Je größer, desto besser?
Die Regel, dass hochkapitalisierte Unternehmen (Megacaps) in diesem Jahr besser performen als die meisten anderen, ist offensichtlich. Keiner kommt umhin zu erkennen, dass etwa die Aktie von Microsoft fast ein Drittel zugelegt hat, jene von Meta hat sich fast verdoppelt.
Selbst Amazon, welches mit den Quartalszahlen etwas enttäuschte (der Ausblick war verhalten), ist doppelt so schnell gestiegen wie der Gesamtmarkt (S&P 500). Die Rally lässt sich bis zu einem gewissen Grad erklären. Einige Unternehmen waren spottbillig. Metas Marktkapitalisierung rutschte auf 243 Mrd. USD ab. Trotz Gewinnrückgangs lag das KGV zu diesem Zeitpunkt nur noch bei 11. Ein Unternehmen, welches die Hälfte der Weltbevölkerung erreicht, ist auf einem solchen Niveau einfach billig.
Zum Teil lässt sich die Rally auch erklären, weil es weniger schlimm kam als zunächst befürchtet. Im IT-Bereich sparen Unternehmen. Daher wurde bei Microsoft oder auch Amazon Web Services Schlimmes erahnt. Es kam nicht ganz so dramatisch.
Der Rest des Marktes hinkt den Megacaps hinterher. Der S&P 500 Index, der nicht nach Marktkapitalisierung berechnet wird, sondern jedem Unternehmen das gleiche Gewicht zuteilt, liegt in diesem Jahr kaum im Plus. Also: Je größer, desto besser?
Kurzfristig ist es so, langfristig ist es eher die Ausnahme. In 100 Jahren Börsengeschichte konnten Small und Microcaps hochkapitalisierte Unternehmen deutlich schlagen (Grafik 1). Je mehr Jahre vergehen, desto größer wird der Abstand.

Megacaps, derzeit ungefähr die größten 150 Unternehmen, legen im langjährigen Durchschnitt 5,5 % zu. Large Caps (ungefähr der S&P 500) bringt es immerhin auf knapp 6 %. Small Caps erreichen 7,9 % und die kleinsten Unternehmen, Microcaps, können 9 % pro Jahr ausweisen.
Die Daten geben eine klare Empfehlung. Wer langfristig die höchste Rendite erreichen will, muss in die kleinsten Unternehmen investieren. Phasenweise, wie jetzt, oder zuletzt in den 90er Jahren, kann der Rat ein schlechter sein. Megacaps können immer wieder glänzen.
Dies zeigt sich, wenn man nicht 100 Jahre am Stück betrachtet, sondern die annualisierte 10-Jahresperformance (Grafik 2). Selbst wenn Megacaps outperformen, tun sie es meist nur in geringem Umfang. Die Underperformance ist im Vergleich dazu groß, wenn sie auftritt.

Der Grund für die Outperformance von Kleinunternehmen ist mehr oder weniger klar. Ein Unternehmen mit 200 Mio. USD Umsatz kann schneller wachsen als Apple mit 400 Mrd. USD. Zudem kennen die wenigsten Anleger die zweite und dritte Börsenliga. Bewertungen sind oft tiefer. Microcap ETFs gibt es wenige. Alternativ kann man einen Small Cap ETF halten, z.B. IE00BF4RFH31 (iShares MSCI World Small Cap Index).
.
Clemens Schmale
Das war ein Beitrag aus stock3 PLUS, der exklusiv für Goldesel-Leser kostenlos erscheint.
Hier geht es zu allen meinen Beiträgen auf stock3.com
.