Der nächste Hype beim Thema Kernfusion & Vorsicht bei Chip-Aktien
In der aktuellen Ausgabe des Podcasts “Aktientalk” sprechen unser Goldesel Michael Flender und Daniel von Investflow über den Sektor, der den nächsten großen Hype auslösen könnte – gemeint ist hier das Thema rund um Energie aus Kernfusion.
Außerdem beleuchten unsere Experten die aktuelle Lage bei Sk Hynix und Samsung. Letztere konnte den Gewinn um das 19-fache steigern und ist nach Veröffentlichung der Zahlen trotzdem gefallen.
Zudem wird über die zuletzt gute Entwicklung bei Meta und die nun anstehende Berichtssaison gesprochen.
Warum unsere Podcast-Hosts bei Chip-Aktien aktuell zur Vorsicht mahnen, weshalb Meta sich aktuell positiv entwickelt und welche Chancen das Thema Kernfusion bietet, das und vieles mehr erfahrt ihr in der aktuellen Podcast-Episode bei Apple Podcasts, Spotify oder direkt bei YouTube.
Der Markt läuft gut, aber nur für wenige
Auf Indexebene sieht das Bild weiterhin ordentlich aus. MSCI World stark, Nasdaq noch stärker. Wer nur auf die großen Indizes schaut, könnte meinen, alles läuft rund.
Das Problem ist nur: Vieles wird von wenigen Aktien getragen. Unter der Oberfläche sieht es deutlich wilder aus. Gerade bei Einzelwerten ist das Umfeld schwierig geblieben. Viele Aktien befinden sich längst in deutlichen Korrekturen, obwohl die Indizes noch recht stabil wirken.
Man sieht das besonders in Deutschland. Einige Tech- und Halbleiterwerte haben bereits kräftig Luft abgelassen:
- LPKF Laser deutlich unter früheren Hochs
- Suess Microtec klar vom Top zurückgekommen
- Infineon ebenfalls spürbar unter den Höchstständen
Das ist kein Zufall. Wenn Aktien sich in kurzer Zeit verdoppeln, verdreifachen oder noch stärker laufen, dann ist sehr viel Zukunft bereits eingepreist. Dann reicht es eben nicht mehr, nur gute Zahlen zu liefern. Dann müssen es perfekte Zahlen sein.
Kospi unter Druck: Wenn ein Index an einem Tag fast 8 Prozent verliert
Besonders heftig war zuletzt die Bewegung in Südkorea. Der Kospi stand zwischenzeitlich massiv unter Druck und verlor an einem Handelstag fast 7 bis 8 Prozent, bevor sich die Lage etwas beruhigte. Für einen Index ist das natürlich ein Brett.
Der Hintergrund ist schnell erklärt: Der südkoreanische Markt hängt in diesem Themenfeld extrem stark an wenigen Namen. Wenn dort Samsung und SK Hynix schwächeln oder auch nur Gewinnmitnahmen einsetzen, dann spürt das gleich der ganze Markt.
Das zeigt, wie fragil so ein Momentum-Umfeld sein kann. Es braucht oft keinen echten Kollaps der Fundamentaldaten. Es reicht schon, dass zu viele Marktteilnehmer auf derselben Seite stehen.
Und genau das sehen wir aktuell immer wieder. Vieles passiert inzwischen vor- oder nachbörslich. Große Gaps nach oben oder unten. Intraday folgt dann oft nur noch ein langsames Abröckeln. Die Zeit der ganz einfachen Gewinne ist damit erst einmal vorbei.
Samsung: Gewinn um 19x gesteigert – Aktie fällt trotzdem
Wenn man ein Paradebeispiel für ein klassisches Sell the News sucht, dann liefert Samsung gerade den perfekten Fall.
Das Unternehmen hat den Gewinn im Quartal ungefähr verneunzehnfacht. Das ist nicht einfach gut, das ist absurd stark. Umgerechnet standen rund 51 Milliarden Euro Gewinn im Raum. Noch verrückter: Dieses eine Quartal hat mehr als doppelt so viel Gewinn eingebracht wie das komplette Geschäftsjahr 2025.
Das zeigt zwei Dinge gleichzeitig:
- Das operative Geschäft im Speicher- und Halbleiterbereich läuft extrem stark.
- Solche Gewinnsprünge sind nicht beliebig in die Zukunft fortschreibbar.
Genau hier liegt der Knackpunkt. Wenn ein Unternehmen so gut läuft, ist das natürlich beeindruckend. Aber wenn die Aktie zuvor schon hunderte Prozent gestiegen ist, dann wird selbst ein solches Quartal irgendwann nicht mehr als positive Überraschung wahrgenommen. Dann wird nur noch geschaut, wo das Haar in der Suppe liegt.
Im Fall Samsung wurde unter anderem darauf verwiesen, dass der Umsatz minimal unter dem Marktkonsens lag. Das klingt fast schon lächerlich, wenn gleichzeitig der Gewinn explodiert. Aber so funktioniert Börse in Euphoriephasen eben. Erwartungen steigen schneller als die Ergebnisse.
Warum wir bei Speicher- und Chipaktien gerade vorsichtig bleiben
Die derzeitige Euphorie rund um Speicherchips, KI-Infrastruktur und Halbleiter hat ohne Frage gute Gründe. Die Nachfrage ist hoch, die Preise sind stark gestiegen, die Gewinne schießen nach oben. Aber genau darin liegt auch das Risiko.
Aktuell werden teilweise Mondpreise für Speicher bezahlt. Das kann nicht ewig so weitergehen. Kunden können diese Preissteigerungen nicht unbegrenzt mitgehen. Selbst wenn sie wollten, irgendwann wird es wirtschaftlich unsinnig.
Deshalb ist es aus unserer Sicht gefährlich, die aktuellen Gewinne linear in die Zukunft zu verlängern. Gerade Unternehmen wie Samsung, SK Hynix oder Micron profitieren momentan massiv von einem sehr speziellen Zyklus. Das heißt nicht, dass das Geschäft morgen einbricht. Aber es heißt sehr wohl, dass Anleger vorsichtig sein sollten, wenn sie Höchstbewertungen mit dauerhaftem Superwachstum rechtfertigen wollen.
Hinzu kommt ein weiteres Risiko: Die großen Techkonzerne akzeptieren hohe Margen ihrer Zulieferer oft nur so lange, wie sie keine bessere Alternative haben. Sobald eigene Lösungen entstehen oder sich die Lieferkette verändert, dreht sich das Kräfteverhältnis sehr schnell.
SK Hynix vor dem US-Listing: perfektes Timing für das Unternehmen
SK Hynix plant ein US-Listing per ADR und will damit laut den Erwartungen rund 28 Milliarden Dollar einnehmen. Aus Unternehmenssicht ist das Timing fast schon ideal. Die Aktie ist stark gelaufen, die Stimmung war lange euphorisch, und damit lässt sich Kapital natürlich besonders attraktiv aufnehmen.
Als Anleger sollte man bei solchen Situationen aber besonders aufmerksam sein. Denn ein großes Listing in einer Phase maximaler Begeisterung ist nicht automatisch ein Geschenk für neue Käufer. Oft ist es eher ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen selbst die Gelegenheit nutzt, solange die Nachfrage groß ist.
Gerade in diesen Themenfeldern sollte man sich nicht von Sätzen blenden lassen wie: Ohne diese Firma geht in Zukunft gar nichts mehr. Genau solche Aussagen hört man in Hypephasen ständig.
Das Beispiel Meta zeigt, wie schnell sich das Blatt wenden kann
Ein wichtiger Punkt, der häufig unterschätzt wird: In der Techwelt kann sich die Wettbewerbslage brutal schnell ändern.
Ein gutes Beispiel dafür liefern Unternehmen aus dem Cloud- und Infrastrukturumfeld wie CoreWeave oder Nebius. Dort war ein zentraler Investmentcase, dass der Bedarf an Rechenleistung riesig ist und langfristig stark steigt. Das stimmt grundsätzlich auch. Aber wenn ein Großkunde wie Meta plötzlich beginnt, eigene Kapazitäten aufzubauen, wird aus dem wichtigsten Kunden potenziell ein künftiger Konkurrent.
Das ist gefährlich, weil gleich zwei Probleme entstehen:
- Die Abhängigkeit vom Großkunden wird sichtbar.
- Der neue Konkurrent hat oft viel mehr finanzielle Power und kann mit Kampfpreisen arbeiten.
Das lässt sich auch auf andere KI-Bereiche übertragen. Erst hieß es, ohne Nvidia gehe gar nichts. Dann kamen auf einmal alternative Ansätze wie die TPUs von Alphabet ins Spiel. Nicht jede Aufgabe braucht das teuerste Setup. Gerade große Konzerne können sehr schnell eigene Wege gehen, wenn sie dadurch Kosten sparen.
Wo gerade wieder Chancen entstehen: Software, Gesundheit, Qualität
Während sich im Halbleiterbereich die Lage aufheizt, kommen andere Sektoren zurück auf den Radar. Genau das macht die aktuelle Marktphase so interessant.
Softwarewerte wie ServiceNow oder Salesforce haben zuletzt Stärke gezeigt. Auch im Gesundheitsbereich gab es Erholungsanzeichen. Dazu kommen Qualitätsunternehmen, die operativ solide gearbeitet haben, aber lange Zeit einfach ignoriert wurden.
Das kann in den nächsten Wochen spannend werden. Denn wenn etwas Geld aus den überfüllten Hype-Sektoren abfließt, sucht es sich oft neue Ziele. Und da sind Bereiche interessant, in denen:
- die Bewertungen vernünftiger sind
- die operative Entwicklung stabil bleibt
- die Erwartungen deutlich niedriger liegen
Genau dort entstehen oft die besseren Chancen. Nicht immer in dem Bereich, über den am lautesten gesprochen wird.
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Kernfusion: der nächste große Börsenhype?
Ein Thema, das in den kommenden Jahren riesig werden könnte, ist Kernfusion. Noch ist vieles Zukunftsmusik, aber das Interesse großer Konzerne nimmt bereits klar zu.
Alphabet hat in ein Münchner Startup aus diesem Bereich investiert, Proxima Fusion. In einer Finanzierungsrunde von über 400 Millionen Euro wurde das Unternehmen direkt zum Unicorn mit einer Bewertung von rund 2,7 Milliarden.
Warum das so spannend ist, liegt auf der Hand: KI und Rechenzentren brauchen gewaltige Mengen Energie. Darüber wird oft weniger gesprochen als über Chips oder Server, aber ohne Strom läuft gar nichts. Und zwar nicht ein bisschen Strom, sondern dauerhaft, zuverlässig und rund um die Uhr.
Genau da liegt das Problem klassischer erneuerbarer Energien. Wind und Sonne sind wichtig, aber eben nicht konstant verfügbar. Rechenzentren brauchen jedoch 24 Stunden am Tag stabile Versorgung. Deshalb sichern sich Hyperscaler und Infrastrukturunternehmen zunehmend eigene Energiequellen oder Beteiligungen an entsprechenden Projekten.
Kernfusion passt perfekt in dieses Bild:
- hohe Verfügbarkeit
- potenziell CO2-frei
- direkt nutzbar für große Energieverbraucher wie Rechenzentren
Bis daraus ein reifes Geschäftsmodell wird, kann es noch dauern. Aber als zukünftiges Börsenthema hat dieser Bereich enormes Potenzial. Wenn hier die ersten großen Durchbrüche oder Kommerzialisierungsschritte sichtbar werden, kann daraus schnell ein eigener Hype entstehen.
Weltraumaktien: viel Fantasie, aber auch viel heiße Luft
Neben Kernfusion dürfte auch der Weltraumsektor in den kommenden Jahren weiter heiß bleiben. Space, Quantencomputing, Robotik, Genomik, all diese Zukunftsfelder stehen inzwischen viel stärker im Fokus als noch vor wenigen Jahren.
Besonders auffällig ist aktuell die Euphorie rund um SpaceX. Das Unternehmen ist inzwischen im Nasdaq 100 vertreten, und die Analysten überschlagen sich geradezu mit Kurszielen. Teilweise wird von enormem Aufwärtspotenzial gesprochen, in extrem optimistischen Szenarien sogar von Kursen, die eine völlig neue Weltraumökonomie praktisch schon mit einpreisen.
Das Narrativ dahinter ist bekannt:
- wiederverwendbare Raketen
- Starlink als globales Satellitennetz
- mögliche neue Märkte im All
- langfristig sogar industrielle Infrastruktur außerhalb der Erde
Die Fantasie ist riesig, keine Frage. Aber man sollte trotzdem sauber bleiben. Wenn ein Unternehmen bereits mit rund 2 Billionen Dollar bewertet wird, ist sehr viel Zukunft schon im Kurs enthalten. Das heißt nicht, dass der Sektor unattraktiv ist. Es heißt nur, dass man bei der Bewertung nicht alles unkritisch schlucken sollte.
Auch andere Space-Werte wie Rocket Lab oder AST SpaceMobile bleiben spannend. Gleichzeitig sind diese Aktien extrem anfällig für starke Schwankungen. Wenn die Risikobereitschaft im Markt sinkt, können solche Titel sehr schnell und sehr heftig korrigieren.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert: Netflix.