Robotaxi-Premiere in London: Uber fährt los – vor Waymo und Baidu
Symbolbild / KI-Visualisierung. Keine offizielle Produktabbildung — Angaben im Artikel prüfen.
London hat ab heute einen neuen Verkehrsteilnehmer: Uber lässt automatisch gesteuerte Wagen mit Technik des britischen KI-Unternehmens Wayve durch die Stadt fahren. Es ist die erste robotaxi-ähnliche Flotte dieser Art in Großbritannien – und ein zeitlicher Coup: Sowohl Waymo als auch Baidu stehen in Europa noch am Anfang. Der Start fällt auf einen Tag, an dem die Spartenews sonst eher ruhig ist, und rückt die Frage nach dem selbstfahrenden Auto zurück in die europäische Diskussion.
Das Interesse ist groß: Über 140.000 Londoner haben sich für den Service vorgemerkt. Für Uber ist der Tag mehr als eine technische Demonstration – es ist der Versuch, sich als Plattform für autonome Mobilität zu etablieren, bevor die großen US- und chinesischen Wettbewerber es tun.
Eine Premiere für Großbritannien
Automatisch fahrende Autos ohne menschliche Sicherung sind in Europa bislang selten. In den USA fahren robotaxis in mehreren Städten im Regelbetrieb, in China etwa in Wuhan und Peking. Großbritannien hatte lange auf regulatorische Grundlagen gesetzt, die einen solchen Betrieb überhaupt erst erlauben. Mit dem Start in London ist das Land nun das erste im Vereinigten Königreich, in dem Uber-Kunden per App automatisch fahren können.
Die Technik stammt von Wayve, einem Londoner Unternehmen, das auf KI-basiertes Fahren setzt und zu den bekanntesten europäischen Playern im Feld gehört. Uber bringt die Kundenseite mit: die App, Millionen Nutzer und Erfahrung im Betrieb von Fahrdiensten in einer der verkehrsreichsten Städte Europas.
140.000 Vormerkungen – der Verbraucher-Anteil der Geschichte
Für ein neues Mobilitätsangebot ist die Zahl bemerkenswert: Über 140.000 Londoner haben sich vorgemerkt, bevor der Betrieb überhaupt startet. Das zeigt zweierlei. Erstens gibt es in der Bevölkerung eine echte Neugier auf autonome Fahrten. Zweitens funktioniert Ubers klassischer Vorteil auch hier: die App als Sammelstelle für Nachfrage. Wer sich vorgemerkt hat, wird nach und nach Zugang bekommen.
Für Uber ist das Wartelisten-Volumen zugleich ein Argument gegenüber Behörden und Partnern. Eine Flotte, die von Anfang an ausgelastet ist, rechtfertigt den Betrieb eher als ein Pilotprojekt, das auf Fahrgäste wartet.
Vor Waymo und Baidu: Warum der Zeitpunkt zählt
Das Rennen um Europa ist noch offen, aber die Reihenfolge der Starts wird es mitentscheiden. Waymo, die Schwester von Google-Mutter Alphabet, gilt als technologischer Marktführer und hat in den USA deutlich mehr Erfahrung im regulierten Betrieb – auf dem Kontinent ist sie aber noch nicht unterwegs. Baidu hat in China mit dem Dienst Apollo Go große Mengen an Fahrten angesammelt, fehlt in Europa bislang der Einstieg.
Uber hat mit dem Londoner Start nun eine Position besetzt, die beide noch offen hatten: der erste robotaxi-ähnliche Service in einem westeuropäischen Großstadtmarkt. Wer zuerst fährt, sammelt nicht nur Fahrten, sondern auch Daten über britische Verkehrsverhältnisse, Behörden-Kontakte und das Vertrauen von Fahrgästen. Das sind Vorteile, die sich später nur schwer aufholen lassen.
Uber positioniert sich neu – als Plattform, nicht nur als Fahrdienst
Der zweite Coup neben dem Datum steckt in der Rolle. Uber tritt in London nicht als Hersteller der Technik auf, sondern als Plattform, auf der fremde autonome Software läuft. Das Modell kennt man von der Kooperationsstrategie des Konzerns in den USA, wo Uber mit mehreren Robotaxi-Anbietern zusammenarbeitet. In Europa ist Wayve nun der erste Partner dieser Art.
Für die Aktie ist das eine längerfristige Story: Uber kann über das Modell mehreren Technologieanbietern Zugang zu seiner Nachfrage geben, statt selbst Millionen in die Fahrzeugentwicklung zu stecken. Ob sich das in den Zahlen niederschlägt, hängt davon ab, wie schnell autonome Fahrten vom Pilotbetrieb in den normalen Geschäftsbetrieb übergehen – und wie viele Städte folgen.
Europa als nächstes Wettbewerbsfeld
Wenn der Londoner Betrieb funktioniert, könnte Europa zum dritten großen Robotaxi-Markt neben den USA und China werden. Die Einzelheiten anderer Städte sind noch nicht spruchreif, aber die Richtung ist klar: Waymo und Baidu dürften nicht lange zusehen wollen, wie Uber den Kontinent allein besetzt. Mehrere Anbieter im Wettbewerb wären für Fahrgäste gut – für Uber heißt das, den Vorsprung jetzt in weitere Märkte zu übersetzen.
Auf die Tagesform des Titels hatte der Start bislang keinen sichtbaren Ausschlag, der Handel verlief ruhig. Die eigentliche Messgröße für Anleger wird nicht der Kurs an diesem Mittwoch sein, sondern wie viele der 140.000 Vorgemerkten tatsächlich fahren – und wie schnell die nächste europäische Stadt folgt.
Mehr zum Start des Robotaxi-Dienstes bei Goldesel.
Offizielle Quellen