sowie als Leiter der Marketing Shared Services die Kunden- und Marketingaktivitäten.

Die Personalentscheidung ist strategisch relevant, weil Old Navy die größte und wichtigste Wachstumssäule des Konzerns ist. Gap verbindet mit dem Wechsel die Erwartung, die Marke nach einer schwächeren Sommerentwicklung wieder stärker auf Kundenfrequenz, Sortiment und Umsatzwachstum auszurichten.

Analysten-Einordnung und Aktienreaktion

Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass Gap die angehobene Gewinnprognose derzeit stärker über Margenverbesserungen, Kostenkontrolle und Zollentlastungen als über kräftiges Umsatzwachstum absichert. Der bereinigte Margenanstieg im zweiten Quartal fällt mit 20 Basispunkten vergleichsweise moderat aus. Die engere Umsatzprognose zeigt zugleich, dass die Nachfrageentwicklung weiterhin uneinheitlich bleibt.

JPMorgan erhöhte das Kursziel von 27 auf 29 USD, beließ die Einstufung jedoch auf Neutral. Das signalisiert eine vorsichtig konstruktive Sicht auf die Gewinnentwicklung, aber noch keine Überzeugung von einem nachhaltigen Wachstumsbeschleuniger. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass die operative Umsetzung bei Old Navy und die Qualität der Margenfortschritte wichtiger sind als der einmalige Effekt der Zollrückerstattungen.

Am 28. August lag die Gap-Aktie im europäischen Handel um 10:05 Uhr bei 20,04 EUR und damit 1,62 Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 8,07 Prozent zu Buche. Die zunächst positive Reaktion auf die erhöhten Gewinnziele hatte sich damit im laufenden Handel nicht vollständig gehalten.

Fazit & Ausblick

Gap liefert beim bereinigten Quartalsgewinn und beim EPS-Ausblick positiv, bleibt beim Umsatz aber vorsichtig. Der nächste wichtige Belastungstest ist das dritte Quartal: Entscheidend werden die tatsächliche Nachfrage, die bereinigte Bruttomarge und erste Signale zur Stabilisierung von Old Navy sein. Bis dahin sollten Anleger die Gewinnanhebung nicht mit einem bereits bestätigten nachhaltigen Umsatzaufschwung gleichsetzen.

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