Börsengang von Anthropic: 265 Milliarden Dollar Cloud-Garantien
Anthropic reicht das S-1-Filing ein. Mit 16,3 Milliarden Dollar Halbjahresumsatz und riesigen Cloud-Deals steuert der KI-Konzern an die Börse.
Aktien im Artikel
Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Börsengang eingereicht: Anthropic plant das Börsendebüt an der Nasdaq unter dem Tickersymbol ANT mit Lead-Underwritern Goldman Sachs, Morgan Stanley und J.P. Morgan.
- Starkes Umsatzwachstum: Der Halbjahresumsatz 2026 kletterte auf 16,3 Milliarden US-Dollar, während der operative Verlust auf 693 Millionen US-Dollar sank.
- Feste Cloud-Verträge: Anthropic hat Mindestabnahmeverträge über 265,6 Milliarden US-Dollar bei Google, Amazon und Microsoft fest vereinbart.
Börsengang an der Nasdaq mit Tickersymbol ANT
Anthropic treibt seinen Gang an die US-Börse voran. Das Unternehmen hat das offizielle Form S-1 für einen Börsengang an der Nasdaq Global Select Market unter dem Kürzel ANT eingereicht. Die Platzierung führen die Investmentbanken Goldman Sachs, Morgan Stanley und J.P. Morgan an. Das geht aus dem offiziellen S-1-Filing bei der SEC hervor. Die konkrete Preisspanne und das geplante Aktienvolumen sind noch offen. Der Erlös soll in Rechenkapazitäten, neues Personal sowie allgemeine Unternehmenszwecke fließen. Zum 30. September 2026 beschäftigte Anthropic rund 5.300 Mitarbeiter.
Die vorgelegten Finanzdaten zeigen ein starkes operatives Wachstum. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte der KI-Entwickler einen Umsatz von 16,3 Milliarden US-Dollar nach 1,16 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Im gesamten Jahr 2025 lag der Umsatz bei 4,59 Milliarden US-Dollar, nach 386 Millionen US-Dollar im Jahr 2024. Der Großteil der Erlöse stammt aus dem nutzungsbasierten Verbrauch: 13,1 Milliarden US-Dollar oder 80 Prozent entfielen in den ersten sechs Monaten 2026 auf verbrauchsabhängige Rechnungen. Die restlichen 3,2 Milliarden US-Dollar brachten klassische Abonnements ein.
Hinter diesem Erlöswachstum steht eine schnell wachsende Kundenbasis im Unternehmensegment. Anthropic zählt mittlerweile über 11.900 Kunden, die jeweils mehr als 100.000 US-Dollar Jahresumsatz einbringen. Ein Jahr zuvor waren es etwas mehr als 950 Kunden gewesen. Über 1.900 Großkunden zahlen mehr als 1 Million US-Dollar pro Jahr, rund 250 Kunden überschreiten sogar die Marke von 10 Millionen US-Dollar.
Operativer Verlust sinkt trotz hohem Nettoverlust
Auf der Ergebnisseite verringerte sich der operative Verlust im ersten Halbjahr 2026 deutlich auf 693 Millionen US-Dollar, verglichen mit 2,14 Milliarden US-Dollar im ersten Halbjahr 2025. Der unbereinigte Nettoverlust lag im Halbjahr allerdings bei 80,7 Milliarden US-Dollar. Ursache hierfür ist ein rein buchhalterischer Effekt: Eine nicht zahlungswirksame Fair-Value-Belastung von 72,4 Milliarden US-Dollar auf ausgegebene Wandelschuldverschreibungen schlug zu Buche. Diese Bewertungspflicht steigt nach US-Rechnungslegung automatisch an, wenn der geschätzte Unternehmenswert zulegt. Im Vorjahr 2025 war zudem eine Vergleichszahlung im Rahmen eines Urheberrechtsstreits über 1,5 Milliarden US-Dollar enthalten gewesen.
Gleichzeitig sitzt Anthropic auf hohen Liquiditätsreserven. Das Unternehmen weist 131,7 Milliarden US-Dollar an Barmitteln und kurzfristigen Anlagen aus. Zusätzlich stehen dem Konzern bis zu 77 Milliarden US-Dollar an Anleihefazilitäten offen. Davon stammen 42 Milliarden US-Dollar von Broadcom, 20 Milliarden US-Dollar von Google und 15 Milliarden US-Dollar von Amazon.
265,6 Milliarden Dollar Mindestabnahme für Cloud-Infrastruktur
Die größte Verpflichtung im Filing betrifft die Rechenleistung. Anthropic hat langfristige, feste Mindestabnahmeverträge für Rechen- und Cloud-Infrastruktur im Gesamtvolumen von rund 265,6 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Diese Summen sind vertraglich zugesagt und müssen unabhängig von der tatsächlichen Nutzung bezahlt werden. Allein im ersten Halbjahr 2026 wendete das Unternehmen 8,9 Milliarden US-Dollar für Rechenleistung und Infrastruktur auf.
Die langfristigen Zusagen verteilen sich im Wesentlichen auf drei große Technologieanbieter: Bei Google beläuft sich die Verpflichtung auf mindestens 114,5 Milliarden US-Dollar mit einer Laufzeit bis Juli 2033. Gegenüber Amazon bestehen Abnahmeverpflichtungen von mindestens 110,0 Milliarden US-Dollar bis April 2036. An Microsoft fließen nach den Verträgen mindestens 44,9 Milliarden US-Dollar bis Mai 2033. Die Betreiber der großen Rechenzentren sichern sich damit feste Einnahmen über die kommenden Jahre.
Sonderstruktur bei Stimmrechten und Eigentumsgrenzen
Die Unternehmensverfassung ist als Public Benefit Corporation aufgebaut, was den Gründern weitreichende Kontrollrechte sichert. Über stimmberechtigte Class-F-Aktien kontrolliert die Founder LLC um das Geschwisterpaar Dario und Daniela Amodei sowie fünf Mitgründer 50,1 Prozent der Stimmrechte. Die Mehrheit des Aufsichtsgremiums wird von einem unabhängigen Gremium ernannt, dem Long-Term Benefit Trust. Reguläre Class-A-Aktien verfügen über eine Stimme pro Aktie, während die an strategische Partner ausgegebenen Class-N-Aktien komplett stimmrechtslos bleiben.
Zudem gelten feste Eigentumsgrenzen für die Geldgeber: Amazon darf maximal 12 Prozent der Anteile halten, Alphabet bzw. Google ist auf höchstens 14,99 Prozent begrenzt. Fünf Prozent der Anteile fließen direkt an den gemeinnützigen Anthropic Public Benefit Fund. Die strategischen Investoren können ihren Einfluss damit trotz hoher Milliardeninvestitionen nicht in direkte Stimmrechtsmehrheiten umwandeln.
Diese Aktien sind mögliche Profiteure
Vom Börsengang und den vertraglich fixierten Infrastrukturzusagen profitieren vor allem die mandatierte Konsortialbanken über Emissionsgebühren sowie die großen Cloud- und Chip-Partner über langfristig garantierte Rechenzentrumsumsätze.
Goldman Sachs, Morgan Stanley und J.P. Morgan führen die Emission als Lead-Underwriter an und erhalten Provisionen für die Platzierung der Aktien. Alphabet, Amazon und Microsoft haben sich durch die festen Mindestabnahmeverträge von 265,6 Milliarden US-Dollar erhebliche Auslastungen für ihre Serverfarmen gesichert, während Broadcom über milliardenschwere Kreditfazilitäten und Netzwerkkomponenten tief in die Hardware-Lieferkette eingebunden ist.
Quellen & weiterführende Berichte