Software Aktien jetzt kaufen? Speicheraktien vor Einbruch?
In der aktuellen Ausgabe des Podcasts “Aktientalk” sprechen unser Goldesel Michael Flender und Daniel von Investflow über die Frage, ob es jetzt endlich an der Zeit sein könnte, Software Aktien wieder zu kaufen. Es werden einige aussichtsreiche Kandidaten kurz vorgestellt.
Außerdem beleuchten unsere Experten die aktuelle Lage im Sektor der Speicheraktien und bei Volkswagen und Uber, die beide aktuell vor operativen Problemen stehen.
Zudem wird über die zuletzt gute Entwicklung bei Meta und einen starken Einbruch nach den Quartalszahlen bei Pepsi berichtet.
Warum VW bis zu 4 Werke schließen könnte, welche Software Aktien jetzt spannend sind und warum das Ende des Superzyklus bei Speicheraktien erreicht sein könnte, das und vieles mehr erfahrt ihr in der aktuellen Podcast-Episode bei Apple Podcasts, Spotify oder direkt bei YouTube.
Marktlage: Stabil an der Oberfläche, nervös darunter
Die allgemeine Marktverfassung ist auf den ersten Blick gar nicht schlecht. Die Indizes halten sich robust, auch Rücksetzer werden bislang oft wieder gekauft. Trotzdem ist die Marktbreite nicht unbedingt gesund. Es ist eben nicht so, dass alles läuft. Vielmehr wechseln sich starke und schwache Sektoren inzwischen fast täglich ab.
Gerade bei Speicheraktien hat man zuletzt gesehen, wie schnell das Sentiment kippen kann. Micron und Sandisk waren technisch zeitweise tief im Korrekturmodus, bevor dann wieder eine Erholung einsetzte. Dieses Muster sieht man momentan häufiger: keine lineare Aufwärtsbewegung mehr, sondern deutlich mehr Schwankung.
Hinzu kommen die bekannten Makrothemen:
- Anleiherenditen und Inflation bleiben relevant.
- Der US-Verbraucher zeigt erste Ermüdungserscheinungen.
- KI bleibt einer der zentralen Börsentreiber.
- Geopolitik kann jederzeit wieder für Volatilität sorgen.
Vor allem geopolitisch bleibt die Lage unangenehm. Nahost ist nicht vollständig verschwunden, nur kurzfristig aus dem Fokus gerückt. Gleichzeitig gibt es rund um den Ukrainekrieg weiter Eskalationssorgen. Solche Themen wirken immer dann besonders stark, wenn die Märkte ohnehin nervös sind.
Ein weiterer Punkt: Die Stimmung in Deutschland ist wirtschaftlich spürbar gedrückt. Industrieproduktion, Energiekosten, politische Unsicherheit und sinkende Wettbewerbsfähigkeit sind keine kleinen Randthemen mehr. Das zeigt sich nicht nur in Stimmungsindikatoren, sondern inzwischen sehr konkret bei großen Konzernen.
VW unter Druck: Weniger Modelle, weniger Werke, weniger Spielraum
Volkswagen steckt weiter in einer extrem schwierigen Lage. Nachdem schon länger über harte Einschnitte spekuliert wurde, werden die Pläne nun greifbarer. Es steht im Raum, dass rund 120.000 Stellen betroffen sein könnten. Außerdem sollen wohl vier Werke auf den Prüfstand kommen. Selbst bekannte Standorte stehen damit nicht mehr unangetastet da.
Besonders bemerkenswert ist aber ein anderer Punkt: VW will offenbar ungefähr die Hälfte aller Modelle in den kommenden Jahren streichen. Dazu soll auch das Variantenchaos bei Motoren und Ausstattung massiv reduziert werden. Teilweise ist von einer Kürzung um bis zu 75 Prozent die Rede.
Das klingt hart, ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht aber nachvollziehbar. Wenn die Produktion von früher rund 12 Millionen Fahrzeugen in der Spitze auf etwa 9 Millionen sinkt, dann ist klar, dass die bestehende Struktur nicht mehr passt. Zu viele Werke, zu viele Varianten, zu hohe Komplexität.
Die eigentlichen Probleme liegen tiefer:
- schwache Auslastung
- harte Konkurrenz aus China
- schwache Margen bei Elektroautos
- hohe Produktionskosten in Deutschland
- fehlender Softwarevorsprung
Gerade China ist brutal. Wenn bei Mercedes die Absatzzahlen dort um 30 Prozent im Quartal zurückgehen, dann sieht man, wie ernst die Lage für die gesamte deutsche Autoindustrie ist. Die früheren Burggräben funktionieren nicht mehr.
Und dann kommt noch das Produktproblem hinzu. Moderne chinesische Fahrzeuge wirken im Innenraum, bei Ladeleistung, Ausstattung und Preis teilweise wie aus einer anderen Liga. Das macht es deutschen Herstellern extrem schwer, ihre Preisstruktur zu halten.
Die Wahrheit ist unangenehm: VW muss sparen, vereinfachen und schneller werden. Die Alternative wäre, das Problem noch länger mitzuschleppen, bis es irgendwann nicht mehr steuerbar ist.
Waymo expandiert weiter und Uber bekommt ein langfristiges Problem
Waymo macht den nächsten Schritt und expandiert nach Las Vegas. Weitere Städte wie Denver, San Diego und Tampa sollen folgen. Das ist spannend, weil sich damit ein Trend weiter verfestigt: Waymo setzt offenbar zunehmend auf die eigene Plattform und nicht auf Uber als zentralen Partner.
Genau das ist der Knackpunkt für Uber. Kurzfristig ist das Geschäft weiterhin stark. In vielen Städten ist Uber tief verankert, hat Pickup-Zonen, eine große Nutzerbasis und eine gut funktionierende Infrastruktur. Aber langfristig könnte das Robotaxi-Thema zu einem strukturellen Risiko werden.
Der Grund ist einfach: Wenn autonome Flotten skalieren, fällt der Fahrer als Kostenblock weg. Damit verändert sich das Preisgefüge fundamental. Wer dann keine eigene starke Robotaxi-Lösung hat, gerät unter Druck.
Aktuell läuft es auf einen möglichen Zweikampf hinaus:
- Waymo mit Alphabet im Rücken
- Tesla mit einer eigenen Plattformstrategie
Wenn beide Seiten ihre Systeme eigenständig ausrollen, bleibt für Uber mittelfristig weniger Platz, als viele derzeit einpreisen. Natürlich hat Uber Kooperationen, und der Markt ist riesig. Es gibt unzählige Städte, Flughäfen und Regionen. Selbst bei schneller Expansion ist noch viel Raum vorhanden. Es bleibt aber ein mittelfristiges Risiko für das zukünftige Geschäft von Uber.
Speicheraktien: Noch ein Boom, dann womöglich der große Knick?
Bei Speicheraktien ist die Lage derzeit fast lehrbuchartig zyklisch. Für das kommende Jahr rechnen einige Schätzungen noch mit einem Preisanstieg von bis zu 50 Prozent. Gleichzeitig mehren sich Berichte, dass es spätestens ab 2028 zu massiven Preiseinbrüchen kommen könnte.
Genau das macht den Sektor so schwierig. Kurzfristig sehen die Zahlen hervorragend aus. Mittelfristig wird aber schon auf die nächste Überkapazität geschaut. Und an der Börse zählt eben nicht nur, was in den nächsten zwei Quartalen passiert, sondern was in den kommenden 12 bis 18 Monaten eingepreist wird.
Was spricht für Vorsicht?
- Samsung baut Kapazitäten massiv aus.
- SK Hynix nutzt den Rückenwind ebenfalls für Expansion.
- Micron will bis 2035 gewaltige Summen in den USA investieren.
- Der Speicherbereich bleibt in vielen Segmenten stark standardisiert.
Gerade bei DRAM und NAND zeigt sich immer wieder dasselbe Muster. In der Knappheitsphase explodieren Preise und Margen, später kippt das Ganze oft brutal in die andere Richtung. Das war schon früher so und dürfte auch diesmal nicht ewig anders bleiben.
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PepsiCo nach Zahlen unter Druck: Kein Desaster, aber ein Markenproblem
PepsiCo hat nach den Zahlen einen deutlichen Rücksetzer erlebt. Das Interessante daran: Die Zahlen selbst waren nicht katastrophal. Der Umsatz lag sogar leicht über den Erwartungen, der Gewinn leicht darunter. Die Jahresprognose wurde nicht einkassiert.
Trotzdem bleibt das Bild schwierig. Die Net Revenues stiegen um 6,4 Prozent, organisch lag das Wachstum bei 2,4 Prozent. Das ist okay, aber eben nicht stark genug, um die Skepsis einfach wegzuwischen.
Die eigentlichen Problemzonen:
- Preissensibilität der Konsumenten
- Inflation und hohe Spritpreise
- Schwäche bei Snacks durch Preisanpassungen
- rückläufige Volumina im nordamerikanischen Getränkegeschäft
Besonders bitter ist, dass Pepsi bei der Kernmarke schon länger Marktanteile verliert. Andere Marken, darunter auch klassische Konkurrenzprodukte, haben zuletzt Boden gutgemacht. Das ist für ein Unternehmen, dessen Name direkt mit dem Hauptprodukt verbunden ist, kein Nebenthema.
PepsiCo hat in der Vergangenheit bei Preiserhöhungen an manchen Stellen wohl etwas überzogen. Das hat Volumen gekostet. Gleichzeitig hat Coca-Cola viel in Marke und Marketing investiert und damit die eigene Position verteidigt. So entsteht mit der Zeit ein echter Unterschied in der Wahrnehmung.
Das macht PepsiCo nicht zu einem schlechten Unternehmen. Aber die Story ist aktuell deutlich komplizierter, als es bei einem klassischen defensiven Konsumwert viele erwarten würden.
Meta greift OpenAI und Anthropic an
Bei Meta läuft der Newsflow derzeit ausgesprochen stark. Nachdem bereits klar wurde, dass Meta im Cloud- und Infrastrukturthema deutlich offensiver denkt, kommt nun noch eine weitere spannende Entwicklung dazu: ein neues Modell namens Musk Spark.
Dieses Modell soll in mehreren Benchmarks direkt vorne mitspielen. In einzelnen Bereichen wie Recht, Steuerthemen und administrativer Unterstützung im Gesundheitswesen schneidet es wohl sogar besser ab als einige sehr bekannte Konkurrenzmodelle.
Das ist deshalb relevant, weil Meta lange dafür kritisiert wurde, gigantische Summen in Rechenzentren und Capex zu stecken, ohne dass für den Markt klar sichtbar war, was konkret daraus entsteht. Jetzt zeigt sich zunehmend, dass Meta mehrere Optionen hat:
- eigene KI-Modelle monetarisieren
- Rechenleistung eventuell extern anbieten
- KI direkt in die eigenen Apps integrieren
- neue Umsatzquellen jenseits der Werbung aufbauen
Schätzungen zufolge könnte allein das neue Cloudgeschäft bis 2031 über 30 Milliarden US-Dollar Umsatz bringen. Damit würde Meta endlich einen nennenswerten zweiten Pfeiler neben Werbung aufbauen. Das war lange genau der Punkt, auf den viele gewartet haben.
Zusätzlich spannend: Meta scheint bei Preis und Zugänglichkeit aggressiv zu sein. Wenn leistungsfähige Modelle günstiger angeboten werden als die Konkurrenz, kann das durchaus Marktanteile bringen. Und Meta hat einen Vorteil, den man nie unterschätzen sollte: Distribution.
Mit WhatsApp, Instagram, Facebook und weiteren Plattformen besitzt Meta eine enorme Reichweite. Wenn daraus echte KI-Nutzung entsteht, kann sich das sehr schnell skalieren. In Kombination mit den Smart-Glasses und dem restlichen Ökosystem wird die Story wieder deutlich interessanter.
Sind Softwareaktien jetzt am Wendepunkt?
Das vielleicht spannendste Thema ist aktuell der Softwaresektor. Viele Softwareaktien haben in den vergangenen Wochen begonnen, sich zu stabilisieren oder sogar zu erholen. Trotzdem ist der Sektor insgesamt immer noch weit von alten Euphoriephasen entfernt. Genau deshalb stellt sich die Frage: Entsteht hier gerade eine Chance?
Die Börse sieht im Moment vor allem drei große Risiken für Softwareunternehmen:
- Seat-based Pricing gerät unter Druck, weil nicht mehr nur pro Nutzerlizenz bezahlt werden soll.
- KI-Agenten könnten die klassische Benutzeroberfläche verdrängen.
- Individuelle Anpassungen könnten dank KI einfacher intern gebaut werden.
Diese Risiken sind real. Aber sie bedeuten nicht automatisch, dass etablierte Softwareanbieter verlieren müssen. Viele reagieren längst.
1. Vom Seat-Modell zu Token und Outcome
Immer mehr Anbieter bewegen sich weg vom reinen Lizenzmodell pro Nutzer. Stattdessen geht es in Richtung tokenbasierte Nutzung oder sogar erfolgsabhängige Vergütung. Das bedeutet: Nicht mehr die Anzahl der Nutzer ist der entscheidende Hebel, sondern der tatsächliche Verbrauch oder der geschaffene Mehrwert.
Für die Anbieter kann das sogar attraktiv sein, wenn die KI-Nutzung steigt.
2. Eigene KI-Agenten statt Fremdangriff
Die großen Konzerne schlafen nicht. SAP hat mit Joule einen eigenen KI-Agenten. Salesforce treibt Agentforce voran. Andere bauen ebenfalls tief integrierte KI-Lösungen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wer die Daten, Workflows und Sicherheitsstrukturen eines Unternehmens bereits kontrolliert, hat eine gute Ausgangsbasis.
Gerade in großen Unternehmen werden Mitarbeitende eher auf integrierte, freigegebene Lösungen zugreifen als auf wilde externe Tools.
3. Do-it-yourself ist schwerer als gedacht
Ja, KI kann beim Bauen von Software helfen. Aber damit ist das Thema nicht erledigt. Es braucht saubere Daten, Tests, Wartung, Governance und Haftung. Genau hier liegt ein oft unterschätzter Punkt: Wenn etwas schiefgeht, haftet nicht die KI. Unternehmen wollen verlässliche Systeme, nicht nur schnellen Code.
Das sieht man auch an aktuellen Entwicklungen. Starbucks experimentiert wohl damit, mithilfe von KI eigene Software für Bestandsverwaltung, Wartung und Kassensysteme zu entwickeln und so Lösungen von Microsoft, IBM oder Oracle zu ersetzen. Das klingt zunächst bedrohlich für den Sektor.
Aber man sollte die Sache sauber einordnen:
- Es geht um spezielle Teilbereiche, nicht um den kompletten Software-Stack.
- Die Tests laufen noch, der Erfolg ist offen.
- Selbst bei Erfolg dauert die Umsetzung bis Ende 2027.
- Eigene Entwicklung ist nur für sehr große Konzerne mit Skaleneffekten realistisch.
Genau das zeigt eigentlich auch, wie komplex das Ganze ist. Es ist eben nicht so, dass jedes Unternehmen morgen mal schnell seine komplette Unternehmenssoftware selbst baut.
Welche Softwareaktien wirken besonders interessant?
SAP
SAP wirkt für viele plötzlich wieder spannend, obwohl das früher nicht unbedingt die erste Aktie war, an die man bei Softwarewachstum gedacht hätte. Der Konzern profitiert von einem starken Cloud-Migrationszyklus. Viele Bestandskunden müssen umstellen, der Auftragsbestand ist hoch, und die Skepsis im Markt scheint teilweise überzogen.
ServiceNow
ServiceNow bleibt für viele ein echtes Wachstumsmonster. Die Wachstumsraten sind weiterhin stark, die Position im Enterprise-Umfeld ist exzellent. Die Bewertung ist höher als bei anderen, aber operativ gehört ServiceNow nach wie vor zu den überzeugendsten großen Softwarestories.
Salesforce
Bei Salesforce wird genau auf Agentforce geschaut. Es gab zuletzt skeptischere Stimmen, ob die Beschleunigung schnell genug kommt. Gleichzeitig ist unklar, was die echte Alternative sein soll, wenn selbst die direkte Nutzung von Unternehmensdaten für KI oft noch schwierig ist. Deshalb bleibt das Bild gemischt, aber keineswegs hoffnungslos.
Wolters Kluwer und Adobe
Auch andere Softwaretitel aus Daten-, Wissens- und Kreativbereichen wirken teils erstaunlich günstig. Teilweise werden Free-Cashflow-Renditen aufgerufen, die für Qualitätssoftware schon sehr attraktiv aussehen. Genau dort könnte die Skepsis des Marktes am Ende zu groß geworden sein.
Fazit: Viele Baustellen, aber auch echte Chancen
Die aktuelle Börsenphase ist nichts für den Autopilot. Es gibt politische Risiken, konjunkturelle Fragezeichen und gleichzeitig enorme technologische Umbrüche. Genau das sorgt aber auch dafür, dass in einzelnen Aktien und Sektoren wieder interessante Chancen entstehen.
VW steht vor harten, aber notwendigen Entscheidungen. Waymo erhöht den Druck auf Uber. Speicheraktien könnten kurzfristig noch stark bleiben, mittelfristig aber an einem Zykluspeak arbeiten. PepsiCo zeigt, dass selbst defensive Konsumtitel operative Probleme haben können. Meta gewinnt wieder an Fantasie. Und Softwareaktien sehen deutlich weniger verloren aus, als der Markt zeitweise unterstellt hat.
Gerade bei Software könnte sich gerade ein Wendepunkt bilden. Nicht, weil alle Risiken verschwunden wären. Sondern weil der Markt in vielen Fällen vielleicht zu einseitig auf Disruption geschaut und zu wenig darauf geachtet hat, dass die etablierten Unternehmen ebenfalls handeln, investieren und sich anpassen.
Die anstehende Berichtssaison dürfte deshalb extrem wichtig werden. Sie wird zeigen, ob die ersten Erholungsbewegungen nur ein Strohfeuer waren oder ob sich bei Softwareaktien tatsächlich ein tragfähiger Boden bildet.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert: Service Now.