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stock3 in Börsennews

23.03.2023 10:30

Blogartikelbild Diese Krise steht erst am Anfang, nicht am Ende

Diese Krise steht erst am Anfang, nicht am Ende

Ob die Bankenkrise tatsächlich schon vorbei ist, bleibt abzuwarten. Es ist für die Folgekrise ohnehin unerheblich. Die bisherigen Geschehnisse haben einen Stein ins Rollen gebracht, der nicht einfach aufzuhalten ist. Dabei geht es nicht um den Kollaps des Finanzsystems. Dieses wird auf die eine oder andere Art weiterhin funktionieren.

Der Schaden ist angerichtet. Die Krise wird auf die Realwirtschaft übergreifen. In einer Situation wie der jetzigen können Banken nämlich nicht anders, als ihre Risiken zu reduzieren.

Banken sind gezwungen, ihre Bilanzen in Ordnung zu bringen, komme, was wolle. Eine Bank, die jetzt nicht aktiv daran arbeitet, Risiken zu reduzieren, kann man praktisch gleich zusperren. In der Praxis bedeutet dies, dass die Kreditvergabe eingeschränkt wird. Kredite sind eines der größten Risiken für Banken.

Bereits vor der Zuspitzung haben Banken die Kreditvergabekriterien deutlich verschärft. Kredit ist das Schmiermittel des Wachstums. Werden die Kriterien verschärft, fällt das Wirtschaftswachstum wenig später (Grafik 1).

Derzeit stehen vor allem kleinere und Regionalbanken unter Druck. Gerade diese Banken sind für die Wirtschaft zentral. Sie vergeben 50 % aller Unternehmenskredite. Bei Immobilienkrediten (Wohneigentum) ist es mehr als die Hälfte und bei Krediten für Gewerbeimmobilien sogar mehr als zwei Drittel (Grafik 2).


Gewerbeimmobilien befinden sich in einer eigenen Krise. Die Preise sind seit dem Hoch vor einem Jahr bereits um 15 % gefallen. Immer mehr Eigentümer müssen negatives Eigenkapital ausweisen. Langsameres Wachstum und eine nun drohende Rezession helfen ebenfalls nicht…

Es ist absehbar, dass Rückstellungen für Immobilienkredite deutlich erhöht werden müssen. Dies kommt zu einer Zeit, da Anleger Einlagen abziehen und sich Banken daher zusätzliche Liquidität über Refinanzierungsprogramme der Fed beschaffen müssen. Diese Liquidität ist nicht gratis. Man kann zusehen, wie die Margen der Banken stündlich fallen.

Das Gebot der Stunde heißt Risikoreduktion. Eine Kreditklemme zu vermeiden, ist fast ausgeschlossen. Aus der Bankenkrise wird eine realwirtschaftliche Krise. Die Annahme, dass es nicht dazu kommt, ist naiv.

Die Auswirkungen einer Risikoreduktion bei Banken sind nicht sofort spürbar. Das ist auch ein Grund, weshalb es zwischen den ersten Problemen auf dem Immobilienmarkt in den USA 2006/07 lange dauerte, bis die Krise eskalierte und die Realwirtschaft mitriss. Für Anleger gibt es nur zwei Szenarien. Entweder eskaliert die Krise nochmals in hoher Geschwindigkeit (kurze und schmerzvolle Aktienmarktkorrektur) oder die akute Krise wird behoben (wonach es aktuell aussieht) und die realwirtschaftlichen Folgen führen mit Verzögerung und über den Umweg einer Rezession zu Kursverlusten.

Clemens Schmale

Dies ist ein eigentlich auf stock3 PLUS erschienener Beitrag, der exklusiv für Goldesel-Nutzer frei lesbar ist.

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