Evonik Industries Aktie: NRW-Regierung stellt sich gegen BASF-Übernahme
Aktien im Artikel
Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Nordrhein-Westfalens Landesregierung lehnt eine Übernahme Evoniks durch BASF ab.
- BASF hält sich laut transaktionsnahen Kreisen ein höheres Gebot offen, will zuvor aber Einblick in Evoniks Bücher.
- Das bisherige Angebot von 22,15 Euro je Aktie wurde als zu niedrig zurückgewiesen; eine verbindliche Offerte liegt bislang nicht vor.
- Im Landtag forderte die SPD Garantien für Arbeitsplätze und Standorte, eine Landesbeteiligung lehnte Wirtschaftsministerin Mona Neubaur ab.
Marktanalyse & Details
Politischer Widerstand gegen den Verkauf
Die mögliche Übernahme Evoniks durch BASF wird in Nordrhein-Westfalen zunehmend als industriepolitische Frage behandelt. Wirtschaftsministerin Mona Neubaur sprach sich im Landtag klar gegen die Transaktion aus. Die Landesregierung wolle Arbeitsplätze, Produktionsstätten sowie Forschung, Entwicklung, Verwaltung und Konzernzentrale im Land halten. Mehr als 11.000 Menschen arbeiten laut Neubaur für Evonik in Nordrhein-Westfalen.
Die SPD verlangte verbindliche Beschäftigungs- und Standortzusagen und brachte auch eine Beteiligung des Landes ins Spiel. Neubaur wies diesen Vorschlag zurück. Damit zeichnet sich zwar deutlicher politischer Widerstand ab; aus den vorliegenden Angaben folgt jedoch nicht, dass das Land über ein formales Vetorecht gegen einen möglichen Verkauf verfügt. Auch im Landtag gingen die Positionen auseinander: Die CDU verwies auf die Ablehnung durch den Evonik-Vorstand, während die FDP den Erhalt von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung wichtiger nannte als die Eigenständigkeit des Unternehmens.
BASF prüft eine höhere Offerte – aber erst nach Einblick in die Bücher
BASF soll zunächst 22,15 Euro je Evonik-Aktie geboten haben. Evonik wies den Vorstoß als zu niedrig zurück. Nach Angaben aus transaktionsnahen Kreisen ist BASF bereit, über ein höheres Gebot zu sprechen, möchte dafür aber zunächst die Geschäftsbücher des Spezialchemiekonzerns prüfen. Eine verbindliche Übernahmeofferte gibt es bislang nicht; Gespräche finden derzeit nicht statt. BASF zufolge sind Ausgang und Fortgang der Sondierungen offen.
Das erste Angebot hätte Evonik einschließlich Schulden mit mehr als 14 Milliarden Euro bewertet. BASF soll zudem zugesagt haben, bestehende Beschäftigungs- und Standortvereinbarungen einzuhalten. In Deutschland sind betriebsbedingte Kündigungen bei Evonik bis 2032 ausgeschlossen; der geplante Stellenabbau soll auf freiwilliger Basis erfolgen. BASF will sich demnach auch mit Evoniks Plänen zu möglichen Verkäufen des Basischemiegeschäfts Oxeno und des Chemieparkbetreibers Syneqt befassen.
Analysten-Einordnung und Börsenreaktion
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass ein höherer Preis allein für einen Abschluss nicht zwingend ausreichen dürfte: Neben der Bewertung könnten Beschäftigungszusagen, die Zukunft der NRW-Standorte und die Zustimmung wichtiger Anteilseigner entscheidend werden. Die politische Ablehnung erhöht die Hürden für eine Transaktion, ist aber nicht automatisch gleichbedeutend mit deren Scheitern. Für Anleger bleibt deshalb die Differenz zwischen einem unverbindlichen Interesse und einem konkreten, verbesserten Angebot zentral.
Die Evonik-Aktie notierte am 14. Oktober bei 21,36 Euro und damit unter dem berichteten ersten Gebot von 22,15 Euro. Seit Jahresbeginn lag sie laut den vorliegenden Marktdaten dennoch 60,24 Prozent im Plus. Diese Kursentwicklung ist vor dem Hintergrund der Übernahmefantasie einzuordnen; sie garantiert weder eine Erhöhung des Angebots noch einen Abschluss.
Fazit & Ausblick
Im nächsten Schritt kommt es darauf an, ob BASF Zugang zu vertieften Unternehmensinformationen erhält und anschließend ein höheres Angebot vorlegt. Ebenso wichtig sind die Position der RAG-Stiftung als größter Evonik-Anteilseignerin und mögliche konkrete Zusagen zu Standorten und Beschäftigung. Solange weder eine verbindliche Offerte noch eine Einigung vorliegt, bleibt der Übernahmeausgang offen.
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