Coherent vor Quartalszahlen: InP-Umstellung und FCC-Bann auf China-Transceiver erhöhen die Gewinnchance

Coherent Inc.

Kurzüberblick

Coherent (NYSE: COHR), ein Hersteller von Laser- und Optik-Komponenten für KI-Rechenzentrumsnetzwerke, steht am Mittwoch nach Börsenschluss vor der Veröffentlichung der Ergebnisse für das fiskalische vierte Quartal. Im Zentrum der Anlegeraufmerksamkeit stehen dabei nicht nur die Zahlen selbst, sondern vor allem Hinweise darauf, wie schnell sich die Umstellung auf InP-6-Zoll-Fertigung in Umsatz und Margen übersetzt.

Mehrere Analysten fokussieren den erwarteten Kapazitätssprung bei 6-inch Indium Phosphide (InP) sowie mögliche regulatorische Effekte: Ein Entwurf der US-Regulierungsbehörde FCC, der neue chinesische optische Transceiver-Modelle untersagen soll, könnte kurzfristig die Marktstimmung beeinflussen. Für Coherent bleibt zudem die langfristige Wachstumsstory relevant, die unter anderem durch Partner-Signale rund um CPO/NPO (co-packaged/near-packaged optics) untermauert wird.

Marktanalyse & Details

InP-6-Zoll als zentraler Hebel für Umsatz und Margen

Jefferies-Analyst Blayne Curtis sieht in der InP-6-Zoll-Transition den entscheidenden „Unlock“ für eine Ergebnisserie, die sowohl die Erwartungen übertreffen als auch die Prognose nach oben treiben könnte. Hintergrund: Das Unternehmen plant laut Erwartung, die interne InP-Ausgangskapazität im September-Quartal zu verdoppeln – damit rund ein Quartal früher als das ursprüngliche Ziel zum Jahresende 2026. Eine weitere Verdopplung soll bis Ende Kalender 2027 folgen.

  • Jefferies erwartet für das Quartal ein „beat & raise“.
  • Die Umsatzentwicklung soll dabei im niedrigen zweistelligen Prozentbereich liegen, während der Konsens bei 8% verankert ist.
  • Die 6-inch-Prozessfertigung soll laut Jefferies mehr als viermal so viele Geräte ermöglichen bei weniger als der Hälfte der Kosten.

Für Anleger ist das nicht nur ein Produktions-Statement, sondern potenziell ein Kosten- und Preissetzungshebel: Wenn sich Skaleneffekte früher als geplant realisieren lassen, kann das den Margenpfad deutlich verbessern.

Der Zeitversatz bleibt der entscheidende Risikofaktor

Ein wichtiger Punkt in der Analyse: Zwischen Geräteproduktion und Transceiver-Umsätzen besteht ein historisch typischer Lag. Deshalb betont Jefferies, dass die zusätzlichen Kapazitäten, die für September erwartet werden, überwiegend erst in den Ergebnissen des vierten Quartals des fiskalischen Jahres 2026 sowie im ersten Quartal des fiskalischen Jahres 2027 in den Umsatz durchschlagen könnten – nicht sofort.

Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass Coherent im aktuellen Quartal vor allem liefern muss, indem es (1) die operative Umstellung glaubwürdig in die Lieferkette überträgt und (2) die zeitliche Transmission in Richtung Transceiver-Revenue transparent macht. Für Anleger bedeutet die Story daher: Selbst bei einem starken Kapazitätssprung könnte die erste sichtbare Marktwirkung phasenweise verzögert auftreten – entscheidend ist, ob das Management den „Ramp“-Verlauf konkretieren kann.

CPO/NPO-Strategie: Nvidia-Deal und der weitere Horizont

Als langfristigen Wachstumsmotor verweist Jefferies auf Coherents Position im Bereich CPO/NPO. Im März hatte Coherent eine Partnerschaft mit Nvidia gemeldet, die unter anderem eine Eigenkapitalinvestition in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar sowie eine mehrjährige Liefervereinbarung bis 2030 umfasst.

  • Management rahmt den adressierbaren Markt auf „über 15 Milliarden US-Dollar“ ein.
  • Ein Skalierungsstart für CPO-Umsätze wird ab der zweiten Jahreshälfte 2027 erwartet.

Coherent kommuniziert laut Analysten zwar den Zeitplan, jedoch ohne eine konkrete Dollar-Zahl für das kurzfristige Potenzial. Jefferies bewertet jede künftige Quantifizierung in den Ergebnissen als „inkrementell“ – ein Signal, dass der Fokus zunächst stärker auf der InP-Story liegt als auf der Vorwegnahme der CPO-Spitze.

Wettbewerb, Lieferkette und regulatorische Impulse

Neben der InP-Schiene gelten Coherents breitere Produkt- und Lieferkettenvorteile als Differenzierungsfaktor: Dazu zählen hochleistungsfähige CW-Laser sowie die interne Beschaffung von Bauteilen wie Isolatoren und thermoelektrischen Kühlern.

Gleichzeitig ordnet B. Riley den Marktvergleich anders ein: Das Haus erwartet für das Quartal einen „modest upside“ gegenüber dem Konsens und nennt als Zahlenbasis 1,96 Milliarden US-Dollar Umsatz sowie 1,62 US-Dollar EPS. B. Riley verweist zudem auf ein zuvor genanntes Wachstum in der DC/Comm-Sparte: Der Vorquartalswert stieg um 13% auf 1,36 Milliarden US-Dollar, während 1,6T-Produkte in den Ramp-Phase-Übergang gehen sollen.

  • B. Riley sieht Nachfrage als stabilen Treiber.
  • Das Haus bevorzugt jedoch Lumentum gegenüber Coherent, weil bei Coherent der Legacy-Geschäftsbereich (kommerzieller Laser) langsamer wächst.

Als zusätzlicher „Swing Factor“ steht der FCC-Entwurf zur Debatte: B. Riley interpretiert damit verbundene Kursanstiege als eher kurzfristige Stimmung, Jefferies nennt die Nachricht dagegen „directionally bullish“ – mit dem Hinweis, dass chinesische Anbieter einen großen Marktanteil halten.

Fazit & Ausblick

Für die Sitzung am Mittwoch nach Börsenschluss wird entscheidend sein, ob Coherent die InP-6-Zoll-Transition mit konkreten Liefer- und Ramp-Indikatoren untermauert und ob sich die erwartete Dynamik in Richtung Transceiver-Revenue bereits anbahnt. Anleger sollten im Earnings Call besonders auf Aussagen zur September-Kapazitätsverdopplung, zur Übergangsgeschwindigkeit von Produktion zu Umsatz sowie auf die Ausblicke für das vierte Quartal des fiskalischen Jahres 2026 und das erste Quartal des fiskalischen Jahres 2027 achten.

Parallel bleibt die regulatorische Entwicklung rund um den FCC-Entwurf zum Transceiver-Verbot ein kurzfristiger Kurstreiber. Auf der strategischen Agenda dürfte die CPO/NPO-Umsetzung weiterhin bis in die zweite Jahreshälfte 2027 hinein im Fokus stehen – dann, wenn das Skalierungsfenster voraussichtlich startet.

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